Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 32 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ippilIlL il, id tiroflfUfhi jffrfri de» d« Aih«t-äm terüßrr»derr Zstt- «nd Vortrag de» Lewtnartehr«« Tr«v. l)»rtir»m»g.> Geschätzte College« l CUe werden e» mir nicht zumuthen, vnd ich darf chre Geduld nicht auf die Probe setzen, um y »ich in Spezialitäten unsere» Gegenstände» zu ergehen. Da ^'grinst uns die häßliche Fnitze der Aullüge an. dann ruft »an ««» an den Wahlrisch; liier zieht man die Juden in die Diskussion über die Socialdemokratie, dort macht man sie verantwortlich über de» Niedergang der Presse, — um » die autiftmitische Presse al» Muster der Elassik, der Wahrhafl-gkeit — de» Anstande», des wahrhaft deutichen Geiste» -chinzustellen, — e» müßte gar viel Kleister geben, um all' * den Log zu überkleben. — Wie wir» machen, ist nicht recht. t Bor den Wahlen liest man uu» einen anderen Text, al» 8, nach denselben. — Bor dir Beratung de» BolkSschulgcsrtzes? behandelte unS rin bekannt!!» Blatt auf kurze Zeit gnädig. — k nach dem Falle desselben wälzte e» in 7 Thesen gleichsam «inen Steinhaufen auf un»: steinigt sie auf jeden Fall! ' Hält der Jude au» Pietät, oder Gewodndrit an alten Satzungen, dann ist er 'fr die bürgerliche Gesellschaft der ungeheuerliche Talmudjude; huldigt er dem Fortschritt«, sei :fc «» in Folge seine» Bildungsganges, oder au» Schwäche, die dem Gegner Conzefsionen macht, danii ist er der Ungläubige, Umstürzler, Atheist. .Dreh« er sich IUH, geht er recht«, Thur er nicht« »tut«, lhnt er nicht« Schicht», «an hiing« den g«pt th« hinten. Und Hit»« Gott ihn seldft geadelt, Er blieb« UQ nicht rmgetadelt Von dieser «rät,, bösen velt, Dir »nr t« KänUthea sich gesillt. — So bedauerlich die von Außen gemachten Ausstellungen auch stad: so uachthcilix, sie auch auf die Entwickelung unserer LeoenSverhältniffc und gar auf die Existenzbedingungen fei» können; sie würden r«l von ihrem giftigen Stachel und ihre Bitterkeit verlieren,- wenn die Zeitfragen u? eigenen - Hause mit der uöthigen Umsicht unö Schonung gelöst würden; wenn nicht mancher unberufen und unbesährgt "ch in di« Listassion drängte. — Dieser eifert für starres Festhalten an unwefent.ichen Gebräuchen, die mit dem -wahren Kerne nicht« gemein haben, jener stürmt gegen Bewährte» an, ob auch Beiden di« Kenntniß de» Judentum», und besten Echriftentum gänzlich mangelt. Beide« widerspracht der Geschichte und dem. innersten Wesen de» Judentum». Die Geschichte leiert, daß stet» bei äußerer Bedräng- . «iß Israel um so mehr auf sich selbst zurücktam, sich fester um sein Banner schaarre. um so eifriger darüber wachte, daß seine Fahne nicht zerfetzt wurde, >n welcher di« Worte Moses und der Propheten golden strahlen zur Führung Jsiael» durch die Völkergrschichte. — Da» Ideal ist dir Gottesidre, die Israel offenbar wurde, und berufen den Völkern und der Geschichte voranzuttägen, ein Wegweiser, eine Lehre zum Bölkerfriedcn und zum Menschenglücke. Der isr. Lehrer verbindet, wie schon gesagt, zumeist mit dem Jugeudlehrrr auch in gewiffem Sinne den Geistlichen, den Religionslrhcer — denn nur in größeren Gemeinden fungirt ein Ravbiuer. Sein Wirkungskreis ist nicht blo« dir Schule; er muß im Gotteshcuse erbauen und belehren, auch wohl in Vereinen belehrende Vorträge halten. Hierdurch tritt er in engere Beziehungen mit seiner Gemeinde > uni» deren Familien al» der Elrmentarlehrer, welche letzterer ja auch schon der Wnhselbeziehung zwischen Hau» und Schule Rechnung tragen muß. Dcher ist es ganz natürlich, daß er der ersten einer ist, der von den Zeit- und Streitsvgen^das inner« Judentum betreffend, berührt wird, und -r, .auu im "" ' ■ " ' * daher ist es eine ebenso wichtige, wie schwierige Frage: Wie 'n har er sich zu stellen? zu verhalte«/ . ' Di« Frage ist heiklig, und ich bin,, nicht so anmasend, für alle Fälle unbedingt nnd für jede» an seinem Platze di« Antwort geben zu wolle». Bei den widerstreitenden Ansichten muß ich um milde Beurteilung bitten. Wer wollte auch ans diesem Boden sich unterfangen abzuschUrßen, ober auszuschließen, wo sich alle, die mit redlichem Killen kommen, wahrhattiq für Wohl und Würde einzutreten, sich in die Gemeinschaft einschließen. Bor der kurzen Beantwortung der Fragen, durch Beleuchtung einiger Schlagwörter, gestatte ich mir. ein Bild oder Gleickniß vorauszuschicken: Da» Judentum m.it seiner Lehre ist der Träger de» eben hingestellten JdeÄS. Diese», ist ja auch nicht nur von der Mutterrrligion, sondern auch von deren Töchtern — ivenn auch mit Mod isikatioiirn, — übernommen nnd anerkannt. — . Das Ideal ist nun der Geist, der eine» Gefäße», etwa einer kostbaren Base bedurfte, al» Faffung für die große Menge, daß jener, der Geist, bewahrt bleibe in Wandel der .»teilen und in den wechselnden LebenSgestaltungrn. Da» Ideal ist da» Unwandelbare, es muß für alle Zeiten und alle Menschen da» Wahre sein Da» Gesäß das nicht die Wesenheit ist, nur Symbol — mag sich als Faffung, nach Zeit, Umnänden und den verschiedenen Anschauungen anbequemen. Da» Gesäß sei nun mit allerlei Schmuck, Blumen, Figuren rc. so verziert worden, daß diese al» Zeichen auf den Inhalt deuten, an denselben erinnern, für denselben einnehmen. — Da mögen Manch« in der Betrachtung der liebgewordenen Base, diese, weil sie der Anschauung näher, mit dem Inhalte . so verwechseln, daß sie darüber leicht den Geist außer Acht taffeu, wohl gar diejenigen, welche nicht "in jedem Blümchen,' in jeder Figur, Jn^rlt und Gefäß erkennen, nicht verehren, al» de» Erde» unwürdig erklären. — Anderen hingegen erscheint da» Gesäß als ein unmoderne», zerbrechliche» Ding, dessen Blumen verblaßt, deffen Ziernguren der Zeit, der Mode widersprechen; sie wollen das Gefäß zerschlage», die Scherben unter Schutt begraben, ob auch der Seist verfliege Zu beiden Seiten de» Gesäße», oder der Einfassng de» Springbrunnens liehen sich die stteitrnden Parteien gegenüber, indeß vor demselben ein edler Fruchtbaum seine Aeste aus» brrstet. Dieser Fluchtbaum wechselt IM Kreislauf de» Jahre» sein B^d. Erst steht er kahl, dann schwellen Knospen, nun erscheine«: duftige, farbenschüne Blütben. später erquickt seine köstliche Frucht. Zwar wechseln die Erscheinungen, aber dennoch sind sie von denselben Faktoren in» Dasein herausgebildet; — von der allbeleben den, leuchtenden Sonne, von ein und derselben Triebkraft, dem eigentlichen Kerne de» Baumes, der in den wechselnden Vorgängen auf die Reise der köstlichen Frucht hinarbeitrt. Dieses ist so bestimmt, so feit vorgezcichnet, daß nicht nur die einzelnen Gattung«, sondern auch deren Arten ihrer Bestimmung treu bleiben, also nicht Apfelbäume nur Aepfel, Kirschdäume nur Kirschen, sondern die Arten der Apfelbäume, jeder Früchte seiner Att trägt. — Und nun, meine Lieben! — r» ist nicht Lehrrrdünkel, wenn ich meine: der Lehrer stehe zwischen beiden Lagern verschiedener Ansichten. ES sei ver Lehrer der Fruchtbaum am Bache, der da spendet lebendige» Wasser, welche» seine Lebens- und Lehrdediugung ist. Er breite seine sruchtreicheu Aestr nach beiden Seiten aus zum Frieden und zur Wahrung de» eingeimpften göttlichen Kerne». Indem er gleichsam al» Siegelbewahrer (nach dem Satze rrnn üirvn) jeden unberufenen und unberechtigten in da» Heiligthum eindringenden Schreier adzuwenden die Pflicht hat, muß er aber auch den Forderungen der Zeit zu ihrem Rechte verhelfen da, wo da» Bedürfniß fneuer Formen und Zeichen zur Erhaltung und Weckung de» Verständnisses für dev wahren Gehalt unserer Rttigion heroortritt. In dieser Beziehung har da» Wort Lessing» seine Bedeutung: