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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 27 (1892) · p. Seite 107

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
27 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 107 (sequence 3)
Language
German
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107 — risse« fit sich mit ihren Schnäbel« bi« Steertftdern an», daß sie um herflogen. als ob Fra» Holle bie Betten macht«. »Die Thiere fass ick nicht an," schrie der Schächter «ntfcft »bie Gänse sind ja toll'" Jetzt kam Harms dazwischen: .Heff icTt nicht seggt," schrie er. »bat de de der. Göäsr den Rappel kriegt! Man flink een Messer her, bat ick se den Kopp affsnie Lauten Se sick um« Himmel-Willen nich bieten, sünst werd Se ook all tosammen doll, so wie die bullen Hunne!" Kaum war da- Dort gesagt, allgemeine Flucht und der Hausherr ries: .Harn--, liebster Herr HarmS, bringen S« mir de meschuggenen Thiere fort — fort in die Elbe!" Hieraus hatte Harms nur gewartet. Ein«, zwei, drei waren die Gänse in tun Stall getrieben, ebenso schnell die Lüpfe abgesäbelt, noch schneller Gänse und Köpft in'n alten Sack gesteckt und mit einer Wupptizität von Null Komma fünf segelte Harm« noch der Elbe b. h, seiner Wohnung ab. Al« Abendder (tzänsebraten bei Harms verzehrt wurde, fielen seine vier Jungen« wie eine Heerde Wülfe über den kostbaren Braten her. Einige Tage darcus harte Deitelzweig für Harm» einen Auftrag und begab sich in dessen Wohnung. Hier spielten seine mer Jungen« mit einem sogenannten Springbock» den sie sich au« dem Brustknochen der einen Gan« gemacht hatten uud ließen den Bock dis^hoch unter die Stubendrcke fliegen. .Wa» habt Ihr denn da, liebe Kinder?" fragte der menschenfreundliche Händler. »Dat i«'n Springbuck, den heit Heini von de verrückte Goo» matt, de wie äten hebbt, to Abend fcät wi de annere ok." sagte der kleinste «jährige Harm« in seiner Unschuld. „Hm," brummte Hm Deitetzlveig, al« er nach Hause ging, »jetzt weiß ich'«: dir Gänse waren uicht meschugge, — aber ich." Harm« Dienste hat er von der Zeit ab nicht mehr iu Anspruch angenommen. (veborah) Mchard Maguer» Audeufeindschaft. Ara» Hlahida N«my ist in Berlin geboren itnb stammt au« einer orchodoxen protestantischen Militärs« milir. Ihr Aufenthalt in Italien bot ihr Stoff Ihren „Sicilianischen Novellen". In Ihrem 2«. Lebensjahre wurde mit großem Beifall ein Lustspiel: »Die Rechnung ohne Wirth" von der Dichterin im Wiener Burgtheater gegeben; ihre Stücke .Eonstanz", „Die Grasen Eckartstein" und „Schicksalswege" wurchen gleichfalls sehr beifälligIaufarnommrn. Rach dem Ableben ihre« Gatten, de« Dr. Rsmy, Kunstkritiker« der „Boss. Zeit", widmete sich die reichbegabte Frau nur dem Schriftstellerthum, und legt ihr peeiswürdige« Werk „Geheime Gewalten" Zeugniß ad von ihrem Talente, über die hüchsten Eonflikte, wie den Kampf der Gewissensfreiheit gegen Vergewaltigung in Glaubenssachen, zu schreibe», wobei die episodenhaft venverthetr Figur de« Juden »Abraham" viel Talent zur Seelenmalerer und gediegenr Kenntniß de« jüdischen Bolkscharakter« bekundet. Ihrer Liebe zur einfach erhabenen Sprach« der heiligen Schrift ist es zuzuschreiben, daß sie sich die Kenntniß der hebräischen Sprache vollständig angeeignet und so da« reich« jüdische Schriflthum sich zeitig eröffnet hatte. Da bie Spracht die seelische Wurzel ist, au« welcher der Bolkscharakter sich eutwickelt hatte, war bie Dichterin, ivie in den Geist der Sprache, so auch in den Beist de« jüdischen Volke« einge» drungen, dessen edle wackere Bertheidigung sie führt ,m Kampfe gegen Vorurtljeil und Gehässigkeit. Einer tief empfindenden Seele entstammet da« Buch „Das jüdische Weib", welcheinnerhalb weniger Monate drei Auflagen erlebt hat. — Ein größere« Werk „Die jüdische Bclttseele" ist von der Dichterin zu erwart«, aus welchvn dieselbe jüngst ein Eapitel „Das jüdische Gebet" im.Berein für jüdische Geschichte und Litteratur" zu Berlin' zuin Bortrag brachte. In der von Franz Muncker jüngst erschienenen Skizze au» dem Leben Richard Wagner'« wird folgender Borfall berichtet, der de« Musiker« unnatürlichen und unvernünftigen Haß gegen Juden und Alle», wa» jüdisch;» Ursprung» ist, so recht zur Anschauung bringt: Die Schauspielerin Minna Planer, welche Wagner heirathete, war nicht seine e r st e Geliebte. Dieser Auszeichnung hatte sich vielmehr eine Jüdin von seltener orientalischer Schönheit, Namen« Leah David, zu erfreue«. Die wenig einnehmende Erscheinung polnischer Juden, welche di« Leipziger Messe besuchten, hatte Wagner schon in jüngere« Jahren mit einer gewaltigen Aversion gegen die jüdische Raffe erfüllt, aber die schöne Leah hatte zu jener Zeit seinen Judenhaß umgestimmt Wagner besuchte sie oft in ihrer Wohnung, doch erregte seine Leidenschaft Verdacht, da man ihn nur für einen Knaben ansah. E« traf sich nun, daß bei einer musikalischen Soiree ein junger Holländer, Vetter der Leah, Vorträge aus dem Klavier gab. Trotzdem er nichts anderes al« technische Fertigkeit besaß, wurde sein Bortrag mit Beifall überschüttet Die« erregte Wagner'« Eifersucht und er warf um sich mit .Zerstreutheit, Mangel an Gefühl u. s. w." Al« man ihn dirserhalb laut au«lachte, schoß er noch einige grobe Bemerkungen ab und verlieb da» Hau«. Am folgenden Morgen erhielt er einen Brief von der jungen Jüdin, in welchem diese ihn, ihre Verlobung mit seinem Rivalen anzeigtc. Kin pkaraonischer Lieöesörief. In der orientalischen Abtheilung de« britischen Museums ist ein kleine«, 8 Zoll lange« und 4 Zoll tneiteS Täfelchen mit ungefähr »8.Zeilen in sehe seiner Keilschrift entziffert worden. Da« Täfelchen ist au« R'lschlamm hergestellt. Die Inschrift enthält den HeirathSantrcg, welchen ein Pharao der Tochter eine« König« von Babylon gemacht hat. Ohne Zweifel bildet sie das Duplikat eine« etwa um 1530 vor der üblichen Zeitrechnung geschriebenen Briese«. Ernst 3t6«<ut war, wie der „Figaro" erzählt, im letzten Winter krank und seine Genesung vollzog sich recht langsam. Al« einer seiner Freunde kam, um sich nach dem Befinden des Patienten zu erkundigen, sagte dieser: „ES gehl ja besser — aber schrecklich langsam. Indessen — wa« thun? Ich muß mich mit Geduld waffnen, denn wenn ich auch ein Bittgesuch an den lieben Gott richtete, so könnte man dreist darauf wetten, daß er e« nicht einmal öffnen würde" Au» dem Spruchschatz de» Talmud. Poetisch übertrage« pon fRaj Weinberg. Unsicher« Waare: Berge an einem Haare! » « « Di« Krüge zum Brunnen zteh'n, Wo wollen di« Scherbe« hin? " * * Wie dich« nur wundert: Licht für Linen ist Licht für Hundert. * « Wer in sremdem Hau« etwa« befehlen will, De«, der nicht« hören mag. etwa» erzähle« will, ~ i «ine« Geizhals um Geschenke läuft, ein», bah fest« Gegner auf ihn Ehren häuft. ft Herren abfällig krittfirt, m Platz eionimmt, der ihm nicht gebührt,' Uud zu Gakl geht ungeladen, — *'•* farat um Schimpf und Schadens ■ :j. ft

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