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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 22 (1892) · p. Seite 87

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
22 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
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Giacom» aber fugte girr nicht«, v« warshm. äl« fei plötzlich aus einem Traum erwacht, — der Zauber wcir schwanden, der diesei» schöne Mädchen umkleidet hatte, und _ ihm den himmelweiten Unterschied, der zwischen ihren und seinen Anschauungen herrschte, bi« jetzt wohlthätig ver> borgen hatte. Indessen schütten sich die Damen zum Sehen :ä«. Da« schöne Mädthen würdigte ibn keine« Blicke« mehr. ' rFra« Goldfiug« hielt ihm beim Abschied in einer Weise ihre , V«nd hin, daß er diese hätte küssen müssen, wenn er nicht! t-fc sehr mit seinen Gedanken beschäftigt geweftn wäre. Er! 'sah auch den ungnädigen Blick nicht, mit dem die Dame kleine Unterlassungssünde bestrafte. Er war froh, al« die! beiden in Sammt und Seide starrenden Gestalten hinan», «rauscht waren. Al» er allein war, brach Giacomo in ein flaute« Lachen au». Die« hatte keinen bitteren Beigeschmack, ' ndrrn e« war da« Lachen eine- Menschen, der sich von einer schweren Last befreit fühlt. Wo war die heiße Sehnnach ihr geblieben, die ihn in diesen Tagen unablässig lt hatte! Er trat vor die Staffel« und studirte Zug u» Zug dehalbvoll,ndtten Bilde«. Ja — sie war schön, '• fchöa wie die Frauen de« Orient-, die keiner Bildung de« ofirftri, «m zu gefallen. Wie aber hätte sie iu seinen.Krei« Mpaß» mit imrr Uinvissenheit, mit dem kugbegrenzteu Gesicht»- »ei«, den, Erziehung und Gewohnheit ,hr gezogen hattenk ^Jetzt 'fiel 'ihm manche Aeußrrung ein, die er an der an- «beteten Schönen einjvch ^naiv" gesunden hatte, mit der ste — al« ftine Frau — aber sich und ihn namenlo» .blamitt' hätte. — — Sein« Frau! — Gut, daß -er vorher Hur Besinnung gekommen war - bevor e» zu spät geworden!-sic waren innerlich zu sehr verschiede», um für da« Leben zusammrnzupassen-— — E« klopfte an die Thür, — noch che er .herein' ruftu' konnte, war Fritz Weiner an ftioer Eene. -Ra alter Juuge, — natürlich wich« i» Anbetung der gemalten Schönheit versunken, wie Pygmalion vor .. .Laß me Posftn, mir ist nicht zu Muthe danach!' brummte der andere. »Aha — gezaust!" bemerkte Werner vrrstündnißvoll. ^Bin überdies den Damen hier unten begegnet --die ■ Klein« machte ein finstre« Gesicht —, banste kaum, al« ich «rüßt« .. „Laß sie, — sie wird ihre Ursachen haben."-— :.4kTt verblüfftem GesichlsauSdruck stellt« sich Fritz gerade vor ^seinem Freuade aus. „Macomo— Jäkel, wie soll ich da« verstehen? Geheilt?"— Jakob nieste. »Aber nun sag«, wo kommst du auf . einmal her?" fragte er statt aller Antwort. JBSat mir zu langweilig, so allein herumzustreichen — ^'dachte mit: willst doch'mal sehen, wa»'der'2unge macht, — ' kannst ihn vielleicht vor einem dummen Streich bewahren .... bin aber tzu spät geko mmen .... * JKein guter-Sbrn hat mich allem davor bewahrt."— »Auch aut! Aber wie ist denn da« so schnell gekommen'? "Hat Mama Goldfinger- »Nicht« von Allem, wa« du denkst. E« war gar kein äußer« Anlaß dabei. E« fiel nur eine von diesen Mappen ^vorn Tisch herunter, uub bei dieser Gelegenheit fielen mir -auch die Schuppen von den Augen." I Der Freund »ahm kopfschüttelnd eine Bildermappe nach andern iu die Hand — „3dj verstehe dich nicht." — »Laß nur, alter Thinge", lachte Gincomo, .du wirst m ch -auch kaum verstehe», wenn ich'« dir genau «kläre. Und ^rmn^wollen wir zusammen einen Spaziergang in die Berge Machen» hoch oben im dichten Walde, wo wir kttnem Menschen begegnen — — und morgen wird da« Ding da fettig Smalt und den Damen zugefchickt, und dann ade, du öner Ort!" »Gott sei 'Dank! Ich bin'« zufrieden. Aber sag« mir „Fritz unser großer Dichter hat Recht gehabt, al» er sagte: Prüft, wer sich ewig bindet, ob sich da« Herz zum herzen findet'-aber mir ist <«,. al« könnte man noch eher sagen: Ob sich der Seist zum Geiste findet — Der Wahn ist kurz, die Reu' ist laug." Affrue* üendschreiven au die Redaktion der „IfraeNIlschen Wochenschrift^ »on Tchcmaje Proper, «»«hetme» »«mm«rzlcnm!h und erstem Borsteher der i-raelitischen Aemrinde zu Poiemuitel. Wen» ich heute Anlaß nehme, an Sie, Herr Doktor, diese Zeilen zu richten, so geschieht e«. Ihnen vor allen Dingen einen Bewei« mein« Gewogenheit zu liefern, die Sie nicht unter» schätzen und gering anschlagen wollen^ da mein Einfluß eia ganz gewaltiger ist, indem gauz Postmuckel nach meiner Pftift tanzen muß. Wenn Tommerzienrath Proper sagt: so soll und wird e« sein!' dann können Sie Gift darauf nehmen, daß e« nicht ander« wird; und wenn Schemaja Protzer einen naseweisen Opponeur sein donnernde«: »Schweigen Sie, hier hat Protzer nur zu reden!' erdröhnen läßt, können Sie daraus schwören und sich überzeugt halten, daß er gleich .paff' sein wird und dehmüthig zu Kreuze kriecht. Wa« nun den eben erwähnten Bewei« meiner Gewogenheit anbelangt, so wolle» Sie solche darin erblicken, daß ich mich herbeilasse, Ihne» einen guten und wohlgemeinten Rath zu enheilen. Daß mein Rath ein wohlgemeint« sein wird, wnden Sie gewiß nicht bezweifeln; daß « ein guter sein wird, dafür bürgt Ihnen gewiß der Raine Schemaja; Protz«. Also hören Siel Wie Sie wohl wissen, wird die > »Wochenschrift' in enftont guten Posemuckn viel und gern gelesen, ich meine natürlich in denjenigen Kreisen, deren Angehörigxu mir, dem Commerzirnrath, völlig ebenbürtig sind, d. h. dir dieselbe soziale Stellung einuehmea und denselbra Grad von Bildung besitzen. Diese Thatsache muß Ihnen. He« Dostor, gewiß große Freude bereiten, da Ihre löblichen Bestrebungen hindurch nach manchen Richtungen hin kräftig unterstützt und gefördert weiden. Aber Ihrem Blatte droht Gefahr, und diese möglichst abzuwenden, muß ich ein offeae« Wott mit Ihnen «den. Man ist empört üb« die Atmosphäre, die ««seit einig«Zeit «füllt, ist äußerst ungehalten über deu Geist, den e« seit Kurzem durchweht. Hat doch Ihr Blatt, nehmen Sie e« mir nicht übel, wenn ich es stei au-spreche, allmählig ein Parfüm angenommen, da» unsere Posemnckkl«, hocharistokratischen Nasen auf «ine büchst unangenehme Weift reizt. Wie konnten Sie auch, bester Herr Doktor! von Lttitm Attikel aufnehmrn, die sich z-B. Apftlblüth, Blumenthal, Cohn, Lrvi nennen? Man ist schon dazu gekommen, bei Empfang de« Blatte« sofort einfach da« In baltsverzeichniß durchzusehen, und find« man auch nur einen einzigen Attikel von einem Manne, d« vor seinem Namen nicht mindesten« einen Titel, wie „Professor Dr.', | oder .Geheimer Justizrath* stellen hat. so waniett dasselbe; ungelesen in die eotstrnteste Ecke. Und da« mit vollem j Rechte! Gediegenheit in Inhalt und Form kann man nur ' bei solchen Herren, die die sogenannte .Elite der Gesellschaft" au-machen, finden. Uns« Postmuckel« jüdische« Publikum ist da besonder« feinfühlend, sein ästhetischer We«; schmack sehr verwöhnt. Zum Uedcrfluß haben Sie sich noch hcrbeigelassen, wiederhokrntl ich über Neuwahlen und Amls-! Handlungen von Rabbin«n, die nicht einmal »Toltor» heißen, oder gar über da« Amt»subiläum eines simplen Lehrer« oder Kantors, oder endlich gar über die goldene Hochzeit eine« hinein aristokratischer Mund sträubt sich mit Macht, ein solche« Individuum zu erwähnen) nun, — — einro Schamme«-(fl dono!\ Gericht zu erstatten. Wie konnten Sie nur solch« Leute mit einem «nzisien Worte

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