Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 35 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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angedeiher liefe so wucbS bet Kundenkreis von Jchr zn Jahr und verm inte kernerlei Machinatio« der Toncurrenz'die Finna »Emil Frftdheimau» dem Felde zu schlagen. Durch diese Machinatiouen der Concurrenz waren Friedheim viele schmerzliche Stunden bereitet worden, die besten Einrichtungen wurden in unliebsamer Weise kritisirt und wurde er verdächtigt, doch nur in seinem eigenen Interesse zu handeln. Er nutze die Arbeitskräfte aus, um seine Taschen zu füllen. Namentlich war es seine Glaubensangehörigkeit, die mit im Kämpft gegen ihn als Waffe Anwendung fand. Man hatte versucht, die Arbeiter ihm abspenstig zu machen, denen man vorhielt, wft sie nur bei einem Juden in Arbeit treten konnten, der ja doch nur daraus ausgehe, mit Hilft »guter Christenkindersein »Judengeldzu vermehren. Die Kunden suchte mau dadurch abwendig zu machen, daß man weidlich auf Jude und Juden genossen schimpfte und schließlich seine Verwunderung darüber ausdrückte, wie ein guter Christenmensch wohl von einem Juden etwas kaufen könne, dessen Religion ihm ja geradezu anbefthle, einen Christen, wo es eten nur möglich ,ei, zu betrügen. Alle diese Kunstgriffe, die durch den blassen Concurrenzneid und die Unfähigkeit, ein Gleiches zu leisten und zu bieten, hervorgerufen worden waren, hatten lediglich den Erfolg, daß man entgegnete, man werde gut und reell bedient und daher liege keinerlei Grund vor, eine andere Bezugsquelle zu eröffnen. Im Uebrigen möge es wohl sonst betrügerische Juden geten, wie es auch solche Christen gebe, — Friedheim aber sei ein Ehrenmann und könne sich mancher Christ diesen Mann zum Vorbild nehmen.- Die geschäftliche Leitung der Fabrikgeschäfte erfolgte von - H. auS. Die Anordnungen wurden stets durch einen besonderen Boten übermittelt Schon seft Jahren war der Bote Johann Grimm aus Herrenhos beschäftigt. Grimm war ein hochbetagter Mann, den Friedheim gewissermaßen als mit zum alten Inventar gehörig von feinem Vorgänger übernommen hatte. Derselbe war schon schwach und füllte nicht ganz mehr seinen Posten auS. Dennoch wollte ihn Friedheim nicht entlassen, weil er den alten, treuen und Eviffenhaften Boten nicht betrülxu mochte. Grimm, der sonst Mittag auf Herrenhof zu erscheinen pflegte, hatte sich heute ungewöhnlich früh dort eingesunken. Es war eine eilige Bestellung zu erledigen, und Grimm war beausttagt worden, Mißlichst früh nach Herrenhos zu gehen. Grimm fand in der Regel Gelegenheit» mittelst eines die Landstraße passirenden Fuhrwerks nach dort zu gelangen. Auch heute hatte sich Gelegenheit dargeboten ander war in kurzer Frist an seinem Bestimmungsort angelangt. Er begab sich alsbald in da» Kontor zu dem Geschäftsführer HauSwald. Diesen übergab er seine Mappe, die verschlossen war. Hauswald öffnet die Mappe, und entnahm derselben allerlei Briefschaften. MeistentheilS waren es CommisstonSzettel. »Herr Hauswald, ich soll Sie besonderauf den Com» msssion^ettel Nr. 8474 aufmerksam machen. - HauSwald suchte die angegebene Nummer heraus und las den Zicktel. »Ei,- ries er, »Da bestellt die Firma Ohlen A Comp, einen Posten Cellulosepapier, jedoch in einem Formate» da» wir gar nicht auf Lager haben, und das wir zudem sonst gar nicht anzuftrttgen pflegen. Dazu wird eine möglichst schnelle Effektuirung des nicht bedeutenden Aufträge» besonder» gewünscht. Die Firma ist gut und braucht viel. Da wird uuS nichts Anderes übrig bleiben, al» da» verlangte Format sofort anzuftrtigen.- Bei diesen Worten notirte HauSwald einige Zahlen auf einen besonderen Zettel, und diesen Grimm überreichend sprach er: »Grimm, haben Sie die Güte und gehe« Sie sofort in den Maschiueuraum B, übergeben Sie dort dem ersten Maschmenführer diesen Ztttel. Sagen Sie ihm auch, er solle sofort die Schneidewalze auf die auf diese« Zettel vermerkte» Formate stellen und da» Quantum Papier unfertigen. - Grimm nahm den ihn gereichten Zettel anAM MW entfernte sich. ' »Rehmen Sie sich aber in «$, Grimm!a rief ihm der i Geschäftsführer «ach. . -A »Keine Sorge, um mich, Herr HauSwald; bin schon' öfter im Maschiueuraum gewesen,- entgegnete der alte Mann i« Fortgehen. Grimm eilte über den großen Hof, auf , welchem ein rege» Lebe» herrschte Bon allen Seite« wurde er begrüßt, und er dankte mit Kopfnicken. »Kommt der gnädige Herr heute heraus?,- fragte ei« älterer Arbeiter. »Ich glaube wohl, daß er kommen wird,- antwortete Grimm. Alle Gesichter leuchteten, als Grimm dieft Worte N gesprochen hatte. Friedheim, der in der Stadt vollauf beschästigt war, konnte höchstens alle ache Tage »ach der Fabrik i hinausfahren. Der Tag aber, an welchem er dort erschien» war für Alle ei« Freudentag. Denn für jeden Einzelnen"^ hatte er ein freundliches Wort. De« Fleißigen ermuntertes er, den Lässigen ermahnte er zur größeren Anspannung ner Kräfte. Er erkundigte sich eingehend» nach allen Äe»H hältnisftn, und half, wenn zu helft« nvthig war. Jede ' rechtigte Klage fand bei ihm Gehör und er forderte von fUfat] daß sie sich stet» mit ihren Anliegen direct an ihn wende«! sollten. Dabei forderte er aber auch von ftdem die treueste,'! und gewissenhafteste Pflichterfüllung. Böswillige Pflicht»^ Verletzung ward durch die sofortige Entlassung geahndet. Dieft Strenge war angesichts de» so große» Arbeit Personals, daß sich auS den verfchftdensten Bolksklassen au»i Stadt und Land zusammensetzte, wohl geboten. E» war ui nicht zu vermeiden, daß sich gewisse Elemente ««schlichen, > deren Gesinnungen ganz und gar nicht mit denen ih _ Brcstherrn übereinstimmten. Jeden Einzelnen auf sei« po-' litische, wft auch religiöse Anschauung hin zu prüft», war^ bei dem Umfange de» Geschäftsbetriebes durchaus nicht mög-.'? lich. Wer sich zur Arbeft meldete, und für kräftig und de- M] sähigt gehalten wurde, wurde angenommen, sobald er nur V eben Verwendung finden konnte. Und man trat gern. i»Z Friedheim» Dienste, denn er zahlte gut: daher suchteAlftsj »beim Juden- Arbeit . (Forlse-Uü, folgt.) - Äj Pie israelitische ZSaiseuverpflegungr-Anstatt )tt Areslau. n. Es war vorauszusehen, daß der neue AnstaltSinspcktor,^ dem der Ruf eine» tüchtigen Erzieher» und Verwalter» vorausging, gar bald manchen der zahlreichen Mängel herauszufinden wissen würde, an dem da» Waiseninstitut nochtz immer litt, und so hob denn Herr Silberstein — da» sst der! Name jene» verdienstvollen Manne« — in seinem nach ein-1 jähriger Wirksamkeit dem Vorstande erstattete« Berichte zanzl besonders da» Mißliche der Bereinigung eine- Waisenhaus ‘ da» den jugendlichen Sinn feiner Eleven rege halten soll und eine» Krankenhauses in einem Gebäude, hervor. zwischen hatte die Anstalt durch den inzwischen verstorbene» Rentier Arnold L. Frän fei, welcher derselben eine gutjgewtthlte! Bibliothek von 300 Bänden nebst Bücherschrank schenkte, eine» langersehnte Förderung erfahren, und auch durch dft ösk^ legung de» SabbathgotteSdftnsteS auf den Nachmittag wurde eine unangenehm empfundene Kollision mit der Schuft endlich aufgehoben, während andererseits dft Feftrlichftft deSsitben dadurch wuchs, daß der jetzige Obercantor Birnbaum », Königsberg den Zöglingen uoentgelttich einen theoretischem^ Gesangsunterricht ertheilte. \ midlich sollte auch der lange gehegte nod von de« Ansirtt»-^ iuspektor in seinem erste» Berichte betonte Wunsch