Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 25 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
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99 Hriester, der 2»f der Kanzel stand, »nd der Sakristan, weicher auf seinem abgischlostear, Betstuhl traurig vor sich hinnickte — sie sahen Inide fast unheimlich auin ihrer gespeaftischeu Magerkeit. Und der PriesKr faltete seine Hände und seufzte in die leere Kirche hinein: »Denn ich sage Luch, liebe Freunde — o meine lieben Freund«! — der Herr verlangt nichts von Euch, nicht das Geringste. Wenn Ihr seiner nur nicht vergesset. Seht, welch ein guter himmlischer Bater er ist! Er hat eine doppelte Plage von unS genommen, die HungerSnoth und da»'Judenvolk. Die Ernte ist reich, nicht bloß auf den Feldern, wir haben auch sonst viel eingeheimst, daS Derwägen der gottverfillchten Juden ist un» zugefallen — darum Prei« und Dank dem barmherzigen Vater, dem Gott der Liebe, in Ewigkeit! Amen.' * Eliah aber verließ da» gottvergessene Land. Als er über die Grenze karr, sah er an den Bahnstationen lange «deckte Tisch« mit Trank und Speise. Ein langer Zug siihr ein, chm entstu.-gen Männer, Frauen und Kinder. Hier wurden sie gespeist und erquickt von freundlichen Bruderhänden uud erhielten Reisezehrung und ei« Schiffkkarte zur freien Fahrt nach Amerika. — Sie aßen und tranken und priesen den Got ihrer Väter, der sie herausgeführt aus dem Laude der Barbarei und des Fanatismus, um sie zu bringen in da» gelobte Land der Freiheit. Al» da» Signal zum Eiasteigen gegeben wurde, drängte Alle» zu den Eisenbahnwagen; mit Danke»- und Segen»- worten, mit Hoch» auf da» Berpflegung-comite« und auf den großen Wohlthäter, den Gott gesandt in ihrer Noth, verabschiedeten sie s ch. — E» hatte zum dritten Male geläutet, da sah man noch rasch einen Grei» iu'S letzte Coup« steigen. ES war Eliah! Elijahu hannowi, der Schutzgeist J-raelS, geleitet sie! fciiu z>isp«tatio«. Bon €. Mandl. I. Mit de» bunten Kirchenfahnen Ziehen düft'rer Münch« Schaar» Fromm« Kirchenlieder singend In dl« Hauptstadt der Elw«ar». vo» de« blinden Heidenthum« Diese Böller »u erlösen. Schickte sie der Br lech»leiser, Fromm« Männer auöerlrse«. , Ob des Fremde» Anblicki staunend Stehn die Leute in de« Basten, Staune» »i« die fromm» Brüder, Z» i«a bunt» Fahn« paffen. Und zur selben Stund« kommen Durch de« ander» Thorr« Bogen Paul» schlag»b, Allah »send Derwisch, hr»ngezog». Seine» Heiwnthume» müde Hat sie Bul»»*- sich erbet» Bom ägyptischen Kalifen, Bon de« Erde« de« Propheten. Ob de« La Jllah il allah— > Stehn verwundert all« Leut«, viff» »ich« »aö da« »«brülle Und der Pautenschlag dedeuie. Kam», daß sich der Lärm gelegt har Und da» Volk sich hat »erlanse». Kommt'durch'« selbe Thoe gezag» «och ei« dritter Pilgrrhauf». *) «tau M danalig» «hagarmrsidste». •*) •» (Mt kein» «4k Allah, □ Ihre Kleider find gar ärmlich Und b« scheid» ihre Mienen. Kein« s-thnr sieht «an wehen Kein« Trommel zieht mit ihnen. Juden sind ««. di« vom Au«land Der Chazarrafürst ließ komm», Um zu prüf», ob ihr »laube Seinem treu» Boll' mag frommen. Still und kaum bemeriet ziehen Ein die schücht«»» Gestalte», So day manch« sie für Flüchtling', Andere für Bettler halt». Und noch an demselben Tage Die Herold« e« verkünden: Morgen wird im groben Burghof Di»pu»ation stattfiad». Christen, Juden, Muselmanen Werden vor dem Bolk« zeig», Welcher Gott der wedr« Boll ist, Wem der rechte »laube eigen. Aue Männer sollen morgen Rach dem Burghof sich begeben! Der Ehagan*s hat r« besohlen, unö möge lange leben! Andern Tage« früh am Morgen Schon war Alle« aus den Beinen. Alle« zieht zum KöntaSschlosse So di« »roßen wie die Kleinen. Berne läßt sich unterrichien Der Berstäudlge und belehren, Such» daher rin Pläpchen, wo er A7e« sehen kann und hö,». Und zum Zeichen, daß der König Komme, schmettern die Fansarea. Lauter Jubel schallt entgegen Ihm vom Bolle der Ehozarrn. Aus den gold'nen Seffel läßt er Rieder sich, de» Reiche« «roß» Steh'n um ihn. In die Trompeten Wird nun abermal« gestoßen. Aus du« Zeichen kommen singend, Ihr« bunt» Kahn» wehen, Jene düste» Griechenmönche, Die man Tag« zuvor gesehen. Hinter ihnen Allah »send Unter laute« Paukenschille Brüne Turban« auf den Köpf» Mohamed« Berehrer olle. Linier dies» dann dir Juden Unansehnlich uud bescheiden, Die Gesichter hat gezeichnet Tausmdjährig Dulden, Leid». Alle steh'n nun vor dem Fürst», Grüßen ihn durch riese« Reigen. Jeder konnte seinen Athem Hör» bei de« Bolle« Schweig». Bi» der König also anfing: »Seid gegrüßt mir »erthe »äst«. Die ihr un« von mr» Gütern Reich» wollt da« Allerbest«. .3» bi» beste ist der »laube. Und wir wollen un» bequem» J»«n Glaub», der b«r rechte, Unverzüglich anzunehmen. «Jene, die un» überzeug». Wollen wir vor Allen ehr», Rur zu ihrem Botte bet», Ihre« Glaub» un» bekehren. «Euer 9»tt, ihr arme, Jude», Scheint mir arm und gar nicht mächtig. Daß er so euch läßt behandeln — Wäre laust ja niederträchtig! »Daß er euch von all» völke» Schind« läßt und unterdrück», Sich'«« Zeichen seiner Ohnmacht Kann ich nur darin erblicke». 382288 *) Titel der Chazarrnsürsr»