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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 35 (1892) · p. Seite 139

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
35 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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Vv SS«- 1^ .ls. 6. AWMnbn»- einer ntultn Waisenanftolt feiner verwirk- "ichnng enigegnige^en. , Es war. wie der Bericht erzählt, an einem schäum Sommertage im Jahre 1874, als sich die Kinder aus dem Spielplätze befanden und durch ihr Lachen »nd Jauchzen t-ie Ausuierksamkeit des lkigerithümerS des LN(jvmzmden Grundstücks, welchedurch eine alte Mauer von der Anstalt getrennt war, aus sich jogcn. Er erkundigte sich, woher die Stimmen kämm, und als ihm gesagt wurde» iaß es die jüdischen Waisen wärm, lieb er sich eine Leiter <m die Mauer stellen. kletterte hinauf, und während er unbeobachtet dem Leben und Treibm aus dem Spielplätze zusah, stieg ein großartiger, herrlicher Gedanke in ihm auf. Der erste Schritt von der Leiter abwärts war zugleich der! erste Schritt, dm er zur Ausführung dieses Gedankenthat. Er ging schnurstracks nach der Waisenanstalt, stellte sich mir . -alt M G. Hei mann »or. erkundiate sich eingehend nach ' dm Einrichtungen de« Hauses, ließ sich alle Mumlichkeiten - zeigen, wollte wissen, ob alles den Erfordernissen entspräche und ob keine Mängel vorhanden seien. Als ich anfing dieselben auszuzählrn und ihm zu erkennen gab, wie nörhig ein ' neues Waisenhaus wäre, zog er sein Notizbuch heraus, notirte jedm angeführten Mangel, und währmd er dies ttot, lagerte sich f?_ «in Ausdruck innerer Befriedigung auf seinem Antlitz, als hätte rr mdlich etwa» erreicht, wonach er sich schon längst -gesehnt hatte. Während er da» Notizbuch wieder einsteckte, sagte er mit einer gewissm Freudigkeit, und Bereitwilligkeit, als wäre er darum angtgangen worden: .Westen Sie, ich habe die Absicht, der Waismanstalt die .hdlzemen Schlüssel" <da« ist das Grundstück Reuschestrahe 51) §u schenken, um auf dem freim Platz desselben eine neue Anstalt zu bauen." Damit empfahl er sich. Schon am 30. April des folgenden "Jahres (1876) ging da» genannte Grundstück aebsi einem angrrozmden Territorium in der Goldenen Radegasse in dm Besitz der Anstalt al,t ,M. W. HeimannscheWaisen» Stiftuug" über, und zwar zur freim Verfügung, unter dm Bedingung, daß zunächst von dem Grundstück oder,-im Falle des Verkaufs,desselben »on dm Zinsen de» gelllsten Kapitals Ine auf dem ersteren hrftenden Hypotheken g-tilgt werden sollten In der SchmkungSurkunde wurde die Anstalt verpflichtet, bei Aufnahme von Zägliagen et>. zunächst Angehörige der Familie deS Gebers oder seiner Gattin zu terückfichti,en,!».- ohne dazu angrho ltm zu sein, mehr als zwei Mitglieder derselben U/ -aafzuaehmeo. Der edle Menschenfreund betonte auch daß es Mi bei der für die Gesundheit der Kiuder bed:ntliä»m Nähe der -Ws.Hospitalkranken zu rrstreien sei, daß die Anstalt entweder in ||p^ «r Nähe Breslau'« oder in einer der Vorstädte ein geeignetes iE"; Grundstück erwerbe oder errichte und übertrug zugleich dem M.vjeweiligen Vorstände der Synagogengemeinde lue besondere "Aussicht über die Verwaltung der Stiftung. M ' Nach dreijährigem Besitze, währmd besten der neuen m- Stiftung der Anstalt die Nutznießung de« ErtragSüberschufles C Gute gekommen war, konnte mit staatlicher 'Senehmigung s Grundstück verlauft und eia neues Hierritrrium in der l damals noch uubrbautm Gräbschenerstraße angekauft werdm.!' Bevor man zum Bau« schritt, ja, bevor man noch, den Kauf h" ^tbschloß. wart beschlosten, dem edlen Stifler ein Zeichen der W . Dankbarkit zu sichern. und ,ibm in Anerkennung seiner -roßen Verdienste durch «nsertmung ftines Brustbildes in O«l, welches in dem Sistungssaale auaedracht werden soll, «in vorläufiges Denkmal zu errichten. Das Bild wurde «rhebmdm Worte: in Thränen säet, wird in Freuden «rnim,-" welche sich der edl 'Maau selbst als Sinaft-ruch gewählt. Nachdem nun die gewählte Baucommisston sich üt«r deaStaad . «nd die Einrichtungen der gleiche« Berliner Anstalt instruirt ' " sollt« der Bau in Angriff gmommen werden. So wurde «n 8. Juli 1880 in Anwesenheit dis Vorstandes, der äsmtmrtm und Vertreter der SyaagazewGemeinde und anderer Wohlthätigkeits-Anstalten der Gmndstein gelegt» nachdem die näthigen Vorarbeiten auSgeführt worden waren. Schon im nächster« Sommer stand das Haus, ein prachtvolles Gebäude im Rohbau, mit den schönen Gartenanlagen um dasselbe und dm Spielplätze» zu beidm Seiten, fertig da, und mit mohlthuendec Geuugthuung konnte man wahrnehmen, wie die zweckmäßige und geräumige Eiatyeiluug und Einrichtung des Hauses allen Bedürfnissen auf das Beste entspracht Bemerkt sei hier besonders, daß zu beiden Seiten der Freitreppe zwei Marmortafeln die Wände zieren, deren rechte, laut Vereinbarung mit dem Kuratorium der Fränkel'fchen Stiftungen, die folgende Worte enthält: J .David und Jona- Fränkel errichteten zum An^ denken an ihre Eltern JoelWolf und EdclFräntel. im Jnhre 184 l da» bis zum Bau dieses HaaseL von der Waisenanstalt benutzte Amtsgeblude Antonienstraße S—8." während es auf der gegenüüelstehenden Taftl heißt: .Der am 20. April von unserem Mitbürger M. W. Heimann fundirten Waisen-Stiitung verdankt die isr. Waisen-BerpflegungS-Anstalt den Bau dieses Hauses." Nachdem die Anstalt mit ihren Berpflichtungrn resp. Ansprüchen gegenüber der Berwaltung der Fräakel'schen Stiftung und deS ist. Krankenhauses auf» Schnellste ins Reine gekommen war. siedelte sie am 1. November 1881 in die neuen Räume, und nachdem Alles geordnet war, fand in Gegenwart der Spitzen der Behörden, de» Vorstandes der hiesigen Gemeinde und WohlthätigkeitSanstaltra, der Rektorm der städtischen Schulen und der Gönner der Anstalt schon am Ü. des MoaatS die feierliche Elawcihung statt, die auf die Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck machte. So konnte denn die Anstalt einer einheitlichen und wohlgerrgeltea Leitung unterstellt werden. War bisher die Erziehung der Knaben vollständig selbstständig und unabhängig von der der Mädchen geleitet worden, so wurde jetzt die Verwaltung des HayseS in allen seinen Theilen. sowie die B.'rpflegung sämmtlich:r Zöglinge. Knaben und Mädchen, dem Inspektor üvetragen, mit der Verpflichtung die Oberaufstcht über Alle zu führen und für alle Vorkommniffe vreantwocttich zu sein. Um 6 Ugr Morgen» im Soumec und eine Stunde später im Winter läutet die Hausglocke z ua ersten Male, zu welcher Zeit sämmtliche Zöglinge zum M»rgrngebet versammelt sein müssen. Fünfundzwanzig Minuten später läutet die Glocke zum Früh tück. Inzwischen haben sich alle schulfertig zu mach.m, um gleich n ich dem Frühstück in di« Schule zu gehen. Sämmtliche Kinder besuche» öffentliche Schule-. Es wird der Ordnung halb«: darauf gehalten, daß sie jedesmal ordentlich gewaschen und gekämmt paarweise zu jeder Mahlzeit in den Speise>aal treten, ebenso »u die Schule gehen und wieder nach Hause kommen. Um halb ein» resp. halb zwei wird die Mittagsglocke geläutet und Pflegeelrern, Erzieher und Erzieherin, Knaben und Mädchen versammeln sich in ihre« Speisesäle». Alle speisen zur selben Zeir und alle essen dasselbe. ES wird besonder» darauf geachtet, daß die Kinder, die trotz ihrer Armuth oft sehr verwöhnt in dir Anstalt kommen, nicht bloß alle Speisen. die ihnen vorgesetzt werden, effen, sondern, daß sie auch mit Anstand essen lernen. B:i schönem Wetter, beso.ioer» im Sommer, gehen alle auf eine Stunde in den Garten, dann fangen die Arbeitsstunden unter Aufsicht des Erziehers und d« Erzieherin an; die Arbeiten mästen hinter einander gemacht werden und vor dem Abendessen fertig sein. Im Sommer gehen die Kinder nach demselben wieder in de» Garten und im Winter suchen sie sich dis zum Schlafengehen durch Lektüre »der versasielw»- Spiele, darunter auch Schachs di« Zeit zu vertreiben. Line Ausnahme machen Me p abends, an welchen sich Knaben and Mädchen « ein» i versammeln, und dt Gegenwart der HAegnftrtm tzss i

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