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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 7 (1892) · p. Seite 27

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
7 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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.Soll ich stumm und krumm werden,* beiheuerte Herr Heinrich, »ob ich nur ein Bort davon veestehel Wa» und wer ist dieser Güthe? Hak' ja nicht einmal die Ehre ihn zu kennen!' .Güthe kennt er nicht!' spottete sie .den großen Güthe! — Geh', frag' nur einmal unsere Olgaleben, sie wird Dir schon erzüblen, wer dieser Güthe gewesen; e» ist ja der große Gütye, wa» hat geschrieben: .Fest gemauert in der Erden!' .Aha, fest gemauert' wiederholte er in einer Weise, als ob ihm erst jetzt alle» einler chten würde, indem er schleppenden Schrittes das Haus verließ. Zwar verstand er nicht, was da Große» daran ist, u>enn dieser Göthe gesagt hat .fest gemauert', aber die Erwählung seiner Frau, er müge nur seine Olga über diesen Gbthe fragen, benahm ihm jeden Zweifel über die Größe dkSselben. — Nun, meinetwegen, sagte er sich, soll sie mac!>en die Tort« von Güthe, gewiß gehört es sich mit zu der Aufilürung!' Inzwischen kehrte Frau Jeanette zurück zu ihrer Kulturarbeit, indem sie sich wieder der Küchin zuwendete. Da faßte sie sich aus einmal br m Kopse und schrie wir besessen: „Weh geschrien, eine Kugel hat mich getroffen! Was hast Du gethan?" Sie gewahrte nümlich, daß die Köchin noch immer das Eilveiß umrührte, trotzdem daß die vorgeschricbene» „drei" Minuten schon lange vorüber waren. „Lehmener Gaulem"*) schrie sie mit heiserer und aufgeregter Stimme, „angemal er Ochs, Du Klotz mit Augen! post Du nicht gehört, wie ich Dir gesagt habe, daß Du > das Eiweiß nur drei Minuten umrühren sollst? Da hast Du mir ja Allezu Schanden gemacht! Was sängt man da au? Da muß ich zu meiner Olgaleben, vielleicht weiß sie Rath." Und die Aermel aufgeichürzt, mit der Brille auf der Rase und das Kochbuch in der Hand stürzte sie in heller Verrweiflung durch alle Zimmer in den Salon zu ihrer Tochter mit dem Rufe: „So hör' doch was geschehen, Olgaleben!" Aber da» Wort blieb ihr wie ein würgender Knochen im Halse stecken, denn „Olxaleben" schleuderte ihr einen solchen vernichtenden Blick zu daß er sie in allen Gliedern lähmte. Fräulein Olga saß nämlich am offenen Flügel an der Seite ihre- Klavierlehrers, eines hübschen jungen Mannes mit einem blonden Schnuriärtchen und studirte ein neues Musikstück ein für den .literarischen Abend' wie sie ihn nannte. Sie war über alle Maßen glücklich, denn sauber entwarf sie mit ihm ein Programm, das überaus reichhaltig war und einen glänzenden Erfolg des Abend» voraussehen ließ. Da fehlte e» nicht an einigen Deklamationen, an einigen! Liedern, an einem Conzert tück zu Klavier, alle» aus Güthe, auch hatte der Gelegenheilsdichter Herr Wersak seine Mitwirkung an diesem Abend zugesagt, was doch gewiß eine glänzende Acquisitton war, kurz sie war darüber so freudetrunken, daß sie nahe daran war, ihrem geliebten Lehrer um den Hals zu fallen. Da platzte ihr just in diesem Augenblick die Mama herein mit ihrem häßlichen .Olgaleben' und riß sie aus allen Himmeln; — und so verdirbt sie ihr immer die Freude, diese abscheuliche Mama! — Aber Mama war trotzdem auch fähig für die Aufklärung Opfer zu bringen, denn bab) nach dem Verweise ihrer Tochter lief sie zurück in die küch: mit dem heroischen Kommando: .Schlage neue zehn Eier au»! Soll die hägliche Nachbarin nicht wieder etwa» zu räscnniren haben!' Bei all ihrem Thun und Lassen war sie darauf bedacht, daß die Nachbarin keinen Anlaß habe, sich über sic lustig zu machen. In de, That verfolgte sie diese so sehr «st ihrem Spotte, daß schon ihr Anblick sie in Schrecken versetzte. Es ist nicht aufgekläri, ob diese Verfolgung nur der trüben Quelle des Neides und der Mißgunst entsprang, oder vielmehr der de» edlen Widerwillen» gegen da» fratzenhafte Gebühren dieser Frau Jeanette als aufgeklärte Dame, — aber es ist Thatsache daß diese Nachbarin ihr mit ihre« Hohne dar Leben verbitterte und daß sie auch die Fähigkeilen dazu besaß: eine schneidige Zunge und eine merkwürdige Nachahmungsgabe. Sie brauchte nur auf dem Eorridor einige ihrer Gcbehrden oder Redensarten nachzuahmen und es gab unter den Nachbarinnen, die sie umringten, ein solche» Gelächter, daß da» HauS davon erdröhnte. Frau Jeanette nahm sich daher zu jeder Zeit vor ihr in Acht und auch jetzt lag cS ihr zumeist am Herzen, daß diese Nachbarin keinen Anlaß habe, sich über sie lustig zu machen. Aber just jetzt plante diese Nachbarin gegen sie einen Streich, der sie nicht blos vor den Nachbarinnen lächerlich, sondern vielmehr sie und ihr ganzes Haus vor der ganzen Stadt zum Spottbilde machen sollte. Zu diesem ZwÄe war ihr die Mithülfe der bei Frau Jeanette dienenden Köchin unbedingt nöthig. Sie zog sie daher mit in ihr Geheimni«, und um nicht bei ihr auf Widerstand zu stoßen und sie vielmehr zu einem gefügigen Werkzeuge zu machen, sicherte sie ihr bei sich die Stelle als Küchin zu, was ihr nur sehr willkommen war, weil sie von den dummen und böien Launen der Frau Jeanette genug zu leiden hatte. (Fortsetzung folgt., Jüdische Aerzle bet Ilürsten. Tie in einigen PariserZeilungen gemachten Enthüllungen über die Umstände, ilnter welchen der physische Zustand Kaiser Napoleon HI. im Augenblicke der Kriegserklärung an Deutschland im Jahre l870 geheim gehalten wurde, sind nicht ohne Interesse für uns Juden. Der erste im Juni jenes Jahres berufene Spezialarzt war unser Glaubens- Genosse, Herr Professor Germain Säe, damals wie noch jetzt einer der bcrvorragcndenften Mitglieder der medizinischen Facultät in Frankreich. Herr <3 4 c durchschaute sofort die wahre Sachlage und setzte seine College» durch aufrichtige Meinungsäußerung über dieselbe nicht wenig in Schrecken. Er drang ernstlich aus eine baldige Operation: aber die Furcht der Verantwortlichkeit war so groß, daß die übrigen Wundärzte baten, man möge die Operation bis nach Ablauf des Sommers hinausschieben. Da war es aber zu spät. Professor S4e behauptet, daß die Ausführung aller Beschlüsse dieser denkwürdigen Consultation von der Kaisen» verhindert worden sei und daß Napoleon III. selbst erst ein Jahr später in dieselben eingeweiht wurde. Diese Behauptungen S'ett zu der Erwägung Anlaß, daß wenn man dem Rath« hervorragenden jüdischen Arzte« Folge geleistet und den Kaiser über seine kritische Lage verständigt hätte, einer der blutigsten Kriege unserer Zeit vielleicht verhindert worden wäre. Der Antheil Professor S4e's an dieser Affaire erinnert uns auch - an die wichttge Stellung, welche andere jüdische Aerzte in jüngster Zeit bei der Behandlung regierender Fürsten einnahmen. Als ungefähr 18 Jahre, nachdem Professor S4e sein Verbiet über Napoleon gesprochen, ein anderer Kaiser — sein Besieger, Kaiser Friedrich — von einer tödlichen Krankheit befallen wurde, war e» wieder ein berühmter jüdischer Arzt in Berlin, Herr Professor Dr. Senator, welcher speziell zur Consultation mit den übrigen Männern der ärztlichen Wissenschaft berufen wurde. Der Tod des im vorigen Sommer verstorbenen Dr. rasck. Pol lack erhält die Erinnerung in unswach, daß ein orientalischer Potentat, der Schah von Persien, ebenfalls einen Juden als Leibarzt hatte, und heute ist der Spezialaugeuarzt des türkischen Sultans ein Jude, Herr Elias Pascha. In Rom siarb unlängst Dr. Giaromo d'Aucona, welcher in früher» Jahren da» Amt eines Leib- Arztes beim Bicekünig von Egypten bekleide«. *) .Lchmklump«»''

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