Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 7 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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*c Aas Kerl-old Auerbach'- letzte« Aries,. In den Münchener .Neueste Nachrichten" veröffentlicht Friedrich Spielhagcn einen Brief Berthold Auerbachs, den dieser von Cannes, wo er zur Wiedergewinnung seiner Gesundheit nach schwerer Krankheit weilte, an Spielhagen schrieb; Hier ist der Brief" — schreibt Sp. in den einleitenden Worten .zur Erinnerung an B. Auerbach". — Er ist noch nie mitg'theilt worden, und ich meine, daß nichts auch nur annähernd so im Stande ist, uns drs Bild das verehrten Mannes vor die Seele zu rufen, wie diese seine eigenen Worte:" - . „Cannes, den 12. Januar 82. Vor Allem, lieber Spielhagen, eine Geschichte, zänächst nicht vor mir, sondern von meinem Freunde David Strauß. Ich war kurze Zeit vor seinem Tode zum letzten Mal bei ihm in Ludwigsburg. Er wohutr nicht weit vom Bahnhof in einem der neuen Häuser, drei Treppen hoch und hatte eine alte Frau zu seiner Bedienung. Er lag in einem wohlausgeräumten, mit schönen Kupferstichen geschmückter Zimmer auf dem Sopha und recitirlc mir einige Gedichte, die er damals verfaßte, indem er sagte: abgesehen von allem Andern thue ihm dieses Aufbauen geschlossener Formen und der Wohlklang an sich gut. Sonst sei er eben müde, arg müde, und es sei genug. Ich verstehe alles erst jetzt recht. Der Zuruf: Nicht müde werden! kann von einem Gesunden an Gesunde ergehen. Anders ist es aber, wenn die körperlichen Kräfte versagen und wenn dazu das Gefühl kommt, daß man einer Zeitströmung gegenübersteht, die man nicht mehr zu bewältigeu vermag. Da legt man gern Wehr und Waffen ob und sich selber zur Ruh. Diese Empfindung in Ursache und Wirkung theile ich jetzt.... Ich sprach mit ihm von der Operation, die Prof. Simon in Heidelberg an ihm vornehmen wollte. Und ja das ist :S eigentlich, warum ich Ihnen, lieber Spielhagen, diese ganze Geschichte erzähle. S. sagte, er werde sich der Lperaticn nicht entziehen, aber cs wäre ihm nicht recht-und wohl auch nicht gut, wenn er wieder ins Leben zurück müßte; er habe sich ganz fertig gemacht und dabei sollte es nun bleiben. Wi: gesagt, lieber Spielhagcn, das ist auch mein Fall, uud es ist freilich bei mir anders geworden. Ich soll und muß wieder leben, und ich war doch auch so ganz fertig gewesen und wer weiß, ob ich die schöne Ruhe sür das Aeußcrste je wieder so gewinne, und wer weiß, >vas ich überhaupt «och zu thun oder auch zu empfangen hatte. Wrlch' ein Wiederaufwachen war und ist das! Ich lag Wochen lang, ohne von der Welt zu wissen und ohne Wunsch davon zu wissen. Ich dämmerte so hi» und schwamm meistens in Mozart'schrn Melodien, die sich mir von selber auffpicllen. Ich konnte endlich wieder eine Zeitung lesen. Wa« für eine Welt war wieder da! Ein. Wahlkampf ohne Gleicher, in der die Reaktion die schamlose Rohheit und Blutvergiftung ganz offen betrieb, sekundirt von Juden Hetzen und Siudcntenkorruplion. Der ganz ideale Bestand des 1 deutschen' Lebens immer frecher in Frage gestellt und speziell > auf unserem Arbeitsfelde; — der T ist da! Warum ist i denn Spindler vergessen, der viel derber und massiver zu-! griff? (Beiläufig gesagt in unserer Pension, wo wir zwölf! Deutsch: sind.warden dreiExempl. eines L. zu Weihnachten ge- I schickt.) Was sollen wir noch da, die wir die Kunst vnd! die höhere Lebensauffassung erstreben? Es ist eine schwere Aufgab«, ein Deutscher und ein deutscher Schriftsteller zu fein und nun gar noch dazu ein — Jude." .Den 1V Januar. Ich habe, wie Sie sehen, den Brief liegen lassen. Schreiben greift mich doch noch arg an und nun gar daS Sineindenken In das Elend. Ich bin stark peimg für eine« rief an einem Tage, dann aber bin ich mn meiner Kraft zu Rande Ich bin noch krank und bekämpft die seelische Zerrissenheit, die sichfür mein Alter nicht schickt und nur eine jugendlich« Entwicklungskrankheit sein dürfte. Ich möchte arbeiten und mich selber damit loSwerden, aber wie körperlich so habe ich auch geistig keinen festen Griff mehr. (Folgen noch einige Grußaufträge an gemeinschaftliche Freunde.) Ihr B. Auerbach. Nicht wahr: jedes Wort Auerbach! Aber es drängt sich mir jetzt erst aus. da er nicht mehr leibt und lebt. Damals, als ich den Brief gelesen, ftagtr ich mich nur traurig, ob ich, ob wir Alle nicht seine Lebenskraft überschätzten» die Todesahnung, eie durch den Brief zog. nicht doch bald traurige Wirklichkeit werden solle. Doch der Mensch, .noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf", und so beantragte ich wenige Tage später in der .Literarischen Gesellschaft" Auerbach, der aus krankhafter Grille nicht hatte beitreten wollen, zu seinem bevorstehenden 70. Geburtstage die Ehrenmitgliedschaft anzutragen. Die allgemeine Billigung, die mein Antrag fand, bewies, wie jeder fühlte, daß der Verein, indem er einen solchen Mann ehre, nur sich selbst ehre. Ein schönes Diplom wurde bestellt, es kam nicht mehr zur Ausführung, der Tod war schneller als der eifrige Künstler. (Auerbach starb 3 Wochen, nachdem er obigen Brief geschrieben, am 8. Februar 1882.) Aas der Musikschule. Die Lehrerin an einer hShereu Töchterschule, an ivelcher auch di« englisch« Sprache al« Lonveisalionsspiach« benutzt wurde, fragte ein« Schülerin: .Wa« bedeutei ein .f" über eine Rote?' — »rate" antwortete ein« höhere Tochter. «Fort« stark Ist «c Lu»sprache dem engl, »forty — 40" säst ähnlich). — ,,Wa» bedeutet nun aber e>» „ff über der Rote?" — Hi dauerte eine Weile, eh« eine Antwort erlolgt«. Endlich platzte eine jüdische Schülerin, Backfisch, «riumphirend heran» : „80“. — (Bekanntlich ist e« ein Zeichen für forti*sime — sehr stark.) Kitthsrl-Aufgabe«. Zweisprachige» Logogrip-. Bon E. in R. Deutsch. Wa« man au» einem Wort« machen kann, Da« sieht man meinem Räthselworte an; De» Leben» Ursprung zeigt uu» 2 und 8, Der Winter zeigt «, sobald steht 4 dabei; Die« wird zum Thier, wenn ihm wird t beschert, Doch unsichtbar, wenn man'« um 6 vermehrt Hebräisch Sobald sie der Hebräer hört. Erlangt ein jede« andern Werth: Zum Fragen dient dann 2 und 8, Die» wird zum Tbier, steht 4 dabei; Den Ort, der zwischen Bergen liegt Zu nennen, 1, 2, S, genügt; Bom Schaf der Priester e« erhält. Wenn man noch 4 dazu gesellt. Ausibsuug der Uitthsel i« var. §lr. JON OBE N E B ABO A D 0 B 1L ,-iypp Pharao. 71» Mund, TT] Btzje«.) 71»^? Schwägerin der Ruth rnBS Rame» einer Stadt, (Jos. 18,28; Richter 8,11; 1 v. «am. 18, 17.) vrranrworll.Rrdaktenc: Dr.M.RahmerMagdeburg. Drnck:B«ndir»tzuhn,(früher V.L.8ols». vkagdeburg Oerlag: Roben Fries«,Leipzig,