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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 35 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
35 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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t f 1892« er Hrnm»g«xeb,R von Or. M. Ra-«ri tn 9KftgbtfrurM. a/f Jir >«trrtzß1ü»s *»> -eirtznmfiir dir isrttlttische Mlie. fEchnld der Väter Et,« Lrzlhlnn-^vo« I. Herzberg. (Fortsetzung.) — Dt« israelitische WaiseurerpflegungDanstalt zu ©«•lau. n. — Anthropologische». — Ntthsrl-»n Herzberg usgabe. — RLthsel-Lbsuagea. (llnbrftigtrr »,<z»rnck «X »lese» Blatte ist «»tersagt.) Pie SchuK» der Setter. Lin« Erzählung „n I. Herzberg. 9] IV. In dem etwa eine hall* Meile von H. gelegenen Dorfe Herrenhof befand sicb die Papierfabrik gleichen Namen«. Dieselbe batte einen bedeutenden Umfang und ssrenzte mit ihren großen Baulichkeiten cn die von H noch der kleineren Naehdarsiadt F. führenden Landsiraßr. Die ^Papierfabrik l Herrenhos war die bedeutendste der Provinz. Jhr>! technischen Einrichtungen ließen an Vollkommenheit nicht« zu wünschen k übrig, daher war ihre Leistungsfähigkeit eine erstaunliche und Jk dir aX ihr hervorgeaongenen Fabrikate waren selbst im Au«> lande beliebt und gesucht. Der derzeitige Eigenthlimer der Papierfabrik Herrenhof war Emil Friedheim. Durch Umsicht, Ausdauer und Fachkruntnisfe hotte Friedheim e« verstanden, da« Fabrikwesen auf die Höhe zu bringen, aus welcher e« sich zur Zeit befand. Schwer hatte er zu kämpfen gehabt, um feine Ziele zu erreichen, Schwierigkeiten der mannigfachsten Art waren ihn: in seinem rifngen Bestreben um die Förderung der Papierindustrie entaegengetrrien. Verkennung aus der einen Seite, Neid und Unduldsamkeit auf der anderen Seite erschwerter! chm sein Schaffen und Wirken und drohten gar oft seine n«irg«henden ll^pläne zur Hebung des Gemeinwohls zn vereitelt,. Ta« Fobrik-Etabliffeaunt befand sich, als er c« vor etwa acht Jahren käuflich übernommen hatte, in rinn» kläglichen Zustande. Die Gebäude wann total verfallen, die maschinellen Einrichtungen zum grüßten Theil unzureichend, ja unbrauchbar. Da« Fabrikat war zudem schlecht, und der Absatz, ein immer geringerer worden. Auch fehlte e« an dem n forderlichen Personal. Der Borbesitzrr, ein hochbetagtrr Mann, ab.i baar der »äthigen Fachkeontuiffr, wie überhaupt jeder geschäftlichen Rou> , tine, hatte e« nur verstanden, Nutzen au« dem Fabrikwesen zu l ziehen, ohne große Mittel für den Betrieb bereit zu stellen. So mußte denn Alle« dem Verfalle zugehcn. Tas Fabrikat ' mußte ein schlechte«, ja unlrrauchbares werden, rreil die zur Herstellung' erscrderlichen Jagredienzen und Materialien von . minderwerthigerBeschaffeoheitwartn, odergar in unzureichenden - Mengen zur Verwendung lamen. Die Arbeiter: arbeiteten £«it geringer Lust, denn es war natürlich daß ihre Löhne nicht gar hoch bemessen ivaren. Die Folg,: davon war ^gewesen, daß der beffrre Theil der Arbeiter allmählich au«. ' geschieden war. ES war für Friedheim eine schwere Arbeit ijewesen, al« er nach de« Tode de« Borbesltzer« die Fabrik käuflich erworben hatte, hier Wandel zu schaffen. In erster Reihe war er «strebt gewesen, all die veralteten Einrichtun^n zu beseitigen £y di« nenest« Lautungeu sich nutzbar z»l machen, damit -Fabrik Herrenhos ebenbitrtig den anderen Fabriken au die Seite gestellt werden könne. E« waren hierzu die weitgehendsten Veränderungen vorzunehmen gewesen, da bisher die besten und gangbarsten Papiersorten auf Herrenhos nicht aogefertigt werden konnten. Namentlich richtete er besondere Holzschleifrreien ein, um selbst den Holzstoff zur Fabrikation de» immer beliebter gewordenen Braunhol zpapiereS Herstellen zu können. Auch wurde die Einrichtung zur Fabrikation de« Eellulosrpapieregetroffen. Die Leitung all dieser Neueinrichtungen hatte Friedheim einen tüchtigen Werksührer, der viele Erfahrung in der Papierfabrikation sowohl im Inland«, al« auch rm Ausland gesammelt hatte, übertragen. Aber auch bezüglich de« Arbeiteipersonal« wurden tiefgehende Veränderungen vorgenommen. Friedheim trachtete nicht darnach, seine Arbeiter und ihre Kräfte au«zubeuten. wie e« sein Vorgänger gethan. Er wollte jeden seiner Angestellten, vom geringsten Handlanger bi« zum Werksührer. zufrieden wissen- Den, Fleißigen und Strebsamen wollte er Gelegenheit bieten, besondere Vortheile zu erlangen. Die Löhne wurden daher in erster Reihe den Zeitverhältniffen entsprechend höher normirt. ES wurden besondere Kranken» und Unfallkassen eingerichtet, zu deren Begründung und Erhaltung Friedheim napihaste Summen bereit stellte. Selbst für dir Hinterbliebenen voa verstorbenen Fabrikangehörigen wurde seiunseit« besond:re Fürsorge getroffen. Dir Arbeiter selbst hatten zur Erhaltung all dieser Humanitären Institutionen kaum nenneswerthe wöchentliche Beiträge zu leisten. Die Folge dieser Einrichtungen war. daß nunmehr kein Mangel an ArbeitSkrästen herrschte. Die besten Kräfte standen K">bote; Alle» drängte sich heran, um auf Herrenhof Neigung zu finden. Mit Freuden kamen Alle ihren Obliegenheiten nach. Allerorten herrschte eine seltene Arbeit«» srrudigkeit; ein Jeglicher suchte den andern an Fleiß und Strebkamkeit zu überbieten. Wußte man doch, daß man nicht umsonst schaffte daß man so gestellt war, wie man e« eben nur beanspruchen konnte. Und dieser Geist, der da« ganze Arbriterpersonal beseelte, war von nicht geringem Nutzen für die Fabrikation selbst, die von Jahr zu Jahr zusehend« gestiegen war. Man arbeitete gern von früh bi« spät, und die vorhandenen mechanischen Kräfte wurden somit voll und ganz ausgenutzt, was wieder aus da« Ergebniß von nicht unwesentlichen Einfluß gewesen war. So hatte die Papierfabrik Herrenhos nach Verlauf von zwei Jahren einen vorher kaum geahnten Aufschwung genommen. Da» Fabrikat war ein vorzügliche«, weil die besten Materialien in reichlichem Maaße von sachkundiger, erfahrener Hand zur Anwendung gebracht wurden. Da« Absatzgebiet, namentlich für die Holz- und Eellulosrpapiere, war ei» weite« geroorden, sodaß bald zum Export ins Ausland übeimegaagen werden kmuite, woselbst man dem »Herrenhos« Fabrikat" vor allen andern deutschen Fabrikaten den Vorzug gab.' Und da Fnckhei«, de« Grundsatz huldigend: »Großer Absatz — kleiner Nutzen," stet« die oirdrigstr» Preise notirte und den Abnehmern reälste Bedienung

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