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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 26 (1892) · p. Seite 103

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
26 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
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Er blickte nicht recht», nicht link», er eilte vorwärts. Noch hundert Schrittei Da war die heilige Mauer, ein Rest jener hoben mächtigen Terrassen, ans denen einst der Tempel gestanden hatte. Um Fuße dieser Mauer sank der schwache Pilger hin. Er eichob sich noch einmal, um, gegen dir Steine gelehnt, «st lauter Stimme sein Gebet zu sprechen, da» wie ein Jubellied von voller Seele erklang, und glitt dann zur Erde, um — nicht wieder aufzustehen. Bor ihm stand leuchtend der Bote mit den weißen Flügeln, der ihn gelestet hatte, und hoch oben ertönst Gesang ... Kaleb lehnte sich zurück an die heilige Mauer, und das letzte Wort, da» über seine Lippen kam, wie ein Hauch, ein seliger Seufzer, war: Jerusalem! Buch Jehuda btn Halevy - Starb zu ftäfccn frtnti Liebsten, Und sei« sterbend Haupt, e< ruhte >us de» ltnie'n Jerusalem». Zweites offenes Sendschreiöen a» die Redattio» der «Israelitische» Wochenschrift" Gewiß wundern sie sich, Herr Doktor, daß ich mein Ihnen gegebene» Versprechen schon so bald einlüse. Wenn ich Sie aber auf den unmittelbar bevorstehenden Quartalswechsel Hinweise, so werden Sic die» erklärlich finden. Sie werde» mir aber auch dankbar sein, wenn ich in diesem, für eine Zeitschrift so bedeutungsvollen Momente, von dem gar oft da» »Sein" oder .Nichtsein" abhängt, mit dem ganzen Bollgewichst »reiner Persönlichkeit für Sie eintretr. Da Sie nun einmal da» gewiß nicht zu unterschätzende Glück vor allen Ihren Herren Kollegen, die je an einem Redaktionstischc mit der Feder, Scherst und dem Kleistertopf gesessen und noch sitzen, vorau« haben, mein besondere» Wohlwollen zu besitzen, so will ich Ihnen iu diesem oft so verhängnißvollen Momente mit meinem bewährten und sehr geschätzten Rath zur Seite stehen. I« erster Reihe muß sth Ihnen bemerk», daß Sie den Rummel, den man .Reklame" nennt, gar nicht zu kennen scheinen; in dem .Klimbim" und .Tamtam" scheinen Sie noch ein Neuling zu sein, trotz 23iähriger Schristleitung. Für un» Posemuckeler wäre da» Alles nicht erforderlich, dir stehen auch ohne die» treu und fest zu Ihnen, vorausgesetzt, daß . Sie deren Intentionen immer voll und ganz gerecht werden. Aber außer unseren Posemuckelern giebt e» auch noch andere Individuen, mögen sie sich auch nicht einer gleichen Distinction erfreuen, welche herangezogen werden müssen. De heißt es denn, tüchtig die Schelle und die Trommel zu rühren und den mächtigen Ruf in jeder nur möglichen Tonart erschallen zu lassen: „Kommt, Ihr Leute und leset! Kommt und abonnirt, denn für wenige Silberlinge werden E>«h die selknsten Genüsse geboten! Alle, Alle werden befriedigt. Wir bietem Jedem nach seinem Geschmack da» Köstlichste darl Mit dem »Linken" gehen wst nach .links", mit dem .Rechten" nach .rechts" Mit dem .Krummen" sind wir .Kumm", und mit dem „Frummen" sind wir .frumm'!! — Darum kommt! kommt! Aboninrl!" — Sehen Sie, Herr DoKor, so muß es gemacht werden. Versuchen Sie e» nur, der Erfolg wird nicht auSbleiben. Sodann müffen Sie die ganze erste Seite der 2 letzten QuartalSnummern mit einer Reihe pomphafter Ueberschrifteu von ZukuustSartikeln au» der Feder berühmter Autoren, lebender und verstorbener, jüdischer und unjüdischer, füllen. Sie sagen: „Woher nehmen und nicht stehlen?" Aber seien Sst doch nicht so zimperlich. Sie brauchen ja nur zu verspreche», — ob und wann e» geliefert wird, darnach stägt ja Kiuer der leichtgläubigen Menge. Es können die Astikel ja auch schon in alter.'« Büchern und Journalen, die das jüdische Lesepudlikum ncht Knut, gedruckt, oder ftlbst anderen jüdischen Witter», «ttlommrn sein. Manches Rndbinrrlein "4f J'jiik".. fühlt sich geehrt, seinen Namen unter hochtönenden Autoren aufgeführt zu sehen, und er veranlaßt einige Gemeindemstglieder zu abonniren, damit diese mit eigenen Augen sehen, welch' berühmten Mann sie zum Rabbiner haben. Sehen Sie, so wird's gemacht, prob%tam est! Die Abinnenstn strömen Ihnen dann in Massen zu. und wenn's auch nicht viel sein sollten, dann verkünden Sie doch, die Geiammtzahl habe sich verdoppelt, wer zählt's Ihnen denn nach? An diesen wohlgemeinten Rath muß ich nunmehr eine ernste Rüge knüpfen! Ich kann und darf Ihnen das nicht ersparen; denn wenn ich jetzt schweige, so ist meine ganze Reputation gefährdet und die Posemuckeler „Jungen»' zeigen voll Hohn und Spott aus mich, den vornehmen Mann, der so reich geschmückt mit Titel und Würden ist. Sie sind verdutzt, Herr Dokior, und fragen erstaunt, was Sie denn verbrochen, daß Sie meinen Unwillen sich zugezogcn, der gar so verhängnißvoll für Sie werden könnte? Sie haben — mein Blut beginnt zu wallen, wenn ich nur daran denk — die mir zustchenden Titel in ganz mangelhafter, inkorrekter Weise meinem Nomen vorgesrtzt. Merken Sie sich das: Ich heiße nicht „Geheimrath Protzer", sondern „Königlicher Geheimer Kommerzienrath Protzer". So wünsche ich von Jedem und überall genannt zu sein. Ferner haben Sie ja lob absichtlich oder nicht, lasse ich dahingestellt) das epitheton ornuxx „Königlicher" mit einem kleinen Anfangsbuchstaben geschrieben. Ich sollte doch meinen, ein „Königlicher" Würdenkäger, wie ich einer bin, hat allezeit ein Recht, daß man auch nach dieser Seite hin die ihm gebührenden Ehrentistl respektire. Würde es Sie nicht besonders indigniren, wenn man einen „Königlichen Landesrabbiner", einfach Rabbiner, einen Cultusbeamten, der einmal auf der Kanzel eine Sachs'sche oder Jellinek'sche Predigt vorgetragen, nicht „Prediger" tituliren würde??lpropos: Rabbiner. Vor einigen Tagen stellte mir unser Rabbiner sein neuestes Werk zu. In einem Begleitschreiben theilie er mir mrt, daß der hebräische Titel in der Uebersetzung laute: „Berechnung desjenigen Quantum» Papier, das zur Niederschrift des Urtextes der Bibel erforderlich wäre, wenn derselbe auf jeder Blattseite 20, 21 u. s. w. Zeilen ausweisen würde, und Berechnung der muthmaßlichen Größe der Gesetzestafeln, sowie eine eingehende Unstrsuchung über die Steinart, aus welcher die letzteren gehauen worden sind." Es soll dies, nach feiner Versicherung, ein aufsehenerregendes und epochemachendes ltvrrk sein und könne die Kritik sich nicht lodend genug darüber ausiprechen Ich war anfangs ganz erstaunt, als ich dieses 'Schreiben las. Ich erinnerte mich gar nicht, je etwas in Ihrem „Listeraturblatt" darüber gelesen zu haben. Da kam es plötzlich wie eine Offenbarung über mich. Richtig, sagte ich mir, der Mann, der immer jo gegen die .Wochenschrift" wettert, wie ich Ihnen jüngst mittheilte, ist ja gar nicht Ihr Abonnent"). Da kann ich es Ihnen nicht verargen, wenn Sie diese bedeutende Erscheinung auf dem Büchermarke einfach todtschweigen. Eine Hand wäscht die andere, und Geschäft steht hoch über Prinzipienreiterei, welch letztere wenig dazu geeignet ist, dst Äbonnenstnzahl in die Höhe zu treiben und klingende Beweise der Anhänglichkeit der Leser in den Verlegerbeutel zu zaubern. — In allernächster Zeit feiere ich mein 25 jährige» Jubiläum in meiner Eigenschaft als Erster Vorsteher der israelitischen Gemeinde zn Posemuckel. Da der über diese hochbedeutende Feier zu erstattende Bericht bald nachher der Oeffeutlichkest übergeben werden muß, so werde ich Jhaen schon acht Tage vorher da» Material Ä lassen. Ich bitte mir aber aus, nichts zu streiche». Sie mir doch geehtter Hr. Redakstur, gefälligst mit, *) Wodurch SU sich seine Sinnft verscherzt haben, darüber schreibe ich Ihne» nächsten» einmal, aber SU müssen mir versprechen, seine verlepre Sttelsttt nicht z» Verrats«».

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