Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 31 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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„Ick eile sofort zu dem jungen Manne. Wegen meiner Provision rede ich nicht weiter. Herr Rohberg, ich überlaste die» ganz Ihrer Generosität. Ich empfehle * mich Ihnen bestens, Herr Rodberg."- Die e Unter Handlung des Paters mit dem Schadchen Josephsohn hatte die Tochter vom Nebenzimmer aus mit an» gehört, -ein Wort war ihr entgangen. Noch heute glaubte sie genau jedes Wort zu vernehmen, noch heute trieb ihr aber auch dieses Gespräch die Schamröthe ins Antlitz, da man geschäftsmäßig über ihre Zukunft .handelte", ohne Rücksicht auf ihre Gefühle, ohne ihr Herz zu fragen, ob dieses dem vorgeschlagenrn jungen Manne zuneige. Der Vater war einmal verblendet; die Sucht nach JicheS ließ ihn alle Rücksichten auf diejenige, die er dieser Sucht opfern wollte, fallen lasten. Was er durch feine Persönlichkeit nicht zu erreichen vermochte, das wollte er auf alle Fälle durch sein Geld erlangen und würde auch daS Herz feines Kindes dabei brechen. Die heiße Baterliebe, die er bisher stet» und überall der Tochter entgegrngebracht, ward durch dieses verhängnißvolle Streben nach Glanz zurückgedrängt, ja, verleugnet. Schwer hatte die Tochter darunter zu leiden, denn ihr junges Liebesglück war gefährdet. Nie würde ihr Herzenswunsch unter diesen Umständen in Erfüllung gehen können; denn nimmer würde sie die Einwilligung des Paters zu einem Ehebundr mit dem mittellosen Löwen erlangen, der einem so niederen Stande, einer so gewöhnlichen Familie angrh.-Ue. Wie hotten diese Gedanken ihr Herz so sehr gefoltert! Sie war in jener Stunde keines klaren Gedankens mehr fähig gewesen. — Als der Schadchen den Pater verlassen hatte, da batte der Pater sie zu sich ins Zimmer gerufen. .Kndleben, ich habe Dir eine sehr große Neuigkeit zu berichten." hatte er, geheimnißvoll lächelnd, zu ihr gesprochen. .Was meinst Du dazu, wenn wir morgen Verlobung feiern würden?" .Ich verstehe Dich nicht, Pater," hatte die Tochter geantwortet und ein ernster Zug hatte sich auf ihr Gesicht gelegt. .Oder doch, ich will die Wahrheit sprechen, ich habe Dich verstanden. Ich. habe eben unfreiwillig gehört, was Du mit ^ofephfohn besprochen." .So?" hatte sie der Vater unterbrochen, »nun dann weißt Tu gewiß Alles." - - .Ach ja," erwiderte die Tochter bitter, ich weiß leider Alle», weiß, wie viel Geld ich Werth bin, weiß auch w e n ich heirathe-i soll, weiß endlich auch wozu ich heirathen soll." »Kind, sei nicht närrisch," hatte der Pater die Tochter, die in erregtem Tone gesprochen, zu beruhigen gesucht, .Du wirst Tein Glück machen. Du unrst eine Dame von Stand werden, man wird die Martha Rohberg beneiden, denn sie wird ein feines Hau« ausmachen." .Vater," hatte die Tochter entgegnet, .ich verzichte auf den feinen Stand, denn aller Glanz und Flitter läßt mich kalt. Ich kann und werde nur meinem Herzen folgen und dieses schlägt nur für einen. .Dieser eine ist doch jedenfalls Emil Friedheim; dean dieser ist eS, den ich für Dich bestimmt habe?" .Nein, lieber Pater," hatte die Tochter erwckrrt, »der ist es am allerwenigsten." ,!Kicht?" hatte der Pater in sttengem Tone erwidert, .ich huste doch daß meine Tochter mir da kein« Hindernist« in den Weg legen wird, wo ich ihr eigenes Glück begründen will." .Pater, was Du Glück nennst, ist für mich keiu solches," hatte die Tochter erwidert, »der junge Man«, den Du für mich erhandelt hast, verzeihe da« Hane Wort, steht meinem Herzen ganz fern. Ick kenne ihn nur wenig, so viel kann ich abir versichern, daß ich niemals ein wärmeres Gefühl für Enil Friedheim empfinden könnte." .Pater," fuhr sie daun in flehendem Ton« fort, .Du hast niich immer so lieb gehabt Haft mir sozviel Zärtlichkeit erwiese^ daher kannst Du auch jetzt nur sehnlichst wünschen, daß ticine Zukunft eine glückliche werde? .Glaubst Du, liebes Rind," entgegoete der Pater, .daß ich bei Deiner Verbindung mit Friedheim nicht Dein Glück im Auge habe?" .Ich weiß es, lieber Battr," nahm dir Tochter das Wort, .und doch kann ich Deinen Wunsch nicht erfülle», weil — nun, weil mein Herz schon gesprochen. Ein Anderer ist'», dem ich die Hand reichen möchte." .Ein Anderer?" stagte verwundert und mit drohend gefurchter Stirn der Pater, der durch die wenigen eben vernommenen Wotte sein stolzes Fantasicgebäude bedroht sah, »und wer ist dieser Andere?" .Ein braver junger Mann, den Du kennst. Er hat sich in der Welt umgesehen und ist fleißig und thätig. Es ist Hirsch Löwen!" .Wie," entgegnete der Pater, der bei diesen Worte» dunkelroth vor Zorn geworden, .diesen Sausewind, diese» Habenichts, diesen Schnorrer willst Du nehmen? Daraus wird nie etwas. Den Windbeutel schlage Dir nur aus de« Kopfe. Oder willst Du mit Deinem zukünftigen Ehegemahl gemeinschaftlich den Sack auf den Nacken nehmen und von Haus zu Hau« hausiren gehen? Also merke Dir, es bleibt dabei, was ich gesagt habe. Bereite Dich vor, damit Du morgen dem Dir bcstimmten Bräutigam würdig entgegentreten kannst." De« Pater» Wunsch war aber nicht entsprochen worden. Am Abend destclben Tage» hatte sich die Tochter heimlich au« dem Hause entfernt und sich in da» des Geliebte» begeben, dem sie auf's Neu« Liebe schwor. Als der Pater die Tochter vermißte, suchte und fand er sie im Hause Löwen». Aber alles Zureden, Mahnen. Drohen war erfolglos gewesen. Da hatte der in seinen Hoffnungen getäuschte Pater «'' oeren Verwünschungen gegen die Tochter und deren. rer sich hinreißen lasten und sich völlig von derjenige» losgesagt, die ihm das Kostbarste hieaieden gcwestn. Gebrochen war der Battr heimgegaugen. Die jungen Leute aber zogen von dannen, da sie vermeinten, an dem bisherigen Orte ein reines Glück nicht «*■ niesten zu können. In der nächstta großen Stadt hatten sie - ihre Trauung veranlaßt und waren dann ins Ausland - gewandert Seitdem hatte dir Tochter von den Elttrn ttin Lebens», zeichen erhalttn. Nicht lange währte es, da reifte in ihr die Erkenntniß, daß das Bibelwort sich wie imme", so auch' hier bestättgt hatte, da» da lautet: .Des Battr» Segen baut! den Kindern Häuser, aber der Mutter Fluch reißt sie nieder/ ' Rur wenige Glückstage waren ihr beschttden und die Bereinigung mit Löwen war ihr bald zur Quelle bitterer Bor- - würfe geworden. Derjenige, dem sie Alle» geopfert hatte,^ gerieth auf die Bahn des Laster» und vernachlässigte in der i Folge sei» Weib und das einzige Kind, womtt dre Ehe ge-, segnet ward. Er hatte es nicht vermocht, eine sichere Lxistmz i zu erringen, daher sank er mit den Seinen immer tiefer ins: Elend An gar vietta Orttn war der Versuch gemacht «or- den, eine RahrungSqueüe zu eröffnen, nirgends wolltt es glücken, und so waren sie nach H. gewandert, woselbst sie fest sechs Monaten weilten. Aber auch hier war der Lebens- Himmel ttübr geblieben, dtt Noch wolltt nicht weichen, da der, welcher für de» llnttrhast der FamUtt Sorge zu tragen hatte, dieser stiuer Pflicht in erforderlichen^ Maaße nutzt aachkam. Zudem hatte sich eine ~ dtt dtt letzten Restt der Habe vüÜ stand war es gewesen, der de» zweiflung bracht« und ihn drängtt, des Oefttreu Beraesten zu suchen in den Gasthäusern, die er unterwegs antraf. — Heute hatte er wttderum den quälenden Gedanke» Trotz bitten, hatte dtt marttrnden Empfindungen betäuben wollen. - Und so war er den« miteine« Rausche heimarkehrt. — — Wiederholt hatte dtt 'sinnende Fra» auf den Sä" '