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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 35 (1892) · p. Seite 140

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
35 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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der Erzichcri» und etwaiger Büste, Gedichte vortragen, Lieder singen und kleine Gesellschaftsspiele arrangiren, nicht bloS um sich die >jeit auf eine angenehme Weise zu vertreiben, sondern vm sich rin anstündige- Benehmen anzueignen und ein sicheres Auftreten zu bekommen Zuweilen wird auch eine Anstaltszeitung vorgrlesen, welche selbstverfaßtr Erzählungen, Räthsrl und humoristische Schulanekdoten und sogar Gedichte der Zöglinge enthalten." Auch für die sonstige Erholung der Zöglinge ist aufs Beste gesorgt. Im Sommer soigen einige ttivnner der Anstalt für größere Ausflüge in die Umgegend, wählend kleinere auf Kosten der Anstalt gewacht werden. Mädchen und Knaben werden dabei auch an selbständige Thätigkrit gewöhnt. In der fteie» Zeit werden die erstercn in derWirthschast r>er wendet, während dieKnabenAufträge besorgen und Rechnungen bezahlen, damit sie richtig bestellen lernen und sich cn den Umgang mit fremde n Menschen gewöhnen. So geht kenn alles unter der bewährten Leitung feinen regelmäßigen Gang, nur unterbrochen durch die mit der Brrtheilung bedeutender, testamentarisch ousgesrtzter Prämien verbundenen Gedenkfeier aa verstorbene Wohltäter. Dieic Gaben sind besonders darauf berechnet, den entlassenen Anftaltszüglingen den Weg zur Erlangung einer selbstständigen Existenz zu ermöglichen. — Auch die Bibliothek erfuhr bald eine Bergrößcrung. (Sie cnihält jetzt urit über 1300 Bände.) Drei ehemalige Zöglinge der Anstult, ein« Dame und zwei Herren waren, um die einstige Stätte ihrer Jugenderziehung und ihre ehemaligen Brüder und Schwestern, zu besuchen, vom »Cap der guten Hoffnung" herüber gekommen, wo sie in guten Verhältnissen leben. Ehe sie ihre ehemalige Heimath verließen, scheusten sic der Anstalt einen schönen Bücherschrank und eine Anzahl »erihvoller Werke, zum Zeichen ihrer dankbaren Erinnerung. — Eine Geteoktafel in der Anstalt erinnert auch daran, daß Ihre Majestät, die Kaiserin Friedrich, ehemalige Kronprinzessin, mit Ihrer Begleitung am 8. Sept. l.v82 dieAnstaltmitJhrrmBeiuche beehrte und mit dem Ausdruck Ihres Beifalls nach nirhr als einstündigcm Aufenthalte wieder verließ. Am 7. August 188» hatte die Anstalt den Verlust ihres langjährigen Gönners und Vorstehers, des Herrn LouiS Schäfer, zu beklagen, der seine zwanzigjährigen Dienste der Anstalt mit Hingebung gewidmet und ihre Neugestaltung bedeutend gefördert hatte. — Fünf Jahre vorher harte die edle Gattin der hochherzigen Begründer» der Anstalt, Frau Julie Heimanu, das Zeitliche gesegnet, und ihr Gatte hatte zum Andenken an sie eine Stiftung, di« ihren Namen trägt, begründet, aus welcher Zöglinge der Anstalt für die Ausbildung noch ihrer Entlastung unterstützt werden sollen. So wirft denn die Anstalt zu Nutz und Frommen der Menschheit und des Judenthums, und die schöne Saat, welche edle Männer ausgestreut und gepflegt, ist herrlich gediehen. Bon den 183 Mädchen und 242 «naben, welche in der Anstalt während ihies 85jährigen Bestehens ausgenommen wurden, sind 1öS Mädchen eutlaffen worden, welche grüßtentheil» zunächst zu ihren Müttern zurückkehrtea, während eine Anzahl in verschiedene Stellungen übergegangen ist; von den Knaben sind 212 bereits entlasten, während die übrigen noch in der Anstalt sind. Die Me-sten der Entlaffenen leben gegenwärttg in auskömmlichen, zu« Theil sogar hervorragenden Stellungen. So war einer derselben deutscher Lonsul auf dem Kap der guten Hoffnung, einer ist Arzt in Hamburg, zwei sind Redatteure Berliner Zeitungen und einer ist als RegierungSbaumeister in Berlin angestellt. Bon den noch in der Anstalt befindlichen Kraben besucht einer da» Gymnasium, 21 die Bürger» und 8 d>r Elementarschule. Ich schlieze meinen Bericht, indem ich - wohl im Namen der Menschheit — sowohl den edlen Gönnern als auev den Leitern der Anstalt warmen Dank auSfpreche und der segensreichen Anstalt den Wunsch entgegenbringe: Möge sie blühen und gedethenl — d. .f- — 140 Attthropo logischer. In der anthropologischen Abtheilung der brstischen G»ifellschaft in London hielt Hr. Dr. Franc!» Warner einen op: interessanten Bortrag über di« physischen Abweichungen vom - Rotmalzustande, wie solche bei den Schulkindern beobachtet wurden. Dr. Warner hatte nicht weniaer als 50 000 schul« ' pflichtige Kinder auf ihre phvsische Beschaffenheit untersucht und diejenigen notirt, an welchen irgend ein Defekt odrr eine V Abnormität wahraenommen wurde. Zu den Abweichungen vom Normalzustände rechnete er mangelhafte Sehkraft. Schwerhörigkeit, zurückgebliebenes Wach«, thum und zu geringe Brustweite. Der durchschnittliche Prozentsatz betrug bei den Knaben 13,4 und bei den Mädcyen 0,0 oder bei ungefähr '/, der Knaben und */„ ber Mädchen wurden solche Abweichungen konstatirt. Bei den jüdischen Kindern ergab sich dagegen der niedrigste Prozentsatz, nämlich 7,5 oder ungefähr '/„st der Gesammtzahl der untersuchten Kinder. Diese- Resultat steht nun merkwürdiger Weise im Widerspruch zu den vor einmm Jahren im anthropologischen Institut berichteten Ergebnissen der Herren I. Jacobs und I. Spiel wann über »Vergleichende Anihropometrie der englischen Juden-. Diese Herren fanden nämlich, daß m Bezug auf Körpergröße, Sehkraft, Brustweste und AthmungSsäh,gleit die Jude« hinter der allgemeinen englischen Bevölkerung zurückständen. Bevor man eine Ausgleichung dieser Gegensätze versucht, muß. man natürlich die drtaillirten Resultate der llntersuchuuaeu Dr. Warner'» abwarten »Einstweilen dürfen wir uns aber schon der angenehmen Ueberraschung freuen, zu hören, daß die jüdischen Kinder in ihrer physischen Entwickelung mit allen anderen Kindern de« drin chen Reiche» zu ihrem Bortheil koutrastrren" — bemerkt »Jcw. Thron." NSthsel-Arrfgabe« Zweisprachige* MSrterrätflsek. Boa 6. tu R. Drei Wörtchen atuiiumbcc xif Und eint Bande steht Dein Blick, - Wie heut« man str häufig triff«, Di« volle spei« mb Xob mb «ist. Da» erste hol' an» FrantreichDir; Du siehst in ihm et» garstig X$kr, Bich siabrab gern durch Koch und Schlamm, Üienan «otr dieser valgenstamm. Da» zweite, deutsch, gar schrecklich brüllt, lang sei» Blutdurst nicht gestillt; So treibt'» die Rotte i« Bereu» Sowohl tu Frantreich al» am Rhein. Run rück' ein Zeichen roch heran. Und schließ' an die« «in «ärtchen an, An welchem Jeder sieht sofort» Daß männlich ist da» andre Wort. Du siehst al»daan di« Schaar der Sicht', «Gemeinheit z-igi ihr Ansicht) Drin Jeder lügt, um» er anch spricht. Bi» ihn ereU« de» Herr» Gericht. i' AgftSsmtg des HlLtstfeks i» voriger M«««er. I Kr*0* f Kr»*. a. mn c»-«): nn (««ff«); — "nn (Schwei»); ms 00 onftlflt} l Gebetbücher für Mc Festtage). Leiaanoonl RedicktrurOe. Rahmer, Wcgdebvrg. LrackuauBeudiz chHuhu sfrüherD.>i,Soist),«tagdeburg. Bertag: Ros.Fries», Altpgdg»^ - -

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