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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 18 (1892) · p. Seite 69

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
18 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 69 (sequence 3)
Language
German
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j- •Jtoanen Sir, OnM Feißl Sir bedürfen der Ruhe!" Der Aaaeredete rührte sich jedoch nicht. Da erfaßte der Sprechende das nietergebeugtr Haupt de» Unbeweglichen, «nd — o Grausl er schaute in ein verzerrte» Todtenangestcht! Der Batrr war de« Sohne gefolgt. * * Am anderen Morgen «artete man vergebens aus die fBcdtftnc des .Schulenkloppers" und mancher sonst eifrige Lempelbesucher kam zu spät zum Gottesdienste. Und wenn «an fragte: »Wo ist denn Onkel Friß? Schläft er noch?" dann antworteten die Eingeweihten: .Gewiß schläft er. aber «dien Schlaf, au» dem kein Erwachen mehr ist". Und gefchäftig ttug man die unerhörte Mähre von dem „Meschumed" von Hau» zu Hau«. An der von A. nach der benachbarten Hafenstadt führenden Landstraße erblickten wir zwei einander gegenüber liegende Gottesäcker. Der ein« ist der jüdische Friedhof, im jüdischen Lolismunde .der gute Ort"' genannt, der andere der christliche Kirchhof. So groß im Leben die Scheidewand auch gewesen, die der GlaubenSunterfchied zwischen den auf beiden -geweihten Stätten Ruhenden aufgerichtet, hier schlafen sie in einer und derselben Erde, deren Schooß sie allesamint birgt und ihre unsterbliche Seele schwang sich einem uad demselben Ursprünge, dem liebevollen Batrr der ganzen Menschheit, entgegen. Was Borurtheil und blinder Wahn, was Neid und Haß getrennt, hier hat es der Tod geeinigt, um All«, Alle einem Ziele zuzuführen. Auf beiden Gottesäckern herrscht in diesem Augenblicke rin schauerlich-ernste» Treiben. Während man hübm einen im Leben von Schmerz und Pein schwer heimgesuchten Batrr 'zur letzten Ruhe bettet, giebt mau drüben dem Erdenschooße die sterblichen Ueberrestr seines Sohnes zurück. Wohl hatte der Sohn den Batrr gefunden und desien Verzeihung erlangt, aber zu seinem Gotte ward ihm durch den jähen, unerbittlichen Tod der Weg abgeschnittrn. Der unter dem Ruft „echod" seine Seele aaSgehaucht, wird nun unter Anwendung nicht jüdischer Segensformeln ins Grab verftnft. Die im Leben sich gesunden und sich wieder in Lieb« vereint, sie werden doch im Tode grausam getrenut. ’y P« jtfmrj <£mi* jPQifiyjtc’* «Kt ftöiutau- Der frühere CommicMire aox delegations jnilioiaires H Dulac publizirt im „Figaro" Memoiren über d:n Sturz des König» Loms Philippe. Uns interessirt die Darstellung die iu den letzten Jahren des Kaiserreiches Erämieux selbst i» Gegenwart Dulac's eine» Abends in einer Versammlung . im Ghmuase Pascaud von dem historischen Ereigniß gab, als man ihn, während er ftiae Kandidatur vertheidigte, anklagte, di« Flucht de» Königs begünstigt zu haben. „Am Morgen des 24. Februar, erzählte Erämieux, dunheilte ich in der Uniform eines Offiziers der Nationalgard« da» vierte Arrondissement und suchte de Bevölkerung zu teruhiaen, indem ich ihnen Hoffnung machte, dag da» Ministerium ThirrS einem liberalen Platz machen werde. Da» vierte Arrondissement war ruhig, um 11 Uhr begab ich mich nach den Tuilerien, im Schlöffe tteffe ich den Herzog von Mont» pensirr — .Monseigneur, nach zwei bewegten Bürgen ist Paris augenblicklich ruhig - — .Kommen Sir mit mir und melden Sre diese Nachricht dem Könige, sagte der Herzog und führte mich zum Könige in einen der Säle des Pavillon de Flore Der König stand da, von sehr vielen Leuten umgeben. Er trug die Uniform de» Geuerallieutenants der Nationalgard^ mit dem Großcordon der Ehrenlegion. Die königlich« Familie war anwesend. Al» er mich erie. ftagte mich der König: „Was giebt es Neves, Herr Trtmieux?" —.„Sire, da« visrte Arrondissement ist ruhig «btes muß etwas geschehen, wenn mau den Qfcfcdggjbra der Unruhen vermeiden will." — „Wa» schlagen Sie vor?" — »Sire, Herr Thiers muß sich zurückziehen und Odiloa Barrot zun. Conseilprasidenlen ernannt werden, mit dem Auftrag ein Ministerium aus Deputtrten der Linken zu bilden." — Herr Thier», der zugegen war, trat vor und sagte zum König: „Sire, ich bin bereit mich zurückzuziehen!" — Ich fügte hinzu: „Noch eine ander« Maßregel muß dringend ergriffen werden. Der Marschall Bougeaud ist zu unpopulär, er muß ersetzt werden...!" .Wer soll an seine Stelle treten?" ftagte der König. — „Sire. Sie haben den Marschall Gerard, der auch sehr populär ist, trotz des Werke», dos er über Paris publicirt hat. Sie könnten auch den General Lamoriciäre zum Kriegsminister machen!" Der König ließ den Baron Fain rufen und sagte zu ihm: „Seyen Sic sofort mir eine Ordonnanz auf, um anzukündigen, daß Odilon Barrot zum Conseilpräsidenten ernannt und daß der Marschall Gerard an Stelle des Marschalls Bugcaud tritt." — Ich nahm vom Könige Abschied und verließ den Palast mit dem General Bourgaud, einem der Flügeladjutonten deS König». Al» ich auf dem Place de Earrouffel ankam. sah ich vom Quai Marschall Bugeaud verkommen, der sich nach der Rue Rivoli begab Er war zu Pferde und in Unisorin. Ich trat vor und bat ihn, nicht weiter zu gehen — (man schlug sich schon aus der Place du Palai« Royal —) er wollte aber nicht hören. Ich ergriff fein Pftrd dann am Zügel und rief: „Maischall! wo gehen Sie hin?" — „Lassen Sie mich meine Pflicht chunl" antwortete er. Ich wandtt mich dann an den General Gourgaud und sagte zu iym: „General, theilcn Sie dem Marschall Bugeaud mit, daß er nicht» mehr ist!" — Al» dieser das hörte, kehrte er um nach der Quai, ohne dir Tuilerien zu passiren. Ich begab mich dann nach dem Palai» Royal. Bevor ich hier ankam. erfuhr ich, daß der König abgedankt harte. Ich konnte e» nicht glauben, kehrte nach den Tuilerien zurück. Der Herzog von Montpensicr, den ich traf, bestätigte mir die Tharsache. Ich elle zun, König. ..Aber Sire", sage ich zu ihm. „eS ist doch nicht der Herzog von Nemours, der die Regentschaft führen wird?" — „Nein", antworteft er, „die Herzogin von Orleans". Ich verlasse sofort die Tuilerien und kehre nach der Place du Palais Royal zurück Ich kündige den Kämpfenden au, daß der König abgedanft hat. Es war zu spät. Trotz der muthigen Bertheidigung der Municipalgardifiea waren die Aufständigen schon nahe daran, sich des Posten» zu bemächtigen. Als ich auf dem Platze angekommen war, hatte ich Lainoriciäre getroffen und ihm gesagt: „Der König hat Sie soeben zum Kriegsminister ernannt!" — „Aber ich rann die Stelle nicht annehmen, ich kenne die Regimenter nicht und weiß nicht, wo sie kasernirt sind!" — „liebernehme« Sie wenigsten» den Befthl der bewaffneten Macht?" — Den Posten kann ich anneymen". Eremieux eilt dann wieder zum König nach den Tuilerien. Man hörte schon die Fusillade. „Sire", sagte Cremieux, „Alle» ist verloren, Sir müssen forteilen!" — „Gut", sagte der König. und er zog seinen Hut ab und legte seine Uniform ab. „Man soll mir meine Schlüffel geben", sagte er, „einen runden Hut und einen Ueberzieher", sagte der König. Man holte die Sachen herbei. Alles ist zur Abreise fertig. .Herr Eremieux, nehmen Sie den Arm meiner Frau!" sagte zu mir der Herzog von Montpensicr. ... Asarcs &<fato Ma«rogü,ats. Die Juden in Italien wecken das lebhafteste Interesse ihrer ÄlaubenSbrüderl Gering an Zahl - ungefähr die Hälfte der jüdischen Bevölkerung Wien» — ragen sie hervor auf allen Gebieten de» öffentlichen Lebens, in der Wissenschaft, in den schönen Künsten, in der Politik Publiciftik und Diplomatie sowie im Heer und sind da überall durch Männer au« ihrer AKiNe vertreten.

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