Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 51 (16.12.1892)
- Date
- 1892-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/6492344-5935084-5959833--1368-5375271- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
«bm, Do» Zusamureng«h>ur mit Auruhr und Luge ist »ei einer frommentzPartei — Tartüfferie. Unter den sonst ehrl chen Pharisäern der allen Zeit gab e» eine Klasse von sogen. Gefärbten (Zebnim), die Schlrchtigftiten wie Simri begingen und dafür Gotteslohn wie PinehaS verlangten. Unter diesen haben viele nur aus Furcht Frömmigkeit geübt. Die ehrlichen Pharisäer aber erkannte man an der Liebe, mit der sie die Gesetze achteten. Und gewiß, wie man den Pk^risäern unrecht thut, wenn man sie sammt und sonders als Hcuchlcr und Scheinheilige brand» mark, so wird rin großer Theil der Konservativen eS wohl noch ehrlich meinen mit der Frömmigkeit, die nicht irdischen «n dient und nicht blos Handwerk und Geschäft ist. , die heiligen Eifer von Fanatismus, HcrzenSsrömmigfeit von Scheinfrömmigkeit zu unterscheiden wissen, ergeht wein Mahnruf: Viaoaur conaul•«!*) — 8*. Nr m Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Magd«»«r§, 13. Deeembrr. Di« grelle Beleuchtung, in welcher der Ahlwardt - Prozeß das ocrlüumderische und demagogische, vor Diebstahl und anderen Berbrechcn nicht zurürkschrrckende Treiben der Antisemiten erscheinen ließ, so» wie das unmoralische und ui,patriotische Kartell, welches die .Edelsten der Edeln" dir c. nscrvativ« Zunkerpartei mit dem Ahlwardtianismus geschlossen, haben der Regierung endlich dsch die Augen und den Mund geöffnet In der gestrigen Reichetagssitzung erklär'e der Reichskanzler Graf Laprivi auf di« Interpellation betr. die Brauchbarkeit der Löwe'scheu Gewehre, daß dieselben allen an sie von der obersten Militärdehürde gestellten Anforderungen in vollem Umfange entsprächen. ״M ist »un letzthin Vorgericht versucht worden, dieMtlirSrver- »altnng in unverantwortliche r und ge-oissenloser Weile z« verleumden. Ich kann da» al» «»gehöriger de» deutsche» Heere» und al» Vertreter der auöwäi rige» Politik de» Reiche» nur aus Va» Och»esst« Vraudwarteu." (Lebhafter veifall auf allen Seiten de« Haus«».) Ruch der sächsisch« Krlegömitrister Generallieutenant v. d. Planitz sekundirl« den Reichskanzler, indem er hinzunigte, daß er mehrfach« Ueaöeschiestea bei sech« Reservebatailloae» angeordne». Da» ResulMt war, daß die Löwe'schen Gewehre vollständig gleich wert hig waren denen au» Sraaulfabrtken. .Ich bi» bei dies-n uebungen zugegen gewesen und Hab« »ich« «tu« 8Ut%* gehön, daß die ««wehr« schlecht seiend (H»rl. hiirt!) Beide Herren heimsten großen Beifall link« und im Zentrum ein, während die Rechte, ihrem BundeSgenoffen Ahlwardt zu Liebe, dem sie Treue um Treue gelobt, sich mäu-chensttll verhielt. Die hierauf folgende Debatte über die Mirbach'sch« Doppelwährungs-Interpellation, in welchei Bambrrger'S Red« durch ,hre gediegene Sachlichkeit hervorragte, gestaltete sich durch den Hinweis de» Reichskanzlers auf die Verkuppelung antisemitischer und vimetallistischer Agitationen zu einer/kurzeü »der scharf pointirten DiScussion über Antisemitismus. Der Reichskanzler nahm offenbar absichtlich die Gelegenheit wahr, u» seinem Unmutb über das Treiben seiner conservativrn Freund: auf chrrm letzten Parteitag Luft zu machen. Er verunheilte dasselbe in schärfster Weise, indem er besonder» hervorhob, er thur die», damit man draußen im Land« nicht i« UnNaren über die Stellung der Regierung sei. Seine Worte lauteten: ,34 Hab« Werth darauf gelegt, di« Ltelnna der Reichöregterung »Anttsemtrlömuö (undvtweralltömuö)brauste» de«Land«grorn» , ftpzustelen. Di« «kreiguiffe der lewen Woche, »1« |N *tm Be» Ootzdee«, Mm» ich»» Meeimem «rfatzre» tze»d» kl,hpsl1 Ruf«: Hört, hSnif, habe» «ich bestimmt, nicht hinter dem Warnt zu halte» und zu sage», wie Ich zu dem Dinge steh«. Ich kann «» schr mahl begreifen, bah man Antisemit sein kann, ich kan» e» be- HMistn, dich «an Nlmetallist sein kann, ich kan» «S auch begreifen. Wie sehr dl« heutigen Konservative» sich van ihren Väter», che, Kanservanve» va« Jahre 1847, «»terschrtbe», wie untre» Wri»ztpie» j«»er geworbe», wolle» wir in einem spätere« zeige». (Red.) dast ma» beide» fei» kann (Heiterkeit), aber «,»der >utise«t1i»m«» »der Wmetalliämu» «in« demagogische v-handl»»« erfährt, da»» ist «S י fftt die ReichSregiernug »»möglich, sich de« »ischt zu widerfetze«. u»d e« ist unmöglich zu verstehe», wie sich hMtriOtisch« Männer damit befaffea können" (sehr richtig! link«). Die Rechte schwieg während der Taprivi'scben Rede, charakteristtsch aber war der Rülhug, den ihre Redner (Graf Mirbach und von Frege) hinsichtlich der Judeoftage antraten. Man überließ eS Liebermann von Sonnend«^ den ״ Antisemitismus »dieses feurige Roß" al« staatSrettend zu verherrlichen. Die unfteiwillige Komik mancher seiner AuSführungrn rief große« Gelächter bervor. Der national-liberale Abg. Büsing Übernahme«, dem Reichskanzler dafür zu danken daß er in so würdiger Weis« sich gegen da« antisemitische Demagogenthuni gewendet habe. Ist eS auch zunächst der Trieb der Selbsterhaltung, au« dem h«rauS di« Reichsrrgierung gestern die Hetzereien der Antisemiten verurtheilt, nachdem sie sich bis Dtto in dieser für die öffentliche Moral in Deutschland überaus wichtigen Frage passiv verhalten hatte, so müsien roir es doch dankbar anerkennen, daß die Regi.'rung durch den Mund de« ReichskanzleiS diesen Protest gegen den überhand nehmenden Antisemiti-muS in« Land hinauSrief. Wiederholt haben wir e« betont, daß die staatlichen Autoritäten nachgerade mit Schrecken wahraenommen haben müssen, wie durch die wüsten Lügen und Verleumdungen, mit denen der GeschäfteantisemitiSmu« arbeitet, da« Vertanen in der Unbestechlichkeit der Justiz- und der leitenden VrrwoltungSdehöldeit in den wntesten Kreisen des Volke« erschüttert wird. Ans die Dauer kann e« sich keine Regierung, die etwa« auf sich hält, und die sich für die Erhaltung gesetzlicher Zuständ verantwortlich fühlt, gefallen lassen, in btefer Weife mit dem gemeinsten Schmutz beworfen zu werden. (Siehe Nachtrag.) Nunmehr wird Eaprivi mehr noch als bisher die Zielscheibe gehässiger Verleumdungen ׳seiten« der antisemitischen Radaupreffe werden. ״Kreuzzeitung" und ״ReichSvote" verdrehen bereit« seine Worte und zeihen ihn de» Widerspruch» mit sich selbst, de» unlogischen Verhalten« durch den Hinwer» darauf, daß di« deutsch« Armen-Verwaleung Juden nicht als Offizire zulafft. — Die ״Post" macht der Regierung den allerdings berechtigten Vorwurf, daß sie nicht früher den autisemitischen Treiben einen Damm entgegengesetzt habe. Dieses früher selbst die antisem. Bestrebungen begünstigende Blatt schreibt jetzt: ״Die Schärft, mit welcher Graf Eaprivi die antisemitische Demagogie verunheilte, »vor vom staotSerhaltenden Gesichtspunkt durchaus gerechtfertigt, allein eS wäre ungleich wirffamer gewesen, wenn rechtzeitig und bevor diese so in» Kraut schoß, wie jetzt, in dieftm Sinne vorbeugend eingewirkt worden wäre." Die,ministerielle ״Nordd. Allgem.Atg." schließt «inelängere Betrachtung über den Prozeß Ahlwardt «it folgenden Worten: .Trifft nicht «lne graste Mitverantwortung all« Diejenigen, »mH deren vordtld« Ahlwardt sich herangebildet? »der die zu Hellen H«»fr» zn ihm geströmt sind und seinen Worte» gelauscht Hab», »lö verktnd« er ein lautere» Gvangelium? oder «»blich auch Diejenigen, die, stau sein gemeingefährliche», scheinheilige« Gebahre« »iederzndrückrn, lau von fern stehend, «* gehen «nd treibe» liehe», wie «S eben ging?" Wir theilen den Wunsch de» offiziösen Blatte», daß der Prozeß Ahlwardt zu einem Gewitter werde, deffeu das Land durchfrgender Sturm die Luft reinigen und den gesunde» Sinn im Volke stärken möge. Merk», 12. Dezember. Der Ausschuß de» D. J.G. B. erläßt folgende sehr beherzigenSwerthe Äeianntmachnng, resp. Warnung: ,Durch Mittheilungen au» unseren BundeSgrmeinden haben wir in Erfahrung gebracht, daß Vorstände und Private in einem früher nicht gekanntem Maaße durch schriftliche Bittgesuche belästlgt werden. Die Personen von welchen, unter Benutzung unser«», statistischen Jahrbuches, solche Gesuche ge verb» mäßig umher- .. * geschickt werden, lassen sich m folgende Zkatrgorie» glftder»: