Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 10 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.Ich selber!" „Unb $n Welchem g«d«P" .Weil ich neugierig war zu sehen, wie es^sich so au«, nehmen würde ..." .Da« hättest Du Dir ja leicht vorstellen können!" .Aber ich war neugierig es zu sehen und da fühlte ich «in wahre« Jucken in de, Fingern, dag ich so lange daran zupfte bi« ich mit cinemmil den ganzen Sammt davon herunter- ^gezogen habe." E, .Bist Du aber ein verrückter Kerl!" lachte ich. Er lachte unter Thcänen mit und fügte.hinzu" < ,L>ch kann Dir gar nicht sagen, wie ireugierig ich war." So tonnte er sich einmal in einen Frauenunterrock stecken mit einem hohen Ehlinder; ein anderes mal überraschte mau ihn in einem Soldatenrock mit dem antiken Schleier seiner Großmutter auf dem Kopfe und wieder ein «»der«« mal in einem kSauernkittel und auf dem Haupte die zwölffchwänzige Sabbatmütze seine« Baters — und alle« da« au« lauter Neugier!« zu sehen, wie er sich in diesen luriostn Aufzügen ausnrhmen würde. Bi«weilen wirkte der innere Drang seine Tugend zu defriedigen, daß er auf die u,komischsten Einfälle kam, von «elcheu ich hier einige dem Leser mittheilen will._ Eine« Tage« hörte man im Hofraum einen schrecklichen Zammerschrri, ähnlich!>em Gekreische eine« eingefangenen Raubvogel«. Alle im ^tzause liefen von allen Seiten zusammen und da gewahrten sie, wie der Kopf seiner Muhme — eine« alten zänkischen Weibes — sich durch da« kleine Obersenster der schmalen Kuhstallchüre hervorzwängte, mit Schaum vor dem Munde und fletschenden Zähnen . . . .Wer war der Mörder?' schnaubte sie vor Wuth. Wer war der Mörder, der mir da« getha»?' .Wa« hat man Dir aetha»?* fragten Alle. .Da seht Ihr'« ja, wie er mich Herr ringeschlossen hat, (ttnb da sitz' ich schon länger al« zwei Stunden hier eia- Hksperrt, in diestm eueen, schmutzigen, sttnkigen Loch, daß idj schier ersticke. Um Gotte«willen, öffnet ntir, sonst schlage 4$ «ich tobt!* »Und wer hat Dich eingeschloffen?' »Ha, wenn ich'« wüßte, aber ich konnte e« nicht sehen; äch hörte nur, wie Jemand draußen den Schtüffel umgedreht »u'o abgezogen. — So öffnet mir doch, sonst chue ich mir «in Leid an!" Man «ußte da« Schlick aufreißen, um die arm« Muhme m befreien, me mit Schweiß bedeckt au« diesem sonderbaren Herker hevorstürzte, schilumend vor Wuch und mit geballten Häuften. Wer diesen Streich ausgeführt, sucht« man vrrgeben« erfahren» jedoch r« Stunde später zog mein Freund lig mich um sich in «inen Winkel und zeigte mir einen Schlüssel. .Siehst, da ist er!' »Als», da« »ar Dein Werk!" »Da siehst Du ja!^ .Da« war von Dir «in schlechter Spaß, die Arme hätte «a dort ersticken könne,,!' .Daran bin ich »»hchhaftig nicht schuldig!' »Und wer denn?" »Meine verdammte Neugierde!' »Bist Du aber «in komischer Kauz!' lachte ich. i,Lache soviel Du willst' sagte er ernst. »Denn wenn einmal die Neugierde packt» daun giebt sie mir keim bi« ich sie befriedige und kost« v» mein Leben! Auch jetzt hatte sich mir fei« Verlangen, in dem Kopse festgesetzt, ich will einmal die jpite Muhme auch in diesem Zustande 'stheq. und wahrhaft^;, sie nahm sich dabei gar v«ht übel »au«. — Nicht wahr?" « ♦ O Noch possirlicher ist der Streiche den er ««Zeit lang später einer Nachbarin gespielt hat. In ihrer Nttchdarfchntzt nämlich wohnte eim junge Fra«, die fast menschenscheu sich von dem Verkehr mit Nachbar«» zurückzog, so daß sie sich nie vor dem Haus« zeigte. Mer» junger Freund Selig äußerte mir'oft, er würde gerne etwa« anstellen, sie in großer Gesellschaft zu sehen. Um jenen Plan auszufahv», verfiel er eine« Tage«! auf eine sehr originelle Idee. Er begab sich nämlich in ein« Synagöge und sagte de« dort hausenden Klausnern, eine Frau in seiner Nachbarschaft — wobei er genau Hau«Uummer und Thüre angao — bitter, daß Zeh« von ihnen präci« 7 Uhr Abend« zu ihr herüberkommcu, «mt sie wolle die Jahrzeit nach ihrem seligen Vater abhalto^ dessen Trauerjahr gerade heute zu Ende gehe. Bon dieser Synagoge begab er sich in eim zweite und dritte, überall mit demselben Aufträge an die Klausner, und mit der Betonung, ja genau in der siebenten Abendstunde sich dort einzufinden. . Genau um die festgesetzte Abendstunde z«igte die Gasse rin Bild, von welchem die Leute noch heute unter Lachkrämpfen sich 'zu erzähle» wissen. Eine vmhrr Böller- Wanderung glaubte man zu sehen. Ganz« Schaaren wälzte« sich von allen Seiten dem Hause zu; denn alle fünf Bet- Häuser der Stadt spieen ihren Inhalt an Klausner aus die Gasse hinaus, und da« wallte und wogte wie erm reißende Lawine jenem Hause zu, wo sie mit lauten« Gepolter die Thüre aufrissen und alle Räume der Wohnung überschwemmten. Der Dienstbotr riß bei diesem ungewohnt« n Anblicke weit den Mund aus, aber wer von diesen L.uten beachtet« ihn? Vielmehr gingen sie hurtig an ihr fromme» Handwerk: der eim wusch sich mitten im Zimmer mit Wasser die Häade, und in Ermangelung eine« Handtuches rie'i und reinigte er sich diese an der Wand. — Eia zweiter setztt die Brille aus und blätterte im Gebetbuche. — Zehn Andere hustete», nießtcn und schnäuzten sich die Nase wodurch sie sich gleich sam wie Jastrumeute zur Andacht stimmten, und viele wieder liest» wie Zottrlbäreü brummend durchein radrr, während einer von ihnen sich inzwischen mit dem Talli« sattelt«, uad vor einem improvisieren Altar mit lauttr Stimme da« Kadischgebet zu verrichte» anfing. — gering, e« ging recht lustig zu. Die arme Frau und der Dienstbote, die einzigen, die vom Haast ini« Zimmer waren, flüchteten sich in ihrer Bw>" {weifiung in en mjoudere» Zimmer — aber da« störte nicht >ie Klausner in ihrem frommen Tagewerk«; lustig klapperte», sie mit ihren Pautofstln durcheinander und lärmte» ihr Gebet, sie waren sicher, daß auch die beiden Weiber in de» besonder» Zimmer da« Gebet verrichteten. . . . I» ihrer Verzweiflung riß die arme Frau da« Fenster auf und schrie mit wayscklnuiger Stimme in die Gaffe hiaau»: »Gewalt! Ein Ueberfä»! Mörder, Räuber! Gewalt, Hülst k Hülse!' Auj^dwstu verzweistltta Hülstruf lamm die Leute vom allen iseitm herbeigqtzämt, und darunter auch einig« Polimbleutc, dmh mußten Ke in ein Helle« Gelächter ausbreche» ab» sie dia.se. oetzbaim Räuber und Mörder vor sich saheu^ von welchen da« Zimmer voll war und die anstatt mit Dolche» uad anderen Mordiustrumenten mit Gebetbüchern bewaffnet waren, während »er Räaberljauptmaun mit dem Talli« über dem Kopse dastaud und sich nie ein Perpendikel, schankeltt. — Eine Räuberbande, wie sie »och nie di« Welt gesrjen hat. ' Ein« geraume Weil« dauett« e«, bi« e« gelang, diest Mörder zu vernehme«, und da erfuhr mau, daß sie eia etwa fünfzehnjährige« Züngele hcrkommandirt habe, ja, viest wäre» au« dem sause gar nicht sortzudnngen, sie wollten von ms keinen Mißverständnissen wissen, sondern forderten für in» geleisteten Dienst ihre Taxe.