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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 17 (1892) · p. Seite 64

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
17 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 64 (sequence 2)
Language
German
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feitefinB bri der hoffnungsvollen Jugend der jüdischen Gemeinde in A... zu wecken und zu nähren. indem er den zarten Kniblein und Mägdlein» die schüchtern ihm sich näherten, um für».die daheimgebliebenen Eltern dir Spende zu geben, dieses Sprüchlein laut vorsagte, dir es dann mit einer Andacht nachsprachen, als gelte es, ein heilige- Bußgebet zum Herrn rmporzuscnden. Wie schon angrdeutet, war Onkel Feiß ein vielseitiges Talent; er war für die verschiedenartigsten Dienstleistungen zu vcrwenden. So werden ihn künftig gar viele saumselige und schläfrige Hausväter schmerzlich vermissen. Jahr au-, Jahr ein war er es, welcher all die, welche eifrige Synagogenbesucher sind. denen Morpheus jedoch allzu oft ein Schnippchen schlägt, aus den Banden dieses Gottes befreite. Mit dem Zeichen dieser seiner Würde, einem zierlich geschnitzten Holz- Hämmerchen, schritt er an jedem Morgen in aller Frühe von Haus zu .Haus, kräftig an die Fensterläden oder Hausthüren pochend, die Äumigen dem Hause des Herr» zuzuführen. Onkel Feiß und sein Hämmerchen waren unzertrennlich; wie letzteres infolge seines gewiß menschenfreundlichen Zweckes den bezeichnenden tarnen: .Schulenklopper" erhielt, so legte man auch seinem Besitzer da- Epitheton .Schulenklopper" bei, in dem Onkel Feiß eine besonders ehrende Bezeichnung erblickte. und er hörte sich gern »Feiß Schnlenklopper" nennen. Und seltsam! in den Tönen, die Onkel Feiß mittels seines Schulenkloppers bervorzuzaubern verstand, wie kein anderer von seiner Zunft, fand der aufmerksame Beobachter die Stimmung wieder, die den Klopfenden beherrschte. Freude und Trauer. Heiterkeit und Melancholie wußte Onkel Feiß in die einfachen, scheinbar nichtssagenden Töne zu legen, und es gehörte eine gewisse Virtuosität in der Handhabung des Schulenkloppers, dem tobten Holze Leben zu entlocken und ihnen «ine so lxredte Sprache zu verleihen. Jene Töne kündeten dem, der sie zu deuten verstand, schon am frühen Morgen an, ob die Gemeinde während der verflossenen Rächt von Trauer heimgesucht worden, oder ob irgendwo Freude eingekehrt ist. Denn war da- Pochen ein ungestüme-, folgten die Töne in ganz kurzen Intervallen aufeinander, daun konnte man sicher sein, daß die Vorsehung ein Haui« Israel beglückt und seine Seelenzahl um einvermehrt hat. War das Pochen jedoch ein leichte-, wurden die Tönen nur in unregelmäßigen Folgen vernehmbar, so verrieth sich gleich da- Zittern der pochenden Hand, das sie infolge der Erregung ob eines eingetretenen Trauerfalles befallen hat. Mehr noch, als die Hausväter werden di: jüdischen Hausmütter da- Hinscheiden de- Onkel Feiß beklagen. Welch' ein bedeutungsvoller Tag der Woche ist nicht für diese d« Freitag mit seinen mannigfaltigen Veranstaltungen und Vorbereitungen »Llowed Schabbos* * *). Wie ist man besorgt, rechtzeitig vor »Kabbolas Schabbos") mft seine« Vorbereitungen zu Ende zu kommen. Wie groß und vielseitig immer auch die Obliegenheiten sein mochten, man kam nie in die Lage, im eifrigen Thun und Schaffen de« Moment de- Sabbathbegftms unbewußt zu überschreiten. Bor einem solchem Kapftalvergehrn die ehrbare Weiblichkeit der jüdischen Gemeinde A .. .'s zu bewahren, war Onkel Feiß steteifrigst bemüht. Regelmäßig erschien er kurz vor Begiu« de- Sabbach in der Thüröffnung der Wohnzimmer und rief mft seiner schnarrenden Fistelstimme: »Schulen!") wodurch angekündigt werden sollte, daß nunmehr der Sabbath seinen Anfang nimmt und die Hausherrin das Küchenscepter nftderzulegeu habe. Wie sein Schulcnklopfen dem schläfrigen Hausvater, so ist sein Schulenrafen der eifrig thätigen Hausmutter völlig unentbehrlich geworden! ') Z» Ehr«, des Sabbath. *) Begl»« de» Sabbath ') Eigentlich: ES ist Zeit. Schul««-, d. h. t« die Syaagage zu gehe». Run aber wird t) rat! ein««. Hat doch die wahlweise Gemeindrverwaltung A.'S schon läo beschlossen, diesen Brauch de» Schulenklopfens und Schule rufen-, weil nicht mehr »zeitgemäßfortsalleu, ihn «her, so lauge Onkel Feiß lebe, bestehe« zu lassen, um diesen nicht durch Fortnahme eineso wichtigen Ehrenamtes zu verletzen- Bon noch einschneidender Bedeutung für dos Gemeinde- H leben in A. war die Wirksamkeit unsere- Helden in der^ Synagoge. Wenn ich hier Onkel Feiß unbewußt mft ,Hetd":Ä bezeichne, so wolle der Leser diedurchaus nicht tm etgeut^ lichen Sinne de- Worteauffassen. Denn er war nichts weniger akein Held, ein kühner Recke, sondern nur kleine-, dürre- Männchen, ober voller Beweglichkeit, bartlose Gesicht war sehr au-druck-voll und zwei glanzvolles Aeuglein lugten unter den buschige« Augenbraunenhervrc. Das einzige Große an ihm war ein mächtiger Cylinderhut. der vollständig mit ihm verwachsen schien. Dieser Hut aber^ war «in Nnicum, sowohl bezüglich seiner Größe, alauch seiner Form und seine- Alters. Groß war der Hut unddies« Eigenschaft dieseschwarz glänzenden Garderobestückckff? kam seinem Besitzer des Oestern wohl zu statte». War dasselbe doch wegen deüber dem Köpft sich barbtetatab^ leeren Raumes sehr wohl dazu geeignet, so mancherlei Dinge / vor den neugierigen Blicken der Welt zu verberge». Was> der gewöhnliche Sterbliche in ftme Taschen zu versenke»^ pflegte, dapflegte Onkel Feiß seine« Hute anzuvertranen?/ Deshalb konnte er sich nicht von demselben ttennen, obwohl , seine Form darauf hindeutete, daß er bereitvor drei Dezennien auder Mod« gekommen. Diesen Hut setzte er nur währead seiner Thätigkeft im Gotteshaus« ab. Da mußte er einer breiten Samaxtkappe. weichen, mft der sofort eine besondere Amtsmiene austeNte.-^ War er doch nicht wenig stolz auf Lieft Kopfbedeckung, außer' welcher er alsogenannte- Amt-tleid einen etwa zwanzig' Lentimeter breiten, schwarzen Tuchstreift» trug, der an ‘ Rücken heruuterhing und mittels eine- Bändchena« Halft befestigt war. I» der Synagoge zu A. wurde eine Uhr»tsolange Onkel Feiß lebte, nicht vermißt. Wft aber war auch tede-mal auf den pünktliche» Beginn des Gottesdienste« ' bedacht. Kurz vorher fanden wir ihn regelmäßig vor bem'Jj Eingang des Gotte-Hausestehen, auf die Glockeutäne der; benachbarten Thurmuhr lauschend, und sobald dieft erklangen,^ eilte er mit Rufe in das Innere de» Heiligthums: »s'schla^l^Zj Am Sonnabend Abend begann der Borbeter nicht »Ledowid boruch-, albi- Onkel Feiß «ach Sicht' der ersten drei Sterne 'die Botschaft gebracht: »A ist Ra Eine respektable Leistung de- Onkel Feiß war stet» baij rufen der Gemeindemitglieder zur Thora. Der seine achter wußte an dem Tousalle schon zu merke«, ob ein« „gewichtige" oder minderwerthe Persönlichkett ausgeruftwH werde, und ob eine reich« „luttoao 1» meeeormoft*') zw? erwarten sei. Eine Bravourleistung war es aber jedei^nal.« wenn Onkel Feiß einen reichen Bräutigam oder einen ju Ehemann oder endlich den dreizehnjährigen Barmizwahk^ einewohlhabenden Gemeindemftgliede- »aufzuruftu" Wie schmettert« er da sein »Jaamaud") ,« deu Tempelraa hinein! Wußte er doch, daß «- nicht vergebliche Liebe-müh' i Hast Du Dir raut, lieber Leser, «in Bild von Manne gemacht, deffe« sterbliche Ueberrest« in de« Sarge] dort ruhen, den man eben aujene« spitzgiebligen Häus trägt und auf die schwarz angestrichene Bahre mederkäß O, diese» spitzgiebliae Hän-chen, an welchem in diel Moment die umflorten Blick« Aller hangen, wenn es ra könnte von al? den Seufzern, die in seine« Inner» erkluog von all den Klagen, die an seine« Wänden widerhalten!' O, «- weiß zu erzähle» von einem vom Geschicke " *) Cbu dem deu Sega lpwcheude» Schm,«» ,u gedmde Spmdr.! ') Da» Wort .jMauwb* d h „*• trete fcnulf" »tr» de» Ptzu. Am»«» de» Aufzuraseude» »«»»gesetzt '

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