Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 11 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nah»rr ln Magdröurg. HersuS-eLeven von Dr. M }itrr|(lln| n) Krtchm» fit tu inirittiftt -milie. ™™rum Skai hon Sa oruelq. — »Wie roiirb« c4 äuSst^en^ I udl sch« S!lhöükttevm^!ät?är^s^!^^^> CVMfc/iff» tSchlvst) — Der Ufte Sill« Ltebniann Adler'», dt» jüngst in Chicago verstorbenen Rabbiner». — Crarahnuag an einem Vornrijoah. von Dr. @. Dcnrsch, ehe«. Rabbiner in vrux — Däne da braitt — Rilthsel-Anfgaben. — Riiihsel-Lösnugen <lt»vet»Otrr »um» an« diese» vlattr ist «nlersogt.) „verstellt." Jüdische Silhouette von Rrlhan Sa in»« ly. »Bei den Juden herrschte Licht, Freude, Jubel und Won«!" Der Purim ist in'S Land gekommen, der woituige und souuige Purim, und die schöne Verheißung, die klar und deutlich tu der „Megille" verschrieben ist, sollte zur Wirklichfeit werden . . . Die unter der Last deS Leben» gebückten und gedrückten Menschenkinder richten sich wieder auf und vor dem Strahl der Freude flieht jedes Sorgenfältchev au» ihrem Gesichte. Aus den Häusern hasten sich die Sendboten mit überdeckten Süberschüffeln, in denen sie die schönen Gaben des Tim«» »ach allen Richtung«» der Windrose binau-tragen. Wie da» Gemüth und die Stirimung, wechseln gar viele ihre ' Gewänder; sie verfleiden, »der, wie «» hier ru Lande ge» nanat wird, sie .verstellet' sich, und da wird der abgerissen« Schnorrer e'n blank, r Stutzer mit Tylinder, stets» gebiegelten Manschetten u.it Klemmer auf der Nase — der dünn« Hungerleider trägt vor sich eia künstlich erzeugte» Schmärbäuchlein. der Tedemüthigte führt ein« stolze Sprache, — alte Leute geben sich ia< Aursehen von kühnen Jünglingen und Jünglinge mache» rin greisenhaft ernfteS Gesicht, — Frauen verkleiden sich al» Männer und Männer trippeln in Frauenkleidern al» eitel aufgeputzte Frauen einher. Auch b«tte Nationaltrachten tauchm in den Gaffen auf: diese al« polnische Schlachzizen in vier!antiger Konfederatka und kühngeschultertem Koatasch, und tene als feuerige Magyaren, den rnchbeschnürtkn Doiman keck ««gehängt und dieStieftl mit klirrrav«a Sporen versehen, — kurz, jeder bestrebt sich dazu lein, wa» er nicht ist. <St ist ja lustiger Purim, und oa hat «an ihnen überall t>ie Geschichte laut vorgeleftn von Licht uad Jubel und «nbefttränkter Freiheit! Und wie in den volksbftebten Gaffen, regt eS sich gar muuter auch in de« Häistrn. Da tummelt sich mit aufgrschünten Hemdärmeln ne Frau iu der Küche, wo der Purimhecht bei einem lustigen Fcue: «iu würzige» Bad nimmt, und der mit Oel >zesalbtt Purimbarche», wie ein König «Uten auf dem Rudiüdrette thront, gespickt mit Rosine» und Mandeln wie mit Ehrenorden, uad umringt von viele« dreizackigen Hamankrapfta, wie von Basallen und Hostrabanteu. Wohlgemuth hält unterdessen der Familienvater seinen Stammerden aus dem Schooß und erzählt ihm da» heitere Geschichtchen von Jubel, Wonne, Licht und Froheit . .. Ja dem kleine«, niedrigen Dachstübchen jedoch, iu welche» ich de» Leser einführrn will, ist keine Spur von jener Freude und Wo»« zu sehen, vielmehr beleuchtet da» kleine, flackernde TalgUchtchen Roch und Elend. Boa der Zimmerdecke uad den dünne» rauchgeschwärzter: Wänden kollern dicke Wafsertrvpsen herunter, al» wären es Thränen, welche die ärmliche Hütte um ihre Bewohner vergieße Aus dem Ellenbogen j den Kopf gestützt, sitzt am Tische eine stille, traurige Matrone in ein schwarzes Tuch gehüllt, ein Blld des Jammer», und brütet vor sich hin. Bergeblich jedoch bemühten sich Roth und allerhand Unbill in ihrem runzligen Gesicht: die Spur einstiger Schönheit anSzulvschen, vielmehr leuchten au» ihren großen, schwarzen Augen, die jetzt von Thräucn umflort sind, Jugendfeuer und unversiegbares Leben. Urd was sic nicht schon Aller ertragen hatte, diese arme, unglückliche Frau? Bon ihrem somngen Heim verjagt, wo sie schöne und glückliche Tage gesehen, irrt sie seit vtelen Jahren unstätt in der Welt herum, ohne Freund und Gönner, verlaffen von ihrem frühi.ien Beschützer, ausgeliefert der Noth. I»em Elend und der Verfolgung. — Wie werden die Dinge enden? Wird gar nie Erkö>ung für sie fonujkn? Und was wird aus ihrem jüngsten Kinde werden, au« ihrenr kleinen, Herz lielien Jakob? . . .‘i In dieser Stätte düster» Elends fehlte es auch nicht an eiuem Sonnensttahl, der soviel wie möglich das Dunkel verscheuchte, und das war eben der kleine Jakob, der ttotz Mangel und Entbehrung, wunderbar eutwickelt war, schlank und aufgeschossen wie eint Waldtanne, frisch und sttotzend voi: Gesundheit und dabei behend und leichtbeweglich wie ein Eichhörnchen, so daß er in einem und demftllien Augenblüke überall zu sehen war, mit einem kecken, schalchastru Zug um den Mund, der es jede« verräch, daß ihm aller harck lustige Gedanken in dem Köpft herumwimmeln. Auf einem Keinen Schemel sitzt er fttzt zu zu der er zeitweise verstohlen cmporbl „Mutter," rief er auf einmal, einen Tag wir heute haben? . . „WaS?" fragte sie, „was haben wir heute?" „Purim, Mutter, luftigen Purim!" „Mein Kind," wendete sie ein, „für un» ist der lustige Purim «och nicht gekommen; gar oft schon meinte ich, er sei endlich da, der schöne, verheißene Purim, aber ich sah mich immer bitter enttäuscht —. auch jetzt ist er noch nicht gekommen. Wir müssen ein Weilchen noch warten. Kind!' „Aber Mutter," wehrte er. ,so red' doch nicht so traurig, Du sollst sehen, wie e» heute bei un» lustig werden wird, und weißt Du auch, wa» ich mir für heute vorgenonmen habe? . . „WaS hast Du Dir vorgrnommen?" „Mick ui verstellen!" „Verstelle«?" wiederholte sie unwillig» „wir leben in solchen Rüthen, oh« Gönner und Beschützer, und Du denkst daran,'Dich zn verstellen! ..." „Eben deshalb," versetzte der Kleiue, lebhaft und ein» schmeichelnd, sich an sei« Mutter schmiegend fuhr er sott: „Dsi, schau doch der. Mutter, weißt Da, warum die Rach banlleute un» so feindlich sind, veil wir un» ferne von ihnen halten, weil wir abgesondert von ihnen leben, deshalb fehlt e» rm< auch immer an Geld> — nun will ich wie die And«» mich heute verstellen und gleich ihnen überall da» Pnrimspiek Füßen seiner Mutter, ckt. „weißt D» was für