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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 31 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
31 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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t*rcu«geg«ben von Dr. «. »ah«rr in Magdeburg. J’ir JlitrrtiUuf ul -rirtzruß ftr lie yrßMsche jr«ive. ■t% t . Die Schuld der Bster. Eine Erzthlung von I. Hereberg. «Fortsetzung.) — Ein .Skiinalmord in München vor övO Jahren. ZllllKm I — lieber kol Berhilmiß de» Lehrer« zu den dat Judenthum berührenden Zeit» und Streitfragen B-rtrag de« Seminar» " lehrer» Treu (Fortsetzung — Ln» dem Sprnchschatz de« Talmud. — RLchsu-Losgabe — «Lthsel-Lösungen. «befuzter Kachdrn« an« diese» £1,8» ist nntrrsagt.) Aie Schttltz der Kater. Eine Erzihiung von I. Herzberg. 4J (Fonsetznng) Da trat plötzlich kill Ereigniß ein, dos dieses Liebes« rverhältaiß bedrohen sollte. Moritz Rohbeig hatte mit stolzer Freude da- Gedeihen unb Blühen seiner einzigen Tochter wahrgenommen und sie Ivar allmählich zu einer herrlichen Jungfrau erblüht. Und da er ja vermögend war und sich demzufolge nicht »ehr zv den unteren Klassen zu zählen berechtigt fühlte, so hatte er bezüglich seiner Tochttr hochgehende Pläne gefaßt. .Unsere Marth« muß einen Kaufmann freien." Dies War der Refrain, der sich im Gespräche mit seiner Frau über die Zukunft der Techter stet» wiederholte. .Wir können ja unserer Tochter, sie soll leben, ein schönes Stück Geld mitgeben. Sind wir doch auch keine Schumrr mchr, wir ehedem. Unsere Tochter muß eine Dame von Stand werden, man soll den Hut vor ihr ziehen.' Aber der erwünscht« Freier war noch immer nicht gefo»»Kx Da erschien eines Tages Aron Josephsohn, der bekannteste Schadchen w«it und breit. »Herr Rohberg, so ivahr ich soll gesund fein, eine beffere Partie würden Sie nimmer für Ihr Fräulein Tochter finden." Herr Rohberg fühlte sich durch diese im Lauft der Unterredung mit Ioftpft ohn gesprochenen Worte höchst ge« schweiehelt; denn ein .Iräulern" war seine Tochter doch auch in Wirklichkeit und sie konnte und durstt nur eiuen Mann vrn Tristinction ehelichen. »2ch sage Ihnen, ^)err Rohberg, eia junger Mann von Rohen Iichr» ist er. Sein Urgroßvater war Raw in Neuenrs mb sein Bat«, Ixt vor zwei Jahren gestorben, war ein angesehener Kaufmann in demselben Orte. Wie sie sehen, «ine hin« Familie." .Und der junge Mann, den Sir mir als Schwieger» sohn empfehlen?" fragte voll Ungeduld der Bater. .Wer mir Gute« gönnt» eiuen solihen Schwiegersohn zu besitzen. In den feinster Familftu könnte ich ihn unterbrin- «rn. Den Hut muß mau zftben, wenn man nur seinen käme» nennt," fuhr Aron Josephsohn in seinem Eifer fort. »So nennen Eie mir doch den Heirathskandldaten," ries Rohberg. .Run, so hören Sir. Der junge Mann ist Kaufmann und lnißt Emil Friedheim. Sie kennen ihn doch? Schön. n& galant, bei den Stauten sehr beliebt «brr-er aucht Geld, sehr vftl Geld." ..Geld, lieber Josqihsohn,' unterbrach Rohberg den Redende», .Geld, wisieu €** ja, spielt hier bei mrr nm Rolle. Der junge Mann ist, meiner «»ficht nach, aber ziemlich leicht, rauchl und fährt am Sabbath. Das will mir mcht gefallen." ..Du lieber Gott,' entgegn«« der Sehadchen, .da« giebt sich spät«. Dft junge Frau kann sich j« ihren Gatten nach ihr« Fayon ziehen. Run aber kommen wir zum Hauptpuntte unsere» .Geschäfte-'. Was können, oder besser gesagt, was wollen Sie Ihrer Tochttr, soll leben, mitgeben?" .Run, ich würde sofort zwanzigtauftnd Mark zahlen. Rach meinem Tode würde meiner Tochter ja mein ganzes Vermögen zufallen." D« Schadchen schautt kvpsichütttlnd zur Erde und fuhr sich durch da« wirre Haar. .Zwanzigtaukend Mark," sprach er dann gedehnt, .daö ist nicht hinreichend. Ich habe selbst dem jungen Manne mehr zugesagt. Wissen Sie, liebst« Herr Rohb«g. ekann Ihnen doch nur daran liegen, sich mit ein« wirklich feinen Familie .meschadech" zu sein, und fein ist die Familie Fried» heim, wenn sie auch nicht zu den reichen zählt. Und. offen gesagt, welcher junge Mann würde Ihr Schwiegersohn werden wollen, wenn « nicht Aussicht 'hat, viel Geld mitzu» bekommrn." .H«r Josephsohn," unterbrach diejrn Rohb«g in entrüstetem Tone, .aber ich bitte Sie, wie können Sie derarttges von mir behaupttn?" .Wie ich kann, ftagrn Sie?" entgrgnett d« Schadchen. .Run, Sie hoben doch Ihre V«gongenheit noch nicht vergessen?" - .Bin ich denn nicht jetzt ein respektabler Mann geworden?" ftagte Rohberg, sich stolz in die Brust werftnd. .Run, ich will ja auch nicht in Abrede sttllen, daß Sie fttzt rin respektabler He« sind. Die Vergangenheit wirft aber aus dft Gegenwart einen Schatten, daruuttr haben Sft, hat Ihr Kind zu leiden. Ihr Töchterchrn, soll leben, wäre ja auch ohne Geld «ine annehmbare Partie, denn sie ist jung, schön, gebild« und, was di« Hauptsache ist, sie bat Geld. Jen« Schatten, von dem ich eben sprach, kann ab« nur durch Geld verdeckt, wenn auch nicht weggewischt wer» den, und Geld» viel Geld macht Ihre Tochttr für meinen Helrachskandidaten annehmbar. D« junge Mann steht im Ergriff, sich zu «tabliren, er selbst hat aber kein Vermögen, denn « hat bis jetzt flott gelebt, « ist aber tüchtig in seinem Darum geben Sie oreißigtausend Mark, und morgen on kann dft Verlobung geftftrt werden." Josephsohn hielt inne, um aözmvarttn, was d« Batrr sagen würde; dieser aber schwieg Er fuhr dah« fort: .Besinnen Sft sich nicht. Das Geld ist gut angelegt." .Run, so mag es fein,' r.ntwortttt Rohberg nach nnigem Nachdenken. .Ab«," fuhr « fort, .kennen sich dft funge» Stute schon?" „Das weiß ich nicht!" erwiderte der Schadchen. .Das ist ab« auch gar nicht nothwendia, sft haben jq spättr Zeft genug sich gegenseftig kennen zu lernen. Ich deute, wenn d« Bat« sagt: Tochttr, Du heirathest diesen, dann wird sie gewiß uiiht widersprechen." Josephsohn schickte sich an, sich zu entfernen. Im Fort, gehen bemerltr « »och:

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