Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 1 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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. geht. «ÄF bnrtfl , . tone Sommernacht „ad die Passagiere, »eiche de« Zag hrnntzteß, unterhielten grüßten Theile bet geöffneten 11 KmLr«. 3» ei an» L»j» zwytcr «lass» sahen nur gvei PeHaaie«, ein Altem: Heer und eine junge Dame. Beide Hirn still in die laue kümmern acht hinaus, . jede« seinen V Gedanken nachhängeud. Ist das offene Fenster strvmte die } balsamische Luft der Haide, die vermischt mit dem Duste vor. Milliarden Blüten und Blume» fast berauschend wirkte. txt Mond schien r,ell unr gestaltete ein.» Blick über die im Schweigen ruhende Fläche Wit Gespenster huschten einzelne, :;r: nahe dem Schienenstrang li^ute Häuser und Gebäude an £ cheu lugen der Reisenden vorüber. Endlich forderte doch . die.Ratur ihr Recht und müde sank das Haupt der jungen ■, Dame an die Lehne der g polsterten Bank und bald bewiesen f taute, regelmäßige Athen züge. daß sie schliefe. Behutsam . -lchloß jetzt der ältere Here da« Fenster, breitete seine eigene j, .->Jki(cfofc über den der schvnrn Schläferin. nahm ein Buch zur Hand und vrfnchte zu lesen. Das Lictz war;stdoch nicht hell genug liicb. so legte er sein Buch rur Seite *5' und blickte wieder in >ie herrluhe Nacht hinaus. Seine Bepgangenheit zog an seinem Geist vorüber, und e» mußten £*.;■ feine schdnen Bilder sein welche feine Seele erfüllten, denn von Zeck zu Zeit flog jtit schmerzliche» Zucken über das westnaxb.-äunte Gteifenwttlitz nuo Thrünen rollten an« den sremstuich blickenden Anjen. Füntztg Jahre sind eine lange Äeit i« Menschenleben, lind so viele Jahre., sind verflofien, Mdem er diesen Weg zum letzten Male gemacht hat. Al» Jüngling war er nach Hamburg gekommen, arm und ohne ^^ststchrung. Er «oll'e "« 'der neuen Welt sein Glück suchen, ' «• er vcrmciotc. r* im veutschen Batcckande nicht finden zu Er -ane kic tzljelt durchreist.' Bom Wunderlande Indien jübrte chn sein Schicksal in« lnnnnlische Reich der Mitte» von hier aus kam er nach It.puu, Kann nach Australien, "r ie Gelvselder ttaliioru.us führw» ihn dorthin und dort lachrlrr ihm das Glück. In wenige» Jahren hatte er sich freilich unter unsäglichen.Mühcu und Gefahren ei» kleines .für Amerika grcnrs Di rml?>,cn crioorlmi. Er wagte selbst a- - -Sperulckkmmr mid^hatti Glück; fein Bermügen verdoppelte, •zi, verdreifachte sich. I» »Jslbezirk kaufte er sich einen arohen Besitz imd »ehreke ergiebige Quellen, die er hier erbohren . ließ, lieferten ihm fr» d Cd, daß sein Bermägen täglich '' . wuchs Da lernte er eil armes Mädchen kennen und lieben, x <» a«or die Tochter eine» süddeutschen Auswanderer«, der auf de« Wege nachMm lBesten mit seiner Frau den Anstrrngunaen der Reise erlag lind seine Tothter, ein siebzehnjähriges Mädchen, arm und schutzlos io ' der'Fremde zurücklteß. Arbeiliochend stand sie eines Morgens in lhränen gebadet v vor chm, und glücklich, Kutsche Laute zu hären, erzählte sie; ihm ihr Geschick. ®te «fiel ihck, und nach kurzer Zeit wurde sie seine Frau. Hetzt hatte er das langgesuchtr Glück «fönden. Das G»ück wurde noch vergrößert durch drei ' Linder, die znr Freud« der Eltern sich herrlich entwickelten. Da kam der Tag, der ihn seines irdischen Glücks ierauden sollte. Seine Frau uov zwei Rinder starben in kurzen ^»ischenväumev an chm bösartigen Fieber. Ein Lind, ein Mädchen von «btzrhti Jahren blieb chm. Fast g'nubte er 4 Ls.MSionLr und sei» iSermäam wuchs ohne sein Zuchnn rasch; aberr» machte Ach kn« Freud«. Seim Tochter, die iei ihm übrig «blieben «re, kränkelte, und um sie zu retten, jchattr er sie nach Tilira gebracht. Unter, demherrlichen „.silima Afrika'» schien Ke sich denn auch wieder zu erholen, aber erst nach drei I, hie» erklärte» dir^Aerzte sie str vällig L; Hcheilch rwttzm jedoch; styl-Beter, sei« Tochter m Cairo eimelei, wo.pk lebte, so läste ,«» «ch Lchrv Über. zurück in die Heimath «O so entschloß er sich kurz kehrte nach Europa zurück. In Hambnvz besuchte er sti>Herr' Geschästsstnmde. von denen er gut ailfgenommrn werbe, " unb die ihn eisige Wochen zueückgehalten hatten!Zetzt wollte er mich sti«r Hrimach; eimin bayrischen Därjihen. Bon der eitettichrn Wohnung hatte er als Lind die schatebedeckten Astien gesehen, sein Heimweh nach diesen Anblick zog jetzt in sein Herz ein und ließ seine Thränen reichlicher fliehen. Der Zug sanfte in uuvermiulierter Schnelli,«« durch die Nacht; das junge Mädchen ihm gegenüber fihlief fest, ein Borrecht der Jugend. Lange ruhte sein Auge wohl» wolleud aus den fernen Zügen der Eichlasen den, wdche. durch den auf ihr ruhenden Blick wach wurde. ErrKend bad sie den alten Herrn um Entschuldigung und alt! sie seine Reistdecke auf chrem Schw-ß sah, sagte sie: »Sie sind sehr liebenswürdig gegen ei« Fremde, und - ich danke Ih«n dafür." .»Sie lraben sti« Eltern mehr?" fragte der alte Herr nach kurzer Zeit. »Nein mrin Herr, doch woraus schließen Sie das?" Weil Sie die Fremde mir gegenüber betonen Jemand, der Ektern und eine Heimath hat, wird sich nicht als Frem» der fühlen, wenn man sich auch fremd ist. Sind ihre Mtern schon lange tob?* Der $*rr schien so vertrauenerweckend und so thrilnahmavoll, daß S itta h. sie war das junge Mädchen, ihm ihre ganze Geschichte, vom Tode der Eltern, von ihren, Berlobten, der einer Anderen die Hand gereicht, von ihre« Leben unb:r fremden Menschen, kurz alles, was iß: Herz bedrückte, offenbarte sie.dem Fremden und schloß: .Sic^werden mich eiitwekr für sehr beschränkt olwrsür sehr unklug halten, daß ich so offenherzig mich Ihnen gegwiüber aussprach: aber ich tenne Sie nicht und Sie kennen mich nicht; S>« werden mei« Geschichte und mich vergesse», ehe wir in Fra..ffurt sind Mich aber hat Vas Anssprechen all des Lu mmers, der mich betraf, erleichten lud ged ästet * »Sie n cn sich in zweifacher Hinsicht*, entgegir te der He?* in freundlichem Tone." ..Ich halte Sie meist für deschlänkt und wer« Sie und ihre Geschichte nicht «i geffen. Was nun unser« Bekanntschaft betrifft, so a»statteu Se mir, daß ich mich Ihnen vorstelle. Mein Name ist Arthur Ritter aus Eaico;* dies sagend überreichte er ih> sei« Visitenkarte. Lächelnd nah« sie dieselbe entgegen und sagte: .Leider kann ich Ihnen nicht mit gleichem die««; aber nennen Sie mich Sittah Fräulein Sittah." .Und dteses ist Ihr Name?' .Ja, .nein Vorname!" .Garz, wie Sie wünschen. Also, Fräulein Sittah, wenn Sie eines aufrichtigen Freundes bedü>lcn, so wenden Sie sich rertraueasvoll an mich. Das Bankhaus „isthGss Sähne" iit Hamburg wird Ihre Briefe mir zu jeter Zeit gern übermitteln." .Bef»« Dank fLr Ihre Freundlichkeit, die' Sie einer Waise enseiscu: vorläufig habe ich eine Stelle als Gesellschafilci» angenommeu." — »Wo und bei wem?" ^9ei einer Dan», Patientin des Herrn De. N. in F." „Welches ist der Name ’ der Dame?" „De» kemrr ich nicht. Es soll ei« Amerikanerin sein, ei« junge Frau aus Rew-Aotch welche in F ch.-e angegriffe« fstsnndheit stärken will. Mir ist es einerlei, wem — ich die«; wenn «emr Dame da» Leben mir niste allzu-" schwer «acht, bin ich rnststden." .Annes Liudl So jung noch und schon so rksigniich'll sagte h« Fremde. pockt«. Jedes schien seinen >Aeh tttte rasfloS vorwchlts; ' '