Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 3 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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HÄldna» Zeit meine« $«be»« fnmtern. Meine Süern sind leihet nicht mehr, «ntr von meinen guten Freunden jener Zeit kennt keiner «ei«» jetzig-m Auftwthalt.' »Habe« Sie die Eitern schon länge verloren?* .Ich nein; noch dvkt der Rasen nicht lange da- Grad der Eltern; noch ist die Wurde nicht vernarbt, die da« Schicksal mir damals -«schlagen.- ^Jhk seliger Vater war {Rabbiner?* »Ja, er war ein ton seiner Gemeinde iunigst geehrter und geliebter Rabbiner, der, da er nicht deutscher Unterthan war. kurz vor seinem Tode «»gewiesen wurde. Mer Gott war barmherziger alt ie Menschen. Er wollte nicht, daß 'die alten Leute am >bend ihre« Leben« heimathlo« seien und nahm sie fap nach einander zu sich in die ewige Heimath. Daranfhm »erließ auch ich meine Gebortsstadt und ßmd eine zweite Heimath bei den Eltern der Frau De. Norden.* »Und warum verlies»m Die ihre zweite Heimath?* fragte Mirjam. Errsthend entgegnen Sittah: .Um einem brat»:» Manne, der nm meine Hand mch gebeten, au« dem Wege zu gelten* »Aber Warum denn k Wenn sich Ihnen doch töestgenheit bietet, sich zu verheiraihen, jo sollten Sie, wenn Su da» bvrch Ihre Zukunft sic-ern könnten, dem nicht au« dem Wege neben,* »Sie haben ychtz aber ich kann nicht ' .Haben Sie eine 8 rtipatlne gegen den Mann, der Ihnen seine Hand anbot* .Nein, weder diesen noch «inen anderen kann ich heirachen.* .So ist Ihr Herz näht mehr frei?' .Rein, mein Herz ist nicht mehr frei, obschon derjenige, den es l'wt, der «otte einer andern geworden ist.' .Und Sie können diesen -Treulosen nutzt vergessen?' .Ach nein, und wenn, ich zur reichsten und glücklichsten Frau werden könnte »seiiü Bild käme nie au« meinem Herzen.* 4 .Treue Seele l hassen den nicht, -der Ihnen die,Treue brach?' .Hassen? Wo einmal t»e wahre Liebe eingezogen ist, sinder der Haß keinen Kaum mehr* Da« begreife ich nutzt. Ich meine, daß Liebe sich in Haß verwandeln könne daß je inniger die Liebe war, desto leidenschaftlicher der Hotz »erben müsst. Rein; wahre, treue Liebe kann sich nie in Haß verwandeln. Wehl mag da« bei, stideechchaftlichrr Liebe möglich sein, daß an» der «inen Leidensamst die andere wird. Van dir Sie, daß ei« Mutter ihr Kind Haffen könnte? »Es ist aber doch auch ein Unterschied zwischen der Liebe der Matter zu ihrem Kinde und der Liebe der Braut zu ihvem verlobten.' .Und worin sollt: der bestehen?' .Die Liebe der Mutter ist sUbstloser, reiner, edler, unvergänglich, die Liebe {«.Mutt« ist frei von jedem fremden Gwanken, chr fehlt 1-ie Lndenschast, während die Liebe zwischen Jüngling und Juirgfran leidenschaftlich, egoistisch, mißtrauisch ist, vom Wunsche beseelt. wirb, den geliebten Segenstand zu besitzen' .Ist nicht jede lüebe, jede wahre Liede ein Abglanz der göttlichen Liebe, dst olle« nmfaffend, dauernd und gewiß ftlbstlos ist.* „Es mag wohl in der Verschiedenheft der Eharaktere begründet sein, daß!>ie Siebe sich verschieden äußert uud deren West« verschieden ausgesaßt wird.* »Ich könnte «ich. nie zu Ihrer Auffassung bekennen. Wenn ich liebe, liebe ich leidenschaftlich und ich kann e« mir wohl, denken, daß Heh meine Liebe in tütlicheu Haß ver- ^nandelnickönute.* msttzer "und Wen lvir die* Theme lstber sälleH'Kch wst-^ieß stner Treulose?* .Er hieß Rabdino witsch, gerade so wie Die.* .Und seine Frau, kennen Sie deren Namen auch?* .»ewig; seine Braut hieß Mirjam I * Ein schwacher C chrei entrang sich bei diesen Worten den Lippe« der jurveu Frau. Die wollte sich erhebe», bod| vermochte sie e« nicht. Mit beiden zitternden Händen griff sie nach der Han!» Sittohs, drückte diese an ihre kranke Brust uud sprach mit thcänenden Auge«: .Sittah, liebe Sittah» Schwester, der Treulos«; den D» noch liebst, es ist — mein Mann.* .Ich weiß es seit gestern*, entgeguete Sittah ruhig. .Und Du, — ich muß .Du* sagen uud verlange es ckwh vou Är, — Du willst bei mir bleiben, mei» Leiden mir tragen Helfta.' .Warum nicht? Ich liebe Dich, weil er D.ch liebt und will Dir eine Schwester, eine treue Freundin stin.* Ehe Sittah sich'« versah, hatte die junge Frau sie «m» arnt und bedeckte ihr Gesicht mit Küssen. Doch die Arf» regung war zu stark für die Kranke gewesen; plötzlich hingen dst Arme schlaff herab und eine Ohnmacht umfing ihre Sinne. Sittah rief Hülse herbei und ließ dst Ohumächtize in« Zimmer bring, n. wo nach einiger Zeft unter den ¥*- mühungen de« Arzst« da« Bewußtsein zutticksthrst. Al« Miriam von ihrer Ohnmacht erwachst, saß Sittah an ihrer Seite, während der Arzt vor dem Bette stand. Lächelnd drohte er mit dem Finger und sprach: .Schöne Geschichten machen Sst, Frau Rabbinvwitsch; wie fühle» Sie sich jetzt?' Danke Ihnen, recht wohl, nur etwa« matt.* »Und wiejo und wie ist denn diese böse Ohnmacht ge, kommen?* fragst der Arzt weistr. .Ich.weiß es nicht', versetzte Mirjam. Mtten Sie zuvor Schwindel oder Unbehagen verspür!?* .Nichte, gar nicht«. ES kam ganz jüötzlich ohne >«lst Ursache.' »Und Sie, mein Fräulein, Sst waren ja bei Madame, wissen Sst —?' .Fräulein Sittah kan» ebenso wenig dst Ursache «iffen wst ich»' antwortest Mirjam rasch, .da eS keine Ursache, wenigstens keine äußerliche dafür giebt'. .Nun, so wollen wir froh sein, daß e« so vorüber gegangen ist, sagst der Arzt, die Patientin die er nicht begriff, befremdend ansehenb. Mit diesen Worstn entfernst sich der Arzt, der an dem Bmehmen der beiden Damen gesehen hatte, daß mau chm etwas verbergen wolle. Kaum hatte er das Zimmer verlajstn, da erhob sich Mirjam von ihrem Lager. Sittah half chr, einen stichst» Moraenrock überzuzstheu und als dies geschehen, setzten sich vst beiden Damen. an das Fenster. Zuerst kannst keine ein Wott sprechen; endlich jedoch brach Mrija« dar peinlich werdende. Schweigen und sprach: .Sittah! ich habe Dich wohl sehr erschreckt; verzeche mir; es kam so »«Plötzlich, daß ich mich ftiner nicht erwehren kannst.* .Bedarf es einer Entschuldigung; es thut mir nm leid, daß ich dst schuldige Ursache war.' Ich «nuß Sst —* .Was? Sst? Willst Du mir nicht Schwester und Freundin sein? Bitte nenne mich Du, wst ich eS auch thun will. Du und Mirjam.' .Muß eS denn sein? Kann unsere Liebe und Freundschaft nicht doch ebenso groß sein?* .Ich bitte Dich darum? Erfülle weine Bitte.* ,Gm>e', erwiederst Sittah, welche jede Auftegmig der Kraust» vermeiden wallst. .So neune micheiumal Mirjam mit »einem Bornnmen * »Nun, Mirjam, ,'üW Dn Dich etwas besser? ,A«ch Dank, tausend Dank für dstft» Wott*, »sts dst