Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 12 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/6492351-8722847-5962136--1852-5375333- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Unlersäjied zwischen Reich und Arm. Bei uns wird jeder Tobte wie ein Freiherr behandelt, „bunenim chofcohi,“ und twnn einer in seinem Leben nicht das Geringste brseffrn hat, im Tode wird er ein Gutsbesitzer, „meu kon*h mekomo,“ und daS kleine Landgütchen, in dem er schläft, — vor welchem unS Gott lange bewahren möge! — daS gehört ihm, unveräußerlich, unantastbar in alle Ewigkeit. Ist daS nicht ein Sieg, den die Chewra-Kadischa über die finsteren Gewalten davonträgt, und ist demgemäß die Ehewra-Sßuda nicht eia berechtigtes Siegrsmahl, womit sie in „heiliger Heiter» feit* ilrren Kampf gegen das Leid in der Welt nnd seine Uebrrwindung feiert? Und wenn Sie nun fragen, woher wir denn eigentlich nufere unverwüstliche gute Laune nehmen, die schon manchen Philosophen und zahlreiche dumme Kerle geärgert hat, so will ich Ihne« darauf in Kürze antworten. TaS klassische Alterthum erzählt von einem Riesen AntaeriS. Der war unüberwindlich, so lange er die Mutter Erde berührte. Dieselbe Borstellung kehrt auch in dem i Zauber- und Hexenglauben deS Mittelalterwieder. Man! glaobt-r, daß man den Zauberern und Hexenmeistern nichts j anhakxn könne, so lange sie den Boden berührten, und sie , wurden deshalb im peinlichen Verhöre von der Erde aufgehoben. Run weiß ein Jeder, der unsere Geschichte kennt, daß rare im Mittelalter im Verdachte der Zauberei und j Hexerei standen, und — heute können wir es ja eingestehen, \ ivo es keine Scheiterhaufen mchr gibt — wir sind auch Hexenmeister. Oder ist es keine Hexerei, daß wir überhaupt noch find? Nnd wie wir dastehen! Man sagt von unS, daß wir die Welt beherrsche», und — warum sollen wir es verheimlichen — wir thun'S allerdings — durch unsere Bibel. Welcheist denn die Ursprache jener Ähren, aus denen unsere aaaze sittliche «Gesellschaftsordnung beruht, welches ist die Ursprache der Zehn Gebote und deS Satze»: .Liebe deinen Nächsten als dich selbst?' Etiva griechisch oder böhmsch oder gar russisch? Hebräisch ist ihre Ursprache und das Judenthuw hat sie auf die Welt gebracht. Dadurch Ghrrischt es dir Welt. Ist danicht Zauberei? Ja sreilich zaubern wir und gleichen in unserer Unüberwindlichkett dem Riesin AntaeuS, und dawerden wir auch in Zukunft, solange wtt den Boden berühren. Dieser Boden ,st unser alter Glaube, der Glaube an den Gott, welcher sich freut und locht, wenn er Männer von Ueberzeugung sieht, die sich nicht bange machen lasten. Tiefer Boden ist unser frlsenfestes Vertrauen auf den endlichen Sieg des Guten und Wahren. Dieser Boden, aus dem wir unsere unverwüstliche gute Laune saugen, ist die heiter« Weltanschauung des Judenthum», welche «ins lehrt: .Gott ist nur da, wo Freud« herrscht.' Darum wollen wir trotz aller Unbilden unS freuen und lachen, und die Ehewra-Kadrfcha soll unS durch ihr Wirken den Weg: zeigen, auf dem man dazu gelangt, die finsteren Gewalten zu überwinden und auSzulachen. Stotzen Sie denn mit mir au auf unsiren Verein. Die Chewra-Kadischa imd alle ihre Mitglieder, die alten und die neuen, die hier sind und nicht hier sind, sie leben hoch!**) *) Nahezu .*00 Mitglieder der Ehewra, die Elite der Wiener Geuvünde Hanen diesem Bsirdermahle beigewohnt; Herr Gustav Simon, der stiire-Präfident der Gemeind« und der Chewra, hielt die Begrüßung» >ede nnd verlas da» von Dr Jellintk an» Görz «ingelansine Lelegramm. Herr M. Sarple» erstattete den Rechenschaftsbericht, nach welche« sich dl« Eingänge ans 30.784 fl. belassen, denen die Au»- gaber in Höhe 16.853 fl. geg,nüber flehen, so daß sich der BermSgenSzuwech» auf rnnd 8880 ft. stellt. Ritter v. Mut mann sprach den Hais,rtaast, Tr. Spitzer trachte da» Hoch ans den Gemeinde Borsland, und Baurath Sttaßny aus dl« .beiden Seelsorger, .wahre Gerden de» Judrnthum»', aus. Der LandeSsthulraih Dr. Gustav Lohn widmete dem B» -stand der Shewra-Kadisch« «inen Trinksprnch. |Mi N«rt«feße der Me,del-s»h»-Ls^ tu Mu^ederg, vonPftl Llsr Bernhardt. WiSkammen heut' in diesen Kestgemächeru Ich grüß' Gnch Schwestern, Brüder sei» wiTkommen t Btt hetürn Bede» und bet vollen Bechern Sofft im» vergeffen, wa» da» -erz beklommen Schon lang« sind wir nicht ve.-rint gewesen. Doch seht «» kam der schön« Pnttmtag, Berschnmnden Harm nnd Leid — da» sett'g« «esen: Di» Frtzhlichkett, kündet de, Her^S «hl^, Wa« laßt di« Herzen heut' u»S hShrr schlagen? Sa» «Snt gleich Harsin heut' an unser Ohr? Welch' Heldenchat an« längst vergang'n«. Tagen Dringt henft gleich Jnbelrus zu nn« empor? Elm Name ist'», ein nnbedentrnd Wort, Ein Weib lp'S, da» mit Recht wir nennen Schwester Und dieser Name tönet fort nnd fort «ns nnsern Lippen, der der holden Esther. Sein Slang allein schon reihet nn» von hinnen, Bor «ufern Tug' erhebt sich riesengroß Ein prächtig glänzender Palast und drinnen Da» Prnnkgeiag de» »ha»vero«. Wir sehen Ha «an schmiede» Rachepläne, Der heuchlerisch de» König» Ohr umgarnt; Dem Tod verfallen sollen Israel» Gähne, Da»' Unheil droht, den Herricher Niemand warnt? Und stehe da, an Schdnheit ohnegleichen Fleht schmerzlich Esther für der Brüder Leben Der Zorn de» König» läßt sich drvb erweichen Und .Freiheit', schallt r» ring», „ist nn« gegeben/ Und heM empfinden tief wir jenen Segen Im Bruderbund, t« Kreise lieber Schwestern, Und wandeln wir in Schier Brüder Wegen, Wer wollte dann da« Jndenthum »och lästern? Drum schrttten froh wir avf der Lebensbahn, Um auch da» Schwerste leicht |i überwinden Und nnsir Wunsch, er steige himmelan: L, daß im Kampf wir slew ttne Esther finden I I. Anrtfkß« Von C in R. Zu den THIerru sie gehört, Al» Poet ward er geehrt. II.i ^|K»0eRr<HQft(. X 8 18 8' ein biblischer Ränuername, 1 8 8 4 bist auch Du, X 8 8 4 S ttn Gebirge ln Moab III. K-ArSisch« «^ch--grlPß. Bo» C <i B. Rach einer alten Sage Hat sich ein klein Insekt Zu ttne» König» Plage In besten Kopf versteck» In ihm e» wühlt und windet Und dreht sich der und hin, 8t» man statt jriner findet Nun ttne — Königin A«ßSftmder KSttzfri i» »»r. Kr. X. Skückert, «iöktttt. n. 11» Loo»; nV3$ Trmuch; Nl'HII» Strafen. Xll. St»,. ,1?gt — Du. »«r. mwont.Redakkeur: ür.M. Rehmer Magdeburg. Druck: Se ndixäd Huhn. (früherD.LSolst), Berühr',