Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 34 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 13G — Lbeivorslehrt.Collegii bcr israelitischen Gemeinde unterstellt sern sollte. Die Anstalt selbst erhielt noch durch CabinetSordre vor» 2V. Sept. 1841 Eorporationsrechte und Stempelfrriheit. Eine im Hausflur angebrachte Marniortäfel bekundete, dost das .Israelitische Waisenhaus zur, Andenken der Eltern Joel Wolf und Edel Fränkel von ihren Sühnen David und Jonas Fränkel errichtet" worden sei. So konnte denn schon im Jahre 1844 der Vorstand mit Befriedigung und wohlverdienter Grnugthuung dem Polizeipräsidium berichten, daß sich z. Z. 10 Knaben und ebenso viele Mädchen in der Anstalr befänden, welche eine strenge Erziehung upd gute Verpflegung genössen und bei ihrer nach vollendetem 14. Lebensjahre erfolgenden Entlassung bestmöglichst rntergebracht würden, wovon auch der Umstand Zrugniß ablege, daß von den 60 männlichen und 30 weiblichen Zöglingen, welch« aus der Anstalt bisher entlassen worden wären, olle, mit einer einzigen Ausnahme, in mehr oder minder günstigen Verhältnissen lebten und sich eines unbescholtenen Rufes erfreuten. Wie früher erhielten tie Knaben, als Frrifchülcr, den Unterricht in der Wilhelmschule, die Mädchen im Hause. — Am 27. Januar 1846 verschied der Uommerzicnrath Fränkel und bedachte in seiner hochherzigen Sinnesart die hiesige Waisenanstalt mit 10.500 Thlrn^ von wtlcher Summe */, den Knaben, '/, den Mädchen in der We.se zu gute tcmmen sollte, daß noch drei Knaben und zwei Mädchen von den Zinsen dieses Kapitals erhalten werden sollte». In den nunmehr folgenden Jahren hatte die Anstalt mancherlei Veränderungen durchzumachen. Hatte sie schon Anfangs 1845 zeitweilig wegen baulicher Reconstruction und Desinfcction ihre bisherigen Räume wechseln müssen, so mußte sie dies in der Mttte des Jahres 1847 nochmals rhun, bei welcher Gelegenheit die Waisen auch neue Pflegeeltern (Hahn) erhielten. Die liebevolle Fürsorge, deren sich jetzt die Kinder zu erfreuen halten, war für sie von dem besten und nachhaltigsten Einflüsse, und erst vor Kurzem kehrte, wie der Bericht erzählt, ein au» Amerika herübergekommrner ehemaliger Zögling der Anstalt zeitweilig hierher zurück, und sein «ister Besuch galt der damals neunzigjährigen, nunmehr bereits verstorbenen Frau Hahn, die er seine .liebe Mutter" nannte. Auch die hier oder auswärts lebenden Pflegekinder sprechen noch immer mit wahrer Verehrung von ihren Pflegeeltern. Als nun am 15. Mai 1848 die Königliche Wilhelmschule ncch 43iährigem Bestehen geschloffen wurde, wurde trotz des Protestes de« Eurators L. Milch der provisorische und bald darauf definitive Unterricht in der Anstalt beschlossen. Die nunmehr in den alten Räumen, wohin die Am'talt mittlerweile zurückgekehrr war, unter dem Schulrcvisoriuri von Dr. Geiger eingerichtete zweiklassige AnstaltSfchule, ließ, um die Eintönigkeit und den Mangel äußerer Anregung in der Erziehung der Waisen zu ersetzen, auch fremd« Kinder zu dem Unterrichte, der von den beiden Lehrern Jacob Freund und Graoenwitz nach der 1852 erfolgten Magistrat »chen Concession der Schul« ertheilt wurde. Nach wenigen Jahren mußte jedoch der Letztere wieder entlassen werden, da die Anstalt bei ihrem damal» (1855) noch nicht ausreichenden Vermögen wegen der stetig wachsenden Zahl der auszunehmenden Zöglinge die sich bedeutend steigernden Ausgaben nicht zu bestreiten im Stande war, wenn auch dei Gememterorstünd, als er den Antrag eines der Anstattsvorsteher, S. Gotdschmidt, die Anstalt mit ihrem Etat zu übernehme,r, ablehntc, für die Knaben einen Zuschuß von 200 und jür die Märchen von li.0 Thaleru bewilligte. Ja, es wurden, da die lausenoen Beiträge sich wieder einmal verringert zu haben scheinen, einige Vorstandsmitglieder damit betraut, den Mitgliederkreis der Anstalt zu erweitrln, und es gelang ihnen auch, 101 neue Mitglieder zu werben. Andererseits wurde das wiederholte Anertneten, die Knaben gegen eine Remuneration von 100 DHaler» in den Synafsogeiichor eintreteu zu laffrn, von der Anstaltsleituug beonders au» dem zwiefachen Grunde abaewiefen. weil die häufige Abwesenheit der Kinder von der Anstalt ihre Beaufsichtigung und ihre Erziehung stör« und die Anstalt es vermeiden müsse, einer partheiischen Kultusrichtung zu folgen. Als nun im Jahre 1860 der Pflegevater Hahn, allgemein, bettauert, plötzlich starb und ihm sein Nachfolger bald nachfolgte, führte während einer größeren Reihe von Jahren der im Amte verblieben« Lehrer Freund das Interimistikum eines Pflegevater.. Während dieser zehn Jahre wurde das neue Statut für die Anstalt serttggestellt und von allen zuständigen Behörden genehmigt, u»d Ende 1867 der wichtige Beschluß gefaßt, .daß die Knaben von nun an öffentliche Schule besuchen sollten. Auch die Genieinde-ReligionSschule sollten sie nach wie vor besuchen, aber noch nebenbei durch eimn innerhalb der Anstalt anzustellrnden Lehrer — es war dies der Lehrer Freund, welcher auch die Leitung des Gottesdienstes am Sabbath übernahm — unter der speziellen Anordnung de« Herr» Dr. Jos l, im Hebräischen unterrichtet werden." Diesem bedeutenden Fortschritt in der Entwickelung der Anstalt gesellten sich bald noch weitere von großer Tragweite zu, indem durch die Beseitigung einer aparten Kleidung di« Knaben auch äußerlich von den Fesseln eines Internats befreit und nunmehr wie andcir Kinder gekleidet wurden. Zugleich wurde 1869 beschlossen, daß auch dir Mädchen fortan die öffentlichen Elementarschulen besuchen sollten, und schließlich wurden — es war der Markstein in der Ausbildung der Anstalt — die alle Sitte annullirt, nach welcher die Knaben alljährlich mehrere Büchsensammlungen veranstalte» und zu jeder Hochzeit dem Brautpaar einen gedruckten Glückwunsch überreichen sollten. So beginnt denn nunmehr, da am 30. Dezember 1870 der neue, jetzige Waisenanstalts- Direktor sein Amt antrat, für die israelittsche Waisenanstalt, in Breslau eine neue Zeit. (Fortsfolgt.). Aus dem Spruchschatz de» Talmud. Poetisch übertragen vo» Sein beeg. Engeln gleichen möchte» Du? — Deine» Feinden Batet thu'. Wohlthätigkeit dein Beld Sie Salz ent Fleisch erhält. alte Mutier ist im Hon» fielt ein lieber Bast, Alter Mann wird jungem Lolk gar zu bald zur Last. Räthsel'Aufgabe. Deutsches Logogriph. Bon 0. in &. Ei» kleiner Fluß int heil'gen Land Mrd in „Debirim" o» genannt; Wenn't letzte Zeichen man verbannt, Ist auch in Welschland er bekennt. 3 KeSräisches Doppelcompofltionsräthsel. Bon 6. in K. :l Für jeden Dichter ist dat eine unentbehrlich; Für jeden Menschen wird dat andre osr gefährlich. Dat eine ist verboten für jedes Juden Mund; Das andere legt zum Tode wohl stets deu ersten Brund. 1 Auflösung des Ztathsets i» voriger Kummer. S, (AJ1», «»**)} f?, »«*«; *», Aach; 7, t» >8 ft«*««»; o?, «»U; C''7X%, &*uUtn%er. iverantwoiM RedakteurOr. Böhmer, Magdeburg, «.rul»anVendiz chHuhn (früher D.L.W»ljs),Magdeburg. Serlag: Bob Friese,!