Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 12 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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H^'r- — 47 — feine Wanderung fort und schon steht cr wieder in einem Hanfe wo er seinPurimspielchm zu sinaen ansängt: »Horcht nur aus, ineter ltrbr» Leu«', Lustiger Purim if bei uu» heut —* „Haiti" unterbrach ihn ein älterer Herr von gutmülhigem Aussehen, „waS für lustiger Purim ist da» für Dich, Du armer Schlucker?" Der kleine Jaeob war ixrblüfft — der Mann hat ja recht! „Sei uns zu Hause ist Noth und Elend." stammelte er. „Nun, und darum ist lustiger Purim?" „Und wie denn soll ich sagen?" fragte der Arme verwirrt. „Meinetwegen," sagte iur Andere mit einem mitleidigen Kopsschütteln, „mach'- zu Eul>e mit Deinem Purimspielchen." Heut ist Purim, :n»rge» Ist'« au« »siebt mir Arid, werft mich hinan«!* „Da hast Du armer Junge," sagte er, ihm eine Silbermünze hinlangend „aber wann» Dich hinau-wersen? Etwa weil Du leben und athmen willst, wer von uns will eS denn nicht? ..." „Endlich doch ein Mordtbai zwischen so vielen HamanS," dachte der kleine Jacob dankbaren Herzens, indem er feinen Weg weiter fortfedte. Der große, schwere Tag neigte sich unterdessen feinem AuSaange zu. Das Wetter nahm auf einmal eine günstige Wendung, es heiterte sich aus. Der dunkelblaue Hinimel füllte sich mit Myriaden von «Sternen, die Fenster aller Häuser erstrahlten in Licht und Glanz, alle» fefete sich bereit» zum großen Purimmahle. Ein rühriges buntes Leben ergoß sich über alle Gaffen. Wie der Himmel und da» Wetter heiterte sich auch da» Gemüch deS kleinen Jacob auf. Er hatte sich heute doch nickt umsonst »erstellt, er hat die Taschen voll Geld — und davei rührte er üoermüthig mit der Hand in der Tasche herum, daß alle die verschiedenen Silberstücke lustig durcheinonderllingelten. Jett werde auch er sich einen Purim machen! Wa» chm jener liort vormachen wollte, er sei ein Fremder. — Wenn man l-eld hat, kann mau sich überall ein Heim gründen, und ta kann man auch Freunde die Nasse haben, und wird er <rst groß werden, dann wird auch er sich zusammen mit allen Andern zum Purimmahle setzen, da» Geld macht Alle»!" — In seinem geträumten Glücke hatte er beinahe ganz an seine alte Mutter vergessen der kleine Jakob, der fort und fort die vielen Silberstücke lustig durcheinanderklingeln ließ. Er übersah e» aber auch in seiner Verblendung, daß sein übermüthige» Spiel mit dem Gelbe eine büse Rotte herbeilockte, die mit wilder Raubgier ihn von der Ferne verfolgte: »He! Da habt Ihr ten Judengeneral!" gab einer von ihnen da» Signal zum Ausbruche. »Gut!" belferten all« im Ehore: »Wir wollen mal seinen Heldenmuth probiren!" . (Schluß folgt.) «Vas jM+tn “ »»sprach» gehalten betet Brndermahl kn Lhemru-Ladtscha in Wie» * -- -ki ®t. W. fibmann. am «. nat) 1899 <7. «bar) von «abbteer ,... Ich will mir erlauben, einige Worte über die Bedeutung der Ehewra-Kadischa und auch der Ehewra-Sßuda zu forä. Wundern Sie sich nicht, daß ich vom Essen zu reden «»sänge. Die Bibel säugt auch vom Essen zu reden an. Da» heißt: sie erzählt und, wie der erste Mensch sein Pflichtgefühl beweisen sollte durch de« Entschluß, nicht zu eflen. Ich will aber berveisen, laß ein richtige» Ehewra-Mitglied essen und sogar auch trinldn muß, und daß man gegen den Geist der Ehewra-Kadischo verstoßt, wenn man eine so ebrafatoige und wichtige Institution, wie die Ehewra-Sßuda ist, «Beachtet läßt und sich richt daran betheiligt. „ D»u d«e Ehewra^ßuda ist eine wichtige Institution! Ksilich.so otaMiff .liegt Iriejt Wahrheit nicht. Man könnte im lilegentheil di: Frage aufwerfen: Was hat die Aufgabe, der Ehewra-Kadischa mit einem heiteren Gelage gemein? Sie soll ja von Rechtswegen nur auf die Seufzer der Noth und der Trauer lauschen, nicht auf den Jubel der Weinlaune und da» Knallen der Ehampagnerpfropfen. Ihre Thätiakeit ist t«n «Schattenseiten deS Dasein» zugewendet und sie kann mit Wallenstein sagen: »Nacht muß es sein, wo Friedlands Steime strahlen." Das ist leider wahr, dennoch behaupte ich: ohne Ehewra-Sßuda keine richtige Ehewra-Kadischa, sie gehört zu ihrem Wesen. Erlauben Sie mir, daß ich. um mich deutlich zu machen, an ein actuelle» Ereigniß anknüpfe. Kürzlich wurde in Berlin ein Stück gegeben, da« den Titel führt: »Da» heilige Lachen." E» stellt den Sieg des Optimismus über den PessimiSnms dar. der Pessimismus wird zuletzt auSgelacht. Ob da» Stück gesellen hat, oder nicht, ist für un« gleichgültig. Aber der Getanke ist richtig, nur schade, daß er nicht neu ist. ES gibt ein heiliges Lachen, und auf der Weltbühne wird ein Stück, welches dieses Thema durchsührt, seit Jahrhunderten dargestellt. ES hat nur einen an'oeren Namen. Dieses Stück heißt: »Das Judenthum", und die Schauspieler sind wir Ju!xn. Wir hätten ja allen Grund, Pessimisten zu sein, denn unsere Vergangenheit fern! nur Leiden und «Schmerzen, Noth und Elend, Druck und Verfolgn.ia, und auch unsere Gegen wart weiß davon zu erzählen, vielleicht mehr noch, als unsere Vergangenheit, aber sind wir deshalb griesgrämig geworden? Im Gegentheil: wir haben schließlich noch immer unsere Felnde auSgelacht und werden sie weiter auslachen. Blicken Sie hin auf da» alte Egypten: wie hat eS uns gequält, wie viele von uns hat e» verschlungen. aber wir haben es am Ende doch auSgelacht. Wir haben die Inquisition.Spaniens üb:rdauert und auSgelacht, und wir werden auch da« Egypten der Gegenwart auslacken. DaS ist daS »he i l i gefächen de» JvdentdumS, in welches nach dem Psalmisten Gvtt selbst eirstimmt: „Der im Himmel thront, lacht, der Herr spottet ihrer." Der Talmud erzählt von dem gelehrten Streite zweier unferet alten Weisen. Da ging es heftig zu. Der eine läßt zur Bekräftigung seiner Meinung btt Wände de» Lehrhause» sich neigen, daß sie einzustürzen drohen, ja er erlangt sogar eine laute Zustimmung au» HimmelShühen. Der Andere aber sagt: ich bleibe bei merner Ueberzeugung, und wenn der ganze Himmel über mir zusammenstürzt. Nachher trifft einer der Anwesenden den Profete» Elia« und fragt ihn, wie denn Gott bei jenem Schauspiel sich verhalten habe, und Elia» antwortet: »Er hat gelackt und gesagt: meine Sühne haben mich überwunden!" Damit hat er eigentlich sagen wollen: Solche Kerle, solche Stabsoffiziere kann ich gebrauchen, die eine felsenfeste Ueberzeugung haben und sich nicht bange machen lasse:;. «Sehen «Sie: So hat daS Judenchum da» Lacken allererst geadelt und geheiligt und e» gegen die asketisch« oder pessimistische Grimaffe al» siegreichen Trumpf auSge'pielt.") Fragen Sie nur bei Schopenhauer'un. Der viird e» Ihnen bestätigen. Er ist deswegen schlechtgenug auf da« Judenthum zu sprechen. Aber wir lachen ihn auch au», ihn mitsammt seinem Pessimismus. Und weil es uu» mit dem heiligen Lachen heiliger Ernst ist, deshalb kann man die Ehrwra-Kadischa mit ihrer Ehewra- Sßuda al» die schünj'te Blüthe de» Judenthums und al« den prägnantesten Ausdruck seines GeiüeS bezeichnen. Es ist ja raahr: die Ehewra-Kadischa hat e» mit lauter feindlichen Mächten zu thun. Aber sie lacht sie au». Sie verjagt die Noch und den Hunger, sie ringt die Krcnkheit nieder und „Mutinuodutc lejom «ohnrou“ sie verklärt scherzend selbst tun Tod. Sehen Sic doch» wie bei uns die Tobten behant»elt werden. Bei unö gibt es keine Masiengräber, feinen *) Unser zweiter Stammvater, Jizchat, hat feine» «a«e» anch iwm Sachen, ubd bedeutet: Sr wird lachen. Äa.Jsra« wird tu Z^- iunst lachen, und wer zuletz« lach», lacht am besten I" «al;.