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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 11 (1892) · p. Seite 42

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
11 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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mach,.'«, dafür werde ich Geld bekomme», hier eur paar Grenzer, dort ein paar Sechser, Geld die Menge. WaS wird das aber lustig »verden! Und weißt Tu, wie ich mich nennen will, Mutter?" „Wie denn?" „Nicht mehr Jakob, sonder» Jaaues." „Jaa res? Was Han Du denn an dem Jakob auszufcucu?" „Ich wohl nicht, aber die NachbarSleutc, die mit höhnischen Grimassen mir in den Gassen nachrufen: Jankiew' Jankiel.' daß ich vor Scham schier vergehe. Da will ich ivie einer von ihnen mich nennen und verstellen will ick mich ja auch, das trrsie ich Alles ebenso gut wie jeder Andere, und Geld für mein Puriniipiel zu machen, das versteh' ich noch viel besser als Alle zusammen. Wart', Mntterl, da will ich Dir schon mein Purimspiel Vorsingen-* „Nein, liebes Kind," unterbrach ihn die Mutter, „mir will'- nicht gefallen, daß Du Dich verstellst und den Namen änderst: harren wir in Geduld aus bis bessere Zeiten kommen, im ilebrigcn ist das Wetter noch rauh und unfreundlich — eS kenn Dir übel ergehen. Junge!" „WaS übel!" entgegnet« der kleine Jakob, indem er stolz sich in die Höhe reckte, wie wenn er zeigen wollte, daß er es mir dem Detter wohl aufnehmcu kann, „ich werde inich schon zurechtfinden, und daS Wetter fängt ja gerade an, ichön und mild zu werden, jnst wie dazu geschaffen in's Freie hinauszagehen!" Und eine Stunde später stand er vor seiner Mutter, ein kleiner (Generalmajor, umgürtet mit einem bleck^rnen Schleppdcgen, mit einem frderbuschigen Dreimaster ans dem Hauvte, oen Rock geziert mit einem goldenen Kragen und die Hosen mit rotheu Stteifcn. „Siehst Du, Mntterl," rief er triomphirend, „daß ich's so gut wie die Anderen treffe und was erst für Geld ich nach Hause bringen werde!" „So laß cs doch, inein Kind," wehrte die Mutter, „Du bist nicht dafür geschaffen. Deine Eltern und Ureltern haben sich nicht verstellt, bleibe mir lieber was Tu warst — rin Jakob? „Pst! nichts von Jakob, Mutter," lachte der kleine Kämpfer, und das blecherne Schwert aus der Scheide ziehend, vräseutirte er zweimal vor seiner Mutter und kommandirte: „Halb recht-, Marsch!" worauf er, bevor chn noch die Mutter zurückhalten konnte, audem Hause verschwand. (Fortsetzung folgt.) „Wie Würde e» ausseüe»!" ISdtsche Silfcouct« von Nathan To » oely. lSchlvh.) Da mußte ich eine- Tages erfahre», daß alle diese launigen Ausfälle, doch von einem finstern Dämon ihm vor» diktirt waren. Eine- TageS nämlich fühlte ich mein Gemüch sehr bedrückt und in einem Anfall übler Laune warf ich die Bemerkung hin, die Last deS Leben» wäre mir unerträglich und e» wäre doch das Beste, wenn man sie abschütteln könnte. Die Wahrheit gestanden, war cS von mir nicht so ernst gemeint wie gesprochen. Ich äußerte grwiffermahm dies« Bemerkung nur, weil ich unbewußt da» Bedürfaiß fühlte, von einem Freunde einige ermuthigende, aufrichteudr Worte zu hören. Was aber geschah? Da» Gesicht meines Freandes verfinsterte sich und statt reder Ermochigung erwiderte er mit einem unheimlichen Ernst: „Ja, wenn Du Dich nur zu diesem Entschlüsse auf. raffen könntest!" Ich blieb wie versteinert. Mein Freund jedoch uicrtte «s nicht und ging auf sein Thema näliet ein. .Bor Allem," fügte »er hinzu, „müsse man bei der Wahl der TodeSart sehr vorsichtig sein." War da» Ganze von ihm nur Spaß? Doch neiu, er vertiefte sich immer mehr. .So. beispielsweise," fuhr er fort, „ist da- Erschießeu ein sehr häßlicher Tod. Man verblutet und vereitert, daß man bis zu dem letzten Augenblick vor sich selber eine» Ekel hat, ganz abgesehen davon, daß man auch fehlschießen kann. — Erschießen, nein, bist Du nicht auch der Meinung?" Er wartete meine Antwort nicht ab, sondern fuhr weiter fort: .DaS Bergiften wieder ist nicht weniger eine ungefällige - Todesart, denn im günstigen Falle sttrbt man unter unsäg» lichen Todesqualen. In den meisten Fällen wirkt da» Gift nicht so balv und da kommen erst die Arrzte. — Nein, vergiften nicht! Weißt Do, welche» die beste Todesart ist?" Er wartete abermals nicht auf meine Antwort, sondern stieß auf einmal mit einer Art freudiger Arnugthuung hervor: .Erhängen — ich sage Dir. Freund, eine prächtige TodeSart. Da habe ich darüber viel Jnteieffantes von einem großen Arzte gele,rn, der an sich selber den versuch angestellt, freilich nur bis zum entscheidenden Momente, in welchem dcr Tod hätte cintrelcn sollen. Da glaubt nnm, wie er erzählt, auf einmal tausend wonderkiche Melodie« ptt hören, die immer süßer und kosender da» Ohr umschmeicheln. Nach und nach lösen sie sich in ein Säustln und süßes Lispeln auf, bis sie ganz verklingen, und dann ist « auch aus ... . Man wird gleichsam in den Tod hinübergesungen." „Wie Du aber darin bewandert bist!" bemerkte ich endlich. Auch diese meine Zwischenbemerkung überhörte er in seinem Eifer, sondern sah sich prüfend im Zimmer um. „Weißt Do," fügte er hinzu, „so rin Tod ließe sich sogar sehr leicht bewerkstelligen. So ließe sich beispielsweise dieser Spiegel gemach herunternehmen und ack Haken eine- Schlinge anbriuaert» wodann man sich auf einen Sessel hinauf.- stellt, den man daun mit den Fützen umwirst, damit „WaS!!" fuhr ich endlich empor, alle Fassung v.-rl irrend „WaS — Du treibst Deinen Hohn mit mir!" *4 ,1 •fl .Hohn?!!" fuhr er empor, al» hätteman ihn aus einmal mit Eiswasser überschüttet. ES trat ihm erst jetzt in'» ■ Bewußtsein, wie weit er sein Innrer vor mir demaStirt. hat. Er versuchte, nachdem er die erste Verlegenheit über- ' h wunden, mir weit zu machen, daß daS wirklich bei ihm »irr auf einen Spaß hinauslief, allein mir war e» nickt »ehr 4 auS dem Herzen zu nehmen, daß nur jene dämonische Neugierde, von der er besessen war, zu wissen, wie daanSsehev J würde, ihm jene Worte in den Mund gelegt hat. Z Inzwischen schoben sich einige Jahre fort. Mein jimarr Freund heirathetr. Er war der zärtlichste und liebawllste Gatt« der Welt, später auch der glücklichste und aufopferndste Later. Mehr als einmal begegnete ich ihm »ährend dieser Zeit und fand gleichwohl in ihm den jovialen, lebepSlqstjarn geund, wozu er auch Grund genug hatte, den» er hatte sich über sein Geschick gar nicht zu beklagen, da» ihm Allein > Fülle bot, was ein heitcre» Geschick nur bieten kann. Er .? b.nvährte sich auch al» ausgezeichneter Geschäftsmann, und . alle stine Unternehmungen waren von dm günstigste« Zn». ' füllen begleitet, so daß er sich innerhalb einer kurze» Zeit : ei« sehr schönes Brrmvgeu erwarb. . ' Da traf mich eine» Tage», wie ein Blitz au» heitere« Hummel, eine Schreckensnachricht, die alle» Blut in mir er-c-j starren machte. Mein Freund Selig, hieß eS, wurde hetzte^ in einem von hier nur eine Meile entsernlem Städtchen M einem Gasthause erhängt gefunden. Dcr» Gerücht verbreitete sich mit Wiaoesschnell« über die ganze Stadt. Ich ver-^e säumte keinen Augenblick und eilte an siu«S StädtchtG mir über das schreckliche Nngl “ i

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