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Israelitische Wochenschrift · 1892-12-23 · 52 (23.12.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
52 (23.12.1892)
Date
1892-12-23
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 41Ö — «ad wurde am ntichsten Ab-nd ia der cooservativen Versammlvng Gegenftlnd einer Besprechung, in welcher ein General von Blücher einen Bortrag über die Aufgabe der conserv. Parte! hielt, worin folgende Worte vorkamen: ,M. H! Ich had: gesucht mich über di« jüd. Siitenlehre S informiren und zu diesem Zwecke den Bortrag de- Pred. olff über den Talmud aogehürt. Ich weiß nicht, worüber ich mehr erstaunen soll, über dieFrechheit diese- Juden- Prediger-, wie er über die Lngnffe a«en da- Judenthum urtheilt, oder über .die Geduld de- Publikum-, da» 1'/, Stund«, zuhSrte.* Am anderen Tage erhielt der General folgenden Brief de- Prediger- Wolff: .80). Hochwvklgchorrnl verschied«»« Mitglieder der konservativen P«rtei bertchu» mir H* Miitheiluug, d«ß Sie in der versammiung -bei der Beunhettung «eine» vortrage« folgend« Kritik geübt (folgen »big« Worte). Herr 4k»tratt Ich bin Jude und eben so strlz aus «eine Abstammung, nie Sie aus Ihre» Adel; ich bi» auch Geistlicher einer jüdischen Aemeirde u»d habe die Pflicht, gegen di« bdswilligen und verläumderischra Angriff« unserer Sinenlehre zu Felde zu ziede». 8« ist mir unglaublidi, daß ein Ldelmanv, eia Mitglied lener Ge» stllschaftaklasf«, vo» der da» Wort noble•«« oblige gilt, den versuch eine» pflichttreuen Beamten, der ia schwerer Zeit seine Re'igion vertheidigr al« Frechheit bezeichnet, und ich bitte in briderseitigem Interesse u« gütig« AnsNüntng" Der Herr General von Blücher antwonete: ,Lw. Wohl geboren erlaub« mir znr Nachricht zu geben, dass meine Worte folgende war«!: Ich weih nicht, worüber ich «ehr erstaunt sein sollt«, über die.ll»verfroren beit u. sw. Da« ist heule »och meine Meinung. Mi» ihren sonstigen «utlaffungtn bitte ich Sie «ich für di« Folg« in Nuh« zu lasen. Ergebenst von Blücher. Hierauf replic rte Herr Prediger Wolff: Ä». Hochwohlgeborenl Ueber die Retruienjahre bin ich hinweg »nd habe darum kei» flierstiludnib «ehr für dt« Worte eine« militärischen Borgesetzien, wenn er «in schweig' er! mir zurust. Sie haben mich - in össrutlicher Bersameilung!xleidlgt. und wenn mir auch gerichtliche ■ Schritt« unsympathisch sind, so habe ich doch da» Recht, Ihnen meine Meinung darüber nichi vorzuenthalten Ich kann nur!nein -iedauera darüber au»sprechen, dass solch« ׳Worte überhaupt fallen konnten; aber sie sind ganz im lSeifte de« neuen Programm« der consermtiven Partei, da« ja aubdrücklich selbst die Au»- schretmngrn de« >ntise«»i»wu» billig». E« Ist bedauerlich, dass Ihre Partei vergessen hat, daß einst «in Jude (Stahl) dee Vater de» llonservaittmu« war, datz di« Lehre diese« Juden von dem .chriftlsthen Staate" heute noch bet Ihnen al« Dogma gilt. Die Früchte der deinagogi scheu Bestiebuageu aller extremen Parteien '׳»erden die Soclaldemokiaten ernten und da« tat« wird sein — dl« sociale Revotutioal Mit dieser mir »llthig ershetiienden EiklLrung bin ich meinerseit«!mit Ihrer Kritik fettig" Affe«, 20. Dezember. (Or-Eori.) Die von der hies. Gemeinde am letzten Mittwoch im v. d. Loo'schen Saale! veranstallele Chanukaftier erfreute sich zahlreicher Bktheiligung, r'" besonders seitenter Schuljugend. Eingelcitet w^rdr die ״■־ Feier durch da» Anzünden der Lichter und gemeinschaftlichen .!.Gesang von MoauS Zur. Herr Pred. Blumenfeld vielt hierauf rin« der Bedeutung de» Tageentsprechende zu Herzen gehende Ansprache. In bunter Foige wrchsrlten sodann lebende Bilder, ein Theaterstückchen und Deklamationen, welche von kleineren und größeren Schülern xr i-r. Volksschule und einigen Töchterschülerinncn sehr sckvn c »-geführt und mit reichem Beifall bedacht wurden. Ä)aS Fest hatte den Höhepunkt erreicht, al« sämmtliche Kinder mit Kaffee und Kuchen bewirthet wurden und ein Sextaner in ■pe dem Komitee den Dank v aller Kinder für di« gebotenen Genüffe aussprach. Namende- Gemeindevorstaiides sprach Herr Isaak S. Hirschland . den Spendern und Beraiistaltern degelungenen Festes den besten Dank auS, wührend Herr S. Schwarz m einem Schlußworte die Kinder ermahnte, ihren Dank durch Fleiß f. und gute- Betragen in und außer der Schule zu zeigen, ■׳ dann sei enicht ausgeschlossen, daß auch Purim ein -ühngliche« Fest gefeiert würde. Am Tage vorher wurden in aller ^Stille «. 40 bedüistige Kinder mit vollständigen Anzügen,! Schuhen, Leinen re. beschenkt. — In unsere! Gemeinde wurden in letzter Zeit drei Pred. Blumenfeld im Sewerbeveteiu als II. Borschender einstimmig wiedergewählt. wordenHerrJs.S. Hirshload I. Borsteher der Gemeinde al- Stadtverordneter und Herr /Uwk«r»ß«. (Baden) Lin seltene- Jubilü««!, da- 50 jährige, als ehemaliger Rabbiner in Karl-ruhe, seiner Vaterstadt, und jetzige» theologische» Mitglied d. Gr. Obmcathder Israeliten Baden-, feierte am 8. d. M. unser Obecrath*- Mitglied, Herr Rabbiner B. Willstädter. Mehr!1(» ei» Menschenalter, volle 32 Jahre, bekleidete er da- Amt de- Rabbiners, in welchem ihm die persönlichen Mühen und Tämpse de- Seelsorgerunserer Zeit nicht erspart geblieber sind. In dieser langen Zeit ist cr eifrig bemüht gewesen, ia den religiösen Kämpfen der Gegenwart vermittelnd einzuzreife». Nach dieser Zeit in den grobherzoglichen Oberrath («rufen, weiht er seitdem seine Kraft und sein Talent den allgemeinen Interessen des Judenthums in Baden. In dieser Zeit haben auch zahlreich« Seminaristen, die heute als Lehrer und Kantoren wirken, seinen badenden Unterricht in den Religionsfächern genossen. Seine Freunde und er selber fast sind von de! Thatfache überrascht worden, daß der 8. December der Ta( seine- 50 jährigen Jubiläums sei. Bescheiden hatte der Jubilar gewünscht, diesen Tag still vorüber gehen zu lasten. Rechtzeitig waren noch Freunde und Angehörige herbelgeelt, den Ehrentag ihm mit ihrer Gegenwart zu schmücken. Behörden und Vereine hatten sich beeilt, ihn mit Adreffen zu ehren. Zahlreiche Depeschen, Glückwünsche und Festgedichte liefen eia. Bon Se. kgl. Hoheit dem Grohherzog ist dem Zubilar noch eine weitere bolje Ordensauszeichnung zu Theil geworden. Möge eS dem greisen Jubilar auch von Gott «schieden sein, sich noch recht lange in verjüngter Kraft und steter geistiger Frische de- Besitzes so hoher Ehren zu freuen! £«« Höer-Kksaß, 15. Dec (Or.-Corr.) Endlick, ist der Schleier gefallen, der die tragische Affaire Blanche Kahn in Mühlhausen über 8 Tage in Dunkelheit hüllte. Liekannt-!ich wurde genanntes Kind am Samstag vor 8 Tagen von einer bis jetzt noch uncrmittelten weiblichen Person auf offener Straße entführt, ohne daß man auch nur eine Spur von dem unglücklichen S jährigen Kinde gefunden hätte, trotzdem einigc vorncvme Fabrikanten und Bürger (aud) Nichtjuden) 4000, der Staatsanwalt 1000 und die Eltern 400 Ml. auf das lebende Zurückbringen der Verschwundenen au-gesetzt hatten. Nun fand man letzten Sonntag, nachdem nichtunversucht blieb, da- Kind tot im hiesigen Kanal. ES ist unmöglich die Entrüstung, Theilnahme uud Trauer sämmt» licher hiesiger Bewohner und der Umgebung zu schildern. Und erst dir Eltern! Wer wird diese trösten können? Einem gewaltigen Pilgerzug gleich gestaltete "sich da- Leichenbegängniß am jüngsten Montag. Dem Zuge voran gingen die Vorsteher, dann folgten hinter dem mir Blumen und Kränzen übersätcn Sarge ver gebeugte Vater mit den Geschwistern, hierauf der General neben dem KreiSdirrktor (Laadrath), Bürgermeister und Gemeinderath, Geistliche, Notabel״ rc. Der KreiSdirrltor eilte dem Vater, der vor Kummer fast zusammenbrach, zu Hilft. Dies sei zur Ehre des gutgesinnten Herrn hiermit öffentlich ausgrsprothrn. Herr Rabbiner Mock spendete den Hinterbliebenen auf dem Friedhöfe in einer ergreifenden Ansprache Trost. Möge der Allgütige die gebeugten Eltern wieder ausrichleri! Wie die Untersuchung der Leiche ergab, ist ein thierischer Lustmord an dem Kinde verübt worden. Dassel!« wurde noch lebend in- Wasser grworftn, da dir Speiftn noch verdaut bei ihm gefunden wurden. Mehrere der ruchtssen That verdächtige Personen wurden verhaftet. — t» Mt

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