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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 6 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
6 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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(Ktautgcg'bcn von Dr. M. Netz«« ln Magdeburg. |n j-nntzilln« nl Frithrmi fit Mt iintUtif4e ftniiir. Inhalt Alt tab. Roman an» der Zeit der letzten Maffenansweisungen au« Ruhlaad und Prruben. Bon H. Berger. (Fortsthung ) — Otflni und Dr« »der: BeligUiseBersolaung. Drainaln vier Akten von Heinrich Bett. (Schlub) — Au» dem Lebende« ver» « storbenen Herjog» von lriarenre.—Aiilhset»Aufgaben. — XLthsel-Lösungen.—(unbefugter Alchtnut •* *» diese« Blatte ijt Ae»a» an« der Zeit »er letzte» flUffnutnrifaM«* «atzlaab tul 9miv». Bon H. karger. an« ö«i Zweiundtwanjigsle» Kapitel. Rabbinowitsch hatte keine Ruhe. Seit seine Frau in ' Europa war. hatte er das Leb«n eine« ruhelosen Einsiedler« emgeführt, der sei« Zeit zwischen Geschäft, Eorrespondenz und ungestörten Spaziergängen theilte. War er im Bureau, so zog e« ihn nach Haus«; war er dort, sehnte er sich zu ,. seinen Schwiegereltern; von dort trieb eS ihn in« Freie, je» doch auch da fand er die ersehnt: Stimmung de« Geiste« nicht, . und suchte er endlich müde und erschöpft sei« Lager auf, so floh ihn der Schlaf bi« znm Morgengrauen. Schlummerte «endlich ein wenig, so schreckten chn gräßliche Träume, und nckider a!« er da« Lager aufgesicht hatte, verließ er e«. So aiug e« schon wochenlang und er sah au« wie ein Gespenst. Endlich batst er den Zeitpunkt seiner Abreise bestimmen könne«. Aber ihm bangte vor derselben, besonder« da Mirjam i» der letzten Zeit so seltsame Brieft geschrieben hatte. Er bangt« vor jede« neuen Brief and fand doch nicht den Much «ft den Eltern darüber zu sprechen. Zu dieser Zeit erledigtr - sich auch die Geschichte mit seilten ftüheren Bankier«, welche ihm sein Bermdgeu »ft Zinftr auf Heller und Pfennig zurüchzohlten. Ater auch darükr konnte er sich nicht fveuen und er hätte e« gerne gemißt, wenn nur diese furchtbare Angst und llnruhevon chm genommen worden wäre! Mit Tran« beobachtete chn sein Schwiegervater. Al« er endlich sch daß Rabbmowttfth kmnk würde, wenn e« so weit« ginge, rief er ihn eine« Tage« zu sich auf sein Zinnn«. »Bist Du krank mein Sohn?" begann et, »ich bitte Dich, verbirg mir nicht«, D» bist ein ganz anderer geworden seit «iuifftr Zeit. Haft Du Kumm« und Sorgens» theile sie ' »ir mft, daß ich Dft tragen felfe, denn ich sehe, wenn Du noch kurze Zeit da«, wa« Dia, betrübt, allein trägst, so er» liegst Du." Mft unsäglich traurigem Gesicht blickte Rabbinowitsch in da« theiluahmvolle Autntz seine« Schwiegervater«. Dann nah« er dessen Hand, hielt st« vor ftine Augen und schluchzte bmerlich. »Wein« mein Sohn.- sagst d« Alt« treu, »weine Dich an« an meiner Brust, teon Thränen erleichtern da« Her, und nehmen den Druck »on der Seck. Dauernde Erleichterung bringt jedoch nur lifc Mitteilung de« Kummer« an ei« treue Menscheubrust, versuche mir die Ursache Deine« Grame« mttzutheilen; ich helft Dir gerne tragen". Schweigend hielt « de« tSohn umschlungen und al« sich besser- Aufrüung etwa« ackgt hatte, fühtte « ihn zum Sopha, drücke ihp-niü«^ setzte sich neben ihn, nahm dessen -Hand in die ftinige unv ^Run sprich mein Gotz»!' »AicheBwter", begann Mübinowitsch, „wie schwach muß A.IHr erschpneu, tvie weibisch! Ab« ich kann es nickst ■“ - ändern. Mich verfolgt ein unbestimmte« etwas; eine namenlose Angst, für die ich keinen Grund habe, raubt mir meinen Schlaf, meine Ruhe. Unstät wandle ich einher; nirgends kann ich verweklen. Dir Angst um Frau und Kind, Venen große Gefahr droht, drück mich nieder. »Inwiefern droht Mftjam und chrem Kind« Gefahr?- fragte erschreckt der besorgte Vater; .hast Du Nachricht?- »Nein, nein, alle« unbegründete sinnlose Angst die ich nicht los werden kann." »Nun, so reise nach Deutschland Ich will schon allein fertig werden.- ,Jo, reift, reise. Vor dieser" Reise graut mir. E« ist mir, al« ob ich in Dentschlanv — doch stille davor, stille, ich muß doch reisen". ,Du scheinst ernstlich krank zu sein", sagst Herr I. theil» nabmvoll zu Rabbinowitsch „und ich hoffe, die Seereise wird Derne aufgeregten N«oen beruhrgen. Heute hatten «>ir Brief von ll>kftjam und auf Grund diese« Brieft« kannst Du ganz, beruhigt reisen. Du wirst Frau und Kind im besten WHl» sein antreffen - »Gebe eö Gott! Hast Du Mirjam« Bcftf bei Dir?- »Ja, sie schreibt chn nicht selbst, son'eru hat ihn aus Beqneinlichkeit ihrer Grsellschajterin dikttrt.- Rabbmowitfch erschrak. Wie cknd muß« sich Mirjam fühlen, daß sie ihre Gesellschafterin mit der E?«espondeuz an ihre Eltern betraut« I Hatte « also keinen Grund, unrndig .zu sein? Er konnte ftine Schwiegereltern nicht ver» steyen, daß sie sich darüber beunruhigten. Rabbiuovitsch la« den Brief aufmerksam durch. Mirjam schrieb, wie fthr sie sich freue, ihren Mann recht bal.d wftder zu sehe». Sie bat chre Eitern ihn zu veraulaffen, das,« sstne Abreise beschleunige. Sie «zühlte, wie herrlich sich ta« Kind entwickle, wie glücklich sie in d« Wahl ihr« Gesell! chaftcrin sei. »Efttah ist mir,- schrieb sie »mehr al« Gesellschafterin, sie »st Freundin, Schwest«.- Al« Rabbinowitsch diesen Satz las, zucke fein Herz zusammen. Sfttah lebte, ftine Sittah war oft Gesellschafterin sein« Frau geworden! O, Gott, Dei« Wege sind unerforschlich! Und Mirjam liebte Sittah wie eine Schwest«, trotzdem sie wußte, wa« biefe chm war! Ab« w« sagte ihm, daß es seine Sfttah sei? Und doch, d« Name ist so selten. O, Allmächtiger, was für Prüfungen sind dem armen Menschenkind« auftrlegt! Ihm schwindelte. Er legt« sich zurück und schloß dft Augen. Herr I. leobachteft ihn aufmerksam. Nach einer Weile legte er ftine Hand auf seinen Arm und sprach: „Was ist Dir, mein Sohn'^waS regt Dich so furchtbar auf?- Stöhuend enkgegncte Rabbiuowitsch: ,O, es ist zu vcel waauf mich «instürmt! Ich kann e« nicht ertragen! D« Mensch kann gar viele« durchmachen, wa« t*r Herr ihm auftrlegt; nur Gottvertrcmen darf nicht fehlen. Gott »egt Lasten/wf — er hilft sie ab« auch tragen. Ia,str, ich ckypschwecc Last zu tragen.- 7 ' .■Ä® ,, U—i , .' £*.. ' - -

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