Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 31 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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In der Schrift, der Presse. KBa» schwarz auf weiß steht, ta» wirkt nachhaltiger al« der Redeschwall, der allerdin>ps daturch einen stärkeren Kitzel auSübt, daß er in einer Bestimmtheit an da» Ohr dringt. Doch gebt auch oft zu einem Ohr hinaus, was dos ankere hereingelaffeu hat. Dem Le er ist mehr Zeit zum Besinnen und Prüfe» gelassen, auch kommt er auf kos Gedruckte bisweilen zurück, und hat eS feinen Beifall, feine Aufmerksamkeit — so zeigt er es Anderen. — Wo also eine Prrsie dem Lehrer zu Gebote steh«, was aber an manchen Orten, wie beispielsweise Münster, nicht der Fall ist, — da ist es sachgemäß und wohlgethan, in gemlsirner Fonn tem vmurtheil die Klärung, dem Irr» thum und der Lüge die Wahrheit rntaegrnzvstellrn. Und wenn bisweilen woi>l angebracht etwas Lauge, Humor und Ironie schalllaft aus den Zeilen lugt, so schadet daS nicht, dieweil oute Menschen gern lachen, und wer dir Lacher auf seiner Seite hat, der hat gewonnene» Spiel. Nur ist sehr zu keocktcn, woS Jean Paul vom Humor sagt, daß er nicht verletzen dais. Ist ja auch die Heiterkeit ein physisches und geistiges Heilmittel. Leider muß ich wich von dem Lochen einer ernsten An» klage zuwenden. — Brr tem Titel Piesie meine ich nicht, daß jeder seine eigene Weisheit zu Markte trage. ES trifft hierbei zu, was von der Verbreitung deS ThoralernrnS gesagt ist; nicht jeder hat Fähigkeit, hat Zeit sie zu studieren, aber verbreiten, sie zu stützen, dazu kann ein jeder mitwirten, jeder kann seit Ccherflein dazu beitragen, »der Eine mehr, der Andere weniger*. Aus örtlichen Verhältnissen, sowohl der gesawmt.'n Bevölkerung alS mit Rücksicht auf Stellung und Stimmung seiner Gemeinde, können Gründe vorliegen, Fehde und Feder weislich ruhen zu kaffen. Aber jeder kann die Bemühungen Anderer unterstützen, und Pionierdienste übernehmen, der Wahrheit und den Berichtigungen eine Gaffe zu machen. Reich ist der Woffenschatz, den im Kampfe für Recht und Wahrheit, zur Entkräftung der Lüge nicht blos Kämpfer anS unfrrer Reihe, sondern auch edle Männer anderer Bekenntuisie bloS aus dem reinen Trieb« der Menschenliebe und im Jnreresie der Wahrhaftigkeit herbeigeschafft haben. Da kann und soll der Lehrer eintreten; und wenn er da, wo er kann, die Hände müßig in den Schooß legt, und mit Jochem Nüßler sagt: ,wat kann ick dorbi dun,' der ist nicht am Platze als Lehrer. Hier ist ein wunder Fleck, den zu heilen der Jugend- und BolkSlehrer, wie kein anderer, berufen ist. Es fft geradezu tief beschämend uud unverantwortlich, wie die breite Maffe unseres BolkeS sich so gleichgültig gegen unsere, dem Volk bestimmte, Litteratur verhält, entmuthigend für die, welche Zeit und Mühe, auch materielle Opser im Jnterrffe deS JudenthumS, zur Belehrung und Aufilärung hingeben. Gehet in da» Haus d«S einfachen Kötters, und ihr findet dort MifsionSblätter, Schriften von Alban Stolz, Bolanden, den LudgeruS» und andnr Boten. Aber was findet Ihr bei unseren Leuten auf dem Lande und in den kleinen Städten? In kleinen Städten? Gemeinden von mehr als vv Familien werden Alles in Allem vielleicht von all' den jüdischen Blättern, .Ztg d. Judenth.*, „J«r. Wochenschr." .JSraelit* allenfalls 3—t Expl. beziehe». Wohl gehört es zum guten Tone und gehört zu des gebildeten Hause» HauS- und Zierrath, daß einige seine Bände Klassiker ihre Aufwartung machen — oder einige Romane, auch wird wohl ei» illustcirtrS Blatt gehalten, was an sich nicht zu tadeln ist. Aber ein Blatt, welches über Judenthum belehrt und Nachricht bringt von dem, was in Israel vorgeht, wird nicht gehalten; jüdische Bolks- und Jugendschriften finden keinen Schutz, trinc Verbreitung. Unser« BertheidigungStitteratur — Flugblätter und Broschüren — versaßt von Israeliten und rechtlich lrenkeuden» humanen Christen, werden meist gelesen von solchen, d«e deren nicht sonderlich bedürft»; aber sie gelangen nicht dahin, wo «S noch thSI —i, tung hin eröffnet sich de» Lehrer» ei» dankbares' zur Aufklärung der Maffe über di« Streit» und Zeitfragen, auf daß dieselbe Mitwirken an deren Lösung. Ist nun unser Beruf ein geistiger, (dieweil wir durch' unsere Berufswahl ^eichsam ein« UnsähigkritSerklänurg abgegeben hoben als Sammler materieller Schätze gelte» zu sollen,) so greift die Stellung deS iSr. Lehrers auch noch weiter au», nämlich in da« Gebiet religiöser Belehrung uud Erbauung Erwachsener; sieht on den meiste» Orten seiner Wirksamkeit di« Bevölkerung im Allgemeine« auf ihn al» auf den Repräsentanten der Gemeinde in Hinsicht auf Ktckt»r, religiöser und allgemeiner Bildung: so darf er nicht gleichgültig zusrhen, wenn über die Mauern und Wälle unserer Burg Streit- und Zeitftagrn als Pechkränz« uud giftig« Pfeil« von ruchloftn Händen geschleudert werde«; dan« muß er als einer der ersten in den Rechen der Löschmannschaft«» stehen und den Fangschild gegen die Feinde erheben; er m»ß das BrrtheidigungSwaterial kennen, prüft« und weift vev- ,heilen; kurz, er muß nach Kräften für die Berbreit»«g der Litteratur eintreten, besonder» in so weit sie unserem Zwecke zur Aufklärung und Belehrung gegen Boruttheil dient. — Findet er in seiner Gemeinde guten Boden, oder kan» er solchen sich erarbeiten, dann stimmt die Bildung von Bereinrn zur Unterstützung unserer Litteratur im Allgemeine« und besonder», so weit sie unS nach außen umritt, so recht mit seinem Beruft. An ihn geht der Ruf: Hand an« Werk! und deS Wersen Watt: 'j* nö 'CJfiT? .Wenn ich nur für mich dahin vegetire, wa» bin ich?' - (Fortsetzung sol,«.) n Aus dem Spruchschatz des Jukmud. Poetisch übertrag«« so« 1Hat Weinberg. Wer reuig umkehrt vo» der Sünde Wege«, Gilt mehr, al« wer ihr niemal» ««terlegea. 0 * Der Reiche hat überall $ttu«b< und Brüder, De« Arme« erkeunt bald der Bruder »icht wieder. » » Ausziehen'- k. ftet ei» »leid — Answandern — ei« Lebe«. •) Bon Wohnung zu Woh»u«g. Räthsel-Aufgabe. Deutsches A«chftaöe«rLt-fet. (Einsilbig. Aus dem B^schhoffprozest.) Bo« X B. Mit hartem «opf Der Rich»ersta»d Steht man de» Tops I« ganze» Land, Dari» oft steh'«. Blirtt aus zu Dir! Mit weichem ist Hocherirrntlch H et» Jurist, Wie unpartheilich. Hachangeseh'n. Der Richter Zier! El schäumt vor W«th Da« trtlbc Bl»t Der Antisemiten brui — Doch wen» zur Stell' «in « für I, Für'« tz ein ». Da« wär' — weh' — gflt fi« recht gut! A»sSs«»g der Htät-set itt vrizer W»»««. I Di« «ichter. EL «Km lfran». AsgNrg). Om. m. Bwschtz»». IV. um liest, beharrk«. Umtau Be-antirRedakteurl)r. Rahmer, Magdeburg. SrmkvaaBendiz chHnh, (srüherD.L Solff). Magdeburg. Beriag:R»s Kries«,