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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 37 (1892) · p. Seite 146

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
37 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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kindlichen Anschauungen deuteten darauf hin, daß sie da» S Naturell ihre» Vater» geerbt hatten. In allen ihren geahnten, und waren sie noch so geringfügig, zeigte« sie die grvßle Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit. Ein» aber machte den Vater heimlich schwere Sorgen. E» hatte sich in der Erziehung ein Zwiespalt bezüglich der Erzftbuvgsweise der Kinder zwischen den Eltern herausgebildet, der für die Zukunft der Elfteren von verhängnißvollen Folgen begleitet werden mußte. Herrschte zwischen den Eltern sonst dir seltenste Harmonie, hier waren di« Wege beide getrennt. De» Baker» Herz schlug in warmer Liebe für alle seine Mitmenschen in gleichem Maaße, er kannte keine Rang- und Stondeeunterschiede. Ihm war da» Ueberheben über denjenigen, der über geringere Mittel verfügte und der nach Ansicht so vieler einer niederen Gesellschaftsklasse angehörte, fremd. Ja, er empfand die künstliche Absonderung all' derjenigen, die ein Pater geschaffen, di« dieselben Bedürfnisse, dieselben Schwächen und Leidenschaften zeigen, als gegen die sittliche Weltordnung verstoßend. Tiefe LebenSauffasiung kam auch stets in fernem Verkehr mit den Mitmenschen zur Gettung und er machte selbst in den höchsten Kreisen, in welchen «r-cm gern gesehener Gast war, keinen Hehl daraus. Man pflichftrchm wohl nicht bei, w'il man die einmal genirßendm Bevorzugungen vermöge der zur Verfügung stehenden Mittel und des großen Einflusses, dessen man gewiß war, nicht entbehren mochte. — man verketzerte ihn aber auch nicht, weil man wußte, daß er nach seiner innersten Uebcrzeugung handelte, und er all' die wohlerwogenen und besibegrünteten Theorien getteu in die Praxis umsetzte. Alles dieses aber dielt ihn nicht ab davon, sein von ihm so heiß geliebtes Judenthum äffen und ftei zu bekennen. Ja, gerade diese seine LebenSauffasiung war es, die ihn drängte, sich immer noch fester an seinen angestammten Glauben anzuklammern. Die gesellschaftlichen Fesseln, die iu gwisicm Sinne das Individuum mit Religion und Glaube in Zwiespalt gebracht, waren für ihn nicht vorhanden. Er errvthetr nicht, wenn der Name seine» Bolle» an sein Ohr drang. Und all' die Rücksichten, die man sonst auf all' das, was willkürlich ftemde Sitte und Herkommen gezeitigt hatte und dem zu genügen man seine bisherigen Lebensgrwohnheitru ausgegebe», wann für ihn nicht vorhanden. Er lebte in der Zeit und für die Zeit, ohne der Gegenwart da» kostbarste Gut der Vergangenheit die Treue zum Glauben der Väter und deren Sitten und Gebräuche, geopfert zu haben. Daß dieft seine Lebensauffassung auch in dem Herzen seiner Kinder guten Boden gewinne und Boden fasse, daraus toar sein Streben gerichtet. Er suchte ihre Herzen für den entstammten Glauten zu entflammen. DaS Martyrium der Ahnen längstvergangener Zeiten sollte in chnen eine Begeisterung wecken, auf daß sie gern und freudig al» deren würdige Nachkommen sich zeigten und in ihrem Sinne und Geiste lebten und wirkten. Er ließ sie ftühzeittg schon Werk der Barmherzigkeit üben, machte ihr Gemüth empfänglich für Mitteid und Erbarmen, gab ihnen, damit sie geben konnten, wo eine Gabe am Platze war. Er ließ sie die Stätte der Noch und des Jammers betreten, damit sie selbst der Lebenskontraste inne werden. Ander» war die Mutter. Eie hatte für diese Anschaunnflen: ihre» Gatten kein Berständuiß. Boa Jugend auf nuht« heut« noch, trotzdem sie ein langjährig» Ehebündniß an Gatten knüpft«, di?. Welt i« derselben Lonstellation, wie sie in ihren PevsionSjahre» kennen gelernt, und nicht eindringlichsten Mahnungen ihre» Gatten hatten sie zu einer anderen Denkungsart führen können. Sie schätzte und achtete^ nur den. der auf derselben Lebensstuft mit ihr eiuherwaudelte^ Rur gleiche Mittel, gleiche Bildung, so deduzirte sie stet»,^ mache gleich. Und nenn all' dft sonderlichen Konsequenzen,^ zu welchen folgerichtig solche Meinungen führen mußten, ihr vorgehalten wurden, hatte sie nur ein überlegene» Lächeln. Seitdem sie der elterliche« Obhut entrückt war, in welcher sie nach jeder Richtung hin ein Leben nach altjüdische» - Brauch und Herkommen gesehen und selbst zu führen hatte,, wer ein Umschwung in ihren religiösen Anschauungen sowohl al« auch in ihrer ganzen übrigen Lebensauffassung ei «gm treten. In der Pension war chr dft Erkenntniß gekommen, die nachdrücklichst genährt worden war, daß all' da» m» Brauch und Herkommen gebieterisch fordere, ein« immer beengendere Fessel werde, und der freien Bewegung im Lide» Hemmnisse bereite, ja oft Einhalt gebiete. Der einmal wählftn Lebensführung wollte und mochte sie in der nicbt mehr entrathen, daher streifte sie die letzten von sich, um uneingeengt in allen, jüd scheu wie jüdischen, natürlich ihr eb.'nbürtige» Kreisen leben , und verkehren zu können. Soweit natürlich hatte der Einfluß de» Gatten gereicht, daß der eigene häusliche Kreis in der Praxis von der Lebensführung derGattiu als Hausfrau unberührt blieb. Fricdheim, der da« Vergebliche ftines Bemühen», dft Göttin zu einer anderen Ansicht zu bekehren, erkannt Hütte, Verzicht— daher bald darauf, auf seine Gattin einzuwirftn, theil» n ihm der Frftden de» Hauses heftig war. theil« weil er für sich ftine Gefahr erblickte und er ftinenfall» eine Jntolev sich zu schulden kommen laffen wollte. Seitdem aber Kinder herangewachsen waren, und ihr ErkenntniSoermÜge! und ihre Urthcil»trast sich zu regen und zu stärftu bq hatte, hielt er eS für geboten. energisch eiuzugreiftn, ui Kummer und Betrübniß sah er schon so manche» Wölkchen an dem bis zur Stunde so heiteren und Ehehimmel heraufsteigen. Wie oft hatte er schon müssen, was die Mutter gutgeheißen; wre oft schon hatti iu den Riß treten müffen, wo die Gattin verletzt hall sah es» wie dft lieben Kleinen rrre an sich» irre an Eltern wurden. Wem sollten sie folgen, wer hatte ein l detcs Recht, Gehorsam, Nachachtung zu fordern, — oder Mutter? — So waren dft Kinder, deren HerzenStaftl« n« und unbeschrieben waren, in einem unausgesetzten Di Für jede Schrift wären diese Tafeln noch empfänglich g jeder Eindruck blieb wirkungsvoll. Wehe, wenn diel die auf sie einqegraben wurde, einen Inhalt bot, dem im Widerspruch stand, was von Alter»- her l schnür für den Wandel hienftden galt, der «ach dem Z Vorfahren gewesen, der zu einem Leben voll SB<frkfety führft: wenn die Eindrücke derart waren, daß, wenn *’ zur Geltung kommen, zu einem Leben nach Recht unv m nach Herkommen und Brauch unwiderstehlich drängen^! Dieser Gedanft beschäftigte Frftdheim früh und r“*‘ iKonsepimg folgt). b«: esteirpelt. Hatte sie doch auch nicht dre Kämpft mit den Wechselfällen de» Leben« durchgemacht, wie e» bei chrem Gattin der Fall gewesen. Im Wohlstände hatte sie ihre erste Jugend verlebt. Dft «nnehmlichkstra de» Dasein» wäret ihr iu reichsftm Maaße und in mannigfaltigster Abwechselung geboten worden. Roth und Elend hatte sie wohl nie c u» eigener Anschauung tat», gelernt, und ihr erschien Aer Mim enltnrtztftoetkch« «Hm* Bob La»br«bdt»-r ©r. $«m6nr»tt te Streit» (Oftckli.) Dft Justttution de» Bordeten» und de» Bor! ist eine nachbibiische: in. de« Gottesdienste der und de» späteren salomonischen Tempel» in Jerusa! dieselbe noch ftine Stätte. Da war e», nach de« m Kultusgesetz, der amtirende Prftster, der vor Beendig' L<pftrgotte»dftnst«S den Segen über M» Boll ZrM»

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