Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 9 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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t>k vollständige Unschu ld der Israeliten erklärte. Wirverließen nicht «her Alexantria, bis wir vrn Damaskus Brief hatten, daß Alle fröhlich und vergnügt sind. Während unsere» Hinreisengingen wir zum Sultan, damit wir für Syrien, also Dama-ku- und daheilige Land, seinen gäaz. liehen Schutz für die Jkrarliten in Zukunft haben mögen. Bor Allem muß ich Euch sage», daß nicht so leicht beim Sultan hier eine Audienz zu haben ist, wie in Euros« fast bei ir«nd einem Monarchen. Wir hatten aber ohngeachtet aller Schwierigkeiten und obwohl eim Monate Ramadan war. wo die Türken während des ganzen Monatden Tag über fasten, dennoch eine Audienz erhalten und um 7 Uhr Abendbegann der Zug. Zwei Wachcn zu Pferde, vier Wachen zu Fuß (unter Wache» verstehe ich die Polizei), sechs junge Leute, schwarz gekleidet, mit ungeheuer großen Wachskerzen in der Hund, eine große Kutsche mit vier Pferden, Diener in Livree, eine zweite Kutsche und Livree- Diener hinter »ns. Der erste Minister am türkischen Hofe (Reschid Pascha) mit zwei Reitenden war voran. Die Straßen waren schwarz von neugierigen Mensche» und unsere Glaubensgenossen beseelt von einer unaussprechlichen . Freude; denn noch nie sind J-raeliten in solch' einer Ehre zum Sultan gegangen. Ungefähr */« Stunden dauerte der Zug. Als wir dort ankamcn, wurde der Palast geöffnet, -alle Wachen präsentirten das Gewehr rechts und linl-, wir passirten einen großen Hof und kamen in ein schöne- Zimmer. Reschid Pascha und Refa Pascha, der Elftere Minister der auswärtigen Angüegenhcitrn, der Zweite Minister der inneren Angelegenheiten, drückten uns herzlich, die.Hand zum Willkommen. Füns Diener kamen sogleich und brachten Pftiftn. Eine jede hatte vielleicht den Werth von 300—400 Pfund Sterling, denn die Mundstücke waren aus Bernstein und besitzt mit großen Diamanten. Man brachte daun Kaffee in türkischen Taffen, die in kleine goldene Becher gestellt waren und einen Ring voll großer Diamanten um sich hatten. DaS Beste v>:rgaß -»ich Euch zu sagen: wer die Herren waren in unsecrr Gesellschaft. Der erste war Sir -Mose» Moniefiore. der Präsident der Deputation, der zweite war Herr Georg Samuel, ein Schwestersohn der Lady Montefiore (der sich sehr iuteressirt hat für die Israeliten in RhoduS), Herr Weier, ein englischer Advokat (ein Christ) und Euer Bruder (Eftesir). Wir zeigten Reschid Pascha - eine Abschrift von unseier Rede an den Sultan, die er sehr aut send. Kaum waren wir zehn Minuten da, als jemand »« und sagte, Seine kaiserliche Majestät wünsche uns zu sehen. Reschid Pascha und Resa Pascha gingen voran und wir folgten. Die Stiezen waren olle beleuchtet mit großen Wachskerzen, die auf große silberne und goldene Leuchter . gesetzt waren. Wir kamen endlich in ein Zimmer, welches nicht sehr groß war, wosilbst ein europäisches Sopha, mit gelbem Seidenzeug bedcckt, reich vergoldet aus allen Seiten, an der Stelle vor dem Throne stand. Der Sultan selbst hatte «inen großen Mantel ohne Aermel mit einem steifen Kragen um, einen Mantel, den ivir, wie ich glaube, «inen „Kragen" (?) oennen. Derselbe Mangel hatte zwei Spangen, um >hu um den Hals zu befestigen. Die Spangen waren besitzt mit «ngedeuer großen DuNnanten, die, wenn ich nicht irre, mehr werth waren,als Zülz und Rosinberg, obwohl ich beide Städte sehr hoch schätze. Auf dem Kchrsi hatte er eine rotheMütze, die ma:» Fez nennt, ohne Diamanten, unter dem Mantel hatte er einen Soldatenrock mit einem stcisin Kragen, zugeknöpft bis zum Hals«. Er saß nicht, wie die Türke:« sitzen, «kt den Füßen untergeschlagen, sondern wie wir Europäer. "Wir bückten un» dreimal, Sir Mose« las ihm dann unsere Rede vor, worauf er sehr gnädig antwortete. Sir Moses - wurde dann näher gerusin, der Sultan bat ihn, seine?freunde beim Namen zu introducireu, welches Sir MoseS ogieich that. Als die Reih« an mich kam, sagte uan dem Sultau, daß ich derselbe wäre, der für fernen Bater Moha- . med die Uebersetzung einer Hieroglypheninschrift aus einem Obelisk in dieser Stadt gemacht. »Ach Ja", sagte er, ich erinnere mich dessen recht gut. Welch' «ine große Gelehrsamkeit hat dieser Herr gezeigt", sagte er zu seinen Minister». .Sehr schön, sehr gut war seine Arbeit", versetzte er. .Ich hebe sie s-lbst gelesen." Er sprach zu siinen Ministern mehr als zehn Minuten über mich, nichtals Komplimente. Wir gingen dann Alle höchst vergnügt hinweg. Während der Audienz hdrtt man prachtvolle Musik im Garte». Als wir hcrabgingen, begleitete uns Reschid Pascha. Wer wurden in ein andere- Zimmer gesübrt. Man gab u»s Schcrbet. Das ist ein sehr erfrischender Trank, eine Art wohlschmeckender Limonade. Wir gingen freudevoll nach Hause, wo wir von virlen Freunden erwartet wurden. Wir erzählte» bis einige Stunden nach Mitternacht von der großen Ehre^ die ivir hatten und wie alle unsere Wünsche erfüllt seien. Die neugierigen Schwestern werden vermuthlich frage« r Wie war unser Bruder gekleidet? Ich hatte bloschwarze» Frack und lange Hosen, schwarzsiidene Strümpfe und glänzende Schuhe an, eine weiß« Weste mit goldenen Kiidpsin und uni die Lenden einen recht schönen Degen. Unt»r dem Arme hatte ich einen Hut, zweispitzig zusammengclegt; da» war Alles mit mir und auf mir. Nun bin ich mit dem Sultan fertig. Jetzt fange ich mit der großen israelitischen Gemeinde von Konstantinopel an. An SimchaS Thora hielt ich drei Stunden lang eine Deroscho (Predigt) in mehreren Sprachen. Ich hatte sehr viele Ehre; denn die Leut« hatten sich sehr zufrieden mit dem Inhalt de« Diskurses gezeigt. Am vergangenen Sonnabend käme» dieselben Dirrctorcn und Ehachamim der Gemeinde zu Sir Mose- Montefiore und baten, daß er mich wieder zu einer zweiten Drnscheberede» solle. Ich versprach ihnen künftigen Sonnabend wieder eiueDroscho zu halten in hebräischer Sprache und auch aus spanisch, italienifch und deutsch. Denn alle verschiedenen Gemeinden kommen zusammen in der Synagoge, wo ich die Droschoh sagen soll — Soniitag darauf gehen wir, will'-Gott, nach Malta. Wir werde» dort die Ouarantaine während drei Wochen durchmachen, Ihr könnt mir also einen recht langen Brief dahin schreiben. Bon Malta denken wir nach Neapel zu gehen und über Italien und Frankreich nach London. Ich wert« also nicht nach Wien kommen. Ge»a Ihr mir also nach Empfang diese- Briese- Antwort schreibt, so adressirt die Briefe nach Malta, schickt Ihr aber Brief nach dem Monat November, so adressirt die Briesi über Wien nach Livorno. Ich bin recht wohl und gesund, hoffe im Monat Januar in London zu sein. Gebe Gott, daß Ihr immer fröhlich und vergnügt sein mögrt, damit Jtzr mir recht viel schreiben könnt. Schicket die-mal zwei Briest: aus einmal. Ich habe blowährend meiner ganzen Abwesenheit von London einen Brief von Euch bekommen. Lebt Alle wohl und vergnügt, sowie eS herzlich wünscht Euer Bruder Clieser Löwe. ZSitz a»t> K»«sr Sei de« Jude». Vom Lberrabblner Dr H. Adler in Londcn. «Schluß) Gehen wir etwas weiter zurück, fuhr Redner fort, so können wir unzählige Beispiele jüdischen Witzelei den alten jüdischen Predigern finden, welche gewiß nicht daran dachten, während der Predigt .in ungeziemende» Gelächter zu erregen, sondern die feste Absicht hatttn, die Aufmerksamkeit auf ihren Vortrag zu lenken und da- Interesse der Zuhörer zu fesseln uud bei dem ernsten Willen, sie zu überzeugen, sich aller rhetorischen Mittel bedienteii und selbst ihr Gefühl für Humor gelegentlich nicht unterdrückte«. Mau könnte ganz« Bände füllen mit den witzigen Gleichnissen de: Maggibim. Den Besuchern der Sadbatbabrud-Bersa«»- lungen dejüdischen Arbeiterclub» sind die witzige» und