Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 34 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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tmfang) wenigsten« veremdelt auf den Breslauer Wochen- > und Jahrmärkten zu erfchtueen, bereitete sich das jetzt umfangreich« Gemeindewesen vor. welches seinen eigentlichen Anfang erst mit der 1713 den Juden ertheilten Erlaubnitz, auch >n der Stadt verbleiben zu können, nahm. Die seit jener Zeit begründeten zehn Betsiuben der auswärtigrn, zureisenden Juden legen ein beredte-Zeugnitz für denZusammrnaehörigkeitSsinn dl« jüdisäsen Volkeab. Ein eigentliches Gemeindewrsen jedoch konnte sich erst dann bilden, als es den Juden gestakrrt wurde, sich dauernd in Breslau niederzulaffrn, woraufhin schon im5)ahr« 1790 gegen 2000 jüdische Seelen in Breslau gezähir wurden. Et dauerte auch nicht lang«, so ward auch bald mit den Einrichtungen der nothwendigsten Institute vorgegangen. Ein Gemeindehaus, «in Verein der Krankenbesucher- und Pfleger, ein Krankrnhospital (in der «etzigrn Wallstrage) und schlietzlich ein in der Nähe der Stadt gelegener Begräbnitzplatz waren bald geschaffen, und es dauerte auch nicht lange, so bot sich auch für die Gründung eine» der bedeutungsvollsten Institute der Gegenwart, für die geordnete, von der Gemeind« unterstützte und überwachte Leitung der Erziehung elternloser Kinder ein hinreichender, vorbereitender Anlatz. Im Oktober des Jahres 180ö folgte, während der Kanonade der französischen Belagerung, der jüdisch« Musikus Ezechirl seiner ihm im Tode voraufgegangrnen Gattin nach, seine hilflosen fünf Kinder einrig und allein dem Schutze de« himmlischen Batcr» t«t Waisen überlastend. Ezechiel war nach einem mühevollen Dasein, da« eine schwere Krankheit beendet hatte, blutarni gestorben; seine Kinder konnten also nichts von ihm erwarten. Au» diesem Anlasse erlietz der damalige RabbinatSastessor Pappen he im an sämmtliche Gemeindemrtglieder einen A usruf, besten Folge war, datz bald ein FqudS von 1000 Tholern und eine Mitgliederzahl von «00 Personen zusammengeliracht wurden, welche einen monatlichen Beitrag von fünf Silbergroschen zu zahlen sich verpflichteten. Obgleich nun auch die „Gesellschaft der Freunde in der Roth", ein Verein edeldenkender junger Männer, für ein zu gründende« jüdisihe« Waisenhaus einen Pfandbrief von 100 Thalern schenkte;, reichten doch natürlich die Mittet für dir Errichtung und Unterhaltung eines solchen bei weitem noch nicht au», und so werden die fünf Waisen bei anständigen Leuten, welche proKind und Woche I Thaler erhielten, in kopfpflege gegeben. Al» sich nun in Bälde auch andere vaterlos« Kinder meldeten, mutzten dieselben einstweilen bei chren Müttern gegen eine angemestene Vergütigung gelassen werden. Um den Kindern jedoch eine einheitliche Erziehung anaedeiben zu lassen, kam man schlietzlich, da sich im Jahre 1680 dee Mittel erst aus 1030 Rthlr. beliefen undman noch keinen eigenen Bau austühren konnte, dahin überein, eine kleine Wohnung zu rnietheu und den engagirten Pflegeeltern die getreu« Ueberwachung der ihnen anverttauten Kinder zu übertragen. .Die Pflegerltern waren verpflichtet, di« Rächt hindurch die Thüre ihrer Schlafstube offen zu lassen, um, wenn den Kindern m der Rächt etwa» Ungewöhnliche« zustotzen sollte, ihnen den nüthigen Beistand zu leisten; in der Wohnstube der Pflegeeltern mutzten die Kinder ihre Schularbeiten machen und ebendaselbst ihre Mahlzeiten »u sich nehmen." Die Verpflegung geschah in vorgrschriebener Weise — nur Sonnabend und Feiettage wurden besonderausgezeichnet — und sowohl Knaben und Mädchen wurden gleichartig (in Grau) je nach ihrem Geschlecht,: gleichförmig gekleidet. Was die Besänftigung der Kinder anlangt, so wurden die Mädchen, welche den Unterricht im Hause genostrn und sowohl für die Knaben als auch für sich nähen, stricken und stopfen mutzten, ganz besonders auch in die Selbstverrichtung häuslicher Arbeiten gewöhnt, während die neun Knaben einen vollständij>en Elementarunterricht in einer staatlich eoncesfiooirten S«hule — zuerst in der Privatschule Fürstenthal's, dann imJlchre 1831 in der Mirs's und dann temt Eingehen, injper 1791 begründetrnLköniglichen Wilhelmschul«, wo sie den Unterricht unentgeltlich erhielten — untergebracht. Daneben erthellte ihnen Miro besonders Unterricht im Hebräischen und überwachte auch ihre sonstige Thättgkeit in der Anstatt, besonder» während der Ferien. Im Jntereste der Anstalt mutztaa die Knaben unter Begleitung eines Boten zu Neujahr und Purim, sowie bei Hochzeiten, wo sie dem Brautpaar r-ntn gedruckten Glückwunsch überreichten, mit einer geschloffenen Büchse sammeln gehen; dafür waren sie verpflichtet, beim Tode eines Beitrag zahlenden Mitgliedes der Anstalt der Leiche bi» zum Grabe zu folgen. Durch die Nachwehen deS Krieges und andere ungünstige Umstände wurden dem Waisenvnterstützungr-Berein mehr Knaben zugeführt, als er erhalten konnte, sodatz man Mädchen, außer in Krankheitsfällen, van jeder Unterstützung aus« zuschlietzen sich gcnöthigt sah. Dabei konnten dem Waisenvater nicht die Mittel zugefühn werden, deren Inanspruchnahme ihm zugesichert worden war, und so sah sich denn der Vorstand der Waisenanstalt veranlaßt, an einige hervorragende Frauen der Gemeinde ein Gesuch zu richten, welches ihnen die Bildung eines Frauenoerein» und die liebernähme der Versorgung der weiblichen Waisen aus da» dringendste empfahl. Der am 20. Juli 1817 .un die jüdischen Frauen Breslau'«", ivelche ja schon oft in bedrängter Stunde da« rechte Mittel vnd den richtigen Weg zur Rettung gefunden, von neun der angesehensten Damen erlassene „Aufruf" hatte denn auch den namhaften Erfolg, datz sich bei einer Gemeindemitgliederzahl von 80a Personen, in kurzer Zeit über 300 Frauen dem Vereine anschlossen, die sich, nachdem noch durch freiwillige Schenkungen die Summe von 800 Thalern zusammengebracht worden war, zu regelmäßigen monatlichen Beiträgen verpflichteten. Obwohl nun auf diese Weise die Mädchen — eS waren deren sechs — von den Knaben getrennt, bei einer Waisenmutter zur Verpflegung und Erziehung uniergebracht werden konnten, gingen doch beide Institute miteinander Hand in Hand und beschlossen, sich im Bedürsnitzfalle mit ihren Mitteln gegenseitig zu helft«. Doch das Unglück. »oelcheS in den nächsten Jahren über die Staot hereinbcach — eine verheerende Ueberschwemmung im Jahre 1831 und 1832 — brachte es mit sich, datz sich der Frauenverein schon nach drei Jahren seiner Wirksamkeit genöthigt sah, den Borstand um den ConsenS, alljährlich zwei Büchsensammlungen veranstalten zu dürfen, zu ersuchen, die Vereinsbeiträgr zu erhöhen und schließlich auch den eisernen Fond» anzugreisen. So sah man sich denn schlietzlich veranlaßt, einen .Verein zur Unterstützung htlfsbedürstiger Kinder", der sich ganz besonder» armer Waisen, deren Eltern an der Cholera gestorben waren, anzunehmen gesonnen war, in» Leben zu rufen. Es scheint, daß derselbe von der jüdischen Gemeinde geleitet wurde, die sich, um seine Leistungsfähigkeit zu sichern, auch au andere Gemeinden um ihre Unterstützung watibre. So hatten sich durch die uuermüdlichen Anstrengungen des Vorstände« die Verhältnisse so weit gebessert, datz man schließlich im Jahre 1834 den alten Plan zur AuSführuug bringen konnte, für ca. 24 Waisenkinder zu sorgen. Hatte schon vorher die Aufhebung der überlebten und nunmehr unmöglich gewordenen Bestimmung, daß die Waisenknaben verpflichtet waren, der Leiche eine« Anstaltsmitgliedes bei der Beerdigung bi« zur Grabstätte zu folgen, den Anbruch einer neuen Aera für die Anstalt ahnen zu lasten, so trat ein besonders günstiger Umschwung in ihren Berhältnisten damit ein. datz im Jahre 1839 der als Wohlthäter weltberühmte Königliche Kommrrzienrath JonaS Fränkel zu ihrem Obervorstrher erwählt wurde. Ihm hat sie e« zu danke», daß sie im Jahre 1841 ein eigene« Heim erhielt, indem ihr durch «ine SchenkungSurtunoe diese» hochedlen Gönnerder östliche Flügel de« in der Antc nlenstratze statiomrten Fräukel'jchen Hospitals zugeeiguet und zugleich auch sie selbst nochmal« ausdrücklich der Verwaltung des