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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 38 (1892) · p. Seite 151

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
38 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 151 (sequence 3)
Language
German
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fc>' ‘ "f£ ■Vf- £ chsirmit der ©ftriang nicht zögern, sondein für morgen Allebereit stelle«. Machen Sie im Lanfr deheutigen Tage« die Gelder flüssig und schicken Sie die Summe m Kassenscheinen an da- Bankhau«; e« ist die« am einfachsten." »Sehr wohl!" versetzte der Prokurist. .Nun Hab« ich nach ein« andere Angelegenheit Ihnen zu unterbreiten. Ich bin in letzterer Zeit zu der Erkenntmß gelangt, daß auf Herrenhos etwa« nicht mit rechten Dingen zugeht.' »Wie meinen Sir da«?' warf Frirdheim voll Spannung ein. »Run, auf Grund eingehender Nachforschungen bin ich überzeugt worden, daß dort grobe Unregelmäßigkeit Vorkommen. Die ersten Anzeichen boten sich mir vor etwa drei Wochen. Ich vermied cs jedoch bisher, dieselben zu Ihrer jfaratnif; zu bringen, da ich zuvor unwiderlegliche Beweise für da« haben wollie, was ich bisher nrr vermuthrte.' »Und welcher Art sind die Unregelmäßigkeiten, die Sie aufgedeckt haben?" »Man macht dort Geschäfte auf eigene Faust' »Geschäfte auf eigene Faust? Wie soll ich das verstehen?' Statt jeder Antwort überreichte Zomber seinem Chef -ei» Schreiben, da« er mit den anderen Briefschaften heute «mpfangen hatte. Dieser las den Inhalt durch, nach welchem «in Stadtkunde sich beschwert, daß ihm ein Mahnschreiben zu- «gaogen sei, obwohl er längst prompt regulirt habe. Er besitz« «ine Quittung über den Betrag mit der Unterschrift der Firma, lautend auf den 27. Februar.' Al« Friedheim das Schreiben aus der Hand gelegt hatte, legte ihm Zomber ein größeres.Geschäftsbuch vor, darr sich mmlerweile hatte reichen lassen. Et war da» Cafsabuch. »Sie werden sich bei Einsicht de» CassabucheS überzeugen können, daß ein Bettag, wie der hier in Bettacht kommende, gar nicht gebucht, also auch nicht ringrgangen ist. ' Eit ist dem Kunden somit eine Quittung mit einer gefälsihtca Unterschrift unserer Firma überreicht worden. Der Fälsck>«r ist keineswegs hier, sondern auf Lserreuhof zu suchen, bc; von dort aus die Effektuirung der Aufträge erfolgt, und man dort genaue Kenntniß von den zu zahlenden Posten hat.' »Da» wäre ja skandalös. ES muß sofort die eingehendste Untersuchung einqeleitct werden." »DieS i>t noch nicht Alle«. ES kommen auch auf Herrenhl'f Waaren zur Versendung, über welch: von dort au» Fak- 'l Irren ausgestellt werden, ohne daß wir Kunde davon eriv; hläten, und die Beträge für solche Posten gehen unmittelbar nach Herren hoi.' * ■ »Das wird ja immer bester. Sollte etwa HauSwald sich solcher gemeiner, ehrloser Manipulationen schuldig machen?' »Ich muß annehnrn, daß die« der Fall ist, da er allein die Leitung auf Herrenhof in Händen ^hat, und nicht« von : dort ausgeführt wttd, was nicht zuvor ihm zu Gesichte ge kommen ist.' »Aber eS ist doch unmöglich daß er ganz allein die 7. Hand hier im Spiele hat.' »Da« nel,me ich auch an. Ja, ich denke mir sogar, ^^daß sich dort.nn Komplott gebildet hat und sowohl einer de r Packer, alt» auch 'der Fuhrknecht mit ihm im Bunde sind.' »Aber um Gottes willen, sagen Sie mir doch wie Sie; zur Entdeckung dieser betrügerischen Handlungen sind?' »Nun, ich werde Ihnen sofort Aufilärung geben, ist es unseren Reisenden zu ihrem lebhaftesten «fremden ausgefallen, daß an verschiedenen Orten Leute im ~ tze unsere- Fabrikates sind, ohne daß dieselben Brstellun» bri ihnen gemacht haben. Auf Betragen haben die beuideo Leute erklärt, es seien Ihnen von der Papieri Herrrnlzof wiederholt Offenen gemacht worden, sie n dann auch bestellt und die gewünschten Waaren er- Run, stehen die Namen all terjenigra Abnehmer, ftäw den Keifenden namhaft werden, gar nicht in unseren Büchern als Knuden verzeichnet; wir unterbalttn keinerlei Verbindung mit ihnen. Die Zusendung der Waaren erfolgt ohne unsere Vermittelung direkt von Herrenhos au». Da« sind die Geschäfte, die dort auf eigene Faust betrielen werden.' »Da» sind jo. ganz erfreuliche Dinge, die ich da höre. Nun, ick werde noch heute die Sache (genauer untersuchen und die erforderlichen Maaßregeln treffen.' In diesem Augenblick ttat einer der Bediensteten an den Chef heran und sagte: .Soeben kam in größter Eile ein Bott aus Herrenhof und überreichte dieses Schreiben. Er war fast auAr Athem und kaum eines Wortes mächtig. Nur das konnte man ver-! stthen, daß auf Herrenhof ein großes Unglück sich ereignet habe.' Friedheim erbrach das Schreiben und las seinen Inhalt. »Mein Gott! Nehmen denn die Hiobsposttn kein Ende? Der arme Grimm!' rief er erbleichend, doch seine Fassung bewahrend. »Lesen Sie!' fuhr er dann fort, das Schreiben seinem Prokuristen reichend. In demselben wurde der entsetzliche Unglückssall gemeldet, den wir bereits erfahren haben. .Entsetzlich!' rief Zomber. »Wir iverden sofort nach Herrenhos fahren müssen. ES beschleichen mich seltsame Bedanken, deren ich mich seit einiger Zeit nicht erwehren kann und ich ahne, daß jene betrügerische Manipulationen und dieser Unglücksfall in gewissen Beziehungen zu einander \ stehen. Ich mag mich vielleicht täuschen, doch kann ich meine | Meinung, für welche wir uns nunmehr die Beweise suchen j müssen, nicht zurückhaltcn.' »Wir werden ja sehen,' sprach Friedheim, »benutze« wir den vor der Thüre stehenden Wagen.' — ES währte nur wenige Minuten und Friedheim und sein Prokurist fuhren nach Herrenhos hinaus.- (Fortsetzung folgt.) dem Leben Amschet Htothschild's. iktn« wahre Geschichte. Eine beliebte und populäre Persönlichkeit Alt-Frankfurts, ein Mann, der mit Glücksgütern gesegnet war, wie nur wenige, der aber auch alS Wohlthäter und Helfer der Armen und Bedrängten bekannt und dies in seinen Stiftungen bethätigte, war Bankier Amschel Rothschild. Bon Fürsten und Machthabern hochgeachtet, hatte er manche Geschenke als Zeichen ihrer Gnade und vorzüglichen Wohlwollens erhalttn, so daß er so viele Prachtstücke hatte, daß wenn er auch einen ganzen Monat täglich eia anderes genommen Hütte, doch nicht alle an die Reihe gekommen sein würden. Da» theuerste von allen war ihm ein Ring, womit Kaiser Franz seine Hand schmückte. Diesen Rmg trug er nur an hohen Festtn und Ehrentagen und erinaertt sich dabei stets mit Rührung an den guten, edlen Kaiser, dessen Andenken in seiner Brust ehrend fortlebte. Einmal übrigens, es war am Passahfest. besuchtt der fron, me Baron Rothschild die Synagoge, um dem Festgottesdieaste beizuwohnen. Nachdem er seine Andacht verrichtet, ging er mtt dem Rabbiner hinaus und lief in lebhaftem Gespräche mit ihm dir Gaffe auf und ab. Wahrscheinlich sind die Hände dabei nicht unthätig geblieben, denn als er nach Hause kam, bemerktt er mit Schrecken, daß ihm jener Ring fehlte. Es wurden sogleich Diener ausgeschickt. die datheure Kleinod suchen sollten, aber ovschon sie überall nachsahen, so war doch jede Spur von demselben verloren. Eine Bekanntmachung über den Verlust unter AuSsetzu ng einer namhaften Belohnung nebst Leibreatt war ebenfalls nicht von Erfolg, trotzdem Alles wasAugen haitt zu sehen, und Füße zum Gehen, bis zur Ermüdung sachte. Bor der Syragogr und in bet Judengasse war ein Drängen. Drücken und

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