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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 31 (1892) · p. Seite 123

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
31 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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t; den ih» Blicke steworsen. Sie wollte ihn licht wecken, denn ' sie wußte, daß sie hkibuich sich selbst nur eine unangenehme ^ene l<reitet haben würbe, der sie bei ihrem leidenden Zustande ciu» dem Weg: gelten mußte.-«gortf. sol«>.) -i» „Ni1«akmor»" i» München vor »Ott Aahreu. Auch München ist schon einmal am Ende de» 14. Jahrhundertder Schauplatz einer ähnlichen wüsten Hetze gewesen, wie jcht am Schluffe des 19. Jahrhundert- Xanten. Aber der Wahnsinn, die Juden eine- Ritualmordes zu beschuldigen, hatte damalfurchtbaren Folgen aldie, daß nur einem Unschuldigen sein Eigenthum verwüstet und er einige Zeit in Gefinzeaschaft gehalten worden wäre. Die .Münchener Reuest. Rachr." entnehmen die nachstehende Geschichte einer Historie der Wallfahrtskirche Deggendorf, welche im Jahre 1804 von Joannes Saittoriu», Pfarrer und Dechant dortselbst, veröffentlicht wurt«. Da» Buch ist in einer unserkennbaren antijüdischen Tendenz geschrieben; e-geht die« schon augenfällig au» dem Jnhaltsverzcichniß hervor: von den 14 Kapiteln de» Traktat» sind allein 10 dem »großen außaeübten Mutwillen der Juden" gewidmet. Vergiftung der Brunnen, Schändung von Hostien auf alle erdenklich« Art. Entehrung von Heiligenblltern u. s. w. ist noch da- Geringfttgigste, wo» ihnen unbestellt wird: im 8. .Capitiil", dem writaiiS grüßten de» ganzen Buches, betitelt: »Bon einem anderen überaus grossem gräuelichem Mutwillen der Juden vielfeltigem Kindermord" wird ihnen die Schuld an nahezu 80 Ritualmorden in die Schuhe geschoben. Außer der unten im Wortlaut folgenden „Begebenheit' in München ist defondeis interessant der bi» in die kleinsten Details geschilderte Mord an den 2'/, Jah:e alten Simon Andrer, Gerber-sohn au- Trient, der fänerziit große» Auffeheo erregt haben mag. da Eanoriu» von ihm schreibt, daß er „aller Welt bekannt und von vilen namhaffren Seriptoribuerzehlet" worden sei und Iraß man ihn gemeiniglich den „Mord de» Kindleins von Trient" zu nrnnen pflege. Die in München spielende Geschichte erzählt der Verfasser, ohne auch nur e n Wort de- Zweifel» an der Richtigkeit »er Thatsache zu äußern, wie folgt: ,tvil» kärglich vns sammaritrr erzehlen. Lin alt verzweiffelte Vettel I so oll gern« »schafft mit den Juden / hetle denselben «in Christen V:nd verkaufft / die dann daffelbig» mit Nadeln gestochen / da» Blut a»ff-tsangen / vnd als» gar «rtidtrt. Vis« Ilsat het jhr vnnd jhnen so wehlgerathen / dag sie verschwigen v»nd nit lau troff wäre worden / wann sie «it daranff weitir noch «ine» «benermaffen z» stehlen vnnd ans die Lleischbanrk zugeb« n sich vnderstanden / in dem fi« dann von dem :patter dag Aind» ergriffen / für Dbrigkrit gebracht / allda fie behorchet worden / vnnd in der Frag bekennet «eben diesem jhrem Fsthrhaben / jhr »orbegangn« Ihat. Darauf man jhrer Augsag nach da» zvvor «rtSdt» Aind gifncht vnnd gesnnden / ihr auch wol ver. dienten Lohn durch den Scharpsrichter ertheilen lagen. XHt Burger, schafft aber so d«> «rmoriä« / vnnd vdel zermetzgt« blind vnder Augen sahen I wird« schvllirtg / machet einen Aufflaeff / wil kurtzomb / der Dbrichkeit Lrkandtnag hin »der her / im schnipff vnd augenblick a kl« Juden in der Stadt München tvdt haben. Ulan hielt« sie zwar ab mit Lrowen vnd Streichen. Man fordert di» Juden zur Andientz in jhr von ksoltz erbavte S/»ag< g / in Meinung da» voll» mit fürnam «ine» rechtstchen prozeg zu stillen: Aber vmb sonst. Va st« der Juden ansichtig / entzstndet sich ihr hitz gar / wird« der Aufflauff grdssrr al, zuvor / trage» dahin / da di« Jude« / wie vermelde« j zur verhör« geso.'dert vnnd erschienen / allerhand Sachen / mit welchem bald Fewr zu »tichrn / al, dürr tzolg / Schwefel / Aieu <x. rc. verbrennen an gim Freitag jhr gedacht» Synagog mit «»«Inden darin / da kaum davon entrannen di» zu Lrkandtnug dahin / al» deffasttert« / vor banden waren." . Dieser gmuenhajte Akt der Wuth läßt aber den hochwürdigen Erzähler, einen beruf-mäßigen Prediger der Nächste», liebe, ziemlich kalt, denn er schließt mit den dürren Worten: ,lvir wdllen zwar solch« Prozeß deß vol«k» hiemit nit gut heisse« oder probiert haben / mehr aber wdllen wir an «Sötte» Barmhertzigkrit gegen' läsen vrrworffnen Baoffen gedenken / weder sie mit jhrer geschioinden lveig inn allem verdenken." Mebrr das Aerhättnih des israelitische« Lehrer» zu den das Indenlhnm terühreaden Jettnnd Streitfragen. Bortrag de« Eeminarlehrrrd Treu. lgortfttzuag.) Die Rede ist eine Himmelsgabe, sie soll eine Flamme der Wahrheit sein, für den, der mit ihr begnadet ist; sie soll auflodern auf dem Altäre der Menschenliebe, ihre Nahrung E r k e n n t n i ß und Wissen; sie soll erwecken Begeisterung für da» Gute, und ihre Quelle soll sein Lauterkeit und Wahrhaftigkeit. — Aber nicht alles, wa» sich für Gold ausgiebt, ist Gold; manches Kupfer hat Göldschen, und da» Auge de» Kenner» entdeckt giftigen Grünspan daran. Da» lehrt die Geschichte an drn Sophisten, den Glanzrednern bei den alten Griechen, al» diese von ihrer geistigen Höhe sanken und ihre Kultur im Nietergange war. Die Neuzeit liefert erschreckende Beispiele an den Wortführern unserer Feinde So wird die Rede zum zweischneidigen Schwerte, zum Blendwerk, und wirft al» solch«» verführerisch für den. der sie gebraucht, auf die, an die sie gerichtet. Selbst ohne Absicht zu verführen bei dem noch nicht Gereiften, wenn Dreistigkeit zum Wortspiel kommt, «erden Ueberhebung, Rücksichtslosigkeit, Rausch und Schwindelgeist nur zu bereitwillige Schleppenträger. — Sehen wir nicht auf der ganzen Linie unserer Feinde theil» verlorrne Existenzen mit denselben Schlag- und Lügenwöneru ein glänzendes Geschäft zum Säckrlfüllrn machen? —Kann und darf da der i«r. Lehrer sich in den Sumpf stürzen? Würde seine Widerlegung gehört, oder wird e» ihm nach dem Sprichworte gehen: Wer sich mengt unter die Kleie,' de» fressen die Säue. — Ein Bild zur Illustration. In M. u.id O. spritzten die Schaumwogen der Schmach unsere» Jahrhundert» sehr hoch. Lärmende Versammlungen, Denunziationen und in deren Gefolge häßliche Prozess«, die aber im AuSgange Humor und Verurtheilung von Denunzianten hatten. In der Preffe wurde aus die Zurückhaltung der Lehrer an jenen Ortru gewiesen. — In einer der Versammlungen hat sich ein Monn de» Worte» und de- Muthr» zu Wort g«m,ldet. Er wurde unter Hohn hinau-gewirbrft und e« hat der Gesammtheit eher geschadet al« genützt. — Wer find die Hörer? Wollen diese belehrt sein, die au die niedrigsten Leidenschostea appellirrn? — Ist r» überhaupt mißlich, in eigener Sache Angeklagter und Advokat zu fein, so sprechen hier noch viele Gründe für da» Fernbleiben. Ehaben hochbegabte und edle Wahrheitsfreund« anderer Bekenntnisse unfrtt Bertheidigung übernommen, und sind zu der Urberzeug ang gelaugt, daß e» unwürdig sei, sich unter di« handwerksmäßigen Verleumder zu begeben. ~ Ander» verhält r» sich mit Vereinen, die einen Bildung-- oder sonst gemeinnützigen Zweck verfolge«, und deren Mt- 8li«d der Lehrer ist. Efit gewiß kein schlechte- Zeugaiß ir di« israelitischen Lehrer, daß sie, einzüne Au-nabme« abgerechnet, in solchen anftäudigen Vereinen gern gesehen werden. — Da bieten sich bisweilen Gelegenheit«!, dem Bor» urtheil« durch Aufklärung zu begegnen. Wohl mancher von unwird die Erfahrung gemacht habe«, daß auch gebildete und wohlgestuute Leute von ihrer Jugend her durch Sagen über jüdische Eiebräuch« ganz eigenthümliche, irrige Borsteüuuge» haben. — Ich sagx absichtlich: Bei Gelegenheit — also nicht zudringlich, nicht unzeitig, nicht empfindlich. Aber «tu Wort zur recht:« .steir ist rin goldner Apfel in silberner Schate.

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