Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 8 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
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„(Berten ferit such MMch sein? wird «ach lange« Leid endlich die Freute »ei «ir einlehrr»?' .•Bei getrost*, entgegnen Rabbinowitsch, „wie da« Tagesgesiirn an« dem Dunöl der Rächt glanzend sich erhebt, «ft sinne« Glanz alle Schalkn verscheuchend, so wird au« «»ferm Leid unser Glück erst.heu. Vertrau auf ihn, den ^Schutz unsere« Bolle«, denn: llinoad lö jonam welo ji* «ehoo MhomT ji»roel, „sieh, e« schläft und schlummert «icht der Hüter Israel«.* Ende. Jüdische SUhoneNe mm Relhaa kameeltz. (Ssrtjchu,») Jnteß aber hatte Frau Zeanette leine Ahnung von dem, Wo« gegen sie i« Dunkln «spönnen wurde und arbeitete - «ft vollen Segeln an den Vorbereitungen für den literari - Tchen Abend. Auch Herr Heinrich war jetzt mit sich voll' . «mmen einig, daß Herr Göt>e ein ganz tüchtiger Bursche sei. der e« verdient, daß ihm zu Ehren ein anständige« Fest Gegeben werde, denn ersten« behauptete e« seine Olga und ans sie lanu man sich verlassn». und zweiten» hat er darüber selber viel nachgegrübelt und versteht es daher au« eigener Vernunft, daß dieser Herr Bäthe sein Mann sei. ein Mann Hon der Praxi«. Ganz gewiß hat er Recht, wenn er sagt, -fest gemauert* I wa« denn? wie sie jetzt mauern, die Hallatrfen, rein Spinngewebe, dnß einem da« Hau« bald bau« silllig wird und über den ftopf zusammen stürzt? Nur feft Enauert. Tin fixer Slerl der Herr Güthe, er sei ganz sein anu l Beim Baue seine« neuen Hause«, den er nächsten« in Angriff nimmt, werde jetzt auch er diesen Lehrsatz stct« im Munde führen: fest gemauert, von Grund au« nur fest 'gemurrt I Fürwahr ein gelungene« Kerlchen, dieser Herr Güthe! — Aber ein Fest we.de er dafür ihm zu Ehren veranstalten, daß alle Gäste sich bei ihm unter den Dich trin» len sollen! Und wer w>rd xt chm nicht zu Gaste sein? Er Mächte es nur wissen! Etwa der Herr Bezirkshaupt, «an»? Der liegt ja geradezu bei ihm in der Tasche. Seine Frau und Töchter? Run, diese Leckermäuler sind immer «stern »ach einem guten Bifs»n. Der Herr Steuereinnehmer, Ki täglicher Zechgenoffe, der bleibt doch gewiß nicht weg. d wenn mau ihn mitten in der Nacht aufwecken sollte: -Alter Säufer, da gibt« ein: Zeche!' Da schlägt er gewiß durch« Fenster, um nur leinen Augenblick zu versäumen. Der Herr Adjunkt etwa? über hat chn ja erst gestern angepumpt. Die andern Herren wieder spielen gerne ein Kärtchen und Herr Heinrich lüßl sich gerne da» Geld abnehmen, weck es ihm just so paßt. Die Herren Offiziere? Nun, diese leichten Schmetterlinge, die fliegen ihm gerade auf die Hand, wenn er sie nur ausstreckt. Dabei überlam ihm eine fSrtlidx Rührung, wie er fi> an seine Tochter dachte, die sich »o« den blinkenden Messing! nüpsen und den klirrenden Degen so gerne umgeben steht. — S»e sollen nur kommen diese Herren Schlemmer, warum soll nicht auch da« Kind seine Freude haben? Hauptsache ist, da» Güthefest würde von sich überall sprechen machen daß «an e« wisse, wa» er der Herr Heinrich nicht Alle« vermag l-Und Herr Heinrich entfaltete i« der That eine Thätigkeir, die den einstigen Kellner in Schatten setzte. Er lief von Handlung zu Hand» lund und kam jedc«mal nah Hause mit ganzen Ladungen, j «ft Flaschen Lognac, mit Porter, mehreren Schachteln Sardinen, einer dito «aviar. Ausgeschnittenem, diversen Spielkarten; lur^ wie eiu »weiter BoSlo stand er da und kramte die verschiedenen Einkäufe au» seinen unergründlichen Taschen, wie ,su» der ewigen Zauberflaseie. Er selber besorgte, den Einkauf der Fische; und da hL:te Wan ihn nur sehe" sollen, cheie tr auf der Lhüre fein,« Haue« stand mit einem breiten Schnnmzrt» und in der Hmd einen riesengroßen Fisch, der noch zappelte, „fw!* frohlockte er zu seiner Tochter, „wa» sagst du zu dem Kerl da? Dein Herr Güthe wird wohl Grund haben mit meinem Feste zufrieden zu fern — wa«?!' Frau Jeanette wieder war iu den letzten Tagen mft etwa« ganz anderem beschäftigt — mit ihrer Schönheit. Sie sei ja die Frau Mama und da werden die Herren alle ihr die Hände küssen, da heißt e« schön und vornehm sein' — Zu halben Tagen stand sie vor Sem Spiegel und streuete Puder auf ihr Gesicht, riesige Dosen Puder, daß jede Ritze uni» Falte ihre« Gesichte« al« eine kleine Mehlaiederlage anzusehen war. Dan» wieder schnitt sie verschiedene Gesichter, bald diese«, bald jenes, bald lachte sie, und zwar so, daß die fthlenden Zähne nicht zum Borschein kamen, und bald wieder gab sie sich eine hochwichtige Miene — sie stelle ja da« Haus vor! Während Mama vor dem Spiegel an ihre Schönheit Hand anlegte, brauste» tönte und klingelte e» au« einem der nächsten Zimmer her; denn dort waren zu jeher Tagesstunde die aktiven Theilnehmer de« Festabend« versammelt und hielten jeder für sich Proben ad. Bruno Wersak, der Gelegenheitsdichtcr, stand vor dem Spiegel, mit der einen Hand wie ein Rasender in oer Luft herumfuchtelnd, während er die zweite krampfhaft an da« Herz drückte und schrie zum Erbarmen, daß er da« Aussehen hatte, wie wenn er soeben einen bösen Anfall bekommen hätte. Herr Jaschinski wieder, der Klavierlehrer, saß mit unschuldiger Miene vor de« Klaviere und molträtirte unterdessen mit beiden Hände» die Tasten, so kannibalisch, daß sie in ein jämmerliche« Geheul ausbrachen, wie wenn sie schreien würden: .Gewalh ein Räuber ist über uns gefallen!' Während besten stand Fräulein Olga mitten im Zimmer, die Aug-.n verdreht und da« Haupt zurückgeworftn.wie in einem somnianbulen Zuftand und schmachtete mft ersterbender Stimme: „Meine Ruhe ift hin, mein Herz ist schwer!' Wer damal« in diese Werkstätte der Kunst einen Blick Swrfen hätte, würde gewiß geglaubt haben, er sehe vor drei Tollhäusler, von denen jeder von einer andern Manie beherrscht ist. Aber Niemandem war dieser Anblick vergönnt, nur der Frau Mama, die aber vor dem Spiegel mit sich selber so beschäftigt war, daß sie für Alle« andere keine Ohren und keine Augen hatte. Und was erst einen Tag vor dem Festabend in diese« Hause zuging, da« spottet schon aller Beschreibung. Ein tollesDurcheinanderrennen, — ein Keifen und Schreien, — eine wilde Hetzjagd von Mägden und Dienern, — ein Schieben und Rücken von Tischen und Sesseln; dabei tummelte sich Alles durcheinander: Herr Heinrich mit verbundenen Zähnen, da er soeben durch die hier überall offenstehenden Thüren u. Fenster, voneinem Zug gepackt wurde; — Frau Jeanette wieder rannte wie besessen mft nackten Schultern, sehr dürftig gekleidet, nur blo« in einem kurzen Unterrock von schreiend rorl-er Farbe, der hinten so stark aufgcschlitzt war, daß er in ausdringlicher Weise fast Ge» heimwsse verrieih, auf die Niemand neugierig war. Neben ihr hastete Fräulein Olga in einem weißen Kaisermantel mit zerflossenem Haare, in der Hand eine erglühete Krau«, scheere und in dem Munde einige Stecknadeln; und Alle« lief und schrie und suchte, ohne daß sich der eine um den Andern kümmerte. Endlich aber schälte sich nach und nach au« diesem Wüste eine gewisse Ordnung heraus, wie au« dem Gesäuse von stimmenden Instrumenten eine Harmonie. Alle Räume schwammen in Licht und Glanz. Die schöngeschwungenen großen Glockenblumen de« Kronleuchter« strahlten in röthlieyem Glanz: urb spiegelten sich in den großen goldumraymten Lüftern an den Wänden. Auf'de« Tische prangten die vielarmigen Tischleuchter, welche schön gemeißelte Ritterfiguren hochemporhielten. Auch fthlte es picht an allen Ecken der Zimmer an Spieltischche!., auf welchen die Karten in einem kühn hrageworjenem Halbmonde