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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 1 (1892) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
1 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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bet if- „3«wrXay #or ^trtem Tobe fnfa er’_t feiner Natur in drastischer Witze z»m /UWmncke. E>n Bütglied der heiligen Brüderschaft rämlrch, stagte chn, ob er i» seinem Testamente die verschiedenen Wohlthätigkrits- Anstalen mit Legate bedacht hatte." .2 ja, mit zehntausend Gulden" eyoftderte er. .Mit baarem. Seide?" forschte neugierig der heilige Bruder. .Nein, mit Werthgegenstünden." .Kit was ftir Lrge-ftL.iden?* .Kit wohlgeratheneu Geschwüren", war die Antwort. .Gas . . . mit Geschwüren?* fragte er verblüfft. .Nun, was wundem Sie sich da?- Al« ich in hitziger -Krankheit lag, bildete sich mir so ei» -uswucbs, der mir viel zu leiden, gab- Mein Arzt jedoch zeigte sich darüber höchst beglückt, indem er behauptete, daß so was die innere Hitze ibsorbire .Das ist werth ein Tausend^!" ries er begeistert aus. Se>t ich den wahren Lftrth einer solchen Sottesgakl« erkaunie, da ja ein Arzt sich gewiß auf die Wenhschätzung solcher Dinge am besten versieht. Ueß ich sie mir -nicht mehr leichtsinnig entgehen, und zählte für. Stück für Stück. In der That wuchs mir jeden zweiten, dritten Tag so ein neuer Tausendguldcu-Coupou nach, so daß ich im Lerlaufc einer kurzen'Zeit, der glückliche Besitzer von zehn solchen blanken Tausendem geworden bin. Diese mögen die heiligen Brüder untereinander vertheilm. Möglich übrigens, daß mein Arzt, der ihrm wahren Wcrch kennt, sie eskomptircn wird." »Ich brauche Dir nicht erst zu faxen, daß der heilige Bruder mit langer Nase abgezogen ist; aber da« edle Herz wollte nichts wissen von dem. was die boshafte Amge gesprochen, denn als man nach seinem 3!ot* das Testament erbrach, sand man, daß er die Wohlthätigkeit«anstaltm mit zwanzigtausend Gulden bedacht hatte, mit baarem Gelbe und durchaus nicht mit jmen Werthgegensländm!" .Dieser Zwiespalt" fügte mein Freund hinzu, .lebte in seinem Wesen bis zu seinem letzten Athemzuge. — Jetzt ober regt sich weder seine Zunge noch sein Herz; beide ver. modern in stiller Eintracht." .Nein" widersprach ich .sein Herz vermodert nicht; eS lebt im Andenken der Mitmenschen, in den guten Wacken, die cs gestiftet. cS lebt —" ,A, schon wieder di« abgenützte Phrase Unsterblichkeit, — laß es. Freund, gehen wir lieber rin Häuserl weiter!" folgte ihm vor ein andere« Grab hin. .Oho!" rief mein Freund .wer ist der große Herr, der sich hier so brest gemacht hat? — lies doch einmal die stolze Firma hier!" „Ich las: .Hier ruhet der Fürst der Gemeinde, der berühmte, dir ttrom der Schöpfung, der Wetze und Schriftgelehrt« NN" „Wie aoer der nach dem Tode avancrrt ist!" lachte mein Freund »diesi fürstliche Hoheit ait der Schüpfungskroue auf dem Haupt«, habe ich r» Leben als einen ganz erbärmlichen Knauser gekannt. — Sage man noch; daß hier im Achen kein« Dankvarkat vorhanden tzt! Haben ihn ja seine Linder zum Lohne dafür, daß er chnen die fette Dürft zurückgelaffen hat, in den Fürstenstand versetzt, in deu Rang emes Weift» und Schriftgelehrter.. — Wie schade, daß sie ihm nicht diese Grabschnft l och beim Leben zum lese» vor« gelegt haben — doch, Apropos! da» würe ja gar nicht möglich! ..." .Und warum?" .Weil dieser Schriftgelehrte hier auf Erde« noch nicht lesen konnte!" .Da« ist drollig!" lachte ich. .Drollig zum aus der Wat lauft»!' fügte er hinzu. .Warum zum aus der Welt Vntfc»?* .Weil diese Welt ei» Tollhaus!U!" - .Und einer; der in dieser Welt einzige Gescheit» zu sei» ^saabt, im* ist der?" 2.* ._amt ist sie ftr wieder (ein .So' machte er, eine Bemerkung derfthlucke»b«.tr fügte er leicht h«zu .ich will «ft Dir darillftr nicht rechte».^ Schauen wer. uns lieber die Dinge dort weiter an. - (Foetfttzung folgt.) . «ittchh. RaMau ,»s »er $tti »er «tzM Rntzla»» nk Hwabra. S2} „ B*n H. V«r>er <ftonkv»»g t .Sehen Sie,' sagte die Amme, das Kind liebkosend,, .es hat auSgefchlaftu und blickt-um sich, als ob rsem Jahr alt wäre.' Ganz glücklich dlicktei-dft Mutter anf chr-. Kind und versuchte einen leidenden Zug in deffen Gestchtche» zu finden, aber vergebens. Sie nah« das Händchen und kiebkosetc dasselbe und als sie den kräftigen Druck brt kleinen^ Wesens fühlte, da war sie zustftden. .Kommen Sie, Anna, lpffcu Lft unS in'« Zimmer gehen,; da« Kindchen wird hungritz sein/ .Noch ist es nicht hungrig: lasten Sie e« noch eine,< Weile die gute Lust genieße». Wenn es Hunger hat, meldet H es sich von ftlbst." Nitjam war damit einverstanden. Die Amme setzt« ftchl neben sie, so daß sie mit dem Kleinen spielen konnte. .Misten Sie, Anna" begann plötzlich di« Dame, ,, ich Sie beneide.. »Sie beneiden mich, warum?" ftagte diese lachend. »Weil Wie mein Kind nähren ge^ne tfitff diese heiligste Mutterpflicht erfüllt, tut mir dft Liebe meines^ Kindes verschafft hat. Es wirb nur Sie wahehasr lieh«, und ich werde ihm nichts seist als eine gute Bekannte, #4 welcher es sich nicht fürchtet," * .Rein, gewiß nicht", entqegtiete die Amme. .Sie sind immer die Mutter, und dir Stimme ver Natur läßt sich nicht verleugnen." .Nicht? Sie wisse» das nichts bester Und ich jage Ihnen, etc Stimme der Natur läßt sich still« mache«. Haben Sie noch nie gehört, daß in Tiergärten Tiere an einander gewöhnt wurden. die sich im Freien tödtlich hass«^ und verfolgen? Hat nicht eine Hündin einen jungen Löwesi^ gesäugt und sich dadurch die Lieb« und Zunagung des König der Tiere erworben? Wo bleibt da die Stimme der Ratnr Rein, Anna, di« erste Liebe «eine» Kindes rauben Sie ohne daß Sie e« wollen und darum beneide ich Sie. beneide Sie um ftden Dankesblick, den da« gesättigt Kini Ihm« zuwirst, ich beneide Sie um da« Gesiihl, man sättigen zu können. Ach; wenn doch all« junge Frauen denken und fühlen würden, wie ich! Wenn all« doch ' große Glück.einsehen würdn, welche« Gott ihnen scheu wenn sie in der That Mutier sein können. Nutzt dir Mutter, «elche dem Kinde da« Leben aiebt, sondern welche ihm da- Lebe» erhä lh <« in« Leben, einführt, da« Leben r«bereitet. In alten Zeiten ga gab tt Mütter; unser jetziges Geschlecht hat nur wenig Mütter zuweiftn, beim dft jungen Frauen könne» oder wollen Mnttrrpfldchien nicht «rsülle» und entbehre« deshalb schönsten Matte^glücks. Und ick bin auch eine von diesen? — Thräne» rollte» über dft bleichen Wangen der ' Fra», so daß dft Am»« ängstlich «irrd« und sagte: .Regen Sie sich doch, bitte, nicht so sehr aus; Eft puste»^ »ft «ustegung Ihnen, schöbe». "> Da begann da« Kind zu schreie» und dft U«me sich, um mit ihm in« Zimmer zu gehen.' Michtz» btftb ihre« Platz sitze» und ^toemte.

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