Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 38 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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mbel Gelächter an und schalte» mich sogar .Zudeajunge". Die anderen Mitichüler waren sehr empört darüber r»d fveutru sich sogar, als ich ihnen ein Stück Mazza gab, dast« sich erbeten hatten, weil sie daungesäuerte »Dfter&rob* so gern aßen. Es ist doch auch Unrecht, Papa, daß die Eltern ihren Kindern solche Speisen mit zur Schule geben. Der Herr Rordhrim hat uns schon so oft gelehrt, daß wir die Speisegesetze niemals übertreten dürft» und lieber manches entbehren sollten. Der Heller und der Braun kümmern sich gar nicht darum, ja, der eine brachte einmal sogar mit nach der Religioneschnle ein solches Frühstück. Da war aber der Herr Nordheim, der Kund« davon erhalten hatte, böse geworden. Er forderte ihn auf. das Mitgebrachte sofort aus dem Bersche der schule zu schaffen Auf ftine Frage, wie er es dmn wagen konnte, so rücksichtslos zu hanteln, erklärte er. daß er sich gar nichts dabei gedacht hätte, bei ihm zu j)ause werde derartiges täglich genosten." »Es ist traurig, daß heutzutage p etwas möglich ist." sprach Friedhcim. .was aber können die Kinder dafür?' Bei diesen Worten blickte der Sprechende auf seine Uhr. Dann fahr er fort: .Ich sehe, es ist bald Zeit, daß Ihr den Weg zur Schule antretet.' Hugo und Erna entfernten sich, nachdem sie sich von den Eltern verabschiedet hatten. Letztere aber faßen eine Weile sinnend einander gegenüber. — Gar verschieden waren die Gedanken, die sie jetzt beschäftigten. Den Bater erfüllte einerseits ein Gefühl der Befriedigung darüber, daß seine Kinder so strikte seinen Wünschen nachkamen, daß das religiös« Bewußtsein schon so starke Wurzeln bei ihnen gefaßt und ihr Thun und Lasten so sehr beeinfluß:«. Es gewährte ihm eine Genugthuung, daß das Pflichtgefühl der Kleinen so stark entwickelt war, daß eine Verletzung der religiösen Vorschriften ihren Unwillen Hervorrufen konnte, daß sic selbst noch außen hin sich nicht scheuten oder gar schämten, den Lehren und Mahnungen des Vater» und des Lehrers gemäß zu leben. ~ Anterrrseits schmerzte ihn aber auch das Bestreben der eigenen Mutter, seinen Intentionen in den Weg zu treten, und die Kinder planmäßig von der Bahn abzulrnken, die er im Bunde mir der Schule ihnen vorzuzeichnen bestrebt war. Es erbitterte ihn, oaß die Mutter da niederriß, wo er aufbauen wollte. — Und di« Mutter — sie war wiederum ungehalten darüber, daß ihre Kinder schon so eingeengt und isolirt wurden gegenüber so manche ihres Standes, daß es ihnen immer mehr versagt ward, ganz der Befriedigung ihrer Wünsch« ohne irgend welche Beschränkung leben zu können. Sft fand rS gerade lachhaft, daß man Dinge, die nach ihrer Ansicht für das gesellschaftliche Leben geradezu werthlos seien, bevorzuge vor solchen, die von Allen allüberall sorglichst gehegt und gepflegt werden — Sin leiser Borwurf that sich daher in Folge der sie l*schäftigmden Gedanken in ihren Blicken kund, aber beide scheuten sich, diesen Borwurf in Worte zu fasten. ES war daher Beiden das plötzliche Erscheinen des Diener-, der Herrn Frftdheim ein Schreiben überreichte, sehr erwünscht. — Nachdem der Diener sich entfernt hatte, erbrach Friedheim dvS Schreiben. Als er es gelesen, erhob er sich sofort und sprach: „Es muß sich etwas Außergewöhnliches zugetragen haben, denn Heci Zomber wünscht meine sofortige Anwesenheit im siomtor. Ich werde mich sofort dorthin begeben." Frndheim klingelte und der Diener erschien alsbald. »Lasten Sie sogleich anspannen; ich fahr« zum Eomtor,' ncf der Herr dem Diener zu, und als dieser gegangen war, >eu Befehl auszuführen, wandte er sich an seine Frau mit jcn Worten: »Bevor ich gehe, liebe Hulda, habe ich eine Bitte an sich zu richten. In der Packgaffe liegt eine arme Frau, Löwen stt ihr ßtawt, schwer krank darnieder. : Sorge doch, bitte, dafür, daß derselben im Lauft des Vormittag» eiuige - kräftigende Speisen, sowie etwa« Wein gesandt werden." »Sehr gern, lftber Emil/ entgcgnete die Fra», die schon allen Groll vergessen hatte. »Ich danke Dir. liebe Frau. Run muß ich fort. de»»?M der Wagen ist bereit» vorgefahren. Lebe wohl!" Dos Eomtor der Firma Emil Friedheim war in einer der lebhaftsten und verkehrsreichsten Straßen belegen, es be« W A stand aus mehreren großen Räumen, in denen zahlreiche Beamte beschäftigt waren. Der ganze, gewaltige Apparat stand unter der persönlichen Leitung des Prokuristen Zomber, 1. einem Jugendfreunde FriedheimS, dem er sein ganze» Ber« trauen zuaewandt hatte. ■O'.Jjj Die Geschäftsstunden hatten bcrrits begonnen. Da der . D alte Grimm beute nicht anwejeno gewesen war, hatte Herr -H Zombcr ftllst die Briefschaften. namentlich die Wertsachen, von der Post geholt. Die Beamten wollte er in ihren Sr» y beiten nicht stören und zu dem übrigen Dienstpersonal hatte | er kein großes Vertrauen. Der Prokurist war im Begriff, -M dir eingegangenen Brieft zu sortiren und übergab sie nach kurzer Durchsicht dem betreffenden Beamten zur Erledigung, hier und da Anordnungen und Anweisungen treffend. Die zwei letzten Briese, die nebeneinander offen vor dem Lesenden lagen, mußten von nicht geringer Wichti^eit sein, denn die Augen destelben hasteten lange auf ihnen und y immer düsterer ward: der TesichtrauLdruck Zomber». Af; „Wer hätte dies vorher gedacht! Wahrlich ein schwerer Verlost! Doch werden wir ihn hoffentlich noch verschmerze«' können." V|H Diele Worte kamen leise über di« Lippen des Proku» ..." risten. Dann schrieb er sofort einige Zeilen nieder und überreichte sie dem Lomtoirdiener mit der Weisung sie ungesäumt dem Herrn Fciedheim zu übermitteln. Dftser war denn auch alsbald vorgefahren Kaum hatte Friedheim den ersten Eomtorraum betrete», in welchem der Prokurist arbeitete, und dem Personal seine» y Morgengruß geboten, als er hastig rftf: „Was ist denn jo Außerordentliches geschehen?" „Denken Sie, sowohl die Firma Müller äd Sohn, als auch die Großhandlung Hermann Seeftld haben ihre Zah» si langen eingestellt. Die auf sie gezogenen Tratten werde» wohl demnächst mit Protest zurückkommen" ■£ „Um welchen Bettag handelt c8, sich denn?" fragte1 Friedheim mit eiserner Ruhe. »Ich werde sofort das Wechftlkonto auscheu" Bei diesen Worten nahm der Prokurist ein langes, AA mäßig starkes Buch zur Hand. Er suchte die Seite» auf, auf welchen die Konten der genannten Firmen verzeichnet . standen. Währenddessen ließ nichts in dem Wesen Frirdheim's. eikennen, daß der ihm drohende schwere Verlust chm seine» Gleichmuth geraubh obwohl er selbst schon dft Höh« de» auf X dem Spiele stehenden Bettages inGedanftu ungefähr ermesse« hatte. »Die Müller'sche Tratte repräftntirt den Bettag von sechsunltzwauzigtausend Mark; dft Seefeld'sche Tratte dettägt etwa» weniger, und zwar vierundzwanzigtausend Mark, bedeutender Bettag! Deswegen bat ich Sie, fofort hftcher yj zu kommen, da ich hier nicht selbstständig handeln wollte, y y DaS erste nun, was wir nach meiner Ansicht zu thuu habe«, y ist, daß einem etwaigen Proteste der Wechsel vorgebeugt werde.' - jj »Sie haben Recht,' entgegneft Friedheim, „ttlegraphiren * ‘ \ Sie sofort an das Bankhaus Karl Morrrll, daß man dort: ‘ " dft Sache rechtzeitig ordne und theclen Sie ztigleich mit, daß morgen brhuf» Deckung der in Bttracht kommenden Brttäg>e entsprechende Baarseuduug erfolgen wird. Wann sind dft < Tratten fällig?' .. »In acht Tagen,' erwidertt Zomber. . »Run, so haben wir noch vollauf Zeit. Doch wollak-.y