Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 4 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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a ■P*F**> - * ' '•V '• ^TT. — LS — .Ich lause keine Photographie', versetzte Sittah ärgerlich. .Auch diese« nicht?" «kr drehte da« Bild um und Sittah erkannte — di« Züge ihirS seligen Bater«. Sittah stieß eiaen Ähre, ans und griff nach dem Bild-:; der Hausirer zog jedoch rasch die Hand zurück, und Sittah griff in die Luft." .Wer stad Sie, mein .Herr', rief sie au«, .0 wie kommen Sie zu dem Bilde meine« Bater«?' .Also hat mich mein Al>ge nicht getäuscht', sprach der Fremde. .Sie sind Sittah, die Tochter Red Eli oh'«.' .Ja, ich bin es, doch wer sind Sie?" .Ich glaube nicht, daß Sie sich meiner erinnern. Mein Name ist Solm; ich bin au« einem kleinen Dorfe bei P. und Reb Elioh war mein Ährer, als Sie noch nicht geboren waren." .So feien Sie mir willkommen", sprach Sittah und reichte ihm ihre feine Hand, )ie er herzlich schüttelte. Sittah war froh, nach sa langer Zeit wieder einmal «in Besicht au« der Heimath zu sehen und lud den Hausirer «in, sich neben sie zu setzen und bat ihn, al« er Platz genommen, ihr ron P. und ihren dortigen Bekannten und Freunden zu erzählen. So erfuhr sie denn alle«, was sie interissirte. Sie hätte schweigend zu und al« der alte Mann geendtt hatte, seufzte sie tief auf und sprach: „fyiben Sie Dank für all die guten Nachrichten, die Sie mir gebracht. Wann kommen Sie wieder nach P.?" .Bor dem Monat Oktobrr nicht. Der Sommer muß benutzt werden." „Wie sind Sie mit dem Geschäfte zufrieden?" „Man muß zufrieden fest", entgegnet« der Alte. „Wollen Sie, wenn Sie nach Hause, nach P. kommen, alle von mir grüßen?" " „Gerne, und wann kommen Sie wieder einmal nach P-?" „Daß weiß/nur der liebe Gott", entgegnet« sie mit Thränen in den Augen, ich b n ja heimathloS." „Sind wir t» nicht alle?" entgegnete der Hausirer theilnehmend; „ist unser Volk nicht dazu auSersehen, von Volt zu Volk, von Reich za Reich" zu wandern? diese Wanderung hört erst auf, wenn man uns in die Erde bettet." „Eie haben recht", versetzte Sittah, „unsere Heimath ist anderswo, unser Bater ist im Himmel, alles was er will, thut er". ^DaS ist die Tochter Reb EliohS", sprach warm der Fremd«; „schütze und segne Sie der liebe Gatt!" Er erhob segnend seine Hand, Sittah neigte ihren Kops und da legte er seine Rechte auf ihren Sheitel und sprach den Segen, mit welchem die Priester da« Volk segnen. Daraus nahm er Abschied von Sittah und verschwand balv unter den Bäumen de« Forste«. Sittah blieb noch eine Pfeile auf der Bank sitzen, dann erhob sie sich und schlug den Hcimweg ein. Die Begegnung mit dem Haustrer hatte sie wehmüthig gestimmt, und ohne daß sie e« wußte, rollte Thräne um Thräne au« ihren Augen. Sie dachte an die Kindheit, an die Eltern und Freunde und fühlte, daß sie alle«, ach, allen verloren. Zwanzigste« Kapitel. Die Ohnmacht Mirjams >var nicht so unschuldig gewesen, al« >>e glaubte. Seit jenem Tage lag eine schwere Mattigkeit auf ihr, so daß sie wst den ganzen Tag auf der Chaise zubringen mußte. Der Husten war schlimmer geworden und quälte sie besonders während der Nacht. Wenige Tage batten genügt, die stisch errungenen Kräfte aufzuzehrcn und schwächer als zuvor lag Mirzim auf der Chaise longue, ' welche ins Freie gebracht worden war, unter den blühenden Bäumen. Rings um sie her a k,S werdendes Leben, Hoffnung auf eine glücklich« Zukunft, in ihrem Herzen ach! der Tod. Sinnend blickt« sie zum blauen Aethrr auf und sprach bald zu Sittah, die an ihrer Seite iah: „Ich fühle muh schwach und matt wie nie zuvor. Wenn ich dtpvon müßte, liebe Sittah, jo — „Sprich doch nicht so, lielie Mirjam; Du wirst Dich wieder erhole«, und wenn Dein Mann komnlt, wird er^Dich frisch und Dtstmd ««treffen." . „Möchte Gott, Du sprächest wahr. Aber laß uns auch einmal da« Gegentheil annehmen. Davon stirbt man nichh und wenn ich mit Dir darüber gesprochen habe bin ich beruhigter, höre mich also an." .Aber warum heute von so traurigen Dingen sprechen, dir Dich oufregcn und Dir schädlich sind?" .Worum? Sittah es könnt« morgen zu spät sein.' Ein Hustenansall unterbrach sie, und als sie endlich nach vieler Qual Ruhe gefunden hatte und las Taschentuch vom Munde nahm, da waren rötlich« Flecke in demselben. Mit trostloser Miene zeigte Mirjam ihrer F.eundin das Tuch. Sittah erschrack, wußte sich jedoch zu beherrschen und sprach: .Wollen wir nicht lieber ins Zimmer gehen?" .Nein', erwiedette dir Kranke, .laß uns hier bleiben; so lange ich kann, will ich GotteS schöne?3elt sehen und ihre Herrlichkeiten genießen. Bald werden sie mich in jenes dunkle Haus betten." — Mirjam, sei um GotteS ville n stille m>t Deinen Todesgedanken! So leicht stirbt man nicht." „Du hast recht; ach es ist so schwer das S>erbe», wenn man noch so jung ist; wenn man so glücklich ist wie ich es bin — ja, es ist sehr schwer." .Rege Dich doch nicht so auf; Du schadest Dir." .Ja, wir wollen ruhig sprechen, vernünftig überlegen,' sagte Mirjam, „ist eS nicht Gottes «Äcbot, sein Haus zu bestellen, ehe man abgerufen wird?" „Du wirst aber noch lange Jahre leben.' „Hoffen wir es, sagte leise die Krank:. „Doch nun höre mich, bitte, an." „ 2aS sprechen strengt Dich an, lasse eS, bitte, sein; ich will Dir vorlcsen.' Mit der den Kranken eigenen Hartnäckigkeit bestand Mirjam auj diesem Thema und Sittah gab. um sie nicht aufzuregen, endlich nach „Sprich denn, was Du so gerne gesprochen hättest", sagte Sittah, .aber erst ruhe rin wenig.' „Ich will sprechen, so lange ich noch kann. Also Sittah, wenn ich bald abberufen würde, so sei Du meinem Kinde die Mutter; Du liebst meinen Mann und mein 'Kind, und wenn er nach meinem Tode die Frage an Dich richten sollte, ob Du die Seine werden willst, so sage nicht nein. Sei meinem Kinde dir Mutter und meinem Manne eine treue Gattin und der Allvater möge Dich laiige Jahre da« ' Glück genießen lassen, welche« mir nur so kurze Zeit zu j genießen vergönnt war." (Fortsetzung folgt.) > GrK«»i «na tJtm. j Drima Ir. vier «tte* von Heinrich Bett 1 Siebent« Scene. Elvira (allein erschein! auf der Terrasse unb schreitet langsam 1 vorwärts): Ich dränge mich allein hierher, u>n Esperanza, da« edle wohlthütige Weib zu warne», ihren Gemahl Don Isaak, nicht nach dem Vatikan gehen zu lassen Mein Oheim Orsini raset furchtbar und ich hörte wie er sprach: Aem muß dem Tode hier verfallen. Der ganze Vatikan ist aufgeregt, um die Vermessenheit Don Isaaks zu strafen. (Sie betrachtet die sahnerhellte Landschaft): Dit Sonne erhebt sich strahlend über die Siebenhügelstadt und badet ihr glänzendes Licht in der Tiber. Aus jedem Frühlingshauche strömen tausend süße Hoffnungen. Mir »ur geht keine Hoffnung zu. Welch ein schöne« Bild bietet her vcithin die Natur. Entzückt trinkt der wonnige Blick dciS vielgestaltige Schaffen des Schöpfers in der wie von Perlenguirlanden hold umwolxmen Landschaft. Mir ist es als hätte ich! duftende Lieder in dem Haine erklingen. O sankta Maria, gnadenspendendc Madonna! Wenn dieser geheimnißvolle Schauer, der mich durchdebt, die Liebe, Liebe zu Marco wäre? — Stille, stille. Höret es nicht ihr Lüste, hr sonaedurchglühten Wohlgerüche der Natur, höret nicht, was ich euch verraten: ichzltede. Wie dies Wort in dy» wonneverauschtrn