Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 22 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ccfcofcn. C, Herr Doktor, wie haben Sir hierdurch Ihrem Blatte geschadet, daß Sie derartige- Subalterngelichter darin sich breit machen lasten. ES mup, wenn Sie in dieser Weise weiter fortsahrcn, aushbren. den Anspruch zu erheben, »der Sammelpunkt der gebildeten Judenschast" zu sein. Als rin weiterer Uebelstand wird allgemein getadelt, daß Sic in der Regel erst nach den Ereignissen Originalberichte über dieselben bringen. Nein, Herr Doktor, so dürfen Sie eS fernerhin nicht machen. Warten Sie ruhig ab, bis andere Zeitungen die Berichte ebracht bab<n, und dann drucken Sic solche ab und danken dgn betreffenden Zeitungen höflichst, daß sie Ihnen wiederum Gelegenheit geboten. Ihren Lesern auch einmal etwas Neues, Jenteressantes darbirten zu kennen. Sie scheinen übrigens, nehmen Sie es mir nicht übel, äußerst leichtfertig bei der Annahme von Mitarbeitern zu Werke zu gehen. Ta haben Sie zum Exrmpel seit längerer Zeit einen Mitarbeiterin Schabrotzkow, der Ihnen über olles Mögliche berichtet, über Jubiläen, Hochzeiten, Traurngcn, Begräbnisse, und das von Leuten, die gesellschaftlich tief unter Unsereinem stehen, denn merken Sie es sich, bei unS Posemuckrlrrn fängt der gesellschaftlich genießbare Mensch erst beim „Geheimrath' au. Scho» das Erwähnen jener Menschenklaffen bringt, bei mir wenigstens, unwillkürlich ein verächtliches Naserümpfen zu Wege. Wenn noch berichtet würd', oaß beispielsweise der Wirkliche Geheime SanitätSrath Abraham Lcvisobn in Boxbein in's Bad zu reisen gedenkt, oder der Redakteur Dr. Moses Rappelst» im Lese» verein einen hochinte cssanten kulturhistorischen Bortrag über die eminent wichtige, Frage zehalten habe: „Dürfen auch nach Prssach Matzeklöge bereitet und gegessen werden?" Sehen Sie, durch derartige Berichte würden Sie im Sturm sich die Herzen nicht nur der Posemuckelrr, sondern aller besseren. se>ngebildeten Glaubensgenossen e robern. Da bringen Sie seiner ab und zu die Ergüffe deeinen oder anderen poetisch angehauchten Herzens. Natürlich lesen wir Posemvckeler solches Gerrimsrl nicht; denn auS dem Inhaltsverzeichnisse sehen wir ja sofort, daß der Verfasser ein« gar schlichte, simple Persönlichkeit ist, ohne Rang und Titel, uno dieser Umstand schon niacht es zur Gewißheit, daß solches Reimgeklingel völlig werthlos, baar eine» jeden orri-, ginellrn Gedankens, stümperhaft in Form und Diktion ist? Bringen Sie doch einmal etwas von einem unsere- Staudes. Wir sehen ja nicht auf da» „Wie" und „WaS" de» Dichtwerkes, sondern lediglich aus den Berfaster. Mag er auch von dem Grundsätze sich leiten lassen: „Reim dich, oder ich fteß' dich!", oder mag er „Meister Ballhorn" sich zum Muster genommen haben, was schadet'»? Was ein „Proststor Dr.". ein „Geheimrath" oder derartige hervorragend« Rmabilitütrn zu Wege dringen, muß unter allen Umständen gu- und gediegen nach Inhalt und Form sein. Der Name eines solchen Bersasiers strahlt schon an sich eine» solchen lichten, erhabenen Glorienschein au-, daß da» etwa darunter stehend« Poem oder sonstige Sehriftwerk, von ftlbst schon von allen Schattenseiten frei erscheint. Es wird Ihnen gewiß ein Leichtes sein, die hier ge» rügten Mißstänv« zu beseitigen. Sie würden uns Posemuckelern eine Freude bereiten und sich selbst, resp. Ihrem j Blatte einen großen Dienst erweisen. Ich selbst werde da» ' Maaß meine» Ihnen schon bekundeten Wohlwollen» noch vergrößern, indem ich selbst Ihnen, soweit es meine mannigfachen Amt-geschäfte als erster Vorsteher der Synagogen» r,'m«inde zu Posemuckrl gestatten wird, mit Berichte» und »onstigen Artikeln unter die Arme greife, damit endlich wieder der alte „aristokratische" Geist Ihr Blatt belebe. Seien Sie versichert, daß mein gewiß hochtönender Name über einem Artikel schon hiareichen wird. Alle heranzuziehen und zu fesseln. Die Auflage Ihrer Zeitung wird sich sofort vci thniachrn, Sie können die» «chemaja Protzer» iönigl. I i, mcrzienrath, auf» Wort glavbo». Sie könne« heute T‘i: örtl.ir. Aahmer, ileigdrdurg. «rrmtv»» Pensix schon einige Eentner Pergamentpapi» mehr - bestellen, unr zur Zeit hr»reichendes Material zu Umhüllungen für die in unzählbarer Menge erfolgenden' nachbestelltrn Exemplare.' zur Hand zu haben. Der gewiß zu erwartende Erfolg' Ihre» Blatte» macht mir um so mehr eine heimliche Freud«, als unser neuer Rabbiner bei jeder paffenden Gelegenheit gegen die „Wochenschrift" wettert. - AproSpo»: Rabbiner! Ich kann es mir nicht versagen, über «inen Punst, der jüngst in einer hiesige» Vorstandssitzung zur Sprache gebracht wurde, kurzen Bericht zu erstatten. Unser Kultu-vorsteher beklagte, mit Recht, daß im öffentlichen Gemrindelebrn, wie auch in der Presse die- Herrn Rabbiner immer dagroße Wort führen. Nicht' diese, so meinte mein College, können für sich da» Recht in Anspruch nehmen, die Führer der Gemeinde zu sein, und ein entleibende» Wort über Judenchum zu sprechen. Nein, f wir Vorsteher haben allein die Führerschaft zn beanspruchen, wir allein haben in Dingen belr. Judenthum da« letzte entscheidende Wort zu reden. Redner regte darauf allen Ernste» die Frage an. ob denn überhaupt heute noch eine so zwin». gendeNothwendigkeit vorliege, einen Rabbiner zu halten und den. Gemeindeetat so sehr zu belasten. Die Leitung" de» Kultu» ruh« am besten in den Händen de» rrstortirende« Vorsteher», dem sie auch einzig und allein gebühre. Und die Entscheidung über rituelle Fragen? Wer verlangt heute in unserem aufgeflärten Zeitalter, da Jeglicher selbst „paßstnt", eine solche Entscheidung? Und Predigten? Run die Zeiten sind längst dahin, da die Herren Rabbiner da» alleinige Monopol belaßen. ein cptfdjcibtnbc« Wort über Ethik und Dogmatik zu sprechen. Da» gebildete Laien>ublikum vermöge sich heutzutage selbst feine Grundsätze über Religions- Philosophie zu normiren, e» habe sich auch in dieser Beziehung völlig emauzipirt. So weit me'n geschätzter College vom Kultu». Ob er Recht hat??- Ich schließe für heute uud zeichne Ihr Ihnen wohlgeneigter Schemaja Protzer, Geh. Commerzieurath. P. 8. Ich werde Pfingsten als Delegirter de» D. J.G.B an der Lehrerversammlung in Lobositzko tbetluthmtn, welche Thatsache Sie nicht verfehle» werden, Ihren Lesern bekannt zu geben. Ich bringe den Bildner« unserer Jugend 75 Mark als Reiseeutschädiguna und Diäten mit. Wie werden sich diest armen Schlucker damit freuen? die können sich dafür einmal einen gute». Tag machen. E» wird doch reichen? D. O. Ritthsel'Aufgaben. Deutsches Poppet-Siwerrräl-fet. Di« zwei ersten! Mir « war e» Me erst« Pehachnacht. Mit « ist Pfingsten «» vollbracht. »der: Mit * stellt «an'< ta Krieg» an», Mit « ruht'» schwach« Mütlerche» au«. Di« brirr«: Ob net» v nnd t, aber s mb f, Immer dienet zu« rihet» e». jUfßfttttg der HUtt-set ix voriger Nxmxrer I. v«»t, veviM*»«. II. - «rnch. -p i>jin)->»ll«, Jp - «.M« flÄiOjwfc