Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 30 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 3)
- Language
- German
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in lifn Ofen gekommen, so täte au« diesem 'Ün heller'Waer Bilanz hrvorgrstrahlt und ein liebliche« Knäblei« sei ihm. von Sttahlenglanz umfli'ssen über dem * Kuchen schwebend, erschiene,,." Alle diese Aussagen der Gemarterten wurde« geglaubt uni) protolollirr. 1 ' Da nj* so schöne Gelegenheit, „Geständnisse zu erzielen", nicht leicht wiederkam, mutzte der Scharfrichter seines Amte« rüstig weiter walten und einen nach dem andern energisch 7 vornehmen, bis Herr Heinrich von Betschütz auch den emge> * ftandeuen .Mord unschuldiger Ehristenkinder" fiegrsfrrudig -protokollirrn lassen konnte Da- Urtheil in diesem Prozesse lautete folgendermaßen: ^Dieweil der böse Chris«, Paul Fromm, sich an dem heiligen Sakrament vergriffen, dasselbe gestohlen und verkauft hat» darum soll man ihn aus einen Wagen binden, die Gaffen auf und nieder führen, mit Zangen reißen und darnach iu ein Feuer legen. Und dieweil die boShaftigen, schnöden und verstockten Juden ihre büstn Mißhandlungen auch zu mehre« ren Male» vor und außerhalb Gerichts bekannt, darum soll .mau sie zu Pulver verbrennen, damit allen andere» ein Beispiel und Lxrmpel von ihnen nehmen möchten, daß sie solche und dergleichen Uebelthat auch nicht begehen möchten." Wir ersparen uns die genaue Schilderung ver entsesp lichrn UrtheilSvollstreckuug. Der aus einen Harren geschmiedete Paul Fromm wurde an jeder Straßenecke unter dem Jubelgeschre, der Menge mit glühenden Zangen gezwickt, bi» alle fleischigen Theil« fein,» Oberkörper« eine einzige grauenhafte Wunde bildeten. Dann wurde er zusammen mit acht» «uddreißig Juden hinter dem Rabensteine verbrannt. Der drei Stockwerke hohe Scheiterhauftn war so eingerichtet, daß die auf dem obersten Rost hinunter-, die auf dem untersten; Rost hiuaufschauen mußten, damit dir eigene Qual durch ’ deo Anblick der Schmerzen der Freunde noch erhöht «erde. Warum wir diese Hiftone hier wiederaegeben haben? Weil wir das einzig« Beweismittel für rituelle Berbrechen, da« von den Autisemitengewiß auf da« schmerzlichste vermißt wird, in seiner radikalen Sirffamkeit schildern wollten. Diese« einzige Beweismittel ist: die Folter. Wenn eS den volkovergistenden Spekulanten gelingen ■ sollte, die Folter wieder einzuführen, dann würden sie ihre Anhänger vielleicht auch wieder durch blutrünstige Urtheils- " Vollstreckungen ergötzen können. I. Freund.; $Utat das Arrhättriiß des israelitischen Lehrers )« de« das Audenthum berührende« Jett- und Ztrettfragen. Bortrag de» Eeminarlchrerr Treu. (Jortsttzuag.) Bei der Anfeindung, die wir uun seit einrr Reihe von 7, Jahren ausznhalten hatten, wurde i» letzter Zeit durch die v Presse auf Lehrer hingewkesen, mit Revnuyg der Städte ^Münster und Osnabrück. — (e« sind dadie Städte, von welchen noch dreißigjährigem Kriege der Friede ausging,) — also den Lebern dieser Städte wurde der Bor- . wvrf gemacht, daß sie nicht mit ManneSmuth und Redegewandheit den Radaufchlägern entgegratreten. Dagegen 'wurde von anderer Seite den klugen Schweigern unter den Lehrern Lob und Klugheit zugrdruckt oder zugrschrirben. So kann jenen leicht die Beschuldigung ler Unfähigkeit, der ' Lässigkeit, Feigheit oder Charakterlosigkeit erwachsen und ihr Ansehen bei Tadelsüchtigru in ihrem Wirkungskreise geschädigt werden; von Uebelwollendeu der Redner pur koro« als Held nndlRustermaon, als Bild der Nachahmung vor Augen gerückt werde«. — Die Kehrseite kann ebenso den Borwurf der Zudringlichkeit, die das böse Feuer schürend« Schwatzjucht zeigen, und der Mann, der sich mit der löblichste«' Absicht in di« Versammlungen unserer Gegner wagt, (2T1B3 I’WBJ »nsr Sn) in der Hoffnung, den Strom der Leidenschaft einzudäwmen und der besseren Einsicht ein« Gaffe frei machen zu können, hat öie Aussicht, dort sich Prügel oder . Schimpfwortr z» holen, hier statt Anerkennung Undank und Mißdeutung zu e ntcu. — In gleicher Weise ist das Pro et Contra hinsichtlich de- Lehrers Verhalten zur Presse dehufS Bekämpfung der uns feindlichen Strömung vielfach Gegenstand der Bciprechung gewesen Dieser meint, man müsse mit verhängtem Zügel aus den Feind losrenaen, während rin Anderer ein weises Maß- und Zurückhalten empfiehlt. — Hat demnach der Lehrer sein Verhalten den von außen gegen uns erhobenen Zeit- und Streitfragen gegenüber strenge zu prüfen; so erheischt es bei weitem noch mehr Prüfung und Vorsicht, wo solche sich im eigenen Lager erheben; denn es ist bekanntlich eine traurige Wahrheit, daß Familienzwist v-el schärfer und bitterer geführt wird, als der Kampf einander fremd fegenüberstehender Parteien. Daß der äußere Feind nicht o gefährlich, wie der iunere, lehrt die Fabel von den Texten und deren Stielen bei der Angst der Bäume — lehrt da» Bündel Pfeile. Ist eS nicht tief beschämend, wenn anläßlich der Frage über die Beibehaltung eine« unwesentlich:» Gebrauches Polizri und Richter belästigt werden, oder wenn ReformparoxiSmus dar Hebräisch« aus der Schul« verbannen will und im Gottesdienste kein Wort aus unserer alkehrwürdigea Sprache gehört werden soll? Forderungen, oft von Personen gestellt, die vielleicht wegen ihrer bürgerlichen Stellung Achtung genießen, wohl auch verdienen, leistungsfähig in materieller Beziehung sind und deßhalb zu einem influirenden Posten gewählt sind, — aber nichts von dem Wesen der Religion verstehen, die keine Zeit hatten, sich über die Entwickelung des JudenthumS, der tragenden und erhaltenden Ideen desselben zu orieatiren? <— In dreifacher Weife kann der Lehrer feine Anthcilnahme — die Strömungen fördernd oder znrückürängend — bethütigen: Durch Rede (Wort), Schrift (Presse^ eurch seine Führung im allgemeinen und durch Thun, nämlich, durch Handlungen, wie sie nach Umständen und Gelegenheit Erfolg versprechen. Er kann ja auch wirken, ohne an dieOefsentlichkeit zu treten, oft mehr als durch die klingende Schelle der Ruhmredigkeit. Das wohlerwogene, und wohlgesinnte Handeln hinter den Touliffen trägt oft mehr und bessere Früchte, als das Trommeln des Bajazzo vor der Schaubühne. — Denn das muß sich jeder Lehrer stets sagen, und danach sein Thun einrichten: Keines Beamten, keines Menschen BerufSthätigkeit tritt mehr vor die Oesfeutlichkeit, hat mehr Zeugen, wird schärfer beobachtet und alSMaßstab seine» Werthes betrachtet, als die de« Lehrers. — Ganz natürlich: Hat er nicht die Vorschule, die Hauptbauschulr, darin der Wuchs der zukünftigen Staatsbürger eingerichtet und vorgrschnlt wird? — Und die Gemeinde hat ein.Recht, Anforderungen an ihres Lehrers Leben und Lehren zu stellen. Und die Eltern dürfen von ihm Gute» erwarten und haben daher auch die Pflicht, ihm gut zu sein. Das allerhöchste Recht haben aber die Kinder, auf de« Mann mit Vertrauen schauen zu können, von deffen Wirken ihre Zufriedenheit, ihr zukünftiges Glück bestimmt und gestimmt wird. Denn der Lehrer gleicht dem Klavierstimmer, stimmt er da« Instrument nicht rein, so kann daS ganze Lebensspiel in Disharmonie und SchmeczenStönen verklingen. — Welch' eine Fülle von Rücksichten erwachsen hieraus dem Lehrer zur Abwägung seines Thuns, zur Borsicht seinrthalben und Anderer wegen! — Treten diese Beachtung und Bewachung, diese Rücksichten an den Lehrer im Allgemeinen heran, so an den israelitischen Lehrer mit hesonderm Fett- und Sperrdruck. Ich brauche Ihnen die» nicht auseinander' zu setzen,, das wissen Sie ja alle, Sie werden täglich so za sagen durch ihr Sonder-