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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 3 (1892) · p. Seite 12

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
3 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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oufgmf t« fltauh an-, nbcm sie Sittah bk schwale Hand hi, reichtr. welck» diese mit einem Lächeln ergriff. »Nicht wahr, Du haßt mich nicht,' fragte Mirjam weiter. Zum Glück trat jetzt die Amme mit dem Kinde ein, so daß diese Unterhaltung, welche für Mirjam neue Aufregung gebracht hätte, abgebrochen werden mußte. Da» Kind hatte ausgeschlafrn und lächelte seiner Mutter lieblich zu. Diese ring an, mit dem Kinde sich zu beschäftigen, Sittah bar. einen Brief schreiben zu dürfen und zog sich auf ihr Zimmer zurück. Tie Borsebung hat manche Menschen zu Schwerem erwählt. Während Sittah sich die Schreibutensilien zurecht lrgtt, dachte sie an die Stunde, da Ester Marx ihrer Lieoe zu Robinowitsch Sittahs halber entsagte Wozu .var also da- Opfer gebracht? Wem hattt dieses Opfer genützt? Sie hatte sich, als sie die ihr angebotencn Stelle annahm, von der ganzen Vergangenheit losreißen wollen und wurde jetzt täglich und stündlich an die Vergangenheit erinnert. Vergebens kämpfen wir gegen das Schicksal; der Wille Gottes lenkt und leitet unsere Wege, an uns ist es, diese Wege zu bahnen, daß wir glücklich uni er Ziel erreichen. Wie viele H-ndernisse sich uns auch in den Weg stellen, nur Muth: hebet Eure?!ugen zu jenen Höhen, woher Euch Hilfe kommen wird. Fortsetzung folgt.) nl Htm. Drama t» ater Arten von Heinrich Bett. Künste Lzcne. Esperanza: Welch' eine bange Ahnung durchzittcrt wkine Seele. Wie eine giftzischende Schlange schleicht die Furcht in mein Gcmüth, ui.'düstert meine Gedanken und Thränen drüngm sich in meine Blicke. Wird er mir wiedrrkrhren? Und du mein Sohn, Marco, mern einziges Kind, wo jagest Du zwischen Felsen und Klippen unstät umher? In jähen Schluchten birgst Du dein verfolgtes Haupt. Marco wo bist Du? Komme zu Deiner Mutter, mir ist'S als wärest Du nicht weit. Wo bist Du? — ich fühle Deine Nähe. Marro, Marco! - echst« Lzeae Marco (hereinftürzend): O Mutter, hcißgcltkbtt Mutter! Esperanto (ihn «üsiend.: O mein Kind, mein theures Lind, sehe ich Tich endlich wieder. Marco: Welch' rin seliger Augenblick für mich. Ich habc so viel gelitten, theure Mutter, mein Herz verblutet: urter Marter», die unaussprechlich sind. Espe ran za „tarn ihn plöplich an): Unglückseliger, nenne m r nicht Dein Verbrechen. Vergälle mir nicht das Glück des freudigen Wiedersehens. Doch sprich, dies Kreuz an Deiner Brust. Wehe Dir und mir, wenn Du den Glauben abgefchworrn! Marco: Halte ein Mutter, verstoße mich nicht. Schiver genug lastet auf mir die Schuld, daß ich Scnio gemordet; doch war's im ehrlichen, blutigen Kainpse, als ich die unschuldig Verfolgten mit meinem Leben vertheidigtt. Esperanza: Und das Kreuz, das Kreuz das Du triigft, was soll das bedeuten? Marro: ES »vard mir aufgedrängt. Ich ttage es nur zum Schein, im Herzen halte ich ttea an Juda's Glauben. Für ihn zu sterben wagte ich mich bi» in den Vatikan. 3$ wollte den verderbenden Orsini selbst sehen und für unser Volk ihn günstig sttmmrn. Aber seine Wuth ist grenzenlos und als er beschloß wegen der Ermordung feines Bruders an unserem Volk furchtbar sich zu rächen, da wolltt ich kühn vortreten und sagen: .hier bin ich, sättige -... -s Dein« Rache an mir; was Hot Aber plötzlich rief der Kardinal: »Wer mir de» M-etzer zur Sttlle schafft, dem verspreche ich die Hand Elvira'«!" Ich wußte nicht, wie mir geschah als ich auf Elvira blickte. Ihr unendlicher Schmerz um de« Verlust ihre» Vaters fand ein Echo in meiner Seele. Ich fühlte, ich litt mit ihr. E» war rin Zusaminenklang schrecklicher Leiden, und au» diesem furchtbaren Jammer, der in meinem Junern wogt« und mich zu zerschmettern drohte, tönte »S plötzlich wie himmlischer Gesang; süße Enarlstimmen umrauschten mich, ich fühlte mich plötzlich gehoben, gestärkt, gckräftigt; ein heiliges, erhabenes Gefühl linderte alle meine Qualen — das süße Gefühl war'S, — der Liebe zu Elvira. ESperanza (.rfartdt): Unglücklicher, was sprichst Du? Du liebst Elvira? Du der Sohn Don Isaaks und ESperanza's, der glaubenStreuen Juden, die bereit sind für ihren Glauben zu sterben, — Du liebst die Tochter dessen, der uns vertrieben, der unser Volk mit Flammen und Schwert vertilgt, die Nichte des schrecklichen Orsini, der un« all« zerschmettern will. Marco: Mutter, die Liebe fragt nicht viel. Ich sah Elvira, wie sie in edlem Schmerze mir vergab. Ein hold« Engel stand sie vor mir, geblendet war ich. Ich weiß nicht wie mir geschah aber ich fühle es an den Millionen Zuckungen der Seele, an all den sehnlichen Empfindungen die mich zu ihr hinzichen, daß ich nur Elvira lieben, für sie leben, für sic sterben kann. Esperanza (da« «efichi verhüllend): O Marco, Du bist nicht mein Sohn. Marco: Mutter verstoße mich nicht. (Lehr weich) Ich leide, wie noch nie ein Mensch gelitttn. Ich habe keinen, keinen auf der ganzen Welt, der mir rächen, helfen soll. Verstoße nicht auch Du mich; Du siehst Mutter, ich kann nicht weiter. Thränen ersticken meine Sinne. Mutter Du kannst nicht verlangen. — daß ich mir selbst den Tod geben soll. Esperanza (sich adwendend, nach surchlbarem Kampfe): Bevor Du Deinen Vater, mich uud Dein Volk beschimpfst, eher stirb Marco. Marco (aussihreiend): Mutter, diesen Rach giebst Du. die Mutter, Deinem Sohne, weil ich Elvira liebe. Kann meine Liebe jemanden beschimpfen? Gehört der weise, vielgerühmte Don Isaak und Du hochherzige Esperanza zu jenen Fanattkern, die annehmen, daß der Glaube eine Scheidewand zwischen Menschen bilden kann, nur um de» Glaubens Willen. O Mutter, Mutter! der Glaube ist nur da. um Menschen zu verbinden, durch Liebe zu verbinden, aber niemals sie zu theilen, durch Haß zu theilen. Ich kann mich niemals würdiger als eueren Sohn zeigen, als wenn ich Elvira liebe und ich hoffe auch Orsini zu desäuftigen. Esperanza: Du bist ein aufgeregter Shwärmer, doch will ich Dir vergeben, mein Kind, wie der Battr im Himmel stinen Kindern verzeiht. Komme mit mir in's- Gemach, hier könnte leicht jeinand uns belauschen. <Oetd« »b.> Z«eisprachige» Mortr-thlet. Bon S. Uno in Hanau. u) Hebräisch. Zeder strebt mir nach dem Leben, Da« ber Schöpfer mir gegeben. §a brr Talmud schimpft «ich baß, eberall find' ich nur Haß. b) Deutsch. Ein harte« Zeichen eingeschaten. Sogleich wirdIebrrmaua »ichlabeu. Aer «ich bet« Kamen nenne» hört» Hält mich mit Recht für ehrenmerth. A«ßSftmg t<# Kttttzs-ls i« »*» Kr T*1 (*?P — Thau.), «*4 (engl. — Schlamm. Rach). chrr»n>»-»rN.N»b«t»«nr: Dr. ÜL R«,m«e,utOg»e»»r>. Lrmt: Benbtg ch putz»(früher V S.Woifi). llÜrgbeberg Verlag:; Rabl» Uriefch Ailtzgtg.

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