Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 52 (23.12.1892)
- Date
- 1892-12-23
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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schon vor Monaten gesagt, eine sicilianische BeSper oder eine Bartholomäusnacht — b. h. eine Massenermordung aller Juden — sei ausgeschlossen, ergo sei der Antisemitismus Unsinn, eitel Renommage. Merk», 16. Deccmber. (Berliner Briefe.) ,Wir feiern heute das Ehanukasrst, wundert Euch nicht, daß ich sage wir» — Ehristen und Juden, — denn wäre lein jüdisches Volk, wären keine Makkabäer, so wäre auch keine Maria und kein Joseph, und kein Engel Gottes hätte die Gottheit auf Erden verkündet." Als» sprach Frau Rahida Remy im Verein .Esra" am Mittwrch, den 14. December zur Ehonukafeier dieses sich bekanntlich ,national-jüdisch" nennenden Vereins für die Colonisation Palästina'«. Man muß billig darüber staunen, daß eine Christin in die Heike Situation gebracht wurde, den religiösen Vertrag an einem unserer denkwürdigsten Feste zu halten. Sollte Berlin keine jüdischen Gelehrten mehr haben, welche aus unseren eigenen Blumen Erquickung nnd Labung spenden kvnnen, und würde sich nicht zum Mindesten gegen die von dem Verein ,ESrasür diesen Festvortrag aufgebrachten Emolumente ein Kandidat oder ein Student mit rhetorischer Begabung ge» ftrndcn haben, der den cr. 700 Personen, welche am Mittwoch im Verein junger Kauflrute versammelt waren und das Lied ״Moau!■ Znr“ sangen, einen onzemcsscneren Text für die Chanukafeier vvrgetragen hätte. Wir haben nichts gegen Frau N. Rrmy, mit der jetzt hier eine Art Kultus getrieben wird — spricht sie doch in tem orthodoxen Verein ״Machsik• TanroL“ über das ״jüdische Weib nach dem Talmud, — diese Schriftstellerin hat ihre anerkenoenswerthen Verdienste, aber wir müssen gegen eine Verflachung unserer religiösen Idee prrtesticrn, ta wir doch noch nicht so weit wie in Amerika sind, wo christlischt und jüdische Reverendmit ihren Kanzeln tauschen. Herr Dr. Hirsch Hildesheimer erschien erst na cd drm Vortrage, dem indeß, wie wir hören, Herr Robb. Dr. Lohn, Lrh-er am HildeSheimer'schen Rabbinerseminar, beiwohnte. Frau Remy erhielt schallenden Applaus und ver» ließ dar n daS Fest, das im Uebrigen einen!ehr gelungenen Verlauf nahm. Es ließen sich auch noch verschiedene Redner vernehmen, deren Ansprachen vom Pulsschlag national-jüdischen Geistes getragen waren. — Während im Allgemeinen hier ein Abnehmen der unter jüdisch״»al>onaler"׳ Flagge segelnden Bewegung der Zionisten zu konstatiren ist. erstarken die erst seit kurzer Zeit bestehenden Vereine für ״jüdische Geschichte und Literatur" in erfreulicher Weise. Der hiesige Verein begründete am 17. December einen Zweigverrin in Charlottenburg. Eine Publikation des Berliner Hauptvereins ist in Vorbereitung. — Bezüglich der Neuwahlen sür dos Repräsrntatrn-Kolle- Sunt sei bemerkt, daß Herr Professor Lazarus vor den tahlen zur Repräsentanten-Bersommlung aus Gesundheit-- rücksichten resignirte; die Herren David Hirschfeld und Geheimrath Maren se mußten den vom ״Central-Verein" vorgeschlagenen Herren Landschaftsmaler Boden st ein und Banquier Martin S i'm on Platz machen. Als Strllvertrrter sind zehn vom ״Ccntralveretn" und nur fünf von den ,^Liberalen" durchgekommcn, wobei bemerkcnswerth ist, daß als Erster ein Kandidat des .,Centralvereins" einberufen werden muß. G-.S. Merkt», 20. Dec. (Or.-Cor.) Der.Centralvereinist bestrebt den Erfolg bei den letzten Repräsentauten-Wahlen tüchtig auSzunutzcu; er erläßt soeben ein Circulair, in welchem er zum Beitritt auffsrdert, worin es heißt: .Die Mehrheit ver Wähler hat sich für unsere Bestrebungen ausgesprochen; jetzt also gilt es deren Ausfühl ung zu erwirken! Unsere 2 hätigkeit soll dauernd dahin streben, die Gleichgiltigkeit gegen dir Interessen unserer Gemeinde zu bannen den Sinn für lue Bedeutung der hohen Aufgaben de- Judenthums zu wecken. Wichtig« Ausgaben Hot die Gemeinde-Bertretung auSzu» führen, deren tzgensreiche Erledigung nur bei reger TheilnahmeJ der Gemeindr-Mitglieder erhofft werden kan«. Unser Verein soll Fühlung unterhalten mit den berufenen Vertretern, er soll das Organ sein, welches den Repräsenkanten die Wünsche ihrer Wähler übermittelt, welches der Verwaltung die Mühe erleichtert, geeignete Männer zu finden, die dem Sr.neinwohl ihre Dienste gern zur Verfügung stellen. Unser Verein erstrebt, daß die Gemeinde-Berwastung ihre Fürsorge allen religiösen Richtungen in der Gemeinde (auch der ,Reform"?) ausreichend zu Theil werden lasse u. s. w. Unterzeichnet ist bas Circulair vom Vorstand des Centralvereins: Jul. Oppenheim (Vorsitzender), I Wein» berg, W. Goldschmidt, M. Berg, S. Berael״ I. Blumenthal, S. Taro, A. Goldstei n. Ober-Postsecr. M.Jacobius, S. Leichtentritt. A. Loewrnberg, Dr. Rosenkranz, Tonr. Schayer, S. Simmel.*) Mreat«, 20. December. (Or^Corr.) Heute Abend versammelte sich im großen Saal« des Tonccrthauses ei» überaus zahlreiche» Publikum zur Begehung einer schöne» Chanukafeier und Beschrnkung von ca. 1 so armen jüdischen Kindern. Unter Harmoniumbegleitnng zündete Cantor Trrini die Lichter an, worauf Hr Rabbiner Guttman» in kerniger Rede die Jugend ermahnte in den Wege» der Tugend und Sittlichkeit zu bleiben und die Liebe und Be» geisterung für der Väter hohe Ideale zu pflegen. Das lehre das Andenken an die Makkabäer und an den Jugend» und Tugendhelden Joseph, deffen Geschichte im jüngsten Wochenabschnitt gelesen wurde. — Nach der meisterhaften Rede sang Lerini das Lloauu Zur mit mächtiger Stimme, worauf ein Mädchen den edlen Gebern, in eine« Gedichte, den Dank für das schöne Fest aussprach. Alsdann folgte die Bewirthung der freudestrahlenden Kinder and die Ver» abrrichung der für jedes Kind nach Maaß angefrttigten voll» ständigen Bekleidung. Die Gaben lagen schon seit 3 Uhr aus. — Herrn Theodor OschinSty, dem Vorsitzenden de» c Chanuka-Komitee'S, gebührt für die mühevoll« Beschaffung der Gaben und Herrichtung des überaus gelungene» Feste« der wärmste Dank nicht bloS der Beschenkten sondern aller Theilnehmer an der Feier. Aürfte«»akde a. d. Spree, 18. Dec. (Or.-Lor.) Vorige Woche hielt Hrir PredigerWolss, von christlichen Bürgern aufgeforder«, hier etnen Bortrag über den Talmud; nahezu 1000 Personen auS allen Gesellschaftsklassen und von allen politischen Parteien, —höhere Offiziere, derMagistrat, Lehrer-». — hatten sich eingefunden und lauschten den 1'/,ständigen Bortrag. Das hies. conservative Wochenblatt schreibt darübr: .HerrWolff gab ein aussllhrliche« Bild über dir Entstehung, de» Inhalt unb da« Berhültniß des Talmuds zu den «ußerjüdisqen Kalle» und brätle außerdem zahlreich« Allegorien und Lprüchwörter ans jene« Werte. Ferner berührte er den jüdischen Eid, Patriotismus und di« Urbettsiteb« de» Judenthum». Was in de» Ausführungen richtig ist oder gefärbt, kSnnen w>r nicht beunheile». Daß der Redner sein Thema vollauf beherrscht und mit Begeisterung sür sein Judenthum eintritt, ist ja natürlich. Freilich hat der zweite Redner. Herr Alexander Berg au» Berlin fast sämmtliche Beschuldigungen gegen den Talmud aufrecht erhallen und krassenBeispiele über dieBalerlandslofiglei« mehrerer jüdischergournalifte« 1 re. angeführt. Der erste Redner konnte nicht mehr zu Wort« komme», denn nun brach ein Sturm lo», darin kein Mensch mehr ein vernünftiges Won hören tonnie.- Der genannte Antisrmitenführer ist der Sohn einegetauften Juden! Er hatte einen ganzen Waggon voll Berliner Radau - Antisemiten mitgebracht, die während des Vortrags sich ruhig verhielten, aber nach den Ausführungen ihres Führerden ersten Redner nicht mehr zu Worte kommen - ließen. Es wurde die Parole ausgegeben: nirderschrrten! und das wurde gründlich besorg:. Der Bortrag bildete hier nnd in der gouzen Umgegend noch lange das Tagesgespräch ") Die Herren Bergel und Simmel gehören «um General-Tomlts des B'nai V'ris-Orden», uud so erklürt sich auch dir Wahl des Logen» brudersBodenstet», der mit de»Genau»»» der Montepore-Log« aa» gehör!; ote Palm« de« Liege» gebühr» so»ach zum größten Theil »er »i« Stille«- wirkenden — Log«. ' ׳ Tri -na:/