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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 6 (1892) · p. Seite 22

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
6 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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.Sag es mir doch, daß ich Dir HÄftn kann zu tragen. „Ich kann es nicht; ich muß allein fertig werden." „Hast Du kein Pertrauen zu m:r?" „Doch, doch: aber genügt es nicht, wenn ich allein so unglücklich bin? Muß ich Dir Deinen Seelenfrieden auch stören?" „Du störst meinen Seelenfrieden nicht", entgcgnete ernst der Pater. „Was Dich in Mirjams Brief so erregt, das weiß ich, das kenne ich längst." „Unmöglich." „Und eS ist doch so. Als ich zuletzt bei meinem Freunde Norden in Hamburg war, lernte ich ein herrliches Mädchen kennen und schätzen. Bor meiner Abreise kam die Rede auf Mirjam und ich theiltc dem Freunde deren Verlobung mit. Als ich Deinen Namen aussprach fiel das junge Mädchen in Ohnmacht. Diei'esj junge Mädchen war —" „Du hast es crrathen." „Sittah." Stumm saßen beide Männer eine Weile nebeneinander. In Rabbinowisch'S Kopf jagte ein Gedanke den anderen. Ihm «ar zu Muthe, als ob sich der Himmel herabsenken und ihn erdrücken würde. Er stöhnte laut auf da sah er seinen Schwiegervater thränenden Auges neben sich sitzen und alle Güte, die dieser ihm erwiesen und alles Vertrauen. welcbeS er ihm, dem namenlosen Fremdling, geschenkt hatte, zog blitzschnell an seinem Geiste vorüber. Rasch lvandte er sich ihm zu und sprach: . Verzeih', Vater, daß ich schwach war. Ich tveitz, was ich thun muß. Mirjam sehnt sich nach mir, ihr Sehnen soll bald gestillt sein. Uebermorgen geht „die Lahn" nach Bremen. Ich werde mitrcijen." „Gott segne Dich, mein Sohn", sagte warm der Vater und gebe, daß Du Frau und Kind gesund antriffst. Mirjam klagt nie, deshalb sind wir auch in Bezug auf ihr Befinden; nicht im Klaren. Möchte es so sein, daß Du sie mit herüber bringen kannst. In zehn Tagen wirst Du dort sein und j alle bösen Ahnungen und trüben Gedanken wirst Du hier lassen. Wir» wollen die Mutter rufen und ihr mittheilen, daß Du schon so bald reisest".! „Laß mich nach Hause gehen und mich einige Zeit allein > bleiben, daß ich a cs ordne, was noch geordnet werden muß " j „Wie Du willst, mein Sohn. Wann darf ich dich heute! Aber.» besuchen?" „Komme um acht Uhr mit der Mutter; bis dahin hoffe ich, mich gesammelt zu haben." „Gut, und nun den Kopf hochgehalten." Rabbinowitsch ging aus dem Zimmer. Seine Wohnung lag nicht »reit von der seiner Schwiegereltern, so daß er in kurzer Zest nach Hause kam. Hier eilte er rasch in sein Zimmer und überließ sich den Gedanken, die nun auf ihn einstürmten. Sittah lebte! Welche Freude! Sittah war derjenigen nahe, deren Stelle Sittah einst eiuzunehmen dachte — seiner Frau. Rach deren Briefen zu urteilen, liebten sich die beiden Damen. Ob Sittah wußte, wer Mirjam war, und ob Mirjam ahnte, in welch naher Beziehung Rabbinowitsch einst zu Sittah gestanden? Und er; liebte er Sittah denn wirtlich noch? War diese Liebe keine Sünde, kein Verbrechen an Mirjam? Durste er mit dieser sündigen Liebe je seiner Frau nahen? Und ist er nicht ein Undankbarer? Hat Mirjam ihm, dem heimatlosen Bettler, nicht Vater »nd Mutter geopfert, und jetzt soll er mit seiner sündigen Lieb« im Herzen vor sic hintretey. Mußte nicht der Kuß. mit dem sie »hn empfing, schon zum Verräter, zum Richter an ihm werden? Und sein Kind? Das Liebespfand seiner Mirjam? Mußte er nicht zittern vor der unschuldigen Umarmung dieses kleinen Wesens, er, der mit sündiger Liebe im Herzen der Mutter nahen will? Wir kann er diese Liebe aus seinem Herzen reißen, wo sie so tief Wurzel geschlafen hat? Ist er nicht ein Elender, der sich uns seine Frau absichtlich täuschte? Hätte er sich nicht denken könne», daß man in Sittah'- Alter nicht so rasch H stirbt? Doch wozu alle diese Vorwürfe? Geschehen« Dinge sind nicht zu ändern und deshalb nur stark sein; der Gefahr ins Auge sehen heißt, sie bald überwinden. Abermals hatte er einen schweren Kamps zu bestehen, und er bestand ihn. Als d«S Abends seine SchwiegerÄtrrn kamen, fanden sie rhn ruhig und gefaßt, freilich um zehn Jahre gealtert. Di« Vorbereitungen zur Abreise nahmen fast die ganze Zeit in Anspruch. Rabdinowitsch lehnte jede Hilft ad um allein zu sein. Er hatte überwunven uud entsagt n»d wollte seinem Herzen Ruhe gönnen, bevor cs heu stärkste« Kampf, daS Wiedersehen mit Sittah, auSfechtrn mußte. Er verließ sein Hau» nicht und nahm auch dort Abschied von seinen Schwiegereltern und seinen Schwägern. Niemand begleitete ihn auft Schiff. Kurz bevor die Lahn ihre Anker lichtete, kam er an Bord und begab sich sofort in seine Eaburs. woselbst er sich einige Tage unter dem Vorwände eine« Unwohlseins abgeschlossen hielt. . (Forts, folgt.) Grß«t ««* Ue». Drama l» »ler «et» von Heinrich Bett. (Schluß) Sechste Seen«: Elvira (herbeieilend): Ihr rieftt Hilft? Was ist euch, teurer Oheim? O Gott wie seid ihr totenbleich uud zittert und das Licht in euren Augen ist fast erloschen (hilft ih» sich erheben). Orsini: Mir ist nichts. ES war nichts. Hüllest Du nicht donnern? Elvira (unruhig): Ja, ich hörte donnern. Orsini: Hörtest Du den Wind furchtbar heulen? Elvira: Der Wind heulte gar furchtbar. Orsini: Gehe Elvira, mache daS Fenster zu. Stein, bleibe bei mir. Umarme mich. Nicht wahr Elvira? Ich that keiner Mcnschenftele etwas BöseS; niemandem that ich etwa» zu leide — e» schien nur blo«, daß ich ein Volk vernichte» wollte, daß ich durch Vertreiben, Brand, Mord die-ttSeschlecht der Juden, zu dem auch Hem gehört, zu Grunde richten wollte? Dieser Hem hat-ho, ha, ha. Ein Volk mehr oder weniger, lvaS rhut'S? Jetzt ist er an das Bett des Papste» hingetreten, er will sein Leben retten und wird einen Mord vollbringen. Jetzt ritzte er die Brust de» Papste» mit der Klinge. DaS letzte Blut entrinnt und jetzt — er öffnet dem Ritter Marco die Adern — —- Elvira (ausschreiend): Meinem Marc»? — Orsini: Was höre ich Elvira? — Deinem Marco? — Was gehört denn Marco Dir a»? Elvira (fl«h«»,llch): O, teurer Oheim, eilet, eilet, rettet ihn! Mit allen Gluten meines Herzens liebe ich ihn. Ich kann von ihm nicht taffen. Sein Tob wäre auch der meine. Orsini: E» ist zu spät. E lvira (Will foriellen): Ich mutz ihn retten. Sein Vater, sein eigner Vater darf an chn nicht da» Mefler anlegen. Orsini (sich aufrichtend): Wie sagtest Du, sein eigner Vater? Hem ist sein Vater? Dieser Ritter ist ein Jude? Verkleidet nur als Ritter? Ein furchtbares Poffenspiel, da» er mit mir getrieben! (hälk-«tvira fett; vifini grell auflachead): Herrlich Hem, herrlich! Ein Meisterstück vollbringst Du jetzt l Dein eigener Sohn stirbt von Deiner Hand! Der Leibarzt, mein Freund voll Gift utid Neid, wird dafür sorgen beim. Verbände. Elvira: Himmel,'was höre ich! Orsini: Halt sie kommen! (Die Geistlichen kommen in Elle durcheinander.) Orsini (ihnen entgegen,: Sprechet, wa» ist geschehen? Siebent« Scene. Ein Kardinal: Ein Wunder, unglaublich, wenn ich'» nicht selbst gesehen. Hem hat ein lvahre» Wunder bewiesen. ES ist gelungen. — Der Papst athmrl in vollen srischen

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