Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 37 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/6492351-8722847-5962164--1976-5375432- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ige spracht«:Hohepriester da» SÜndenbcknntniß M -für sich, sein Hau» und für da» ganze israelitische voll mit de», sich daranschtstße»de« Gebet um Vergebung und Ber> -'' fühnung. In den Ehürea sangen die Leviten bei der Opferdarbringung. Die Existerz de« vorbeten« und de« Borbeteramte« setzt ein« neue Orgc nisation de« Kultus voran», die im Laufe b*fl zweiten jüdischen Staatslebens und nach demselben «ingetreten war. Dieselbe ivar die de« Synagogengottesdienstes, der neben dem Gotte«die,ste des Tempels zu Jerusalem sich immer mehr befestigte. Die Synagoge wurde die heilige Stätte de« Gottesdienst iS ohne Opfer und Opferpersonal, er bestand au« <Ne bet und Lehre, Vorlesung auS der heiligen Schrift und Belehrung über deren Inhalt. Die Gebete daselbst waren keine Privatgebete de« Einzelnen, sondern öffentliche X.[~ Gebete der ganzen Gemeinde, zu deren Vortrag ein« eigene ~ Person bestimm t war, die den Namen „Abgesandter der -- Gemeinde" oder „Bote der Gemeinde" (TP3C rrSg?) führte. r Doch war auch da noch da» AmrdeS Borbeter«, da« vorbeten, - nicht im Sinne dieser Funktion in unseren Synagogen, wo sich die Gemeinde an dem Gebete mitbetheiligt, sodaß „vorbeten" mit .Nachbeten" der Gemeinde verbunden ist, -sondern der B»rbeter trug allein die Gebete vor, welche die versammelte Ge meinde andächtig anhörte, ohne selbst mitzubeten.') Das Siebet trat an die Stelle dis Opfers, der Bor beter wurde gleichsam als der Priester angesehen, der da« Gebet, da» Opfer, karbrachte Wie die Opferdarbringunq nur Sache de« PriifterS gewesen, der als Beauftragter des BolkeS dieselbe ausführte, so wurde der Borbeter in der Synagoge aleich dem Priester im Tempel zu Jerusalem al» Beauftragter keiner Gemeinde zur Verrichtung der Gebete gehalten, der dieselbe allein zu vollziehen hatte. Wir lesen darüber: .Man sage nicht zu dem, der vor das Borbeierpult tritt: .Somme und bete!" sondern: „Somme uud tritt vor (an'« Betpult), bringe unsere Opfer dar; vollziehe, was unS obliegt, führe unsere Sümpfe und bete für un»!" (I. Berachot jerusch. Abschn. IV, <ä, 8 b.) Auch die Namen, die der Borbeter führte, deuten darauf ' hin. oder richtiger, sie sind diesem entnommen. Er heißt neben dem schon oben angegebenen Namen .Abgesandter, Beauftragter der Gemeinde": „Opfernder", Darbringer der Opfer, K«robaa); ferner in umschriebener Fora,: .Vor da» Berpult Tretender" (HSTin'»'? ~arg). Der Name .Ehasan" (pn) für Borbeter ist «in viel jüngerer, seit etwa dem 6. Jahrhundert, und rührt von dem Bortrage der liturgischen Poesie», poetischen Sckauen, her. wa» seinem hebräischen Stamme ,"NN, .schauen" entflicht. In der talmudischen Zeit führte diesen Namen derGtrichtS-undSyuaaogendiener.auchderKinderlehrer. - - Das Bordeten war Ehrensache, und al« Borbeter fungirien die Würdigsten der Gemeinde. Au« der talmudischen Zeit nennen wir lll. Atiba, R. Elieser; eS führten den Titel ^»Borbeter" (Kerob») R. Alexander, R. Eleasar b. Simon u. a. m. Zur Würdigkni eine« Borbeter» gehören: Unbescholtenheit, Demuth und Beliebtheit bei den Gemeindemitglirdern, eine löbliche und angenehme Stimm«, Bewanbertsein in der Thora, den Propheten und Hagiographen, auch im Midrasch, in der Halacha und Agava, sowie in den Benediftioneu. Al» Erste» jedoch wird angegeben: Gewandtheit im Boi lesen, deutliche und corrrkte Aussprache?) Zur Torrektheit in der Aussprache gehört«, daß er die gleichlautenden Buchstaben, z. B. K mit 5 ». o. m. nicht verwechselte. So ließ man die Bewohner von Ehaivah. Stytopoli« und Tibaon nicht zum Borbeteu zu, weil sie da« K mit S verwechselten?) Die U rvescholtenheit des BordetrrS wird »on Jugend auf gefordert na« jedoch von den spätere» Talmuttehrern nicht so streng geur mmen wurde, wenn der *) 6, Wascht Euccah €, 88b. — vergl. auch N1V1S? von Nach, mautde« S. t-d. *) Nwwch. jerusch Abschm I. «. Sa. Midrasch r»bzu 8. «. «. «lcha. 1V » 9L ») Taanlch Id». (Lqulch. «ruch, Ovach Stzajt» Kap. 68.) */ «W»« « **• amnstrllend« Borbeter die früheren Bergchunaen bereut, sich ge besten und nicht» SündlicheS an sich haften gelaflen hat'). Die Anstellung eine« unwürdigen Borbeter« wird sehr gerügt und darauf die Mahnung-Wort« de« Propheten Jerrmra S. 12. 7. 8. bezogen: „Ich verließ mein Hau», mied mein Erbe, gab preis da» Liebste meiner Seele dem Ballen der Feinde. Mein Erbe ward mir, wie ein Löwe im Walde, man brüllt mich gräßlich an. darum Haffe ich r» "*) Im Nothfallr, wenn kein Borbeter mit obigen Eigenschaften gefunden wird, soll der Beste in der Gemeinde, der durch Weisheit und gute Werke vor Andern hervorragt, zum Borbetcn aufgefordert werden. Eine fernere Bedingung war das Alter; der Borbeter soll volle Mannbarkeit erreicht haben, die an dem Bartwuchs erkannt wird, doch darf im Nochfalle auch ein Knabe nach zurückgclegtem >3. Jahre vorbeten. Rühmlich wird hervorgehoben, wenn der Borbeter durch schöne Stimme und Gesang den Gottesdienst zu verherrlichen vermag. Wir lesen darüber: „Ehre den Ewigen von deinem Vermögen" (Spr. Sal. 3.9.), d. i, wenn du eine schöne, angenehme Stimme hast, tritt vor daS Betpult und trage das Schemagebet vor". So rief R. Eleasak den Hakappor seinem Schwestersohn Chija, der eine angenehme Smgstimme besaß, zu: .Mache dich aus und ehre Gott mit dem, womit er dich begnadigt hat!" Ebenso wirdvon einem gew. Gabboth erzählt, der eine vorzüglich schöne Stimme batte, daß bei seiner jährlichen Wallfahrt nach Jerusalem sich dort um ihn Alle versammelten, um seine Stimme zu hören. Auf ungerechte Weise wurde er später zum Tod« verurtheilt; eS war daS Jahr, wo er die Wallfahrt nach Jerusalem unterließ, und da hieß e», daß die» ihm i,r Folge der Unterlassung dieser WaUsahttSreise zugekommen wäre. In noch nachdrucksvollerer Weise wiederholt sich diese Mahnung in dem Buche Sohar (S. 249b.): „Jeder, der sich anschickt, Gotteshymnen vorzutragen, soll e» mit einer angenehmen Stimme thun, damit eS den Andern, die e» hören, angenehm wird. Besitzt er keine solche Stimme, so unterlasse er, dieselbe hierzu zu erheben." Ein LiedlingSthema der Hechaloth K. 24. war, Israel soll dem harmcnischcn Gesänge der himmlischen Schaarrn nachahmen. Schon im 8. und 9. Jahrhundert wurde viel aus eine angenehme Stimme deS Vorbeters gegeben, wobei man andere Mängel übersah. Der Saräer Jehuda Hadaffr und Jehuda Haievi (im 11. Jahrh.) bezeugen da» Absingen verschiedener Piju»siücke?) Abraham Jbn Esra berichtet, daß man gewiß« Melodien bei einem Pijut vermerkte?) Es wird berichtet, daß die dichtenden Borbeter, wenn sie gehört werden wollten, ihre Dichtungen mit einer schönen Stimme oortragrn mußten, zumal in Bagdad, wo nur dir Sanggcübten der» öffentlichen Gottesdienst mit dem Borbeter versahen?) In Drustchland soll man sich im 12 Jahrhundert für die Gebete um passende Melodien umgesehen haben, damit man jede« Stück, Pijut, in angemessener Weist vortragen könne. Im 13. Jahrhundert rechnete man zu den Borzügen eine» BorbetrrS eine angenehme Stimme und kunstmäßigea Bortrag. ES gab damals Sänger von Fach (O'TTHPO), welche die Borbeter unterstützten. Getadelt wirs sehr, wenn hierbei Eitelkeit im Spiele war, wenn der Borbeter sich durch seine Stimme und seinen Sang gern hören läßt, wa», da die GebetSzett verlängert wurde, «ine Sftlästigung der Gemeind« zur Folge hatte, Ferner wurde gemißbrlligt, wenn der Borbeter sich nach fremden Melodien umsah, um nach denselben die Gebete vorzutragen, waS oft schon im 11. Jahrhundert geschah. Aehnlich mahnt Iesaia Horwitz in fernem Buch. iT'TO S. 254: .Den Borbeiern und den Meschorerim, Mirsäntzern, die da« Bolk mit ihren unjüdischen, profanen Liedern, Melodien, ergötzen wollen, rufe ich zu: „Dar Hauptgewicht •) Orach Ehaji« •.«.(), di« *owuu*tare und Nesponl«* dal. ') Xautb* S 16 b.; - «fttoi cap. 13. 90. 83 14ü 869. «nsari («d. «agri) ') Z» Ps. 7, 1 v. M, i. ’) Schebrl Jehuda Sr. 49. Zanz, vyaag. Paetz» N. H4.