Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 33 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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junge^Mann warllirbeoSwürdig und der Tochter gegenüber stet» zuvorkommend gewesen. Er hatte mit seinen Schmeicheleien nicht gegeizt, die natürlich Meta als baare Münze hingeuommen hatte So war denn wirklich in ihrem Herzen »ine stille Neigung, ein lebhaftere» Interesse erwacht und sie war es stets gewesen, die die Rolle einer Vermittlerin übernahm, wenn der Vater dem leichtfertigen Geldvergeuden des Lieutenants einen Damm entgegensetzen wollte. .Papa, wie kommst Du plötzlich zu dieser seltsamen Frage?* entzcgnete die Tochter, verlegen vor sich niederblickend. »Seltsam finde ich meine Frage durchaus nicht," fuhr Salden fort, lächelnd auf seine Tochter schauend und die Feder niedrrlegend, .und wie ich zu dieser Frage überhaupt komme? Nun. ich habe den jungen Mann schon so oft im ttaulichen Zwiegespräch mit Dir beobachtet, daß ich wohl annehmen darf. Du seiest ihm nicht gleichgültig." .Da bist Du aber im Jrrthum," entgegnete die Tochter,' zu ihrem Vater aufblickend, .es waren stets gleichgültig« Dinge, die den Gegenstand unserer Unterhaltung bildeten, welche der Lieutenant mit mir ankaüpste, wenn er zuweilen auf Dich zu warten hatte. Und wenn auch in meinem Herzen für den jungen Mann ein wärmere» Gefühl sich regen würde, glaubst Du, ich würde es ihm je offenbaren? Gedenkst Du nicht der großen Kluft, die Nennend zwischen un» gähnt? Ich, die Jüdin — er, der adelige Christ!" »Diese Kluft, liebe» Kind," entgegnete der Vater, »wäre zu Überdrücken, besitze ich doch die Mittel hierzu in genügendem Maaße. Höre mich an. liebe Tochter, welche» Projekt nach «nd nach in mir zur Reife gelangt ist. Du sollst den Lieutenant henathen." .Vater!" wehrte die Tochter-ab. .Unterbrich mich nicht," fuhr der Sprechende sort, »Du weißt, weicher Art d»e Verhältniffe de» jungen Manne» sind. Seine Schulden sind bi» zu einer solchen Höhe angrwachsen, daß er niemals im Stande sein wird, sie zu total. Bon Hau» aus ist er völlig mittellos, da er von seiner Mutter, die von einer kargen Pension leben muß, keinerlei Zuschüffe erhalten krön. Seine sämmtlichen Wechsel und Ehrenscheine befinden sich in meinen Händen, da ich sie nach und nach au mich zu bringen gewußt habe. Der junge Mensch ist also in meiner Hand. Verweigere ich die Prolongation und gebe ich die Ehomscheine an geeigneter Stelle ab, so ist sein Ruin da. Ich werde ihm morgen bei der Unterhandlung betreff» te» letzten fälligen Wechsel» all diese» klar machen. Ith werde ihm nun die Alternative stellen, entweder allen seinen Verpflichtungen nachzukommen. — oder Dich zu ehelichen. Ich würde in diesem Falle nicht nur die Wechsel vernichten, sondern ihm eia bedeutendes Kapital zur Verfügung stellen. Er ist daun in ver Lage, den Dienst zu quittiren uir> sich ein große» Gut zu kaufen, auf welche» er mit Dir sorgenfrei leben kann. Nun, wa» sagst Du zu diesem Projekte, liebe Tochter?" »Ach, Papa," entgegnete diese, .laß ab davon. Du gehst nur einer Chimäre nach, di« nie ein« feste Gestalt aanehmea kann und wird. Dich lockt das Wörtchen .von" «nd Du möchtest, daß ich dafür das Kostbarste preisgebe» da» der Mensch hiniedeu besitzt: den angestammten Glauben. Und glaubst Du wirklich, von Wiedenhof wird auf Deine» Bor» mlag ei »gehen, in dem er nur eine Erpressung erblicken muß? Wird ec sich nicht eher eine Kugel in die Stirne jagen, ehe er eine Jüdin heirathen wird? Und ftagst Du nicht, wie die Well, die in Dir jetzt den Ehrenmann erblickt, wie die jüdischen Kreise, die niit Verehrung zu Dir auffchaueo, über Dich uttheilen würden?" »8Las die Welt urtheilen würde, ist mir gleichgültig," entgegnete Salden schroff, .ich bin rin unabhängiger Mann, der ohne die sogenannte Welt leben kann, denn ch bin reich und bedarf keines Menschen. Darum erkläre Dich, wie Du Dich z« der Sache stellst." mich Deinem Willen beugen," entgegnete diifür, daß Du mir keine Schwierigkeiten .Ich werde die Tochter. »Habe Dank , ...,_„.. . bereitest," sprach der Vater. .Du bist immer eine verstän» 3 dige Tochter gewesen. Wir werden jetzt in unserer Arbeit fortfahren. Hast Du dem Löwen die Pfandgegeustände au». gehändigt? »Jawohl; er wollte durchaus Dich sprechen. Ich ließ > .jj ihn aber nicht eintreten. Er war sehr aufgeregt und b«. fürchtete ich einen unangenehmen Austritt Erzählte zweirj undsechzig Mark und fünfundachtzig Pfennige. Ich hak« den Betrag dort hingelegt." i- ' Salden nahm die Summe an sich. Dann sprach er: -; .Es ist mir räthsrlhast, woher der Mann so schnell da» . < Geld genommen haben kann. Run, mir kann e» gleich sein, '7^ ich habe wenigstens mein Geld." j Dann nahm er ein längliche» Buch, reichte e» der Toch» A: ter hin und sprach: ' ' '-*3 »Schreib« nieder» wa» ich diktsie: Hirsch Löwen zahlt« an Kapital einundvierzig Mart und fünfzig Pfennig«, an Zinsen und Provision einundzwanzig Man »nd fünsnnd» dreißig Pfennige. — So, nun lege noch da» Berzeichnjß der morgen zum Verkauf gelangenden Psandobjekte zurecht, streiche aber zuvor die Namen der von Löwen ringelüste« Gegenstände. Wir wollen dann die Arbeit schließen, da ich ptt>en Augenblick Herrn Emil Friedheim erwatte, der sich aumel- - 4 den ließ." , j. Die Tochter räumte die Bücher und sonstigen Uten-ch j silien vom Tische und entfernte sich. Salden saß, die Hände gefaltet vor der Brust haltend, sinnend da. Plötzlich schreckte ihn ein Pochen an die Thür« au» seinen Sinnen auf. Auf sein .Herein!" trat ein Mau» in» Komtor. Es war der Fabrikbesitzer Emil Friedheim. Eine gar stattlich« Erscheinung war der Eingetretenr Voll Wohlgefallen ruhte unser Auge auf dieser hohen mänu lichen Gestalt. Ein mächtiger tiesichwarzer Bollbart «m^ rahmte da» Gesicht, au» dem Wohlwollen und Gutmüthmtat sprachen. Ein paar dunkelbraune, lebhaft dreinsthauend« Augen glänzten unter den kühn geschwungenen, tiefschwarzen Augenbrauen und kündeten von Treu« und Aufrichtigkeit. Friedheim mochte mit Salden gleiche» Alter» sein, und doch, welcher Konttast herrschte zwischen diesen beiden Persönlichkeiten. Während da« Aussehen de» Erstereu noch keine»- weg» darauf hindeutete, daß er bereit» da» vierzigste Jahr überschritten, machte der Lchtere den Eindruck, als näher» er sich dem Greisenalter. Während die Leidenschaften verschiedenster Art bei Salden auf deffen Konstitution wirkt, waren die Wogen de» Leben» au Friedheim spur! vorübergerauscht. Der seelenvolle Blick, der au» den Friedheim» zu dem Unglücklichen h'nüberschweistr, machte! diesen erschauern und weckte in ihm neue» Leberi, Trost,: Hoffnung und Zuversicht. Sein Händedruck war warm nnd' ging an» Herz; da» Wort seiner Lippen war Trostgesang und hellender Balsam für das zerrissene Gemüth. Sein Herz war weit und schlug stet« iu gleiche« Maaße de» Reiche» wie dem Armen in inniger Liebe zu. Heute war es wieder««' sein nie erkaltende» Mitgefühl für die Noth bedrängt« Mdb»^ menschen, da» chn trieb, seine eigenen Interessen denen derer unterzuordnen, zu geben und auch Andere zum S den zu veranlaffen. — »Gott zum Gruße, mein lieber Herr Salden," Friedheim Diesem beim Eintreten entgegen, chm die Hau!» reichend. .Willkommen, Herr Friedheim," ries Salden, sich hebend und den Händedruck erwidernd. „Bitte, nehmen Sie gefälligst Platz," fuhr er forh ans einen Seffel deutend, und, nachdem Friedheim sich ges feinen Platz selbst wieter einnehmend, joa* verschafft m die Ehre und die Freude Ihre» BesmH»?"