Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 33 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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»Zunächst muß ich «me fremde Angelegenheit erledige». ' Sage« Eie mir, siehe« Sic mit einem gewissen Hirsch Löwen 'in Verbindung?" - ‘ .Jawohl/ erwiderte Salden, verwundert ausschauend, »er hat aber heute wider Erwarten seine ganze Schuld beglichen. Aber, verzeihen Sie mir die Frage: Haben Sie ein besondere» Interesse bei der Sache?" »Gestatten Sir'mir. daß ich Ihnen die Antwort auf diese Frage schuldig bleibe. Elag mir nur daran zu er» fahren, ob Löwen vir Pfandobjekte, di« sich in Ihren Händen befanden, einaelüst hot. Da ich erfahre, daß diegeschehen. so ist diese Angelegenheit für mich erledigt. Run aber dabe ich wieder ein besondere- Anliegen an Sie. E« gilt, eine kranke Wittwe mit fünf unmündigen Kindern, die außer Stande ist. den Dliet^in» zu entrichten, zu unterstützen.- Ich weiß, daß ich bei Ihnen, Herr Salden, nicht vergeben» anklopsen werde, der Sie in anderen Fällen immer bereit sind, zu helfen." »Gewiß, Herr Friedheim," antwortete Salden mit süßsaurer Miene. Bei diestn Worten entnahm er seiner Kasse ein Zwanzigmarkstück und überreichte e- Friedheim. Seltsam! Er nahm da- Goldstück von demselben. Betrage, den ihm Löwen vor etwa einer Stund« überbracht hiUtx. Was er der eine» darbenden Familie entrissen, damit wollte er eine andere unterstützen. Würde Friedheim da- Goldstück angenommen haben, wenn er gewußt hätte, in welcher Weise e« in Iren Besitz de- Geber« gelangt war? Rein! Er würde es ihm unter dem Au-druck der tiefsten Verachtung vor die Füße geworfen haben, hätte er geahnt, daß «- einer selber Roth leidenden Famstie adgepreßt worden ist, daß e» ungefähr den Wucherzinausmachte, den Salden für «in nur auf kurze Frist gegen Pfänder dargelirhene» . Kapital ergattert hatte. »Ich danke Ihnen herzlichst für Ihre reiche Spende, lieber Herr Salden," stirach Friedheim in warmem Ton«, »danke im Namen der unglücklichen Familie. Ich will ein« ,Sveadeliste aalege» und Ihr Name soll, wie immer, an erster Stelle prangen. Bitte zeichnen Sie Ihren Namen und den Betrag, den Sie sprendem Die Liste soll demnächst im hiesigen Tageblatte veröffentlicht werden." folgt.) Hleöer das Aer-AMtz der israelitischen Lehrers Z:' z» de» dar A«de«it-»m SerLhreade» Aettmrd Streitfragen. Vortrag t«» Semluortehrrr» Treu. (Schluß.) Ich muß mir zum Schluss« noch gestatten, au« dem " Fragekasteu doch nock» einige Spitzmarken herao-zuareisen und einige derselben im Schlagschatten unter kurzen Glossen vtrzuzeigen: — Sie gcheu in zwei Hauptrichtungeu au-einander, scheide» sich in zwei Gruppen: Religion, fromm, streng- Z— gläubig, konservativ — und: Reform, Zeitgeist, ethischr« Judeuthum ohne Dogma (wie viele Dogmen hat denn da» Judenthum?) — ferne» : Beschränkung de« hebr. Unterrichte» io der Schule — bä» Uedersttzrn an« dem Pentateuch wird gänzlich au-geschlossen, — nur Wenigeübersetzen audem Gebetbuche. — Fort mit dem Hebräischen au» Synagoge und Schule, — SonntagS-Jugendgotte-dieust u. s. w. Betrachten wir diese Schlagwörter mit Ausnahme der auftäumenden näher, so geht H mit ihnen, wie mit allen Schlagwörter«; es kommt darauf an, in welcher Absicht sie gesprochen Verden, und. welche Bedeutung ihnen gegeben wird. Ist aber, hier Zeloti-mu-, dort Rrformparoxmmu-, dann .arten Beide fa unheilvollen Fanati-mu» au». Sind aber lene der Au-druck ftr die Anhäuglichleit an den gotte«- -7 sürch1iarn^K»ltu- und dies« von dem aufrichtigen Streben =/:)aSi.^ . ... zur würdigeren Gestaltung de» Kultu» von berufenen und befähigten Personen, dann wird au» dem Gegensätze die versöhnend«! Harmonie. Diese hat der Lehrer zu vermitteln. Er hat sich durch sein Studium dazu vorbereitet, da» ihm übertragene Lehramt giebt ihm dazu Beruf. Wie in jede Schultommission ein Fachmann (also Lehrer) mit berathender Stimme gehört, — so auch in eine Kommission, die über Kult»«- angelegenheit zu Rathe sitzt.-) Aber er soll sich nicht hrrvorthun, nicht dominiren wollen. In seiner Gemeinde sind die verschiedenen Richtungen und in seiner Schule die lkinder verschiedener Kreise. Daher muß er pietäwoll, schonend verfahren und Aergerniß vermeiden. In seiner Gemeinde giebt ihm sein Amt Gelegenheit zu lehren und zu belehren. Bei der Wcindelbarkrit der Richtungen sind für ihn die Extreme höchst tedenklich, und er muß sich so stellen, daß ihm der Borwurf der Heuchelei oder Liebedienerei erspart bleibe. — Der Zeitgeist. — Dieser ist oft der Herren eigmer Geist, der ober mit Rücksicht auf den wahre« Gehalt de» JudrnthumS . nd der herrliche» Schätze seine» Schriftenthumgar sehr verwä»>rt ist. — Zn unserem Zeitgeist könnten wir Reklame, Rücksichtslosigkeit, Sttcberthum, — die Berhimmlung durch einen Theil der Presie al« dessen, wa« die Krambude alS Neuheit in Flittergold an d.n Mann bringen will, rechnen. — Diesem gegenüber muß der Lehrer in seinem Sollen und Wollen Boden unter den Füßen haben und darauf feststehen. Lehrer sind keine Eintagsfliegen. — »Nur die Ethik de» Judeuthum» soll gelehrt, gepredigt und gelebt werden" — Gewiß, ganz gewiß ist dir Ethik ein wichtige» Moment» da« der Lehrer Hoch- Halten wird. — Da« Nur ist indeß zu engherzig und zu kurzsichtig Die Ethik berührt nur ein« Seite de» allumfassenden Begriffe» Religion. Diese bleibt unverrückl in ihren Grundwahrheiten, während di« Ethik in vielen Punkten nach Zeit und Ort da» Gewand nechselt. — Wie von der Ethik, kann man auch von der Arstethik de» Judenthumsprechen. Diese hat einen noch breiteren Hintergrund ~! ein größere- Gebiet in der Entwickelung der religiösen Idee, i wie diese sich v.wwirklicht und zur Bethätiguna in Erscheinung «nd Anschauung tritt. — Die Ethik de» Judeuthumist aber auch keine neue Erfindung, kein« Forderung blounserer Zeit. — (Es wäre eine dankbare und schätzbar« Konferenzarbeit: Die Pflege der Ethik und Aesthetik in der Schule und im Gotte-Hause!*") Die Ethik wurde gelehrt ur.d bethätigt: von Hillel, Saadja. Maimonide», den herrlich:» Spaniern» Iben E»ra, Gabirol, Iehuda Halevi, auch von Mendelssohn, auch im Odowoel» halewawot, von diestn könnte mancher heute noch eine wichtige Forderung der Ethik, die Bescheidenheit, in sein Tagebuch schreiben »Fort mit dem Unterrichte de» hebr. Schriftworte» auder Schule!" Daß wir auch in der Muttersprache, d. h. in der Landessprache; bete«, singen und da» Bibelwort zum Verständnisse für die Menge bringen dürst» — ist eben so wenig neu. »Jeder darf in der ihm verständlichen Sprache beten" — lautet ei» Grundsatz der Mischuah. Zu welchem Zwecke wäre sonst dcr Targaa abgefaßt, hätte Most» Mendel«- sohn die 8 Bücher Mose» und die Psalmen übersetzt, David Friedländer ein« oeutsche Tollllall verfaßt? Erinnert kann man auch an die jüv. deutschen 2)rucksacheu vor Hunderten von Jahren werde». Damit ist aber kine-weg» der Ansturm gegen den Unterricht im Hebräischen zu rechtfertigen. — Wohl erschweren die heutigen Schulverhältuiffe da« Hebräisch« in dem Jugendunterrichte. Wie sthr aber und ") Selbstverständlich gilt Velde« nur in solchen Semetnden, Mt keinen Rabbiner «tt Sitz und Sri«»» In de» berr »»««IfstoNeu tofecft« (Stefc) **} Wurde für hie »Schft- Sonserenz »um Lhema bestimmt. p ' * .'Ä/äL:. j '■«j.i.'-s. - ' . .... . -