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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 33 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
33 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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teil £• txnmJgtfltbtn Don Dr. BL Ratyuct ln Magdeburg Zn |«trr|iltXKf ul ßetchMS str lir isrnlitW -Mit. Inhalt: fr.. t Sta Schuld der Stttr. V>k SrMluuvonI. Her»der-.'(Fortsetzung.) — Uedcr da» Verhälmlß de» i»ia«Iitischea Lehrer« (■ deu da» Jrdeuthum berührenden Zelt- und Streitfragen Vortrag de» Seminor-Sehrer« Treu (Schlad) — Dl« (brtfeätvng Amerika'» und di« Juden. — Ei» NÄaI»»rd-B«ib. von «.Joachim. — Lein« Branche. — Näthsel-Aufgabe. — RMHsel-Lösunge». (Uubesutzter Nachdruck aus Mtfm Binar ist untersagt.) Me Schuld der Mäler. Lin« Lezahlunvon I. Herzberg. 7] IIL Ja bet Schmiedestraße, in einem der in barockem Re- Mnffanteftn(e erbauten Häuser, bie bie wenigen Ueberrefte längst entschwundener (Zeiten bildeten, befand sich da« Pfand« leihgeschLst von Leo Silben. E» war die« da« einzige konzessionirte in der Residenzstadt; Herr Salden war daher und »eil er die besonderen GeschäftStnifst kannte, in kurzer Zeit u» Vermögen gekommen. In dem Schaufenster seine« Be» fchäftSladen« waren die verschiedensten Dinge ausgestellt und .. glich diese« einem kleinei» Alterthumsmuseum. Seltene Silber- ' und Goldmünzen, goldene Ringe und Ketten, Diamantge» ' schmeide, farbige Base» und noch viele andere werthvolle ' «genstände wechselten in bunter Reihe und dielten da« Auge be« Beschauer« gesessen. Im Laden selbst bot sich un« ein noch buntere« Bild dar; denn Rer standen oder hingen an ' den Wänden alle möglichen Dinge. Mancher Gegenstand, der hier zur Schau gejtcOt war, mochte ehemal« e«n fürstliche« Gemach geschminkt haben, und an mancher Kostbarkeit, :y die nn« hier entgegenttat, mochte eine Zähre de« Kummer« hasten ob eine« verlorenen Lebensglücke«. Und ob alle Gegenstände auf rechtlichem Wege auf ihren jetzigen Besitzer tibergegangen waren? Wer wollte, wer durfte da« Gegen» theil behaupten. Leo iLalden war doch ein Ehrenmann! — Reben dem Pfandleihgeschäft hatte Salden bald, nach» dem er zu Vermögen gekommen und die erforderlichen eigenen Mittel zur Verfügung hatte, auch umfangreiche Geldgeschäfte betrieben. Die Geschäfte dieser Art betrieb er jedoch in Geheimen, denn alt kluger Mann scheute e« Salden, mit deu Gesetzen in Konflilt zu kommen, und diese Gesetze ahndeten da« hohe Zinsnejmen sthr hart? Salden, war aber . keineswegs gesonnen, um geringen Nutzen zu arbeiten, er . wallte verdienen mit ' einem Gelbe, da« sich vervielfachen /sollte. Sein Kundenkreis fetzte sich au« den Mitgliedern der 'Mtyeren Beamten» uni» Offiziertreise zusammen. Wer in Gttdverlegenheit sich befind, hatte nur nöthig bei dem »Geldjuden" anzupochen, der immer zu geben bereit war, natürlich gegen entsprechende Zinsen. Doch diese« Letztere war selbstverständlich. E« war für Salden eine besondere Ehre, vor allen feinen GlanbenSgrirofsen in H. gerade von jenen Ärei» fen in Anspruch genommen zu »erden. Diese Thatsache hatte in ihm einen Ehigeiz wachgerufen. Zu seinen Hauptkunden zählte ein Lieudmant de« in H. garnisonirenden Dra- 'Honerregiment«. Lieutenant von Wttdenhof hatte die Kasse Salden« mehr al« für beide gut war in Anspruch genommen. Elfterer hatte flott gelebt, huldigte vielen noblen Passionen ' und er litt daher an chronischem Geldmangel. Salden half immer au«; denn im tiefinnersten Herzen verborgen keimte «ch eine fhoAnung, die er nar sich selbst noch m Wrt> ii Inttlj nagte. Besaß ««(hoch zwei Tächter von denen die älteste achtzehn und die jüngste zwölf Jahre zählte. Seine älteste Tochter mußte in nähere Beziehungen zu Licnteuant von Wiedenhof treten. War die Verwirklichung dies!.« Gedanken«, der immer festere Gestalt bei ihm annahm, eine Unmöglichkeit? Gewiß nicht! Hatten nicht Sou so viele zuvor die Mittel der.Geldjuden" dazu benutzt, « Wappenschild cufö neue zu vergolden? Der Umstand, daß seine Tochter ihrem angestammten Glauben untreu werden mußte, konnte nicht in« Gewicht fallen. Salden hatte der Verwirklichung diese« Gedanken« schon sehr große Summen geopfert, er hielt e« jetzt an der Zeit, zur Attaque zu schreiten. Zunächst hatte er bei seiner Tochter zu soadiren, um zu erkunden, wie diese seinem Projette gegenüber gesonnen sei. So fanden wir chn denn am Spätnachmittage deffelben Tage«, an welchem sich die im Vorhergehenden eigählten Ereignisie abspielten, in seinem Komtor an feinem Arbeitstische sitzend. Vor ihm lagen zahlreiche Geschäftsbücher, die er selbst ohne Hilfe ftemder Leu» führte, da er e« ängstlich vermied. Anderen einen Einblick in seine geschäftliche Praxi« zu gewähren. Nur seine Töchter standen ihm hier zur Sette, fowert e« die häuslichen Geschäfte gestatteten, ivelche sie sehr in Anspruch nahmen, da ihre Mutter schon seit Jahren nicht wehr lebte. Heute war ihm ausnahmsweise seine älteste Tochter Meta behülflich. »Folio 257; Lieutenant von Wiedenhof," sprach die Tochter. Salden schlug in dem vor ihm liegenden mächtigen Hauptbuch« die genannte Blattseite auf. Dann ließ er sich vernehmen: »DaS Eonto de« Herrn Lieutenant wächst immer mehr an, und ich habe leine Gewähr, daß ich jemals mein schöne« Geld zurückerhalten werde. Gestern habe ich chm zwei Wechsel im Gesammtbettage von 6000 Mt. prolongirt und «wegen sind wieder zwei andere Wechsel von gleicher Höhe fOUkg." Nach diesen Worten legte er die Feder au« der Hand und blickte auf feine Tochter, die sinnend auf da« dickleibige Geschäftsbuch mit feinen tobten Zahlen schaute. Meta Salden war keineswegs eine Schönheit zu nennen. Sie war eine alltägliche Erscheinung und nicht« war an ihr zu entdeclen, da« irgendwie eia lebhaftere« Interesse zu erregen geeignet war. Ihre Formen waren nicht» weniger al« edel, ihre Gesichtszüge fast nichtssagend, und e« wäre zu verwundern, wenn Salden bei seinem Schuldner sein gesteckte« Ziel erreichen würde. »Wie gefällt Dir der Lieutenant von Wiedenhof, Meta?" fragte unvermittelt Salden seine Tochter. Diese fuhr plötzlich au« ihrem Sinnen empor. Dann überzog ihr hagere« Gesicht eine intensive Röche. Sollte iu der That der Genannte der Gegenstand ihre« Sinnen« gewessxfein? Zu verwundern war e« nicht. , Der genannte

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