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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 15-16 (1891) · p. Seite 59

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
15-16 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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■'4V*' „Da- Ding ist keine S Groschen werth", sagte der - . Antiquar. — > „Wohl ist es mehr werth", antwortete rasth eine . Stimme hinter Berl. Beide Männer sahen sich überrascht um. da sahen sic einen elegant gekleideten Herrn, der lachend zu Berl sagte: „Laßt mich Euer Instrument ansrhen." Der Antiquar, der den Fremden als einen Kavalier kannte, der in der Nähe seinen Palais hatte, zog ehrerbietig seine Mütze. Schon aus der Brücke hatte der Herr Berl bee dachtet,! iah. von ihm unbemerkt, dessen Thrünrn und hörte einen ■ r Theil seines Selbstgespräche-, woraus er dessen unseligen -1 Entschluß errieth. Er schlich leise Berl nach nnd trat hart hinter ihm in den Laden de» Antiquars. Berl reichte dem Fremden, ohne ein Wort zu sprechen, die;, Geige, aber sein ängstlicher Blick hing an den Lippen dvi Frem- 7 den, als hätte dieser jetzt über Leben und Tod zu entcheide». ' , Der Gentleman wandt« di« Geige nach allen Seiten,; betrochtete sie aufmerksam, klopfte mit dem Fingrrknüchel daran, sah in das Schalltoch, blickte dann lächelnd auf den Juden, der ihm den Bogen mit den Worten hinreichte: .Ein guter Bogen, ich habe ihn erst vor fünf Jahren getauft." , »Pah" rrwiederte der Fremde und stieß ihn sanft zurück. .«ostet mich 1V Groschen" sagte Berl ärgerlich. -1 .Und die Bioline?" .Die Hab' ich vom alten Jechcskrl bekommen, er war «in Mvbelhändler und hat sie bei der Einrichtung die er gekauft hat, von einem Italiener, der plötzlich gestorben ist, -I. gefunden. Ich Hab' schon als Kind darauf gespielt, ilh wollte ' sie nie von mir geben, alrer — Gott möge schon unsere HUse seinl" — JEs lag ein« ganze Welt von Elend in diesen Worten. .Und wollt Är sie mir überlassen?" fragte der Fremde. Dem armen Berl stieg eine letzte Hoffnung auf. - „Ja" rief er schneU. - „Ehe Ihr mir den Pre>' sagt, wißt Ihr auch w«S dran . ist?" fragte der Gentleman. . .Oh" sprach Berl gedehnt, .es ist eine gute Fiedel." Der Fremde zog ftine Börse: „Sprecht, wa» wollt Ihr £ für dieses Instrument?" .Euer Gnadenleben, ich muß sie fortgelxn, meine Kinder haben Hunger. Gebt mir — vielleicht — einen Thaler — " ' „Dafür?" rief der Antiquar verächtlich. - Der Fremde zählte 20 Dukaten in BerlS Hand, gab % dann dem vor Erstaunen Sprachlosen seine Karte dazu und sagte: .Sollte die Geige das sein, wa» ich vermuthe, so sollt Ihr den vollen Werth erhalten. Kommt morgen Bormittags 'zu m»r." Dann steckte er die Geige sorgsam unter seinen K . Mantel und 'ging fort. y Berl stand einen Augenblick starr vor Freud:, dann lief er dem Fremden nach und rief: .Den Bogen, Euer .-.'Gnaden, haben Sie vergesst»." „Behaltet ihn, kommt morgen um 12 Uhr." Es war bereits Iv Uhr Nachts, als Äerl freudejtrahlrnd ' nach Hause eilte. Indessen harrte Taube ängstlich besorgt vor dem Hause, - der eisigkalten Nachtluft nicht achtend, aus ihren Gatten. Tauftnde von Ideen stiegen in ihrer Phantasie auf, was den, noch kranken Bert geschehen sein kann. Mehrere Male wollte sie davonlaufen, die ganze Judenschaft alarmirrn, man möge Berl, dem nach chrrr Ansicht .ein Unglück zugrstoßen sein inüffr, auffuchen. Rur die Sorge . .um die vor Hunger und Kälte «iogeschlaftnen Kinder und, was noch ausschlaggebender war, die Scheu, dadurch all' die Noch und da« Elend, mit dem sie seit Langem schon ringen. . zu verrachra, hielt sie zurück. Plötzlich 'sich sie ®«rl den „Hahnpaß" heraufeilen, athanlos flog 'ae ihm entlegen. Berl, vor Freude keines Wortemächtig, faßte Taube mit all der wirdererlangten Kraft, hob die vor Schrecken Kreidebleicht in die Höhe und schrie: fern .Taubelc, mein Kind, Taubelebe» I Gott, gelobt soll er , hat ein Neß') erwiesen, ich bin ein Oscher') geworden!" Schein der Straßenlaterne spielen. „Siehst du, Taube? — lauter echte.ftremnitzer, „nd »och mehr bekomnic ich." Nun eilten sie Hand in Hand ihrer Wohnung zu, dort angekomme» küßte er, was er nie im Leben gethan, erst Taube und dann seine schlafenden Kinder. Taube weinte und zupfte Berl am Rocke, er möge doch endlich ihre Neugierde befriedigen und von dem Ursprung des Schatzes erzählen. Run «hellte Berl ihr mit, wie er vergeben» seine Fiedel anbringen wollte, um Brod für die Kinder zu kaufen und als ihm dies nicht gelang, er endlich den Entschluß faßte, seinem Leben ein Ende zu machen. „Sckma Israel,') Berl, das hast du thun wollen, a» mich, an deine arnien Würmerl hast du nicht gedacht," unterbrach aufschreiend Taube dessen Erzählung. „Weil ich an euch, an daS Elend gedacht habedoch Taubeleben, es ist anders geworden. Ein Maloch elohim') hat mir andere Gedanken angegeben, mir war's als hält' er mich in den Laden hineingestoßen, dort kommt ein großer Srore,') ninimt meine Fiedel, kuckt lange hinein, ich weiß nicht, was-er drin gesehen hat, aber etwa« Merkwürdiges muß es gewesen sein, den» vor lauter Freude greift er in seine Tasch' und zählt mir 20 Dukaten auf und sagt, ich soll morgen zu ihm kommen, da bekomm' ich noch viel mehr." „Wer ist der Srore?" fragte Taube. Da schlug sich Berl auf die Stirne. „Das Hab ich vergessen zu fragen" antwortete er verblüfft durch diese Frage. »Doch ich laus' geschwind aus die Kleinseite, der Trödler wird «S wissen." Nach diesen Worten wollte er rasch davon eilen. Taube hielt ihn zurück. „Es ist doch späte Nacht, wart' bis morgen, vielleicht erinnerst dn dich noch." .Du hast Recht, Taubeleben. — er hat mir auch einen Zettel gr,leben" sagte Berl, . die zerknitterte Visitenkarte, die ihm der Fremde gegeben, auS der Tasche ziehend. Abwechselnd drehten Beide dieselbe nach allen Seiten, denn lesen konnten beide nicht. Endlich sagte Taube, „drüben bei Reb Lvb Duschenes ist noch Licht" und eilte mit der Start« fort, direkt zum Funktionär der Beerdigungs-Brüderschaft. Dieser war noch wach, nach Taube'S Begehren ftagend, antwortete diese ihm dir Karte reichend: „Da hat, Reb Löblrben, ein Choschef*) meinrin Berl etwas zum Tragen übergeben und hat ihm gesagt, er soll morgen ums Geld kommen, wir wiffen aber nicht wohin, tommer') steht daraus sein Name. „DaS ist ei» großer Stavalier," antwortete Reb Löb, „Graf Martinitz heizt er, 'oa kriegt er ewadde') e schöne paar Gröschel. Ich gönn'« Euch, Ihr könnt e« nebbich brauchen." Mit dieser Freudenbotschaft eilte Taube zu ihrem Gatten zurück. Berl bekam auch noch eine sehr ansehnliche Summe, und der Gras, rin Kenner, rühmte sich nun, seiner Sammlung ein« echte Stradivari einverleibt zu haben. Bert, aber war ein gemachter Mann, er errichtete ein Trödlergrschäft. >) «Sünder. *) Stricher «Kann. *) Hör« Israeli (|Uc >u«rns des Schreck»-. *) wnati Worte». •) S IN, fi ') »lelttcht. *) Otnrtfe , L-D

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