Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 21 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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,_jkiw $tt* dttte. 6Nt|t a» RLnPtrltte» ma Bertha Gl»« de x%. Git hatte« |ujomnen gespielt a»f der ausgetretenen Thürschwelle. der olasie. dürftig gekleidete Junge und da« kleine Mädchen mit dem dunklen Lockenhaar, da« stet« wirr um da« hübsche Köpfchen hing. Beider Utern waren Hau«» »genoffen, die de« kleinen Mädchen« nahmen außer dem »kauflad«» noch die daranstoßende Wohnung von drei großen Stuben ein, dir dem armen Jungen damals so Prächtig dünsten wie ein Märchcnschloß. Er selbst bewohnte mit seinen Eltern und noch ein paar jüngeren Geschwistern ein einziges Dachkämmerchen de- Hauses. Aber obwohl Perla'« Vater der Besitzer des Hauses und ein reicher Mann war, lxr Jak ob's hingegen nur ein armer Flickschneider, hielten die beiden Kinder dennoch gute Freundschaft. Sie war di« Vertraute seiner Zukunst-träume, dir so ' glänzend waren, daß Perla immer darüber lachte, — denn wie sollte der arme ungeschickte Jakob zu einer so schönen Zukunft gelangen! — Sie freilich — das >oar etwa» ganz Anderes. Da« kleine Mädchen wußte mit seinen acht Jahren schon ganz genau, wie hoch einmal sein Heirathsgut bemessen sein Würde, was für eine „vornehme Paltie" es mit Hilfe diese« Reichthums machen würde, und wie herrlich sich in Folge dessen ihr Leben gestalten müßte. Aber Jakob, der ja auch ein Schneider werden sollt« wie sein Vater — — was tonnte dem für eine Zukunft bevorftehenl Aber Jakob wollte kein Schneider werden. Er hatte ganz andere Pläne im Sinn. Die Natur hatte dem Knaben «ine Babe mit aus btt Welt gegeben. über die allerdings chorläufig weder sein Vater, noch der Lehrer, noch der HauSwirch entzückt war. Jakob hatte eine unwiderstehliche Neigung zum Zeichnen und Malen, und da er dazu nicht immer da« uöthige Material besaß, bekritzelte er Alle», was ihm dazu geeignet schien, nicht seiten die Wände de« Dachzimmercheu« und die Mauern deS Hauses. Natürlich trug ihm sei«« Kunst, so ausgeübt, nicht viel Anerkennung, desto mehr -Ohrfeigen von seiten d«S Vaters, deS Lehrer« und de« Hausbesitzers «in, aber der kleine Künstler ließ sich dadurch nicht beirren. Bei seiner kleinen Spielgefährtin Perla fand er; stet« Anerkennung. Sie fand an den Gänsen und Hühnern, Rühen und Pferden, die Jakob auf seine Schiefertafel zeichnete, chts auSzusetzen, und als er einst auf ihren Wunsch einen «tischen Juden mit langem Rock und langen Seitenlocken ^ldkonterseite, fand ihre Freude keine Grenzen. Der Jakob »ttr vielleicht doch nicht so Unrecht, wenn er sich «inbildete, durchaus ein Maler zu werden, dachte sie, so einer wie der leide Berel, der die Wände ihrer guten Stube so schön mit ^Blumen und Schmetterlingen bemalt halte, daß mau sich in "ein wahres Paradies versetzt glaubte, wenn man hineintrat. Und was der Berel noch alles konnte! Er malte Firmenschüder, daß e« nur so eine Art hatte, und wenn ein solche für ein Gasthaus bestimmt war, malle er auch wobl Gläser und Flasch«, dazu, oder eine gebratene «ans, die so uatürlich aussah, daß man hätte anbeißeu mögen. — Jakob hatte auch da« Zeug dazu. Sein Ehrgeiz ging auch nicht hoher. ’ als ein Stvbenmaler zu werden, denn Gemälde irgend welcher Art hatte er ja noch nicht gesehen — außer den Heiligenbildern, die in den Bauernstuben an den Wänden hingen. Und Heiligenbilder malen — daran durfte ein jüdisch Kind doch nicht denken.... Vielleicht brachte er «» auch mal so .weit, «inen „Maroch* (Haussegen)*) herzustellen, auf dem «tn Moses mit seinem Stabe Wasser au« dem Felsen ^ändert — oder ähnliche Meisterwerke für das jüdische Hau«. Aber die Kindheit verging und als Jakob dreizehn Jahre 1 -t« «du «tatet Mt Richtung ge» v sie» ««fcfotbH Bild.. alt war. mußte er die Schule verlassen, in der er — darin kamen der Vater und der Lchrer überein — gerade nicht viel gelernt hott«, und nun sollte er die väterlich^ Kunst erlernen. Bon seiner eigne» Kunst durfte nun nicht mehr die Rede sei«, und daß Jakob statt der Radel nicht etwa ein« bunte Kreide oder eine« Bleistift zur Hand nahm, dafür sorgte schon de« Vater« Elle. Aber nicht lange ertrug er diesen Zwang — eine« Tage«* hieß e« im Dorfe: dem Schneider Löbl ist sein Jakob davongelauftn ..... Wie da« dem jungen Manne so plötzlich wieder in Erinnerung kam, nachdem er Jahre hindurch fast gar nicht mehr daran gedacht! — Wie e« kam? Sr hatte auf der menschenbelebten Kurpromenade, über die er an de« Freunde« Seite hinschlenderte, rin Gesicht bemerkt, welche« ihm die Vergangenheit plötzlich in« Gedächtuiß zurückrief. Kein Zweifel — «« mußte Perla sein! — Daß ihn die« jetzt eist einsiel, nachdem sie schon vorüber war!- »Warum bist bn so schweigsam, Giacomo?" fragte der Freund, der inzwischen seine Äugen auf dem Platze hatte umherschweiseu lassen. »Kein einziges schönes Mädchen'— keine schlanke Erscheinung — nicht« als fettsüchtige Jüdinnen und wohlbeleibte Kommerzienrätbc — das ist kein Anblick für Maler» äugen", sagte Fritz Werner unmuthsvoll. »Und dos) ging eben ein junges Geschöpf vorbei, da« deinen schönheit-dürftigen Blick sicherlich entzückt hätte" — »Wo? — Sollte mir das entgangen sein? Aber nein, du scherzest — und e« ist die höchst« Zeit, daß wir diesen Ort verlassen, den die Grazien fliehen, und in den wir. ich weiß nicht, welcher Laune folgend, cingezogen sind"- »Komm", sagte Jakob, oder Aiacomo, wir er sich jetzt nannte, »ich will sie dir zeigen. Besonder« da ich selbst einige« Interesse daran habe, sie wiederzusehen, denn ich glaube in ihr eine Bekannte au« meiner Heimath entdeckt zu haben." »AU« deiner Jugend? — Au« deiner polnischen Heimath, au« der du mit vierzehn Jahren geflohen bist, wie du mir erzähltest? — Also eine orientalische Schönheit?" — „Vielleicht habe ich dir von dem kleinen Mädchen erzählt, — der <iertrauten meiner ersten künstlerischen Versuche", sagte Giacomo. »Ich bin ihr viel Dank schnldig, denn sie war die Erste, die mich nicht auSlachte und auSschalt, sondern zu neuem Schaffen ermunrertc. Sic hat dem armen Jungen das erste Zeichenmatenal, Papier und bunte Stiste geschenft, die sie aus dem väterlichen Laden entwendete. — Ich habe sie nicht wiedergesehen seit damals, denn al« ich vor Jahren wieder in die Heimat kam, om meinem Vater die Augen zuzudrücken, war sie zufällig verreist —" »Und sie ist eine Schönheit.' sagst du?" warf Fritz «in. der den Erinnerungen seine» Freunde« nicht viel Aufmerksamkeit schenkte. Giacomo konnte sich di« Antwort ersparen, denn in diesem Augenblick ging die eben Besprochene wieder — an der Seite einer starken Dame — vorüber. „Ihre Mutter, — die muß man wiedererkennen, wenn auch ihr« ftüher nicht gerade schlanke Figur noch an Füll« zugenommen hak. — Jetzt ist kein Zweifel mehr.-" »Da« ist ja ein herrliche« Wnb'" rief der kleine Fritz Werner enthusiastisch au«. „Komm, wir heften un« an ihr« Sohlen, und bei der ersten schicklichen Gelegenheit erneuerst du die alte Bekanntschaft." Da« junge Mädchen, das bis dahin schweigend neben der Mutter hergegangen war, fing zufällig gerade in diesem Augenblick zu sprechen au. In unverfälschtem polmsch-jüdischem Jargon klang es an die Ohren der beiden Freunde. „Erbarmen!" nef Fritz Werner mit komischem Entsetzen. ,8» teoainM«, philovopbuamaoaiuefl.— Aber thut nichts", fügte er dann lachend hinzu, »aus so reizendem Münde klingt selbst diese Sprache schön."- .Ist es denn mvglüh! Ist dawirklich da« Iokobel