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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 6 (1892) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
6 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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Zügen, ein dunkles Rot färick seine Wange ,. Ein neue» Feuer strahlt aus seinen Bldken. Tr ist neu belebt, und »ie rösch, wie flink! In einige» Minuten war alle» geschehe«. Ue» führte de« Bertand beim Papst« mit Blitzerschnelle. Er ist rin Arzt, wie ich'» «och nie gesehen. Doch dem Ritter droht Lebensgefahr, der Leibarzt . . . C r f i n i (ihn untnfemfrnk]: Nu«, ter Leckarzt ... Kardinal: Der Lribarut hat nicht raich genug verbunden und Uem, Dem war >n schrecklichster Erregung als er den Verband wiederholte. 5i>och sehet, da bringen sie den "Ritter (Marco bleich, schwankend, ml! aufgeschlitzier», blutbeflecktem Hemde, van einigen Mönchen gestützt). £ tr Achi« Oeent. Elvi ra (vor «arco hiuftrr^ud): O mein Marco! Marco: Elvira, heiUelicine, sehe ich dich wieder. Du hellleuchtrnder Stern in meiner BerzweiflunqSaacht, laß mich Dir danken für die seligen Minuten, die Da mir gönntest. Du »ssnetest da» golden« Morgcurot der Liebe am schweren Gewitterhimmel meine» Äben». Du zeigtest mir «in Paradiesgefild« inmitten dis grausamen Höllenspiel» von Racke und Bosheit, die mich umtobten. Du sprachst von Lievc und Vergebung, wo dies: Worte rin lcerer Schall nur sind. Dank Dir» Elvira, Donk. Bald vollende ich meine Bahn. Dort oben, wo die Palmen seligen Frieden» un» beschatten und un» mit Wonnendust berauschen, dort oben sehen wir un» wieder. Elvira «schluchzend): O, ich Unglückselige, wir kurz wehrte mein Traum! Marco: Kardinal Orsini, ich versprach euch heule den zu neunen, von dessen Hand «ucr Bruder fiel. Orsini: Ihr wisset es? Schnell, nennt mir den Ramen, damit ich meine Rach! an ihm kühle. Marco: Immer nur dieser schreckliche Mißton: Rache und nicht» al» Rache, an dem da» Herz verblute». Euer Bruder fiel in freiem Kample; der ihn erstach verteidigte unschuldigBerfolgte; der ihn erstach, höret c» Orsini, ich bin es selbst. Alle: Ec selbst? Orsini: Ha, Uagehcue:, Du selbst? Tu, der Mörder mciues Bruders, wagtest die L ebe seine» Kinde» zu rauben? Marco (zu «lMr»): Wi> müssen scheiden. Bergieb mir. Mutig erwarte ich den Tod Wir werden un» Wiedersehen i» einem schöneren Jenseits. Ich sterbe beseelt für mein Volk, für Liebe und Begeisterung. Lebet wohl! (siirbr) (AI« dt« Häupter rarblSbend: »tat fei ftiiut Seele gnädig!) Elvira (in übermsstigem Schmerze): O mein Geliebter, mein einziger Geliebter, knmme wieder an meine Brust, laste Dich küssen. Meine gramerhü llte Seele suchte Dich und ich habe Dich gefunden. Mein einziger Trauter komm an mein Herz! Orsini (sag, dt« Elvira loiid au): Hinweg Unglückselige! O daß ich dir» erleben mußt«. Sie liebte den Elenden, der den verdienten Lohn gefunden. L o r e n z o: Der Schmerz um den Verlust ihre» Vater» und Geliebten ist zu mächtig. Sehet wie ihr Blick starr und die Waugen todrSbleich. — Deck Wahnsinn» Schreckensflamme hat sie ersaßt. Elvira (wirrt: Seine Wunden bluten. Du darfst nicht tot sein. — Du lebst. Wie Dein Haupt leuchtet. Der Glorienschein der Menschlichkeit umstrahlet Dich. Du suchst Barmherzigkeit. Wo ist Baimherzigkeit? Stein Erbarmen giebt e» unter Menschen. IDein Feuergeist entfaltet da» brausende Gefieder. Dort nach dem Himmel lichtwält» strebet Deine Seele. Schon u der Ferne, weit, ganz weit, dort oben lei den Engeln sehe ich Dich Wie sie fröhlich Dich empfangen. Ach wa» seife ich, auch mein Vater, mein -geliebter Vater umschlinget Dich. Einig stid Ihr. Voll Lieb« nur. Ihr »inlet mir — wartet — rufet mir noch kein WillkawMLü. 7-^Lvch^um ich mtjJttJBflAte nickt zer. I Hnnocentiu»? Heil : ri ' P-' i;: 4 reißen (macht «i,« gewaltsaui« Bewegung). Ach seht bn ich frei. Schon fliege ich zu Euch, ich trage einen schönen goldenen Kranz mit Myrthen geschmückt. Den gottgeweihtcn Kranz der Liel« (schumntt vorwärts). O rsini «dumpf): Welch ein furchtbares Schicksal, — arme» Kind! (zu «iuem Mönche). Führet sie hinweg und gönnet Ihr Trost und Ruhe, bi» sie Erholung findet und in da» Kloster trcten kann. (Mönch führ« «lvlra ab.) R«unt« Scene Hem (mit offener Brust, verwirrte« Haar, Bluifiecken am Hemd«, stürz« herelu): Tck, mein Sohn ist todt, ruft man? Wo ist er? (Alle weichen zurück, Zem bemerkt Marco) O mein Sohn, mein unglücklicher Sohn l Ich selbst bin der Mörder meine» Sohnes! Wehe mir! (Pertzüm fein Gesicht und schluchzt) Bergieb mein Kind, mein heißgeliebte» Kind, vergieb, wo» ich gethan. Geistliche (durcheinander): »Sein Sohn" sagt er? Der Tote war sein Sohn? Welches gräßliche Ereigniß. Nem (sich beherrschend): Es ist geschehen — es war eine verruchte, verwegene Thal von mir, doch cs war vom Himmel mir so brschiedcn. Ich murre nicht; ich habe meinen einzigen heißgeliebten Sohn geopfert. H er liegt die schlichte, staubgewordene Hülle. Sein Geist ist frei. Die Sühne ist vollbracht. Orsini: Ihr habt,?)em, meine Vorstellungen nicht hören wollen. Nun habt ihr euer Loos selbst heraufbeschworen Es geschieht euch nur Recht?)cm (schaut Orsini ruhig an): Eure Rache ist gesättigt, Kardinal. Wa» auch geschehen ist — ich grolle euch nicht mehr. Ich kann über meine Qualen siegen; dir Thränen dränge ich zurück und auch den Haß habe ich aus meinem Herzen gebannt, obwohl Ihr mich gezwungen >,abt, mein eigene» Innd zu töten. Das sei Euch genug Kardinal Orsini. Verscheuchet Euren Groll und lastet nunmehr mein Volk zufrieden. Es hat genug gelitten. Jedes Stückchen Erde, wo sie weilen, ist mit Thränen getränkt. Gönnt Ihnen einen Fleck auf der Erde, wo sie ruhig leben und sterben können. (Die teilen Wort« sind an die Lersammelle» gerichtet.) Die Geschuhte wird die Verdammnis aussprechen über alle jene, welche iure Mitbrüder verdammen, und dir höchste Gerechtigkeit wird die Verfolger und Unterdrücker mit ßleidjtr Unbarmherzigkeit strafen. Ihr wistet was die Vertreibung aus Spanien durch da» Ungehcucr Torquemada bezweckt. Es gilt einfach sie zu berauben, um sich mit fremde Er:verbe zu bereichern und den wildesten Leidenschaften die Zügel zu öffnen. O lastet nicht den Glauben al» Mantel für Gräuelthaten dienen. Ist nicht ein Gott unser aller Vater? Hier bei dem Leichname meines Sohne» wollen wir den Bund der Bruderliebe schließen. Kardinal Orsini, alles sei vergessen unb vergeben. Orsini (sich abweadend): Ich will nicht« von Vergeben wissen. Ihr seid dem Tode verfallen. Geistliche (murrend): Arm hat deu heiligen Vater gerettetl Heil Dem! Orsini (streng): Ich habe hier zu befehlen und dulde keinen Widerspruch! Die Macht, die mir vom heiliger Vater verliehen, will ich unnachsichtig auSüben. Meine Langmut ist erschöpft; ich will diese» Volk ausrotten. (W.rd durch L«. renzoö Erscheinen unterbrochen.) Lore nzo (erscheint mit Prälaten im feierlichen Auszug« «in« Papierrolle öffnend,: Unser heilige Vater Jnnocenz, sernu »errorum Dei, sendet Gruß und apostolischen Segi n! Er verkündet also: .Durch di« Geschicklichkeit des edlen, jüdischen Arztes Dem habe ich meine schwerbrdrohte Gesundheit wiedergewonnen. AuS Dankbarkeit hierfür bewillige ich und dekrüjtigc ich 'ihm und seinen jüdischen Mitbürgern die Auf» enthaltSrcchte in Rom unter meiner vollsten Schutz zewährung. Lirl« und Duldung soll uns alle Menschen, ohne Unterschied der Religion, umschließen. Dieses wünsche ich und befehle ich. Amcn k Geistlicher (rufend): Hosiana, Hosiana dem Vater ----- »t . -;o,. .iT«

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