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Israelitische Wochenschrift · 1892-12-23 · 52 (23.12.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
52 (23.12.1892)
Date
1892-12-23
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Bcnlänflg nur ttutae 8r«erkang!n. Der geehrte Berf. vergibt, daß es innerhalb tag deutschen Judenthum« keine Autorität giebt, die für dir Sesammtheit da» Wort ergreifen, die auf den Einzelne« wirken könnte. Besonder» in Preußen kümmert sich di« Regerung um die kirchlich« Verfassung der Juden fast gar nicht. Die deutschen Juden hängen auch gar nicht so'zus,immen, wie e» unsere Gegner glauben oder zu glauben vorgeben; c» ist gar nicht s» leicht, daß ein Jude aus den a adern Einfluß gewinne. Im Uebrigen existiren in unzählig m Gemeinden Vereine und Stiftungen zur Förderung de» Handwerke»; so ist z. B. ein weltberühmter Schlosser in Berlin von einem solchen Verein einer Pofener Gemeinde für seinen Beruf ausgebildet worden; wenn die Bereire nicht sr erfolgreich sind, als wünschenswerth wäre, so liegt die» in dem Niedergang de» Handwerkes überhaupt und in den Schwirrigkeiten und Hemmnifsen, die sich dem jüdischen Handwerker insbesondere entgegenstellrn. Ferner hält uns der Vers, vor Juden in bevorzugter Stellung haben, obgleich sie es häiten thun können, nicht das Zeugniß abgegeben, daß es der Reichs» und der preußischen Regierung nie und nimmer einfaüen werde, die den Mit- Sliedern jüdischen Glaubens verfassungsmäßig zugesprochenen!echte zu beschränken. Ist der Vrrwurf wirklich gerechtfertigt? Ter Antisemitismus ist dm׳ch der Regierung sehr nahe stehende Männer vor anderthalb Jahrzehnten wachgerufen und gehegt vorten. Stöcker war nicht schlechtweg ein Mann wie jeder, andere, sondern er war Hofprediger und hat sich gebrüstet mit dem Vertrauen der höchsten Persönlichkenen, überall waren Beamt: die Rädelsführer der Antisemiten; während in früheren Iahten viele Juden Offiziere i» der Reserve wurden, hörte dies, als Graf Waldersee ein mächter Mann im Grneralstab ward, auf; vielfach sind Aeußerungen höherer Beamte verbürgt, daß jüdischen Bewerbern Beförderung in Aussicht gestellt würde, wenn sie eben auf- Hünen, jüdische Bewerber zu sein. Da war eS doch zu manchen Zeiten und manchen Ministern gegenüber nicht ganz leicht, die Bürgschaft zu übernehmen, daß die Rechte der Juden nicht an getastet werden sollen.. Jndeß wir freuen uns herzlich, daß der offenbar in politischen Kreisen wohlvertraute Vers, des vorstehenden Aufsatzes diese Bürgschaft übernimmt. Sodann sollen wir uns bemühen, die schlechten Elemente in unseren Reihen zu discipliniren und womöglich einzu« schüchtern. Wir geben uns alle Mühe, dies Bestreben dringt nawrgeniäß nicht in die Oeffentlichkeit; der Erfolg läßt sich ja ziffernmäßig nicht Nachweisen, aber er ist vorhanden; freilich wenn spektakelhaste Scribenten, die vielleicht von Juden abstammen, Aergerniß erregen, waS kann die Judenheit dafür! Sehr viele, die uns am meisten schaden, sind nur Juden dem Namen nach und hoben gar keine Be- Ziehung zu unserem religiösen Leben. — Ls wird eine Erklärung von »autoritativer' jüdischer Seite verlangt; wir haben schon oben gesagt, daß die Regierung in Preußen alle« gethan hat, um das jüdisch-religiöse Leben zu atomisiren; nichts drstoweniger wollen wir die Anregungen, die uns in dem obigen Artikel gegeben werden, sorgfältig beachten, und sind für den guten Willen und Rath dem Berf. aufrichtig dankbar. Oft genug ist in diesen Blättern hervorgehoben worden, daß wir Juden keiner bestimmten polltischen Partei angehören, das wir gern loyale Bürger sein möchten, wenn man eS uns nur gestattete. — Wir Hallen fest zuKatfer rrnd Reith; in der Liebe zum Vaterlaude vermag uns kein Antisemitismus Waukeud zu mache»! Zwei Keschichten «ms jüngster Zeit. Ju jüngster Zeit trieb eine geraume We'le hindurch in deutschen Reichshauptstadt ein indischer Eharlatan sein sich regen Z ' oer Wesen, und erfreute sich regen Zulaufs. Jeden Augenkrankcn, 0׳ leidst Blinden erbot er sich in povlphasten Reklamen zu «itl heile». * Gnädige Götter, so versiehe,!« er. hatte» lhu er und den Stein der Weisen finde« lassen, vor tarn jedes der Augen weichen müsse. Der Gaukler trat mit jener ponirenden Bestimmtheit auf, wie sie de« Menschen eherner Stirn und unbiegsamer Frechheit eigen ist und darum nahm er bald die blinden Mafien gefangen, die wie^ sie von je die Edlen und Erhabenen gekreuzigt haben undj verbrannt, den lügenhaften Frechling ans da» Schild der ' Popularität erhoben und ihm zujauchzten al» de« Befreier.' Credant, qaia abrardam .... De« stechen Gaukler» Treiben überstieg, weil seinem TäuschungSspiele man freie Bahn gewähtte, gar bald die Grenzen der Harmlosigkeit. Mit festem Trifte packte iha daher di« Obrigkeit, entlarvte seine Betrügereien und verwie» . ihn aus den Grenzen des Reiches. Doch wenig Dank erreichte sie mit dieser Maßregel Die Blinden jammerte« über den verkannten Göttersohn, den die Bosheit seiner ein-? flußreichen Feinde inS Verderben gestürzt hätte, und ihre Verehrung für den Lügner ward zur Änderung .... Heil Dir, o Goolam Kader! Und wieder erschien iu den deutschen Landen ein Mann ' mit eherner Stirn nad flüssiger Rede und trat vor da» Volk und kündete ihm, daß er der Messias der Germane«' sei, der die Wurzel alles sozialen Nebels entdeckt habe und sein Geheimniß, durchwachter Nächte schöne Frucht, dem Bolle offenbaren wolle. Und Mil er Mitleid fühle mit den Armen, so wolle er sein Universalrecept gar billig fortgeben: für 3V Pfennige gesprochen, für öü Pfennige geschrieben. Und die Massen strömten herbei und lauschten ihm, denn nun sollte ja alles UebelS Ende gekommen sein. Wie lautete des WundermannS Recept? . . . Tod den Juden! . . . Tod den Juden, die die Cholera in da« Land geschleppt und Wetzet» Untergang herdeigeführt haben, Wetzels, des edlen Patrioten der That; die den Deutschen die Freiheit geraubt haben, daß ihre Besten in di« Zuchthäuser wandern mußten und in die Gefängnisie; die Juden, deren grüßte- Bergnügen es ist. kleine Christenkinder zu ermorden und große Bazare einzurichten, zum Ruine der Teutonen. Die Schaar der Gläubigen wuchs und sein Erfolg steigerte des frechen Gauklers Muth zum äußersten. Die leichterworbene Popularität — nie war es schwer des Pöbels Gunst sich zu erringen, verstand einer da» Werk, ihn mit dem CircuSspiel des Klatsches und der Sensation zu unter« halten — kitzelte die Eitelkit des sozialen Eharlatan«. Und immer maßloser ward, was er in rasfinirter Form den seusationsbedürftigen Massen vorzutragen sich erkühnte. Da endlich, nach langem Zaudern, viel zu langem Zaudern, griff auch ihn die obrigkeitliche Gewalt und von dem verlogenen Antlitz riß man ihm die Maske der Ehrlichkeit und Vaterlandsliebe. Doch nicht für seine Treuen, die seine Opfer sind. Sie jammerten nach ihm und schwuren, daß Juda'S, des verruchten, Tücke ihm den Befreier listig «nttissen hätte. Bor einiger Zeit da trafen sich in der, Friedrichstraße in Berlin, wo man gemeine Schriften feilbietet und arfährliche Geheimmittel, zMi Männer. Keiner von den Beiden kannte den anderen, doch als sie sich erblickten, da lächelte« sie mit jenem verständnißiunigen Lächeln der Auguren und nickten sich freundlich zu. Der eine dieser Männer hieß Goolam Kader, Ahlward t der andere. G. P. i 's ■i 3 :3 Berichte und Correfpoudeuze«. Deutscblauv. Magdevarg, 18. Dec. Au« Petersburg wird uns folgender »glänzende Sieg" mitgetheilt. Am vorigen Dienstag versammelte sich das Eomits de« yies. Thierschutz-Bereia«, u« endgiltig frstzustellen, welche Tödtungsart den Thieren die wenigsten Schmerzen verursache und am schnellsten und leichtesten vollzogen Mrde. Es muß zum Berständaiß der

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