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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 13 (1892) · p. Seite 51

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
13 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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laut» de» sein eigener Schatten in Schrecken setzen kcmtte, weshalb er sich immer scheu von Menschen fern hielt, und auck Mas Trachteoberg blieb nicht zurück, ein Mann, der sich stets mit seine« Ge ranken und Bücher» beschäftigte und deshalb stets so zerstreu« war, daß et selten etwas davon wußte» was man zu ihm sprach. »Sie wissen wohl, meine Herren," eröffnere der Direktor, „Sie wissen wohl, um waS eit sich handelt — eS handelt sich um dir Gemeinderathswnhlen!" „Uw die GemeindeiathS wählen", wiederholten all« nach Pädagogischer Regel das Endwort, jeder in seiner Weise mit einer eigenen Betonung. .Gemeinderathswahlen ... *, schleppte sich die verschlaftue Stimme Tracht mbergs nach; gleichsam mit Separata weil er erst durch den allgemeinen Ruf zu sich gemen war. Jetzt aber war aut) ferne Aufmerksamkeit angessrannt, als der Direktor die traurige Lage schilderte, in welcher sie Ach befanden und ihnen mittheilte. daß sowohl der eine, als der andere Parteiführer ihn aufgefordert habe, nur für seine Kandidaten zu stimmen. Dos war ei» Anblick zum Erbarmen, wie die armen Schulmeister in dieftn Augenblick aussahrn. Dornhelm hämmerte mit der Hand knegeslustig gegen den Tisch; Hölzer! faßte sich berm klopft, der ibm vor Schmerz sicher in Stücke ging, Hafen! aut war bleich vor Schrecken, und sogar Trachtenderg judite mit aller Gewalt die Gedanken zusammenzuhalten, um in dieser trostlosen Lage einen Ausgang zu stndeu. »Also, meine Herrn«", begann er nach längerem Rachftmmi „wie ich glanbe, ist »er gute Rath gesunde«!" Alk um den Tisch neigte« ihm neugierig die Köjft zu, ' wählend er nach einem wiederholten Räuspern sich auschictte, ' nr der Form einer gelehrten Abhandlung seinen Antrag vorzubringen. „Sie Sie wissen, meine Herren," begann er, „sind alle Geschöpft den Gesetzen der Ratur «merworftn und unter > diesen auch jene Säugettnere, die sich Menschen nenuenl... " ,L«r Sache! Zur -Sache!" drängten Alle, wenig ,se«eigt getehrie Abhandlungen anzuhöre«. JS3«t allen Thierrn", fuhr er unbekümmert um diese -Zuruft weiter fort, „ist daher vorauszusetzen, daß, wenn * «me Gtürung in ihrem Organismus eiutritt, sie in der Ausübung ihrer Funktion rerhuidert find..." »"'■ „Das Alles wiffeu wir lange schon — zur Eiache!"! sielen chm alle ungedulrig ins Wort. „9?un denn", fuhr Trachtenberg fort, „wir armen Lehrer gehören doch unstreitig auch zu jener Gattung von löäuge- 1hieren,dft sich Mensche» rennen — nicht?" JBir meinen wenigster!»!" stimmten alle Lehrer zu. folglich", führte Trachtenberg ans, „haben wir gleich alle« andern Geschöpfen ein Recht, krank zu sein, wc« uns nicht einmal der Borst« «d xrwchreu kann, der auch in der Thal, wen« es einmal dazu gekommen ist, nie etwas dagegen gethan hat, uns darin jpr stören — ist es nicht so? ..." „Leider, sehr wahr!" gaben Alle zu. „Keine Meinung geht olf»- dahin", schloß endlich Trachtenberg, Haß wir alle, wie ein Mann, am Wcchltage krank werden und uns lmdnrch ans glattem Wege der Wahlpflicht entziehen, die urrt soviel Verlegenheit bereitet — sind Sft einverstanden^' „Bollkomwen einverstanden I" lautete dft einhellige Antwort. — Aber sie machten doch die Rechnung ohne de« Wirth, die, Herren Pädagogen, dum diesmal war ihn«: das .Krannein. strengstens vom (Semeinderathe untersagt. Ob der einmüchige Beschluß der Lehrer von Jemandem rerrathen wurde, oder kam e» nur durch Zufall, da» weiß ich nicht, aber einige Tige später beschied der Führer der einen Partei schon mietet l)en Direttor der Schule zu sich nach Hause. „Meinen vielleicht die Lehrer", sagte er, „sich der Abstimmung zu entziehen, so werde« wir wisien, was wir davon zu denken haben. Hatten wir doch immer den Math, frei und offen die Sache der Lehrer gegen allerhand Angriffe zu vertheidigen. Pflicht der Lehrer ist es also, daß auch sie muchig und mannhaft für unsere Kandidaten stimmen, das heißt, wenn sie sich uns nicht zu Feinden machen wollen, denn bei nn» gilt die Parole: „Wer nicht für uns, ist gegen uns — Sie verstehen?" Der arme Direktor strengte sich so sehr den Kopf an, zu verstehen, daß er beinahe ganz daran vergeffen hat» den vor Verblüffung weit geöffneten Mund wieder zu schließe». Aber was ihm in dieftr Rede nicht ganz deutlich war; erklärte ihm noch an demselben Tage ein Anderer, nämlich der K der zweiten Partei, der ebenfalls de« Direttor zu ftn ließ. „Ick glaube mit Rocht zu vermuthen", sagte dieftr, „daß die Lehrer durch irgend einen Lorwand sich der Ausübung ihres Stimmrechtes entziehe« wollen. Damals, als es sich um die Sache oer Lehrer handelte, dachten wir nicht daran, zu einem solchen Manöver Zuflucht zu nehmen. Ich kann Sie daher nur versichern, daß, falls die Lehrer nicht für unsere Kandidatenliste stimmen werden, auch wir in fraglichen Fällen ganz ander« Vorgehen werden. Sie verstehen mick wohl!" Und diesmal hatte ihn der Direttor so gut verstände»', daß er vor lauter Verstehen beinahe de» Verstand verloren hätte ... __ (Schluß f.) Kir Henry Z>r»««»»s Hflslff. England hat jüngst zum Gesandten für Spanien Sir H. Drummond Wolfs genannt, über deflen Earrftre und Abstammung englische und amerikanische Blätter JutereffanteS berichten. Er »stein geborener Diplomat und Politiker. Als Parlamentsmitglied für Thristchurch und später für Portsmouth stand er Herrn Ba lfour in besten «^Position gegen Gladstone kräftig zur ©eite. Sir Henry'» erste Thätigkeit im öffentlichen Dienste war die eine» Sekretärs im Ministerium des Auswärtigen (1846). Im Jahre 1882 wurde er Geschäftsträger in Florenz, 1888 Secretär des Graftn von MalmeSbury und de» auswärtigen Ministeriums und 1878 Vertreter Großbritanniens bei dem europäischeu Ausschuß für die Organisation OstrumelienS; 1888 entiandte ihn dft Regierung m»t einer Spezialmission an den Sultan. Hierauf war er'zwei Jahre Gesandter am persischen Hoft und ftft Mitte 1891 in Bukarest. Bon väterlicher Seite ist Sir Henry Israelit und mütterlicherseits stammt er im zweiten Glftde von dem mächtigen Premierminister Walpole ab. Sei» Vater »rr der excentrische und merkwürdige Joseph Wolfs, welcher nach einer Reift durch die ganze Welt sich «ach den Bereinigten Staaten Nordamerikas begab, wo seine Ordiuattou zum Geistlichen der Episcopalkirche eine gewisse Sensation hervorrfts. Dr. Wolff machte drei bemerkenSwerthe Reift» durch Eentral-Asien und war der erste Missionar in Tehera n. Er vermählte sich mit Lady Georgiana Walpole, Tochter des Graftn von Oxford, und Sir Henry ist ihr einzigesK»»d. Man erzählt, daß, als Dr. Wolff das Herz der Traft«: tockter erobert hatte, Sr. Lordschaft denftlbm zu sich ruft« ließ, um von derselben zu erfahren, wie ein Abenteurer. Missionar und Jude es wage« konnte, um die Hand einer geborenen Walpoft anzuhalten. .Geduld, Geduld, mein Lord!" rief Wolff aus, während er aus seiner Brusttache einen schmaftu Pergamentstreifen hervorzog. „Gestatten Em. Lordschaft, daß ich Ihnen den laugen Stammbaum Ihres ergebensten Diener» vorleft l" und nun begann er mit „Joftph, Sohn de» .. „ Soba ... bis zurück zum Sohn David'», Königs von Israel. „Run, mein Lord, wen.» Sie eine« Stammbaum habe«, der diese»

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